Miojtntntetttä- Preis:
Sämtlich S Mari. Hklbj. 4 M. 50 P.
Bierteljahrlich » Mark 25 Pfg. gür auswärtige Abonnenten mit dem betreffen» »en Postaujschlag. Die einzelne Nummer 10 Psg.
Wtuuier Wenltt
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial Correspondenz.
JnsertinuS-
PreiS:
Die ispalUge Earmondzeile ob. deren Raum
10 Psg.
Die Sspatt. L-W 20 Psg.
Die SspaltigeZeil« 30 Psg.
M 287
Dienstag den 10. Dezember.
' Amtliches.
Die Lieferung der Fourage für die bist Pferde der hiesigen Gendarmerie soll Sonnabend den 14. d. M., So; mittags 10 Uhr, auf dem landrätilich?n Bureau verdungen werden. Reflektanten werden zur Abgabe des mündlichen Gebots hierzu eingeladen.
Hanau am 9. Dezember 1878.
Der Landrath.
" Bekanntmachung.
D ! e Weihnachtsiendungen betreffend.
Mit Rücksicht auf die bekannten Verhältnisse richtet das General- Postamt auch in diesem Jahre an das Publikum in dessen eigenem Interesse das Ersuchen, mit den Weihnacht Versendungen bald zu beginnen, damit sich die Packelmassm nicht in den letzten Tagen zusammendrängen und damit nicht die pünktliche Ueberkunft gefährdet wird.
Zugleich wird ersucht, die Packete dauerhaft zu verpacken, namentlich nicht dünne Poppkaften, schwache Schachteln und Cigarrenkisten zu benutzen, und die Aufschrift der Packete deutlich, vollständig und haltbar herzustellen, namentlich den Bestimmungsort recht groß und leserlich -u schreiben. Die Packetaufchrift muß bei stankirten Packeten auch den Frankovermerk, b.i Packeten mit Postnachnahme den Betrag derselben, sowie den Namen und Wohnort des Absenders, bei Packeten, welche nach der Ankunft am Bestimmungsorte sogleich bestellt werden sollen, den Vermerk „durch Eilboten" und bei Packeten nach größeren Orten thunlichst die Angabe der Wohnung des Empfängers, bei Packeten nach Berlin auch bin Buchstaben des Postdezuks enthalten. Zur Beschleunigung des Betriebes trägt es wesentlich bei, wenn die Packete frankert abgesandt werden.
Berlin W., 6. Dezember 1878.
Kaiserliches General-Postamt.
Wiebe.
RrrAdschKK.
R F. Unser, seinem erhabenen Berufe wiedergegebene Kaiser hat in den ersten Tagen feiner Anwesenheit in Berlin noch mehrfache Hul- dignngrn entgegengknomme«. Eine herzergreifende Ovation wurde ihm zu Th il, als er zum ersten Male mit der Kaiserin in der königlichen Oper und im königlichen Schauspielhause erschien. Am Sonnabend empfing der Kaiser auch eine Deputation des Magistrats und der Stadt- verordneten, sowie mehrere Bürgermeister der in der nächsten Umgebung Bert ns liegenden Ortschaften, die alle Namens ihrer Gemeinden dem Kaiser ihre tiefgefühlte Ergebenheit ausdrückten. Bezeichnend für den edslen Herzenszug des Kaisers ist auch noch zu erwähnen, daß er alsbald nach seiner Ankun't im Palais alhn denen Personen dankte, welche ihn während seiner Krankheit gepflegt, oder sonstige Liebesdienste erwiesen haben. Der herzliche Empfang in Berlin und vor Allem die großartige Betheiligung der gesummten Berliner Bürgerschaft an demselben haben auch auf das Gemüth des Kaisers einen erhebenden Eindruck gemacht, was der Monarch zu wiederholten Malen seiner Umgebung kundg geben hat.
Die nun beendigte Regentschaft des Kronprinzen Friedrich Wilhelm ist vielfach Gegenstand lebhafter Erörterungen, bte alle auf eine Anerkennung der von dem Kronprinzen gezeigten Herrschertalente hinauslaufen. Besonders fei noch in dieser Beziehung hervorgehoben, daß der Kronprinz auch in den kritischsten Stadien seiner Regentschaft stets ent= schlosst» war, mit der Volksvertretung im Einverständnisse zu bleiben, ein Umstand, welcher uns für die Zeit der dereinstigen definitiven Re gierungsübernahme durch bin Kronprinzen eine günstige politische Perspektive eröffnet.
Der Bundesrath hat hinsichtlich des Antrages des Reichskanzlers, eine Generaleommissivn zur Revision des Zolltarifs einzusetzen, nunmehr Beschluß gefaßt. Danach sind aus dem Anträge alle Abschnitte entfernt worden, die auf schutzzöllnerische Vergünstigung des einen oder anderen Handelszweiges hindeuten, und der Bundesrath hat im übrigen nur beschlossen, ledigl ch eine Commissipn niederzusetzen, welche den Zolltarif zunächst auf seine Uebereinstimmung mit der neuen Münz-, Maß- und GewichtSordnung prüfen und einen entsprechenden Einklang herstellen soll.
