1561
eigenen Kommers, da um alle BerlinerfStudirenden zu fassen, kein Lo- kal ausgereicht hätte. Wi
— Die Nordd. Allg. Zto. gibt heute einige Bemerkungen der wiener „Presse" zur Frage des HondelsrertrageS zwischen Deutschland und Oesterretch-Un! arn wieder. Auf biete Weise erfahren wir nun, daß die deutsche Reichsregierung „nicht abgeneigt ist, auf den Abschluß eines provisorischen Meistbegünstigungsver träges unter gewissen Modalitäten einzugehen", und daß die Vertreter der österreichisch ungarischen Regierungen sich „in Kürzestem" nach Berlin begeben werden, um die Angelegenheit zur Entscheidung zu bringen. „Welcher Art diese Entscheidung sein wird", meint die Nat.-Lib. Corresp., „läßt sich indeß noch keineswegs mit Sicherheit vorhersehen. Die „Presse" erklärt allerdings die Behauptung, daß Oesterreich von Deutschland ein bestimmtes Engagement bezüglich der zukünftigen zollpolitischen Behandlung der österreichischen Rohprodukte gefordert habe, für vollständig unbegründet; aber sie bezeichnet die vollständige Wiederherstellung der Rohleinenein- fuhr als eine Bedingung, auf welcher Oesterreich nothwendig beharren müsse, und es ist damit der schließlichen Verständigung noch ein sehr beträchtliches Hinderniß entgegengestellt. Bekanntlich verlangt Oesterreich die freie Leineneinsuhr als Gegenleistung für die Aufrechterhaltung des Veredelungsverkehrs. Wenn hier und da gesagt worden ist, daß Deutschland als solche Gegenleistung die Aufrechterhaltung des Zoll- cartells angeboten habe, so kann das schon deßh-eib nicht richtig sein, weil an dem Fortbestehen dieses Cartclls beide Theile das gleiche Interesse haben. Was indeß den Veredelungsverkehr betrifft, so ist eS eine österreichische Uebertreibung, wenn derselbe als ausschließlich für Deutschland Vortheilhaft dargestellt wird. Oesterreich würde ihn zur Zeit gar nicht entbehr» n können."
— Ein Restaurateur (Speisewirth), welcher eine Konzession zum Ausschank von Getränken nicht hat, darf, nach einem Erkenntniß des Ober Tribunals, vom 29. Oktober d I., weder geistige noch sonstige Getränke, die auf der Stelle genossen werden und Gegenstand eines qe« werbsmäfigm Verkaufes sind, wie Kaffee, Thee, Milch, Selterwasser u. dgl. n ehc verabreichen.
— S. M. gedeckte Korvette „Bismarck", 16 Geschütze, Kommandant Korv.-Kapt. Deinhard, ist, telegraphischer Nachricht zufolge, am 25. November er. in Plymouih eingetroffen. An Bord Alles wohl.
— Mecklenburg-Schwerin. Seit einiger Zeit betreiben die auf Seminarien ausgebildeten Volksschul- und Elementarlehrer in Mecklenburg eine eigenthümliche Ag tation, zunächst noch in ihrer pädagogischen Vereinen, indessen in stets wachsendem Tempo. Sir sind unzufrieden mit der Vergünstigung einer Ableistung der persönlichen Militär-Dienstpflicht in sechswöchentlicher Ausbildung, sie wollen aber auch nicht drei Jahre, sondern als Einjährig-Fre willige dienen, aber mit Equiptrung und Verpflegung durch den Staat. In einer solchen Versammlung des Lehrervereins der Städte Toberan und Kiopelin und deren Umgebung, über die das „Mecklenb. Tagebl." berichtete, wollten die Gemäßigteren diese einjährige Dienstzeit mit Sold unter Verzicht auf die Freuvilligenschnüre; die Mehrzahl bestand aber auf den Schnüren, weil „die competentesten Seiten" jetzt anerkannt hätten, daß ein Seminarist nach seinem Abgangsexamen, abgesehen von fremden Sprachen, einem Studenten an Wissen gleichstehe. " (Trib.)
— Paris, 25. Nov. Graf Chambord hat ein Schreiben an den Deputirten Grafen Mun (klerikal), dessen Wahl für ungültig erklärt worden ist, gerichtet, in welchem er denselben zu seiner muthigen Vertheidigung der Religion beglückwünscht.
— London, 26. Nsv. Der Hamburger Passagierdempfer Pommerania, von New Isrt bez. Plymouth kommend, stieß um Witter, nacht bei Nebel 13km südwestlich von Folkestone mit der Barke Mocl Elian aus Carnarvon, in Ballast von Rotterdam nach Cardiff zusammen. Die Pommerania sank in zehn Minuten; 170 Passagiere wurden durch den Dampfer Glengarry von Middlesborough gerettet und in Dover gelandet. Die Zahl der Ertrunkenen wurde Anfangs auf 200, später aus 50 angegeben. Die Barke ist stark beschädige, aber flott geblieben. (Köln. Ztg.)
