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Donnerstag den 28. November.

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— Berlin, 27. November. (Abgeordnetenhaus.) Im weiteren Verlause der gestrigen Sitzung erklärte der Herr Justiz-Minister auf die Interpellation des Abg. Schorlemer-Alst, die Regierung könne die gestellten Anfragen zu ihrem Bedauern präcis weder bejahen noch ver­neinen, sie verkenne keineswegs die Bedeutung und Wichtigkeit der ge­stellten Fragen und werde denselben jederzeit lebhaftes Interesse zuwen- den. Auf Antrag Dr. Meyer's i Berlin) wird die Interpellation be­sprochen. Hierauf beendete das Haus noch ohne Debatte die erste Be­rathung des Entwurfs eines Nachtrages zum Staatshaushalts Etat für 1878/79, betreffend die Watrikular Beiträge (Schluß 4 Uhr.)

In der heutigen (6) Sitzung theilte der Präsident mit, daß das AntwortschreibiN Sr. Majestät des Kaisers und Königs auf ein Schrei­ben des Gesommtvorstandes, worin letzterer, vom Hause dazu outorisirt, den Gefühlen der preußischen Volksvertretung für Se. Majestät Aus­druck gegeben hat, eingetroffen sei. Das Haus vernahm stehend das Allerhöchste Schreiben. Dasselbe lautet:

„Ich habe den von dem Gesammtvorstand des Abgeordnetenhauses unter dem 20. d. M Mir gewidmeten Zuruf gern entgegengenommen; es hat Wir eine herzliche Freude bereitet, daß das Abgeordnetenhaus seine Thätigknt in der gegenwärtigen Landtagssession damit begonnen hat, Wir eingedenk deS herben Geschicks, das Mich im Laufe des Jah­res heimgesucht hat, wie aus Anlaß Meiner glücklichen Genesung seine warme Theilnahme zu bekunden. Mit innig empfundenem Danke er­kenne Ich m Ihrer Aufmerksamkeit den Ausdruck der Anhänglichkeit, von welcher die gewählten Vertreter des Landes für Weine Person und Mein Königliches Haus erfüllt sind Je tiefer Ich von der Aufrichtig­keit derselben überzeugt bin, mit desto größerem Nachdruck kann Ich die in der Adresse ausgesprochene Annahme bestätigen, daß gegenüber den schmerzlichen Erfahrungen dieses Jahres die zahllosen Beweise von Mei­nes Volkes Treue, Liebe und Hingebung Mein Gemüth dankbar aufge­richtet und Meinem Herzen zu köstlichem Troste gereicht habiN Gestärkt und erhoben durch dieses Vertrauen gedenke Ich nach der von der gött­lichen Vorsehung Mir beschiedenen Wiederherstellung bald in Meinen Fürstlichen Beruf zurückkehren, dem Ich Mich um so lieber wieder bin- geben werde, als Ich sicher bin, bei dem Hause der Abgeordneten einem ungetrübten Verständniß Meiner der ruhigen Entwickelung des Vater­landes gewidmeten Bestrebungen zu begegnend

Das Haus trat sodann in die Berathung der Nachweisung über die Anzahl der für das Jahr vom 1. April 1878/79 zur Klassensteuer und klassifizirten Einkommensteuer veranlagten Personen und über den Betrag der für dasselbe Jahr veranlagten Steuer. Der Abg. Rickert beantragte, die Vorlage an die Budgetkommission zur Berichterstattung zu überwersen. Auf einige Bemerkungen des Abg. Berger, die Zeittei­lung des Steilereinkommens auf die verschiedenen Provinzen des Staa­tes betreffend, entgegnete der Regierungskommissar, Geheime Finanzrath Lillenburger, daß es eine undankbare Aufgabe sei, in Zeiten, wo aner­kannter» aßen Handel und Industrie zurückgegangen sei, eine Nachwei- sung des Steuereinkommens zu vertreten, aber wenn auch keine abso­lute, so sei doch eine relative Minderbelastung sowohl bei der Klassen» sieuer wie bei der Einkommensteuer nachweisbar. Jedenfalls sei die Re­gierung bemüht, eine gleichmäßige Einschätzung in aUtn Provinzen her- beizuführen.

Der Antrag Rückert wurde augenommen. (R. u. St.-A.)

— Berlin, 24. Nov. Die Reichscommission für das Sozialisten- gesetz hat unter dem Vorsitz des Grafen zu Eulenburg am Montag ihre erste geschäftliche Sitzung abgehalten, in welcher bereits die Entscheidung über eine Anzahl von Beschwerden zu treffen war. — Der sich fühlbar machende Mangel an Silbermünzen hat, wie gemeldet wird, die Regie­rung des Königreichs Sachsen veranlaßt, im Bundesrathe eine nicht un­bedeutende Vermehrung der Silber münzen in Vorschlag zu bringen. — Die Tabak-Enquotekommissivn ist seit einigen Tagen in die Berathung der Grundzüge für bte Einführung der Tabakssabrikatsteuer eingetreten. Die Verhandlungen scheinen nunmehr einen etwas rascheren Verlauf zu

