1658
am Ruder bleibt, mit seinem Siege enden, obwohl vermuthlich erst nach längerer Zeit. In Bayern haben die Gemäßigten schon heute entschieden das Uebergewicht und keine Anstrengung der Sigl und Fußangel wird hmreichm dann eine Aenderung herbeizuführen. Ob die Windt horst und Schorlemer den Kampf noch eine Zeit lang auf eigens Hand fort? tzen, wird an dem schließlichen Ausgange auch nichts ändern, die große Mehrzahl der gebilditen Katholiken ist es müde, sich im Wider- ^vrvch mit dem Oberhaupte der Kirche als Spielball ein r herrschsüch- tlgen Partei mißbrauchen zu lass-u.
— Berlin, 18. Dezember. (Abgeordnetenhaus.) Im weiteren Verlaufe der gestrigen (20.) Sitzung setzte das Haus die Berathung der TaMordnung fort. Die folgenden drei Gegenstände:
1) Berathung der Uebersicht über den Fortgang des Baues und über die Ergebnisse des Betriebes der Staatseisenbahnen im Jahre 1877/78;
2) Berathung der Uebersicht über den Stand und Fortgang derjenigen Staatselsenbahnbauten in der Zeit vom 1 Oktober 1877 bis Ende September 1878, für welche die erforderlichen Geldmittel durch b-sondere Gesetze oder unter den einma igen und außerordentlichen Ausgaben des Etats der Eisenbahnverwaltung bewilligt word.n sind;
8) Berathung des Nachweises über die Verwendung des in dem Etat der Eisenbahnverwaltung pro 1. April 1877/78 unter Tit. 9 der einmaligen urb außerordentlichen Ausgaben vorgesehenen Dispositionsfonds von 901,009 Mk.
wurden auf Antrag des Abg. Rickert der Budgetkommission überwiesen.
Hierauf wurde der Gesetzentwurf, betreffend bie Erweiterung der durch das Gesetz vom 20. April 1869 für das Anlagekapital einer Eisenbahn von Fmuentrop über Olpe nach Rothsmühle im Biggethale übernommene Zinsgarantie nach den Beschlüssen der Budgetkommission in zweiter Berathung ohne Diskussion angenommen.
Das Haus fitzte sodann die Berathung deS Etats des Ministeriums des Innern fort. (R. u. St.-A.)
— Berlin, 17. Dez. Die Tabak ng iete Commission hat nach der „Köln. Ztg." einstimmig beschlossen, dem Bundesrath und dem Reichstag Bestsurung des inländischen Tabaks nach dem Gewicht zu empfehlen, neben solchen Einzangszöll n aus fremden Tabak, die ungefähr dem von der Reichssteuer- ComMission des Jahres 1873 angenommenen Verhältniß zwischen Zoll und Steuer entsprechen
— Die Baumwollen-Enquotscommission hat lediglich das erforderliche Material zur Beurtheilung des Zustandes der betreffenden Industrie dem BundeLrathe zu unterbreiten, bestimmte Vorschläge auf Einführung von Zöllen rc. hat dieselbe nicht zu machen. Letzteres liegt Dietmar b-m ^n.ndesrathe ob Es gewinnt jedoch nach dem, was über die Verhandlungen der Commission verlautbart, schon jetzt den Anschein, als würde in Folge ihres Berichtes ein mäßig erhöhter Zoll auf die feineren Baumwollengespinnste im Bundesrathe beschlossen werden, nicht aber ouf die ordinären Stoffe. Man fürchtet, daß ohne den ersteren die elsaß-lothringische Industrie, die sich nur mit feinen Gespinnsten besaßt, arg geschädigt werden würde. Die sehr hochgespannten Forderungen der elsässer Industriellen nach einem hohen Schutzzoll dürften dagegen in keinem Falle — auch nicht vom Bundesrathe — erfüllt werden. Was die Leinenindustiie belangt, so dürfte hier die Eventualität eines hohen Schutzzolles weit näher liegen. (Trib.)
