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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial Korrespondenz.

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M 293.

Dienstag den 17. Dezember.

1878,

Amtliches.

Für den Karl Wilhelm Tischbein in Bockenheim ist um Ent­lassung aus dem Preußischen Unterthaneu-Berband, behufs Auswande­rung nech Amerika, nachgesucht worden.

Ha«au am 14. Dezember 1878.

Der Landrath.

R. F. B ezüglich der in unserer inneren politischen Lage nach schwebenden Fragen ist neuerdings wieder eine aufs Tapet gebracht worden, von welcher man glaubte, daß sie nur noch Gegenstand delikater Unterhandlungen zwischen der deutschen Regierung und der päpstlichen Curie sei. Die CentrumSfraktion hat sich im preußischen Abgeordneten­hause wieder mit Ungestüm in den kirklichen Kampf gestürzt, doch daS entschiedene Auftreten des Cultusministers Falk hat bewiesen, daß die Regierung in der Kirchenfrage eine unerschütterlich feste Stellung ein» nimmt. Es soll und muß jedoch ein Friede bald zu Stande kommen, mit welchem Staat und Kirche nebeneinander bestehen können. Daran werden hoffentlich die Interpellationen der Cevtruwspartei nichts ändern. Im ganzen deutschen Lande wird darüber eben so viel Freude sein wie über die Gewißheit, daß keine Gefahr vorhanden ist, der Staat werde der römischen Kirche gegenüber den Muth verlieren und sich selbst auf» geben.

Ein schweres Geschick ist in den letzten Wochen über das groß- Herzogliche Haus von Hessen gegangen. Eine tückische Krankheit hat nacheinander die Kinder des groß herzoglichen Paares bis auf Eines er­griffen, der Gioßberzog selbst schwebte in ernster Lebensgefahr. Der Toi, der an die Pforte des fürstlichen Palastes pochte, schien sich mit dem Opfer der Prinzessin Marie abgefunden zu haben, die am 16. No- vember der Diphterit-s erlag, da kehrte er noch einmal zurück, um die Fürstin deS Landes, die Mutter des Hauses, mit sich zu reißen. Am Sonnabend ist die Großherzogin Alice an der schrecklichen Krankheit sanft entschlafen. Dieselbe war geboren am 25. April 1843 und ist eine Tochter der Königin von England.

Der Bundesrath hat den Antrag der Ausschüsse wegen Einsetzung einer Commission zur Revision des Zoll- und Tarifwesens genehmigt und sind die betreffenden Bundesregierungen aufgefordert worden, ihre Vertreter zu der aus 15 Mitgliedern bestehenden Commission zu er­nennen. Den Bundesregierungen ist auch der Entwurf eines Reichs­tesetzeS betreffend die Abwehr und Unterdrückung von Viehseuchen zuge­gangen, welcher in 65 Paragraphen das Verfahren zur Abwehr und Unterdrückung ansteckender Seuchen der Hausthiere, mit Ausnahme der Rinderpest, regelt.

Im preußischen Abgeordnetenhaus hat die zweite Berathung des Etats für ben Minister des Innern viele Debatten hervorgerufen, da die Libe alen und Ultramontanen in langen Reden Beschwerde wegen der Wahlagitation der Landräthe führten. Fortwährend schimmerte auch der Cultmkamps bei den Debatten durch und dann stritt man sich euch einige Male, zumal bei der Posilion der Vermehrung der Polizei- kräfte für Berlin, um die Budgeterhöhungen.

In Mecklenburg, wo es bekountlich noch keine Verfassung gibt, regt sich wieder einmal die Verfassungsfrage. Beide mecklenburgische Regierung n haben nämlich die Einsetzung einer Deputation zu Ver­handlungen über die demnächstige Wiederaufnahme der Berathungen über eine Modifikation der Landesverfassung vorgeschlagen. Ob diesmal die Beraihungcn realere Erfolge aufzuweisen habemwerden, als die früheren, muß die Zukunft lehren.

Der Landtag des Herzogthums Braunschweig ist am 13. Dezember zusammenzetreten. Die Eröffnung fand durch den StaatSmiuister Schulz statt. In der Eröffnungsrede wurde der Vorsehung für die Errettung des KarferS gedankr und der Genugthuung Ausdruck gegeben, daß der Agitation der Umsturzpartei in Deutschland Einhalt gethan sei.

