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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samllaas mit der Berliner Provinzial Correspondenz.

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M 28 L

Dienstag den 3. Dezember.

MM»

SlmLliches.

Um eine möglichst einheitliche Gestaltung der hinsichtlich der Aus­übung der Fischerei in der Lahn und in der Nidda zu beobachtenden jährlichen Schonzeiten für die verschiedenen von dies-n Flüssen berührten Theile des Preußischen Staatsgebiets herzustellen, hat der Herr Mi­nister für die landwirthschastlichen Angelegenheiten von der ihm in den §§ 16 resp. 17 der Ausführungs-Verordnungen für Westfalen, die Rheinprovinz und die beiden Regierungsbezirke der Provinz Heffen- Nasssu vom 2. November 1877 vorbehattenen Abänderungsbefugniß Gebrauch gemacht. Auf Grund entsprechender Ermächtigung des ge­dachten Herrn Ministers vom 8. b. Mts. bestimme ich demnach für den Bereich der Provinz Hessen-Nassau was folgt:

1) Die Lahn unterliegt:

a) v-n ihrer Einmündung in den Rhein bis zur oberen Grenze des Kreises Wetzlar der Frühjrhrsfchonzeit,

b) von da bis zu ihrem Ursprung der Winterschonzeit;

2) In Betreff der Nidda findet ausschließlich die Frühjahrsschon- znt Anwendung.

Dwie Einrichtung tritt vom Jahre 1879 an in Wirksamkeit.

Suffel den 16. November 1878.

Der Ober-Präsident der Provinz Hessen-Nassau, v. Ende.

MuLmirthschastÜcher Lreis-Vereilt Hanau.

Nächste Versammlung Samstag den 14. Dezember, Nachmittags 2V2 Uhr, im Gastr-aus zum goldenen Löwen in Hanau.

Tagesordnung:

1) B r-Li'dene wichtige Mittheilungen (Schlachtviehausstellung in F ciiikfmt a. M., Kreisbaumsckule), (Dr Hesse, Marburg);

2) it« schaff ung von Saatgetreide zur Sommer-Bestellung;

3, Wiesknbüu, Referent Ä. Riegetwaun;

4) Hühnerzucht.

Der Vorstand.

Die Herren Bürgermeister werden um Veröffentlichung des Vor- Kehendnn ersucht.

Hanau am 26. November 1878.

Der Landrath.

A N K d f ch a «.

R. F. Die Pflicht, d s allverehrte Oberhaupt des Reiches, un- sercn Kaiser Wilhelm, b.i seiner Rückkehr und leimm demnächstigen Aufenthalte in der Reichkhauptstadt gegen alle möglichen Angr-ffe mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu schützen, hat es als nothwendig er chernen lassen, in Bezug auf Bert n und die Nachbalstädte außer- ubiniL^e Maßregeln im Sinne des § 28 des Seciafistengesitzks zu liessen. So b.tter diese Maßnahmen wohl da und dort empfunden werden, so kann man ihnen die Billigung doch nicht versagen. Denn nach den Attentaten in Berlin und bin jüngsten Ereign ffen in Jtali n ist die äußerste Vorsicht wohl am Platze, um das L-ben deS Ersten und Besten zu schützen. Außerdem ist der betreffende Paragraph des Seciälistengesetzts auch nur theilwe.se in Anwendung gebracht worden Nur da» Tragen von Waffen und die Einführung und der Verkauf von Spnn. geschossen ist für Nichtbefugte in Berlin und Umgebung verboten, und Personen, von denen man direkt oder infinit eine Gefährdung der öffer.tl'.chen Sicherheit fürchtet, können ausgewiesen werden. Diese SKaß» rezel best die socialdemokräUschen Agitatoren allerdings halt betroffen d-nn 42 deis.lben, darunter die ReichStagsabgco dneten Hasstlmann und Fritzsche, wurden ausgewiesen. Das allgemeine menschliche Mitleid kann Ulan diesen Personen,"welch- zum Theil in Berlin Geschäfte besitzen, wohl n cht versagen doch fallen sie einer Bewegung in unserem politi­schen Leben zum Opfer, die sie erst selbst heraufdrschworen haben.

Berlin hat zum Einzüge des am Donnerstag Mittag in Berlin eintieffenb.n Kaisers ein ,v prächtiges Festgewand angezogen, daß das­selbe, wenn die Jahreszeit günstiger wäre, in keiner Beziehung fast groß artiger gedacht werden könnte. Auf die Einzelheiten dieser Dekorationen

jetzt einzugehen würde zu weit führen das müssm wir bis zur Schil­derung des Einzuges des Kaiserpaares in Berlin verschieben.

