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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

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Samstag den 7. Dezember.

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Amtliches.

Bekanntmachung des Resultates der in diesem Jahre im Bereiche des landwirthschaftlichen Central-Vereins für den Regierungsbezirk Cassel abgehaltenen Prämien- schauen über Pferdezucht-Material.

Die unterzeichnete Prämiirungs- Commission hat, unter Mitwirkung ton Lokal-PreiSrichtern in den verschiedenen Gegenden des landwirth­schaftlichen Vereinsgebietes 11 Prämienichauen abgehalten

Im Ganzen wurden uns etwa 500 Pferde und Füllen, darunter auch eine Anzahl ton Wallachen und einige Hengstfüllen to geführt, und aus denselben konnten wir nahezu 170, als der Anerkennung wür dig, durch Verleihung kleiner Geldprämien auszeichnen. Außerdem er­theilten wir noch einige 80 Frerdeckscheine.

Der Prozentsatz an ertheilten Prämien würde ein größerer gewesen sein, wenn rucht einerseits Wallachen und Hengstsüü.'N, sowie Thiere von rowrisch irrationeller Aufzucht von der Concurrenz um Prämien ausgeschlossen wären, und wenn uns andererseits die Knappheit der diLponibeln Mittel einen weiteren Spielraum n'cht verschränkt hätte.

Leider mieten wir auch wieder in diesem Iahe an mehreren Schar oten einzelnen Thieren Prämien versagen, weil sie im Stalle aufgezogen, cder höchstens mal ab und zu an der Hand umhergeführt waren; doch konnten wir auch mit Genugthuung die Anlage einiger neuer Tummelplätze konstatiren. So lange Anlage und Benutzung von Tummelplätzen noch als eine besondere Leistung im Gebiete der Pferde­zucht hervorzuheben ist, so lange die Erziehung der jungen Thiere im Freien nicht überall als etwas ganz selbstverständliches betrachtet wird, so lange wird unser Betrieb der Pferd-zucht immer ein unfruchtbarer bleiben, und nicht diejen ge Rente abwerfen, die man voraussetzen wüßte, wenn man nach dem, bei Gelegenheit der Schauen ausgestellten Zucht- Material auf den gesammten Pferdebestand des landwirthschaftlichen Vereinsgebietes schließen könnte. Aber leider sieht man in den Ställen und auf dem Acker, wie wenig der hiesige Züchter seinen eige­nen Vortheil im Auge hat, wie er sich mit demselben Kostenaufwand, den ein brauchbares und werthvolleS Pferd verlangt, Krüppel großzieht, die wenig leisten können, deren er sich schämen muß, und die ihm Nie- wand abkaufen will; und wie er so ganz ungeeignete Thiere zur Zucht verwendet, weil er seine vielleicht bessere Stute verkauft, oder ein, unter verständiger Erziehung vielleicht ganz gut gerathenes Stutfüllen durch schlechte Aufzucht zu einer schiefbeinigen engbrüstigen Mutter her an ge­bildet hat.

An dieser Stelle kann ich nicht umhin, von Neuem auf einen großen Krebsschaden der hiesigen Zucht aufmerksam zu machen, der nicht weniger hemmend auf das freudige Erblühen derselben einwirkt, als d e unglückliche Stallaufzucht, vielmehr mit dieser in engem Zusammenhänge sieht; ich meine das sehr verbreitete geringe Verständniß für den Werth und die Auswahl des entsprechenden weiblichen Zucht-Materials.

Es ist eine merkwürdige Erscheinung, daß gerade in denjenigen Geginden, wo das aller ungeeignetste Stuten-Material zur Zucht ver- wandr w.rd, und der Züchter anscheinend keinen Begriff davon hat, wie ein Mutter Pferd beschaffen sein muß, daß man gerade da den schärfsten Urtheilen über die dort aufgestellten Landbeschäler begegnet, während jeder beliebige Bauernhengst dort rollauf Arbeit hätte, wenn er conces- sionirt wäre.

An diesem Unverstände sind bis jetzt alle Bemühungen und Er­mahnungen gescheitert, weil die Mehrzahl der hiesigen Pferdeb-sitzer gar kein Auge für die etwaigen Mängel ihrer eigenen Thiere hären, und Mancher es sogar sehr übel vermerkt, wenn ihm gesagt wird, daß ihm eine Prämie nicht ertheilt werden könne; ja er beschwert sich wo mög­lich über das ihm widerfahrene Unrecht in Wort oder Schrift, wie es in vorigem Jahre in Melsungen geschehn ist. Der richtige Züchter muß sich daran gewöhnn, schon an seinem Stutfüllen di jenigen Formen rind Eigenschaften erkennen und schätzen zu lernen, die eine Mutterstute unbedingt haben muß, wenn man sie mit Nutzen zur Zucht verwenden will mit anderen Worten: er muß das Brauchbare vom Unbrauch­

baren schon am Füllen unterscheiden können, sonst darf er überhaupt nicht züchten wollen.

