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kale, und nicht bloß der Inhalt der dort gehaltenen Vorträge, sondern auch die Mienen und Gebenden hinsichtlich des AnstandeS streng zu überwachen sind. Für jedes Lied und jeden Vortrag muß eine Erlaub- niß eingeholt werden, die jedesmal nur für das betreffende Lokal gilt. Eine noch wirksamere Maßregel gegen die Tingeltangel ist schon von k ielen Städten getroffen worden. Sie belegen die Vorstellungen dieser Lokale mit einer Steuer, und zwar einer oft ziemlich hohen Steuer, so daß eine ganze Unzahl derseibrn ihr Dasein freiwillig geendet hat. Schwerer wird es der Polizei, einem anderen Unfug zu steuern von dem in diesen nahrungslosin Zeiten wenigstens alle östlichen Provinzen hart zu liden haben, nämlich das Vagabunden- und Bettlerthum. Besonders die Gegend zwischen Berlin und Breslau leidet von dieser Landplage. Doch erschallen die Klagen von allen Ecken und Enden, und namentlich auch aus der Rheinprovinz. Bei den Verhandlungen der städtischen Behörden in Stralsund über diesen Gegenstond erklärte der Pol-zeidirektor, die Polizei thue, was sie könne. Sie habe an einem einzigen Tage 20 Landstreicher verhaftet und habe kaum noch Räume genug, um sie unterzubringen. Vielfach werden zur Winterszeit von Taugenichtsen Vergehen ausgeübt, z. B. grofe kostbare Fenster« scheibm zertrümmert, in der ausgesprochenen Absicht, verhaftet zu wer­den und so freies und geheiztes Quartier zu bekommen (Köln. Ztg.)

— Berlin, 3. Jan. Die Kommission für die Zolltarifreform ist H nte im Reichskanzler-Amt zusammengetreten. Die Mitglieder derselben sind: der Königlich wmttembergsiche @töatgminifle£_ai_$l--§^ Varnbüler als Vorsitzender; der,Eeheime--RrMMlgkrath und Vortra­gende Rath in der Reichskanzlei, Thiedemann; der Geheime Regierungs- rath und vortragende Rath im Reichskanzler-Amt, Burchard; der preußi­sche Geheime Regierungsrath und Vortragende Rath im Ministerium für die landwirthschaftlichen Angelegenheiten, Rothe; der preußische Geheime Ober-Finanz-Rath und Vortragende Rath im Finanz-Ministerium, Jäh- nigen; der bayerische Ober-Zollrath Franz; der bayerische Regierungs­rath Herrmann; der Königlich sächsische Geheime Finanzralh Zenker; der Württembergische Ober-Regierungsrath Lutz; der badische Ministerial- rath Lep que; der hessische Steuerrath Ruckelshausen, der Mecklenburg- schwerinsche Ober-ZoLdirektor Oldenburg, der Großherzoglich sächsische Geheime Finanzrath Dr. Heerwart und der Hamburgische Senator Stahmer.

Außer dieser Kommission werden durch die Reichsverwaltung im Laufe des Januar noch weitere Kommissionen beruft« werden: zum 7. Januar eine Kommission in Sachen der Aversenfrage der Hansestädte Hamburg und Bremen; zum 13. eine Kommission zur Prüfung der Frage wegen Beschäftigung jugendlicher Arbeiter in Glasfabriken und am 17. eine Kommission zur Prüfung der Frage wegen Beschäftigung jugendlicher Arbeiter in Walz- und Hammerwerken. Für die ebenfalls im Januar zusammentretende Kommission zur Prüfung der Frage, be­treffend die steuerfreie Verwendung von Spiritus zu gewerblichen Zwecken, ist noch kein Termin bestimmt; auch sind die Mitglieder dafür noch nicht ernannt worden. (R u. St.-A.)