Fürst BiSmarck wird, wenn ihn n cht noch besondere Umstände dazu bewegen, leim Empfange des Kaisers m 8eri n wahrscheinlich nicht zugegen snn. Das Allgemetnbkfind.n des in Früdnchsiuhe weilenden Reichekansiers ist zwar b.friedig?nd, doch fürchten die Aerzte, drß eine zu frühzeitige Unterb echung des Landaufenthaltes die schlimme Nerv-n^ krankheit d s Kanzlers wieder hervor bringen könnte und Fürst Bismw ck muß doch im Dienste des Kaisers und biS Reiches feine Kräfte summ in und schonen.

Bei d r Ankunft des Kaisers in Berlin wird jedoch e ne hervor­ragende Person aus der auswärtigen Diplomatie zugegen fein. st GoUschakoff, der ru si che Staatskanzler, welcher auf einr Rückreise aus den deutschen Bädem nach Rußland begriffen ist, gedenkt den Kaiser Wilhelm am Deunerstag in Berlin mit begrüßen zu können und man ist geneigt, diese Anwesenheit des russischen Kanzlers in Berlin n cht nur als einen Höfl chkeitSakt Hui zu stellen, sondern man bringt sie auch mit der politischen Lage in Verbindung, da Rußland noch immer nicht zu d fia t v n Entschlüssen gelangt fei.

Auf mdirekrem Wege hat man in Erfahrung gebracht, daß es h n- fichllich der von d n deutschen Finanzm n stern auf der Heidelberger Eonserenz in Angriff genommenen Finanzreform auch tu ihrer Initiative noch nicht besonders bestellt ist. In der badischen zweiten Kammer wurde der Ministe:Präsident Elstötter in dieser Angelegenheit interpeßui, doch stand er weder Rede noch Antwort. woraus man schließt, daß in Heidelberg wenig oder nichts von d n Finan-miniKer» in Sachen der FinanzresorM erreicht worden fei. Hoffentlich werden daher die Zusam- m nkünsie, welche die deutschen Finanzminister demnächst in Berlin hrb.n sollui, er fraulichere Refuftat« rer en lusfi n.

Die ersteBerathung des Stets im preußischen Abgeordnetenhause hat bisher ihren ungestörten Fortgang genommen, sie wird sich aber doch, weil man schon vielfach Dinzechriten erwogen hat und sich auch über die Art der Kprcialberathüvgen Nicht immer gleich erchgen konnte, bis in die Mitte der laufenden Woche erstrecken. Da die erste Bera thung des Etats stets nur summarisch gehalten wird und selten inD scheidende Momente aufzuweisin hat, so ist von diesen Berathungen auch nachts Hervorragendes zu melden In der Montagssitzung d-s Ahge- ordn tenha ses verhandelte man auch über die Zuständ gkert der Mini­ster für Fin-nzen, Land Wirthschaft und Handel Mv 'erlbigte in erster Berathung noch einige kleinere Gesetze.

Für die internaii nal n BerMtnisss Europas ging in der letzten Woche eine Nachricht durch Die Zeitungen weich», weil ihr noch jede Bestätigung fehlt, wir zur Zeit noch als Gerücht aussüss n, doch weil eine innere Wahrscheinlichkeit ihr n cht aügesprochcn werd n kann. Halten wir sie bet Erwähnung werth. Danach soll der Koffer on Deutschland anläßlich d r in letzter Zeit häufigen Attentate auf gekrönte Häupter die Anregung zu ernem Fürssincongnssr gegeben haben, der sich mit der Frage einer allgemeinen Sicherste ffnng bis lästigen soll

Das Hervo treten ein- s Konfl ktS zw schen der österreichischen Re­gierung und der österreichischen Volke Vertretung wegen NichthewilligWg des NachiragSkeedüs von 42 Millionen für hie b-Sniiche Occupaticn, hat die Regierung genöthigt, demnächst den Reichsrath e»n,unberufen, d r zunächst über den Berliner Vertrag feine Billigung ansip echen soll. In b r Kvvflikifiage haben Die versaAungstreuen Mitglieder des öster­reichisch! n ParlamentSausschuffrs beschlossen, b.e Occupationsvorlage als solche nicht in Berathung zg z eh n, sondern den verlangten Kredit in einem Extraord nwium nicht dem Kenzler Andraffy, sondern dem Kriegs- niin.fter zur Beifügung zu stellen. In der ungarischen Hälfte Oesterreichs schein n wegen £ er wenig sichren Stellung des Minister-- präsid nt-n Tttza, welch'm ein Therl fe ner Partei untreu geworden ist, die Dinge demnächst wieder zu einer Mmsterknsis zu treiben

In England verhält man sich zur Zeit ziemlich ruh-a, obwohl gerade England mit seiner Politik fast mehr als jeder andere Staat wegen der Angelegenheiten des Orients und der afghanischen Affaire engägirt ist. Es ist dieser Zustand wohl die Stille vor dem Sturme,