Wer einigermaßen ein Pferd kennt wird zunächst nicht so unver­ständig sein, gutes Zuchtmaterial zu verkaufen wenn er nicht etwa über besseres zu verfügen hat. Ein solcher Züchter wird sich auch klar darüber sein, welchen Schlag Pferde er unter den gegebenen Verhält­nissen ziehen kann und ziehen muß. Ueber diegegebenen Verhält­nisse" hnaus experimentiren zu wollen ist offenbar züchterische Thorheit mit anderen Kosten: der auf dem heimathlichen Boden gewachsene Stutenschlag muß die Zuchtrichtung bestimmen, und der zu wählende Hengst muß dem Stutenschlage anpassen.

An jedem Scharorte haben wir versucht, die Züchter durch Be­lehrung in die richtigen Wege zu leiten und geben uns der Hoffnung hin, daß nicht alle Wo te in den Wind gesprochen sind.

Es erhielten im Schaubezirk Hochstadt, Kreis Hanau, für folgende Pferde Prämien:

1. Abtheilung der einjährigen Stutfüllen (8 St.)

1) Michael Marsch zu Mittelbuchen, Kreis Hanau für sein einjäh­riges Stutfüllen, schw. Rothschimmel, klein, Stern und Schnippe, Hinterfessel weiß, von einem D amstädter Hengst.

2) Michael Ruppel zu Müt lbuchen, Kreis Hanau, für sein einjäh­riges Stutfüllen, braun, linker Hinterfuß weiß, Abkunft unbekannt.

3) Ferd. Schwarz zu Baiersröderhof, Kreis Hanau, für sein ein­jähriges Stutfüllen, braun, linker Hinterfuß weiß, Abkunft unbe­kannt.

2. Abtheilung der zwe-jährigen Stutfüllen (6 St.)

1) Phil. Karpp zu Mittelbuchen, Kreis Hanau, für sein zweijähriges Stutfüllen, Rappe, beide Hinterfessel weiß, Abkunft unbekannt.

2) Johs. Mankel zu Hochstadt, Kreis Hanau, für sein einjähriges Stutfüllen, braun. Abkunft unbekannt.

3. Abtheilung der dreijährigen Stutfüllen (3 St.)

1) Bürgermeister Goy zu Roßt o f, Kreis Hanau, für sein dreijähri­ges Stutfüllen, Fuchs, Abkunft unbekannt.

4. Abtheilung der vier-, fünf- und seche jährigen Stuten.

1) Friedr. Brofch zu Mittelbuchen, Kreis Hanau, für seine sechs­jährige Stute, braun, Abkunft unbekannt.

2) Bürgermeister Schmidt zu Mittelbuchen, Kreis Hanau, für seine sechsjährige Stute, braun, rechte Hinterfessel weiß, Abkunft unbe­kannt.

3) Philipp Maisch III. zu Mittelbuchen, Kreis Hanau, für seine sechsjährige Stute, braun, Abkunft unbekannt.

4) Michael Mankel zu Hochstadt, Kreis Hanau, für seine sechs­jährige Stute, brapn, Alkunft unbekannt.

Cassel und Dillenburg, im November 1878.

In Vertretung des Vorsitzenden Der Landstallmeister:

des landwirthsch. Central-Vereins: gez.: von der Marwitz.

gez.: A. R. vom Hof.__

Die Herrn Fabrikanten des Kreises, welche jugendliche Arbeiter beschäftigen oder beschäftigen wollen, mache ich auf den § 138 des Reichsgesetzes vom 17. Juli c. aufmerksam.

Hanau am 6. Dezember 1878.

Der Landrath.

Zugeflogen: Ein gesprengelter Hahn.

Gefunden: Zwei neue Taschentücher mit rotier Borde.

Entlaufen: Ein gelber Toggenhund.

Hanau am 7. Dezember 1878.

Aus Königlichem Landrathsamt.

Lan-wirthfchastlicher Kreis-Verein Hana«.

Nächste Versammlung Samstag den 14. Dezember,

Nachmittags 2^2 Uhr, im Gasthaus zum goldenen Löwen in Hanau.

Tagesordnung:

1) Verschiedene wichtige Mittheilungen (Schiachtviehausstellung in Frankfurt a. M., Kreisbaumschule), (Dr. Hesse, Marburg);