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Hamuer Anzeißer.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial Correspondenz.

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Dienstag den 31. Dezember.

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Amtliches.

Gelandet: Am 22. ds. Mts. bei Schwanheim 3 mit Brettern benagelie Stämme. An demselben Tage Bei Geiesheim ein Ankernachen. Meldung bei Königlichem Amt zu Höchst a. M.

Zugelaufen: En junger Jagdhund mit weißer Brust. Ein großer gelber Kettenhund.

Verloren: Eine f. g. Schrotleiter.

Gefunden: Eine graue Pferdedecke.

Hanau am 31. Dezember 1878,

__________________Aus Königlichem Landrathsamt.__________________

Bekanntmachung.

Postpacketverkehr nach Belgien und im Durchgang durch Belgien.

Vom 1. Januar 1879 ab sind bei Postpöckereisendungen nach Belgien, ebenso wie bei allen über Belgien geleiteten Packetsendungen nach Frankreich und Gloßbritannien, zwei gleichlautende Zolldeklara­tionen er forderlich. Dieselben müssen, wie bisher, in französischer Sprache obgefaßt sein.

Berlin W., 17. Dezember 1878.

Kaiserliches General-Postamt.

_____________Wiebe.________________________________

Der gegen den Steingraveur Carl Lichtenberger von Ober­stem unter dem 6. Ok ober 1874 erlassene Steckbrief wird als erledigt zurückgezogen.

Hanau, 24. Dezember 1878.

Der Staats Anwalt

___________ Spor leder. _____

Schlagwörter der Gegenwart, in volksthümlicher Weise beleuchtet v. M. B.

1.Bildung gibt Macht." (Schluß.)

Auf diesem Punkte weiß rch mich vollständig mit Dir eins, wenn auch anfangs unsere Wege weit auseinander zu gehen drohten. Auch mir gilt ein Quentchen gutes Herz mehr als ein Centner Verstand, und bei der Schätzung eines Menschen lege ich mehr Werth darauf, wie eS mit ihm unter der linken Westentasche bestellt ist, als darauf, wie eS in feinem Kopfe aussieht. Ebenso tote das Sonnenlicht uns nichts helfen würde, wenn es blos leuchtete und nicht zugleich wärmte, so kann uns eine Bildung nichts nützen, welche den Kopf erleuchtet, aber das Herz nicht erwärmt. Soll die Bildung wirklich Macht geben, dann muß sie zugleich achte Herzensbildung sein, und rch lege deßhalb auch auf die Pflege des herzerquickenden Volks g efang es außerordentlichen Werth. Im Mittelpunkte der Herzensbildung steht aber die Siebe, welche uns sehen läßt nicht auf das, was uns eigen ist, sondern auf das, was des Anderen ist. Solche opferfreudige, hingebende Liebe vermag wahre Wunder zu wirken, zumal in den heißen Kämpfen der Gegenwart. Und ebenso vermag sie allein die Wunden zu heilen, an denen unsere jetzige bürgerliche Gesellschaft krankt. Solche Liebe schärft das Auge für die wirklichen Nothstände im unvollkommenen Menschenleben, fie läßt uns in der großen Masse der Social-Demokraten nur Verirrte erkennen, und sie nimmt bereitwillig einen Iherl der Schuld, unter der wir Alle lei­den, auf die eigenen Schultern. Sie vergißt nie, daß die Armuth ihre besonderen sittlichen Versuchungen hat, wie der Reichthum, und daß es eben so gut schlechte Reiche gibt, wie schlechte Arme; da pie hartherzige Selbstsucht eines Reichen ebenso verdau menswerth ist, ww der giftige Neid und die bösen Gelüste eines Armen. Auch begnügt sie sich nicht mit Worten, sondern legt selbst mit Hand au, wenn es gilt, offenbare Schaden durch gemeinnützige Werke zu heilen oder zu lindern und die natürliche Ungleichheit unter den Menschen, mit welcher die sociale un­zertrennlich verbunden ist, mit den Forderungen der Menschlichkeit mög­lichst in Einklang zu bringen. Und je mehr die wohlhabenden Klassen durch treue Fürsorge für das leibliche, geistige und sittliche Wohl der unteren Klassen zeigen, daß sie ein Herz für das Volk haben, ohne daß sie bei solchen Bestrebungen auf Dank rechnen, um so leichter wird die

