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— London, 1. Januar. Nach einer Meldung des „Reuter'schen Bureaus" aus Konstantinopel, von gestern, hat der Admiral Hornby Sem englischen Botschafter Layard angezeigt, daß die englische Flotte am nächsten Donnerstag Abends in der Bai von Jsmid eintreffen werde, weil bei Artaki die Verproviantirung auf Schwierigkeiten gestoßen sei. Das Gerücht, Layard habe die Flotte berbeigrrufen, wird für unbegründet erklärt. — Die in Philippopel tagende Kommission für Ost- rumelien hat die Lage Ostrumeliens nach dem Rückzüge der russischen Truppen einer Berathung unterzogen. Der englische Delegirte Wolfs machte den Vorschlag einer gemischten Okkupation und einer Organisation für Rumelien, wie diejenige im Libanon. Die Vertheidigung des Balkans solle der bulgarischen Miliz anvertraut werden — 2. Januar. Der „Daily Telegraph" läßt sich aus Jellalabad, vom 1. d M, melden: 4 afghanische Regimenter s ien in Folge eines Streites mit Jacub Khan über den Sold tzesertirt. (R u. St.-A.)
— London, 2. Jan W. u. St.-A ) Der Steife der Arbeiter in den Baumwollspinnereien zu Oldham ist beendigt; die Arbeiter haben bedingungslos eine Lohnherabsetzung von 5 pCt. acceptirt.
— Konstantinopel, 1. Jan In Folge des bedeutenden Sinkens der Kaimäs haben Diele Bäcker ih e Läden geschlossen. Der Ministerrath hat den monatlich zurück^u'arsenden Betrag der Kalmus auf 150,000 Pfund erhöht.
Lokales.
Hanau, 3. Januar 1879.
Eingesandt.
—b — Am Montag hat Herr Dr. Geiger aus Berlin einen Vor- trag im Kunstindustrie-Verein über Lorenzo von Medici gehalten, der zu einigen Bemerkungen Anlaß gibt. Es wurden Lorenzo und Saro- narola gegenübergestellt und der erstere auf Kosten des letzteren verherrlicht, dabei aber Thatsachen, die für die Beurtheilung beider Männer wichtig sind, unerwähnt gelassen, wodurch das Urtheil den Charakter der Einseitigkeit erhielt. Der Vortragende hat verschwiegen, daß Lorenzo aus egoistischen Familieninteressen die Stadt Volterra plünderte, daß er fromme Stiftungen, besonders eine für arm: Mädchen, beraubte, daß er sich bemüht hat, Savonarola durch Bestechungen auf seine Seite zu bringen, daß Lorenzo auf seinem Sterbelager nur deshalb nach Sa- vonarolo verlangte, weil er in der Qual seiner Seele den einzigen Mann bei sich haben wollte, der ihm im Leben bei der Menge der Schmeichler die Wahrheit zu sagen gewagt hatte. Herr Dr. Geiger bezeichnete Sa- ronarola als den Repräsentanten des mittelalterlichen Kirchenthums, während er doch gegen das Haupt desselben, gegen den Papst, so entschieden auftrat, daß er excommunicirt wurde; stellte ihn hin als einen Feind der Kunst, während doch mehrere der bedeutendstes Maler jener Zeit, wie Sandro Botticelli und Fca Bartolommeo, zu seinen ergebensten Anhängern gehörte. Der Vortragende charakterisirte Lorenzo als den Mitbegründer einer neuen Zeit und vergaß, daß auch Savonarola ein Vorbote der neuen Zeit auf einem anderen, wie die Geschichte lehrt, folgenreicheren Gebiete war, weshalb am Lutherdenkmal stnWörms ihm ein Platz als Vorläufer der Reformation eingeräumt ist.
(Obgleich die Nummer 303 unseres Blattes von 1878 eine kurze Besprechung des Vortrags enthält, so dürfen wir der Unparteilichkeit halber auch diesem aus sachkundiger Feder geflossenen Artikel unsere Spalten nicht verschließen. D. Red.).