— Würzburg, 16. Dez. In vergangener Nacht wurde, wohl in Folge eines Wortwechsels, in der Lochgasse ein Schuhmacher von einem Sattler erstochen. In derselben Nacht ist ein Studirender der Hochschule, S . . . ., welcher einer ihn wegen verübter Ruhestörung zur Hauptwachs transportirenden Patrouille durch die Flucht zu entgehen suchte, von dem Führer derselben, Unteroffizier K....... v. d. 10. Comp., durch einen Schuß gelobtet worden. Die Kugel war vom Rücken her durch den ganzen Leib gedrungen und führte den augenblicklichen Tod herbei. Hoffen wir, daß strengste Untersuchung und der Ausspruch des Gerichtes, ob der betr. Patrouillsnführer korrekt verfahren habe, bmb die hochgehende Entrüstung besänftige, welche auf die erste Nachricht von dem Vorfälle hin sich in oer hies. Bevölkerung kundgab. (Würzb. Journal)
— Wien, 18. Dez., Vorm. (Köln. Ztg.) Der Wehrgesetz- Ausschuß des Abgeordnetenhauses ist auf seinen früheren Beschluß, auf die Berathung über die Verlängerung der Wirksamkeit des Wehrgesetzes nicht einzugehen, zurückgekowmm und hat nunmehr nach längerer Erörterung die Annahme der Regierungsvorlage beschlossen. D-r Antrag, die Herabsetzung der Kriegsstärke jetzt grundsätzlich auszusprechen, wurde eben so wie der Antrag, daß das Wehrgesetz-Provrsorium nur bis zum 1. März zu gelten habe, abgelehnt.
— Paris, 17. Dez. Der Moniteur bringt heute einen in der Bromb. Ztg. erschienenen Brief eines französischen Senators an einen deutschen Beamten, den der Senator während des Kruges kennen gelernt, und bemerkt dazu: „Wir glauben, daß der Verfasser dieses Brieses sich zu weit vorwagte, indem er als Bürge für die freundschaftlichen Gesinnungen der Linken für Deutschland auftrat. Wir erheben Einspruch als Franzosen gegen die Gesinnungen, welche man der Linken leiht." Die Bemerkungen des Moniteur sind durchaus beachtenswerth.
W nu der französische Senator in seinem Schreiben davon spricht, daß „viele Schwierigkeiten auf praktische Weise gelöst werden könnten", so ist damit die Zurückgabe von Elsaß-Lothrinoen gemeint, von der die Franzosen noch immer lebhaft träumen.
— London, 18. Dez. D-m Standard wird aus Petersburg vom 17. d. gemeldet: Nach Norlbeote's energischer Erklärung und Englands entschiedener Haltung in den nunmehr eifrig geführten Unter- Handlungen ist die russische Gesandtschaft förmlich und officiel von Kabul abberufen worden. Die englische Regierung ist jetzt auch überzeugt, daß Rußland zu d r im Vertrage bestimmten Zeit die noch besetzten Theile der europäischen Türkei räumen wird.
— St. Petersburg, 18. Dezbr, Vormittags. (R u. St.-A.) Der „Regierungsbote" veröffentlicht eine Mittheilung der Regierung über die jüngsten Vorgänge in der hiesigen Studentenschaft. Nach derselben entstand unter den Studirenden der Kaiserlichen medico-chirurgi- scheu Akademie in St. Petersburg Anfangs Dezember eine Gährung. Den Anlaß zu derselben bildete die Nachricht von der zeitweiligen Einstellung der Vorlesungen auf der Universität Charkow. Die mehrtägige Gährung wurde am 12. d. besonders stark. Gegen 1 Uhr Nachmilt:g8 wählten d'e Studenten der Medizin einige aus ihrer Mitte, welche dem Chef der Akademre anzeigen sollten, daß der Grund der Bewegung einmal die Ungewißheit sei, ob und welche Entscheidung anläßlich der von den Studenten dem Thronfolger eingereicht n Bittschrift erfolgt sei, und sodann auch die in der Nacht vom 10. zum 11. dss. vorgenommenen Verhaftungen. Der Stadthauptmann Suroff welcher sich bei dem Chef der Akademie befand, fitzte den Studenten die Ungesetzlichkeit ihrer Handlungsweise auseinader und rieth ihnen, auseinander zu geh-n Da dies aber nicht geschah, wurde eine halbe Escadron Gsnsd'arm n herbeigerufen, wobei 142 Studenten verhaftet wurden. Das in der Stadt verbreitete Gerücht, die Studenten wären mißhandelt worden, ist unbegründet. Nur zwei Studenten verletzten sich durch Fallen an den Füßen. Alle Verhafteten wurden in der Kaserne der Leibgarde des Moskauer Regiments untergebracht.