— (Berbrecherstatistik.) Der Oberstaatsanwalt Giehlow in Kiel, einer der Leiter des Nordwestdeutschen Vereins für Gefäng- mßreform, ist auf seinen Antrag vom preuß. Justizminister ermächtigt worden, versuchsweise im Bezirk des dortigen Appellationsgerichts durch Zählkarten eine allgemeine Personalstatistik der Verbrecher aufzunehmen. In einem Erlaß an die ihm unterstellten Staatsanwälte und Gefäng- uißvorsteher sagt er zur Begründung des von ihm vor geschlagenen Ver­suchs: „Die seit mehreren Jahren wahrnehmbare stetige Steigerung der gesetzwidrigen Handlungen, insonderheit der Verbrechen gegen Leib und Leben und gegen die Sittlichkeit, die bedrohliche Ueberhandnahme des Landstreicherthums und der gewohnheitsmäßig n frrchen Bettelei, die vermehrte Auflehnung und Zuwiderhandlung gegen die obrigkeitliche Autorität haben bereits seit lange die Aufmerksamkeit der Behörden auf sich gelenkt und die öff. Stimmung beunruhigt. Es ist die Nothwen­digkeit erkannt, die Heilung der großen sozialen Uebelstände nicht nur allein von der Repressivkraft der Strafgesetze zu erwarten, sondern wenn möglich den innern ethischen Zusammenhang der Mißstände bis zu ihrem Ursprung zu ergründen. Es kommt daraus an, den Lrbenlauf der Ver­brecher und die Ueberlieferungen, welche schädlich auf sie emwirkten, in ihren Hauptzügen festzustellen, aus ihrer Zusammenfassung und Ver« Aeichung unter einander die fortwährend schä)lichen Einflüsse, den Um­fang und die örtliche Gestaltung des Verbrecherthums zu ermitteln, und hieraus weitere Schlüsse auf die zu treffenden Vorbeugungsmaßregeln zu gewinnen. Der Anfang zu derartigen Ermittelungen ist vor Allem durch die Anlegung einer zweckmäßig begrenzten, sorgfältig dem Ver­brecherleben angepaßten und mit möglichster Zuverlässigkeit durchzeführ- ten Personalstatistik zu suchen." (Schw. Merk.)

— Der Magdeb. Ztg. wird von Berlin geschrieben: Im Oktober vorigen Jahres traten nur Königsberg, Memel, Danzig und Elbing aus dem Deutschen Handelstage auf, weil die Freihandelsprincipien in dieser Körperschaft Nicht mehr wie früher vertreten würden. Jetzt hat der wichtige Platz Stettin ebenfalls seinen endgültigen Austritt ange- zeiKt, da nach den letzten Ereignissen das Ueberwiegen der Schutzzöllner auch im Ansschusse des Handelstages gesichert erscheine.

— S. M. Kanonenboot „Albatroß", 4 Geschütze, Kommandant Korvetten Kapitän Mensing I, ist am 11. Dezember 1878 in Honolulu eingetroffen und beabsichtigte am 26. deff. Mts. die Reise nach Apia fortzusetzen.

— Aus Aachen meldet man, daß die bei Grevenberg liegende Grube Golz eingestürzt ist. Menschen sind dabei nicht verunglückt, aber mehrere 100 Bergleute verlieren dadurch Beschäftigung und Brod.

— Mein in gen, 2 Jan. Die von mehreren Blättern in den letzten Tagen verbreitete Nachricht von dem Ausbruch der Rinderpest in zwei Orten des Herzogthums entbehrt jeden Grundes.

— Madrid, 2. Jan. Die von Paris aus verbreitete Nachricht, daß sich eine Bande von 400 Bewaffneten bei Labata in der Nähe von Barcelona gezeigt habe, wird von gut unterrichteter Seite für unbe­gründet erklärt, mit dem Hinzufügen, daß in der Provinz Katalonien vollkommene Ruhe herrsche.

— London, 3 Jan. (R. u. St.-A.) Dem „Standard" wird aus Jsmid, vom 2. dieses Monats, gemeldet: Durch das Bersten einer 38-Tonnen-Kanone an Bord des Thurmschiffes „Thunderer" wurden 7 Personen getödtet und 40 verwundet. Der Thurm wurde zerstört. — Nachrichten vom Kriegsschauplatz in Afghanistan zufolge, würde die Ko­lonne des Generals Stetoart_agLJL-i>--^ ^änba^ ar ein treffe«.