sociale Frage, wenn auch nicht gelöst, doch von ihrem giftigsten Stachel, nämlich dem Klasse nhaß, durch die Macht der Liebe befreit. Freilich wir können nicht Alle unseren Arbeitern gesunde, luftige, mit freund­lichen Gärten umgebene Wohnungen herstellen, nach dem Muster der Mühlhäuser, dre mit der Zeit obendrein zum Eigenthum der Miether werden; aber Mithilfen können wir Alle bei solchen Liebesthaten, welche Zeugniß geben von einer rechten Herzensbildung und mit dem leiblichen zugleich das sittliche Wohl des Arbeiterstandes mächtig fördern. Und (um ein gerade in diesen Tagen uns so nahe liegendes Beispiel zu wählen), anstatt daß so mancher Wohlhabende kein Spielzeug theuer und kostbar genug finden kann für den Weihnachtstisch seiner Kinder, sollte er nicht lieber auch die Christbescheerung schon dazu benutzen, seine Kleinen von früh auf daran zu gewöhnen, daß sie Geben seligerfinden als N.hmen. Wir Alten sind gewiß an den Weihnachtsfesten unserer Kindheit bei dem bunten Bogen aus dem Laden desBilderkrämers" drunten am Markte oder bei unsererScheere" voll plumper hölzerner Soldaten ebenso froh gewesen, wie jetzt das Muttersöhnchen im Prunk­saale.Exempel bauen mehr als Worte" und darum fängt die wahre Liebe, wenn sie nach unten die dort leider sehr abhanden gekom­mene Anspruchslosigkeit predigt, zunächst bei sich selber an.

Solche Liebe stammt doch aber nur aus der Religion, in der ich allein diejenige Bildung erkenne, die uns nicht blos Macht gibt über uns selbst und über Andere, sondern die auch allein uns frei macht. Es steht ja geschrieben, daß die Wahrheit uns frei macht, und nur insoweit, als die Wahrheit in ihrer erlösenden Macht, also unsere hei­lige Religion mit der Bildung zusammenfällt, kann rch das landläufige Wort, daß Bildung frei macht, ebenso wie das andere, daß Bildung Macht gibt, für mein Theil gelten lassen. Hörte ich doch neulich selbst aus dem Munde eines Freigeistes das «igenihümliche Wort:Meinen Kindern wünsche ich einen wahren Köhlerglauben."

Den Köhlerglauben «Ärsche ich meinen Ändern ebensowenig, wie mir selbst. Wenn Du aber unter der Religion das geheimnißvolle Band verstehst, das die gesammte Persönlichkeit eines Menschen mit Sott verknüpft und damit zugleich alle in der Persönlichkeit liegenden Kräfte eben in den Dienst des Ganzen stellt, also auf dem Seelengebiete : Ver­stand, Gemüth und Willen, dann erkenne auch ich bereitwillig mit Dir die Religion als die Krone aller Bildung an. Auch ich kann ja nur die harmonische Bildung des ganzen Menschen als die rechte Bildung gelten lassen, und ich gebe gern zu, daß die Förderung des sittlichen Charakters, der ja durch die Religion feine schönste Weihe erhält, im Hause wie in der Schule ungleich mehr gepflegt werden muß, als dies seither geschehen ist. Wenn auch der Altmeister Göthe nicht mit Un­recht sagt:Es bildet der Charakter sich im Strom der Welt", so will mich doch bedünken, daß eS nicht wohlgethan ist, die junge Welt, zumal die Lehrlinge, von denen oben die Rede war,dem Strome der Welt" zur Charakterbildung allzusehr zu überlassen. Freilich gibt es kein all­gemeines Recept für harmonische Bildung der Einzelwesen. Schon ein alter braver Schulmeister hat gemeint:Man kann verlangen, daß die Seele die Fühlhörner ausstrecke, die sie hat, aber man kann nicht ver- langtn, daß sie mehr ausstrecke, als sie hat." Es gilt also, der Eigen­thümlichkeit der Einzelnen Rechnung zu tragen und dafür zu sorgen, daß die Einzelnen die richtige innere Harmonie, das innere Gleichge­wicht für ihre besonderen Anlagen finden, das ist das Ziel der wahren Menschenbildung, die eben im höchsten Sinne mit der Religion zusam- menfällt. Die schönsten Früchte harmonischer Bildung: innerer Frieden, und treue Pflichterfüllung im Einzelnen und im Kleinsten reifen ja nur im Lichte der Weltanschauung, welche in der Welt nicht das Spiel des blinden Zufalls siehe, sondern das Walten einer unsichtbaren Macht, die Alles zu ihren Zielen zu leiten und seihst das Bö,e zum Besten zu wenden weiß.

Solch' einer Bildung, wie Du sie im Auge hast, will ich gern das Wmt reden, und nun darf ich auch die harten Worte zurücknehmen, die ich vorhin gegen die Volksbildung überhaupt geredet habe. Ich sehe die Sache jetzt auch von der anderen Seite an. Freilich Du wirst mit Deinen Ansichten von Bildung vor den Augen der falschen Lichtfreunde,