— Lahore, 17 D-zbr. (R u. St.-A.) Der Vizekönig Lord Lytton hielt heute Nachm ttag über das von den Lchnsfürsten gestellte, aus 3000 Mann sämmtlicher Waffengattungen mit 10 Kanonen bestehende Truppenkontingent eins Reone ab. Nach berfeinen hielt Lord Lytton eine Ansprache, in welcher er sich bei den Truppen für die Schnelligkeit bedankte, mit welcher sie der Regierung ihre Dienste zur Verfügung gestellt hätten. Lord Lytton fügte hinzu, daß England niemals ein ungroßmüthiger Feind gewesen sei, daß aber dir Gerechtigkeit jeder Großmuth vorantzgehen müsse. England wurde der Loyalität sei ner hochherzigen Verbündeten unwürdig sein, wenn es bie ihm ohne alle Provokation zuzesügten Insulte nicht bestrafen könnte oder nicht bestrafen wollte. Er hoffe, der Emir werde, durch das bis jetzt erlittene Mißgeschick bereits belehrt, es nicht für nothwendig erachten, den Krieg weiter fortzuführen. — Das Truppenkontingent wird am Sonnabend nach Peshawur abgehen, um die Däfiläs des Khyberpasses und den Fluß Kabul zu besetzen, damit die regulären Truppen weiter vorrücken können. Das Kontingent wird von englischm Offizieren befehligt.
— New Iork, 18. Dez. (Köln. Ztg) Seit„Einstellun; d:r Baarzahlungen im Jahre 1862 erreichte das Gold heute zum ersten Male wieder den Paricurs. Das Schatzamt hofft am 1. Januar 135 Millionen klingender Münze in feinen Kassen vorräthig zu haben
— New - Iork, 17. Dezbr. Der Hamburger Postdampfer „Cim- bria" ist heute Morgen 9 Uhr hier eingetroffen.
Letales.
Harr au. 19. Dezember 1878.
— An dem beim Altstädter Schloßgarten über den Stadtgraben führenden eisernen Steg fanden sich gestern Morgen zahlreiche Blutspuren, ein blutiges Hemd sowie eine Partie Haare vor. — Nach compe- tentem Ausspruch sind jedoch in den gefundenen Haaren keine Menschen - fonbern Thierhaace zu erkennen. — Unsere Polizeibehörde entwickelte sofort die regste Thätigkeit um Licht in die Sache zu bringen und festzustellen ob hier ein Verbrechen vorliegt oder nicht. Bis jetzt ist ein Anhaltspunkt noch nicht gesunden.
U. Wie bereits bekannt ist in dem Atelier der Silberwaarenfabrik des Herrn Kurz dahier der silberne Kelch, den die kathol. Gemeinde ihrem Pfarrer und Dechanten zum 25jährigen Jubiläum als Ehrenge- schenk überreichte, gefertigt wurden. Derselbe ist in rein gothischer Form durchgeführt und hat allgemein nicht nur Laien, sondern auch Sachkennern gefallen. Herr Kurz hat denselben in seinem Schaufenster bis morgen Freitag Abend noch ausgestellt und verfehlen wir nicht, J-den, der Interesse' für dergleichen Kunstarbeiten hat, aufmerksam zu machen.
— Für heute. Verein Freundschaft: Abends präcis 9 Uhr Generalversammlung. t,
— Dem Vorstände des Rettungshauses zu Hof Raith, bet Schlüch- tern, ist, nachdem „Amtsblatt", gestattet worden, auch im Jahre 1879 milde Beiträge für diese Anstalt bei den evangelischen Einwohnern der Provinz Hessen-Nassau sammeln zu lassen.
— In Ostheim ist dieser Tage beim Aufgraben des Brandschut- I teS an dem v. Zehner'schen Wohnhaus ein Tops aufgefunden, welcher