— Ms^dem-^Mtholic^Nary" für 1879 geht hervor, daß jetzt in Mrsßbritannien 21 Erzbischöfe und Bischöfe, 2175 Priester und 1386 Kirchen den Katholiken gehören. Gegen das Vorjahr zeigt sich eine Vermehrung von 39 Priestern und 38 Kirchen. In Schottland sind 6 Bischöfe, 272 Priester und 264 Kirchen oder Kapellen.

— St. Petersburg, 3. Januar, Vormittags. Die „Agence Russe" schreibt: die aus Konstantinopel eingegangenen Nachrichten seien befriedigender Natur. Man würde bereits ein schnelles und glückliches Resultat der Verhandlungen über den Abschluß des definitiven Friedens­vertrages zwischen Rußland und der Pforte voraussehen können, wenn die dermalige Lage in Konstantinopel eine weniger bewegte wäre.

— New -A ork, 2. Januar. Zwei Speicher und die Baumwoll- pressen der „Union Cottonpreß Company" in Charlestown mit 10,129 Ballen Baumwolle, wurden durch eine Feuersbrunst vernichtet.

— Havana, 1. Jan. Das Postdampfschiff „Frankfurt", Kapt. F. Klugkist, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welches am 4. De­zember von Bremen und am 9. Dezember von Havre abgegangen war, ist gestern wohlbehalten hier angekommen.

Lokales.

Hanau, 4. Januar 1879.

— Als vorgestern Abend Förster Stecher von seinem Beganz auf dem Heimweg begriffen war, begegneten ihm auf dem Wege (zwischen Poppenwald und Wilhelmsbrücke) zwei Burschen, von denen der eine wieder nach der Stadt zurückkehrte, der andere jedoch dem Walde zuging. Stecher schritt den Voranschreitenden nach, erhielt aber nach kurzer Zeit hinter einen Steinhaufen her einen Schuß ans rechte Bein, der glücklicherweise am Stiefelschaft abprallte. Der Thäter ist noch nicht ermittelt.

— Die „ Han. Ztg." schreibt unterm Gestrigen: Gestern Abend war eine größere Anzahl hiesiger Einwohner in der „Centralhalle" versammelt behufs Einleitung einer Agitation gegen das von den städtischen Behörden beschlossene neue Baustatut. Die Versammlung wählte eine Commission von 5 Mitgliedern zur Ausarbeitung eines Protestes, für welchen Unterschriften demnächst gesammelt werden sollen. Da das projectirte Statut nicht allein die Interessen der zunächst Be- theiligten, sondern überhaupt die Baufreiheit im Allgemeinen und die möglichste Verkehrserleichterung in unserer Vaterstadt in Frage stellt, so dürften die eingeleiteten Schritte gegen dasselbe bei unserer Gesammt» bürgerschaft regste Förderung und Unterstützung finden.

— Einjährig-Freiwilliger Schwarzlvom hiesigen Bataillon brach vorgestern Mittag bei den Springübungen das Bein.

— Gestern Morgen wurde ein hiesiger Hausbesitzer in der Krämer­straße von einem seiner Hausburschen erheblich mit der Mistgabel ver­letzt; der Thäter ist verhaftet.

— In einer Wirthschaft der Schützengasse wurden gestern Abend eine Ankeruhr, ein Ueberzieher und ein Leintuch entwendet. Der Dieb ist nach Nr. Sicher verbracht.

— (Theater.) In nächster Zeit wird uns Gelegenheit geboten das bactige Schauspiel unseres Altmeisters Göthe: „Götz von Ber- lichen mit der eisernen Hand" auf unserer Bühne zu sehen. Wir hören, daß besondere Fürsorge getroffen ist, das Stück würdig vorzuführen und machen deshalb jetzt schon darauf aufmerksam.

— Uebermorgen, den 6. Januar, Vormittags 11 Uhr findet im unteren Saal des Rathhauses die Ergänzungswahl für die ausscheiden­den Mitglieder der Handelskammer statt.

Bersteigernngs» und BerpachtungS« rc. Kalender für Montag den 6 Januar.

Vormittags von 9—10 Uhr wird bei Kgl. Amtsgericht, Abth. II , dahier, erster Termin zum Verkauf des den Deibel'schen Kindern gehö-