B. (Statistisches.) Im abgelaufenen 4. Quartal 1878, also in den drei Monaten Oktober, November und Dezember v. I., sind in hiesiger Stadt von außerhalb 777 Personen zugezogen und 663 Personen von hier nach auswärts abg-zogen.
In demselben Zeitraume haben im Bezirke der Stadt Hanau 2003 Personen ihre Wohnung gewechselt.
Ueber in 1878 stattgehabten Eintragungen auf dem Standesamt werden wir demnächst berichten.
— (Theater.) Sonntag den 5 Januar: „Graf Waldemar" Bon G. Freilag. Herr Dr. Hugo Müller „Graf Waldemar" als letzte Gastrolle. Wir machen noch besonders darauf aufmerksam, weil es das letzte Auftreten des geschätzten Gastes ist. Herr Dr. Müller be- gibt sich dann nach Berlin zu einem größeren Gastspiel, bei welcher Gelegenheit 2 neue Stücke von demselben gegeben werden sollen.
— Eine bekannte hiesige junge Taschendiebin operirte letzten Dienstag Morgen mit Eriolg an einem Großauheimer Milchmädchen ; die Summe war unbedeutend. Wenn dieses 11jährige Mädchen in der seitherigen Weise sortfährt, so wird ihr späterer Aufenthalt mehr im Gefängnisse als zu Hause sein.
Verst eigerungs- und Verpachtungs- rc. Kalender für Samstag den 4. Januar.
Nachmittags 2^2 Uhr findet im Gasthaus zu den „3 Schwanen" 2 c Termin zum Verlauf des den Lauscher'schen Erben zustehenden Hauses, Nr. 7 der Sandgasse, statt.
— Für heute. Hanauer Stadttheater: „Ein deutsches Dichterleben" oder „Bürger und Molly", Schauspiel in 5 Aufzügen nach Otto
Müller's gleichnamigen Roman von S. H. von Mosenthal; Anfang Abends 7 Uhr. — Dies academicus.
— Wasserstand am Mainvegel heute Morgen 10 Uhr 3,2 m (10' 5"); Main noch im Wachsen begriffen.
— Bockenheim 2. Jan. Das seither unter dem Titel „Allgem. Zeitung" hier erschienene zweite Blatt ist, nach dem „Bockenh. Anz.", am Tage vor Weihnachten zum letzten Male den Abonnenten gebracht worden und scheint dasselbe demnach ganz still entschlafen zu sein.
— Das „Frankbg. Krsbl." schreibt: Unsere Nachbarn im Bieden- kopser Kreise sind nunmehr mit ihrer Secundärbahnfrage bei der kitz- lichen Geldfrage angelangt, an dem Ausbringen des Zuschusses von 200,000 Mk, sowie des weiteren Betrags für Grundentschädigung. Zu bemerken ist zunächst, daß das jetzige Project nur die Strecke Marburg- Laasphe umfaßt. Um die Kosten für Anlagen auf Station Cölbe zu umgehen, sollen die Züge von Marburg aus auf dem Geleise der Main- Weserbahn fahren, sodann soll der Neubau von Cölbe durch da? Lahn- thal möglichst dem Laufe der Straße Marburg-Biedenkopf-Laasphe nach und zwar im directen Anschluß an den Straßendamm — nach Beseitigung der Pappelbäume geführt werden. Auf der kurzen Strecke von 35 Kilometer sollen 17 Haltestellen errichtet werden. Die Wagen sollen bis zu 200 Centner Tragkraft erhalten und ist die Fahrzeit auf 30 Kilometer in der Stunde normirt, so daß man in 80 Minuten nach Biedenkopf, in 100 Minuten nach Laasphe von Marburg aus fahren kann.
Aus der Umgegend.