Die in einigen Bezirken Preußens auSgebrochene Rinderpest wird nunmehr als gefahrlos betrachtet, da in Stallupönen die Seuche er­loschen ist und außer in circa 30 Ortschaften des Oderbruchs bit Rin-

derpest sonst nirgends aufgetreten ist. Nachträglich wirkt dieselbe aber1 I net worden sei. doch noch nachtheilig auf die Viehaussuhr, da außer Belgien auch, 1

Frankreich die Einfuhr alles lebenden Viehes aus Deutschland verboten hat. ;

Die politischen Verhältnisse in Oesterreich haben zu Gunsten der Regierung weitere Fortschritte gemacht. Trotz des Gegenantrags M Abgeordneten Herbst faßte die Mehrheit im österreichischen Parlaments- auSschusie den Beschluß, dem Berliner Vertrage die verfassungsmäßige Zustimmung zu ertheilen. Auch in der ungarischen Delegation nahmen die Verhandlungen einen für die Regierung günstigen Verlauf.

Einer sehr verwickelten RegierungSkrffis begegnen wir gegenwärtig in Italien. Dort hat daS Ministerium Cairoli in Folge des Ausfalls der Schlußabstimmung über die innere Lage Italiens in der Deputirtrn- kammer feine Entlassung eingereicht, doch gleickzeitig ist auch die Auf­lösung der DeputirtenkamMer von der Mehrheit der Minister und dem Senatspräsidenten in Erwägung gezogen no den, da man in den itali­enischen RegierungSk eisen der Ansicht ist, daß die Haltung der Depn- tirtenkaumer nicht mehr mit der Meinung des italienischen Volkes über« einftrame. Möglicher Weise dürfte daher der König Humbert die Kammerauflösung billigen, da er jedenfalls ungern von dem braven Ministerpräsidenten Cairoli scheidet. Zunächst soll der Kön'g eine neue CabinetSbildung mit Cairoli an der Spitze wün ch n. doch hat Cairoli wegen dieses Vorschlages sich erst Bedenkzeit auSgebeten.

In England hat der Lord of Beaconsfield für feine Politik einen großen Sieg im Parlamente Lavougrtragm. Das liberale Parlamems- Mitglied Whitbread hat für die Regierung ein MißriauenSvotum b an- tragt, doch wurde dasselbe nach mehrtägiger erregter Debatte mit 828 gegen 227 Stimmen abgebhnt, worauf dir VertrauenSadresse in beib.n Häusern angenommen wurde. Die Torypartei hat dadurch thatsichllfi einen großen S eg ersochten, weil bet der Abstimmung mindestens 40 ihrer bisherigen Gegner mit für die Regierung ftramtn. Die Oppo ­sitionspartei wird diese Niederlage daher schwer verwinden können zu­mal auch mehr und mehr in Engländ die Meinung durcl düngt, daß der afghanische Krieg, in welchem die Engländer fortwährend gute Erfolge aufzuweisen haben, nothwendig war, wenn England seine Herrschaft in Indien nicht gefährdet sehen wollte.

Zwischen England und Rußland ist es wegen der afghanischen Affaire neuerdings wieder zu diplomatischen Reibereien gekommen da der Vicekönig von Indien, Lord Lytton, in einer Depesche versichert, daß der Zweck der russischen Gesandtschaft in Kabnl der Abschluß eines Bündnisses mit Rußland gewesen sei, während Rußland noch rann darauf besteht, daß die Gesandtschaft nur einen Höfltchteilsact zum ®e*

genstande gehabt hat.

Auch das Leben der Königin von England soll durch Anschläge eines Dolmetschers Namens Eduard Lyrne Madder in London bebroji gewesen fein. Die Drohungen fanden sich in Briefen, die Madder an verschiedene Personen gerichtet hatte. Ob es sich h-er auch um ein socialistisches Attentat handelt, konnte bis jetzt nicht fest gestellt werden.

Die französische Deputirtenkammer hat beschlossen, sich wegen der Senatsberathungen auf unbestimmte Zeit zu vertagen. Mittlerweile setzt der Senat unter erregten Debatten seine Budgttoerhandlungm fort. Nach Pariser Nachrichten ist es wieder wahrscheinlich geworden, daß nach den SenatSwahlen im Januar Veränderungen im französischen Ministerium vor sich gehen werden.

Der neue Großoezier in Konstantinopel entwickelt eine fieberhafte Thätigkeit. Es finden fortgesetzt Mimsterberathungen in der Pforte statt und der Erlaß des Sultans über die einzufthrenden Reformen wird diese Woche erwartet. Für die BkrathcNjjkn der Fragen der aus­wärtigen Politik wird die Ankunft des neuen MrmfierS des Auswärtige», Karatheodory Paschas, abgewariet; mdeß hat der Ministerlath d n Be­schluß des früheren Cabinets, betreffend die Ernennung von D legirten für die griechische Grenzregulirurig, genehmigt. In Bezug auf die mit Oesterreich und Rußland schwebenden Fragen bestehen noch erhebliche «Schwierigkeiten. Der russische Botschafter, Fürst Lodanoff, hat die so­fortige Räumung eines Theiles von Rumelien in Aussicht gestellt, so- bald der Special-Bertrag zwischen Rußland und der Türkei unter^ich-