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nehmen. Indessen wird die Berathung der Fabrikatsteuer voraussicht­lich noch einen erheblichen Theil dieser Woche in Anspruch nehmen. In­zwischen wird der Commission auch der Bericht des Geh. Oberfinanz» raths Schomer, welcher das Facrt aus den in Amerika gemachten Er­fahrungen bezüglich dieses Steuersystems zieht, vollständig mitgetheilt werden. In der Commission waren die entgegengesetzten Ansichten über die Tabakssteuerfrage vertreten, um so schwerer fällt es ins Gewicht, daß, wie die „B. Börs.-Ztg." wissen will, säwmliche Mitglieder mit der Ueberzeugung zurückgekehrt sind, daß die Fabrikatsteuer auf die Ver­hältnisse im Deutschen Reiche nicht anwendbar und vor Allem mit den Deutschen Verwaltungsgrund-ätzen nicht vereinbar ist. Die Enquote- komnussion wird diese Seite der Frage vorläufig außer Acht zu lassen und vorzugsweise die Modalitäten ins Auge zu fassen haben, unter de­nen eventuell eine Tabakssabrikatsteuer in Deutschland einzuführen wäre. (Trib.)

— Berlin, 25. Nov. Laut eines von dem Kriegsminister und dem Minister der Justiz ergong nen Bescheides sind unter den nach §. 2 Nr. 4 der Reiche controlmdnung zur Mitwirkung bei der Contro^e verpflichteten Gerichten auch bte Polizeigerichte zu verstehen und es haben sich die bin Ersetz- oder Landwehrbehörden zu machenden Mit- theilungen der Gerichte, beziehungsweise die Eintragungen in die Rekru- tirungsstammrollkn auf sämmtliche Bestrafungen, einschließlich der wegen Uebertretungen, zu erstrecken. Ferner sind in die RekrunrungsstamM-- rvllcn alle Bestrafungen, mögen sie vor over nach dem Einttitte der Betroffenen in das miliiärpfllchtigk Alter erfolgt sein, einzutragen, so­weit sie zur Kenntniß der mit der Führung der Stammrollen beauf­tragten Behörden gelangen; auch liegt letzteren die Verpflichtung ob, die in einzelnen Fällen etwa herrort:elenden Zweifel durch die nöthigen thatsächllchlN Erörterungen äuszuklärm und das Ergebniß in dL Stammrolle zu vermerken.

— Das Vermögen der vielbesprochenen sächsischen Domstifter Merseburg, Naumburg, Zeitz ist folgendes: Das Domstift Merseburg besitzt an Grundstücken 367,303 Mark, an Kapitalien 1,107,127 Mark, an Renten und sonstigen Gefällen 31,951 Mark, zusammen 1,506,281 Mark. Das Domstfft Naumburg ist rerch-r; es hat an Grundstücken 1,982,(00 Mark, an Kapitalien 1,517,740 Mark, an Renten und sonstiges Gefallen 87,522 Mark, zusammen 3,587 262 Mark. Das Domstift in Zeitz, welches mit dem zu Naumburg verschmolzen werden soll, besitzt an Grundstücken 7950 Mark, an Kapitalien 490,985 Mark, an Resten und sonstigen Gefallen 146,581 Mark, zusammen 645,516 Mark. Das dem preuß. Abg-Haus vorgelegte Gesetz über die Reor­ganisation der drei sächsischen Stifter bezweckt, die Einkünfte bei selben in erhöhtem Maße dem Interesse von Kirche und Schule dienstbar zu machen. Die jetzigen Inhaber der Domfiiftssin'ekuren verbleiben natür­lich im Genusse derselben; die später aber vom König zu ernennenden Domkapitelttuiglieder, je drei für Merseburg und Naumburg-Zeitz, sollen nur Präbenden von 3000, resp. 2500 und 2000 Mark erhalten. Die überfchießenden Einkünfte der Stifter sollen zu kirchlichen und Schul­zwecken, vorwiegend im Interesse der Gymnasien zu Merseburg, Naum­burg und Zeitz verwendet werden. Man will bezweifeln, daß das Alg..Haus seine Zustimmung dazu geben werde, überhaupt noch Per- soualpräbendtn aus dem Vermögen der Domstifter auszuwerftn. (Schw.M )

— Trieft, 26. November. (R.- u. St.-A.) Die itälienifche Barke „Carwella", welche mit circa 400 Faß Petroleum beladen war, ist in der Bucht von Muggia in Brand gerathen.

— Von den bei d>.m Bomben Attentate in Florenz Verwun­deten sind zwei weitere Personen gestorben; das Attentat hat demnach bereits vier Opfer gefordert.

— Rom, 26. Nov. (Kö'n. Ztg.) Kömg Humbert sandte an Leo durch Vermittlung des Bischofs von Neoper einen Antwortbrief, der in den verbindlichsten Ausdrücken dankt. Der Papst war dadurch aufs angtmhmste berührt und äußerte: dieser König könne Italien viel Gutes thun, wenn er die Parteigänger und Sectirer meide.

— Rom, 27. Nov. (Köln. Zig.) Der Erzbischof von Bamberg fungirt bis zur Beendigung des Culturkampfes als Träger der Verbin-