— Der Frankfurter „General-Anzeiger" schreibt unterm 2 Januar aus Frankfurt am Main: Eine Anzahl Eltern von Schülern der Wöhlerschule hat eine Petition an das Schulkuratorium zum Unterzeichnen aufgelegt, in welcher um Abschaffung, respektive Beschränkung des Nachmittags-Unterrichts gebeten wird. — In dem verwichenen Jahre wurde der Zoologische Garten von 134,399 erwachsenen Personen und Besuchern der Rubier, die allein 64000 betrugen, exkl. Aktionäre und Abonnenten, welche voll s Entröe bezahlten, und 15990 Kindern besucht. Die 20-Pfennigtage wurden von 30200 Personen benutzt und die 50-Pfennigtage von 14300 Personen. — Der Palmengarten hatte eine Frequenz von 104 150 Erwachsenen und 15000 Kindern — Am Neujahrstag wurde nrch alter Gewohnheit am Rothschild'schen Comptoir Geld vertheilt. Die Zahl der erschienenen Bettler übe i stieg die der Vorjahre um ein bedeutendes, ein Zeugniß für die zunehmende Verarmung.
— Mainz, 31. Dez. Vor dem hiesigen Militärgericht fanden dieser Tage die jüngst n Militärexcesse ein für die Betreffenden sehr unangenehmes Nachspiel. Der Soldat, welcher bei einem vor 14 Tagen im Gartenfeld vorgekommenen Exceß einen Schutzmann mit blanker Waffe angriff, wurde zu 3 Jahren Gefängniß verurtheilt. Zwei andere Soldaten, die sich wegen Betheiligung an Excessen schon in Haft befanden UHbJtcfiJiis^--“5^^^ tyätlich vergr ffen hatten, trafen ittrti^bietjtrengere Strafen; der eme erhielt 26 Jahre und der andere 14 Jahre Gefängniß. — In g sicher Mil tärgerichtssitzung wurde auch ein Unteroffizier der Artillerie wegen Mißhandlung eines Untergebenen degradirt und zu einem Jahr Gefängniß verurtheüt. (Zrkf. ßtj )
Verloosungen.
Braunschweiger 20 Thlr.-Loose vom Jahre 1868. Ziehung am 31. Dezember 1878. Auszahlung am 31. März 1879. Hauptpreise: Serie 490 Nr. 20 a 48,000 Mk., Serie 1883 Nr. 5 ä 15,000 Mk., Serie 8836 Nr. 10 ä 7200 Mk., Serie 3158 Nr. 8 a 3000 Mk.
Thermometer st and.
2 Januar. Höchster Stand 4- 71/2°, Abends 7 Uhr 4- 3°;
3 Januar Morgens 7 Uhr + ‘/»0, Vormittags 10 Uhr 4- 2°.
Auszüge aus dem Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Cassel.
Langendiebach. Auf Antrag eines Pfandgläubigers ist der Zwangsverkauf der auf den Namen der Ehefrau des Philipp Kolb, Maria Elisabetha, geb. Wagner zu Langendiebach tataftrirten, in Langendiebacher Gemarkung gelegenen Jmmobrlien erkannt und zu dessen Vollziehung Verkaufstermine und zwar erster auf den 30. Januar 1879, event, zweiter auf den 27. Februar 1879, event, dritter auf den 27. März 1879, jedesmal Vormittags 11 bis 12 Uhr sEontumacirzeits, an Königl. Amtsgericht Largenselbotd anberaumt.
Langendiebach. Auf Antrag eines Pfandgläubigers ist der Zwangsverkauf der auf den Namen des Georg Traxel 2r zuLangendiebach tataftrirten, in Langendrebacher Gemarkung gelegenen Immobilien erkannt und zu dessen Vollziehung Verkaufstermine und zwar erster auf 30. Januar 1879, event, zweiter auf den 27. Februar 1879, eventuell dritter auf den 27. März 1879, jedesmal Vormittags 11 bis 12 Uhr sContumacirzeits, an Königl. Amtsgericht Lanzenselbold anberaumt.