Der Ausbruch de< Rinderpest in Ostpreußen und einigen Theilen
der Provinz Brandenburg erfordert noch immer die umfassendsten polizeilichen Vorsichtsmaßregeln, da eine Beseitigung der dem Rindviehstands drohenden Gefahr noch nicht eingetreten ist. Zumal werden auch von den Polizeiämtern der größeren Städte, wie Berlin, Breslau, Dresden und Leipzig, Vorsichtsmaßregeln ausgeübt, da die Einfuhr von Hornvieh in die größeren Städte bekanntlich von allen Seiten her geschieht und eine Verschleppung der Rinderpest da am meisten zu fürchten ist.
Die Berathungen im preußischen Abgeordnetenhaus« waren in den letzten Sitzung«n reich an hervorragenden Debatten, doch haben dieselben nicht verhindert, daß die parlamentarischen Arbeiten einen Verhältniß, mäßig rascheren Verlauf genommen haben, als dies in den früheren Sitzungen der Fall war. Die Etats des Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten und des Kronfideicowm ß wurden (in zweiter Lesung) genehmigt. Während jedoch bei der Berathung dieser und anderer kleineren Etats die Debatte nur eine geringfügige war, entspann sich bei der Beiathung der Etats des Reichs- und Staatsanzeigers eine scharfe Erörterung, indem die Abgeordneten von Scho llmer-Alst, Windthorst, Richter, Rickert und Miguel die einseitige Haltung der Regierungsorgane, und besonders die der Provinzialcorrespondenz tadelten. Der Minister des Innern Graf Eulenburg nahm dagegen die Provinzial-- correspvndenz gegen diese Angriffe in Schutz, doch gab er zu, daß während der Wahlen die Provinzialcorrespondenz einige Taktlosigkeiten begangen habe, gegen deren Wiederkehr er einwirken werde. In namentlicher Abstimmung wurde hierauf dir fragliche Dispositionsfonds der Regierung bewilligt. In den Reffortveründerulign der preußischen Minister wurden von der Budgetkommission des Abgeordnetenhauses Beschlüsse dahin gefaßt, daß die Verwaltung der Forsten und Domänen vom Finanzministerium auf das landwirthschastliche Ministerium L' ertragen und die Abtheilung für Handel und Gewerbe vom Handelsmini- sterium losgetrennt und unter das Ressork des Präsidenten des Reichs- kanzleramtes gestellt werden.
Der längere Zeit erkrankte preußische Kultusminister Dr. Falk ist gegenwärtig ziemlich wieder genesen und glaubt man, daß er bei der Berathung seines Etats im Abgeordnetenhause zugegen sein wird. Auch geht jetzt die Meinung dahin, daß gegenwärtig die wegen der Verhandlungen im Kirchenstreite schwierige Stellung des Ministers Falk gesicherter sei als früher.
In Oesterreich haben sich die Dinge nun doch zu Gunsten des Kanzlers Andraffy gewendet, ehe eine Abstimmung über die Billigung der österreichischen Regierungspolitik im Reichsrothe nothwendig wurde. Nach einer großen Redeschlacht in dem Parlamentsausschüsse, in welcher 35 Redner sich gegen den Antrag des Abg Schaup, der eine Mißbilligung der RegierungSpolitik enthält, erklärten und, wo auch die Minister Andraffy, Hoffmann und Bylandb Rheydt das Wort ergriffen, wurden sämmtliche Positionen des Budgets der auswärtigen Angelegenheiten angenommen, wodurch der Graf Andraffy einen großen Sieg davonge- tragen hat. — In Pesth ist die chronische Ministerkrisis nun auch beendet und dem Ministerpräsidenten Tisza ist es zum zweiten Male gelungen, das Ministerium wieder zusammenzuleimen. Das neue ungarische Cabinet besteht jetzt aus folgenden Mitgliedern: Präsidium und Inneres Tisza, Finanzen Graf Szapary, Handel der bisherige Staatssekretär im Ministerium des Innern Baron Kemeny, Minister am k. Hoflager Baron Wenkheim, Unterricht Trefort, Justiz Dr. Pauler, Communication Pechy, Landes Vertheidigung Bela Szende, kroatischer Minister ohne Portefeuille Koloman Bedecovics. Das bisherige Ministerium ist demnach nur durch zwei neue Mitglieder, Graf Szapary und Baron Kimeny, ergänzt.
In der italienischen Deputirtenkammer hat in den letzten Tagen eine lebhafte Debatte über die Stellung der Regierung zur Attentatsaffaire, zu der Aufhebung der Barsanti-Clubs und zu dem Treiben der Internationalisten stattgesunden. Cairoli erschien wieder, nahm unter lautem Jubel seinen Platz am Ministertische wieder ein und hat darauf die Regierungspolüik vertheidigt. Vor ihm sprach noch der Minister des Innern, Zanardelli, welcher konstatirte, daß wirksame Maßregeln gegen das Treiben der Internationalen ergriffen worden seien. Der Minister erklärte ferner, er würde auch besondere Maßregeln nicht zurückweisen, sofern dieselben nothwendig feien und gesetzmäßig bestimmt werden sollten, er halte jedoch die bestehenden Gesetze für ausreichend.