— Rom, 25. Nov. (Köln. Ztg.) . Der König empfing eine Deputation des Senats und der Kammer so wie die Präsidien beider Häuser uno nahm dre am 21. d. gutgeheißenen Adressen in Empfang. Er danUe und erklärte, von allen Kundgebungen sei ihm die des Parlaments die angenehmste. Heute Abend findet ein großartiger Fackelzug Statt. Die Wunde Cairoli's ist in Folge der Reiseanstrengung leicht enrzündet, so daß er wahrscheinlich 4—5 Tage lang das Bett nicht wird »erlassen können. Die Nachricht, Cairoli habe den König im Einver- ständnitz mit Zanardelli ersucht, die Kammer aufzulösen, ist, dem Diritto zufolge, unbegründet.
—- Bukarest, 25. Nov. Eine hier eingegangene Depesche aus Livadia weist die russischen Behörden an, die Dobrudscha an die rumänischen Behörden zu übergeben. Die Besitzergreifung der Dobrudscha Seitens Rumäniens beginnt morgen früh 9 Uhr.
— St. Petersburg, 26. Novbr. Die Berufung des Fürsten DondukoffKorsakoff nach Livadia war veranlaßt durch den Willen des
Kaiseis, dem Fürsten ausdrücklich auszukprechen, daß er sich aller zweideutigen Aeußerungen gegenüber den Bulgaren zu enthalten und sich strikte an die Instruktionen zu halten habe, welche ihm in Betreff der Organisation Bulgariens in Ausführung des Berliner Friedens ertheilt worden sind Er habe darüber in seinem persönlichen Verkehr mit Bulgaren keinen Zweifel'zu lassen. — Noch der Rückkehr Sr. Majestät des Kaisers dürften einige Personalangelegenheiten höherer Verwaltungs- u. diplomatischer Stellen zur Ent'cheidurg kommen. Schon jetzt kann indeß versichert werden, daß die Behauptung eines Tausches zwischen unserem Botschafter in Wien und unserem Botschafter in London, von Novikoff und Graf Echuwaloff, nicht in das Bereich der schwebenden Fragen gehöre. — Die Behauptungen Wiener Korrespondenten, daß zwischen der Pforte und Rußland auf den Abschluß eines definitiven Friedensver- trages verzichtet sei, dafür aber die Pforte die durch den Berliner Vertrag nicht aufgehobenen Bestimmungen des Vertrages von San Stefano lediglich bestätigen werde, werden in hiesigen unterrichteten Kreisen als unbegründet bezeichnet. — Mit dem heutigen Tage beginnt die Ueber- gabe der Dobrudscha an die rumänische Regierung. (R. u. St.-A.)
— Laho re, 26. Novbr. (R. u. St.-A.f In Alimusjid wurde eine Anzahl verwundeter und kranker afghanischer Soldaten gesunden. Die Kavallerie-Abtheilung unter dem Befehle Macphersons hat ihre Vereinigung mit der Division Browne's in Alimusjid am 22. dss. bewerkstelligt" Die erste Division des Qu ttah Corps unter dem Oberbefehl Biddulphs hat heute Pischina besetzt.
— New - Aork, 25. Novbr. Der Dampfer „England" von d-r National-Dampfschiffs'Compagnie (C. Messing'sche Linie) ist heute hier eingetroffen.
Lokales.
Hanau, 27. November 1878.
— In dem Gasthause „zum Anker" in Kesselstadt wurde gestern Abend das Geburtsfest Sr. Königl. Hoheit des Landgrafen von Hess n gefeiert. Ungefähr 80 Theilnehmer aus Hanau und Umgegend hatt n sich eingefunden. Herr Landrath Frhr. v. Schrötter hielt die Festrede auf Se. Kgl. Hoheit den Landgrafen und seine hohe Familie. Ein Hoch au; Se. Majestät unsern Kaiser wurde von Herrn Direktor Frey ausgebracht.
Während des Festes erfreute Herr Direktor Frey die Anwesend»n in liebenswürdiger Weise durch einige poetische Vorträge.
Für recht gutes Essen und recht guten Wein hatte der Wirth Herr Eberhard gesorgt.
DaS Terzett der Damen von Hausen und Floder machte die Tafelmusik mit Zither-Spiel und Gesang.
Spät trennten sich die Festgenoffen, die einen angenehmen Ab»nd verlebt hatten.
— Uebermorgen Abend wird die berühmte Tyroler Conc Sänger-Gesellschaft Ludwig Rainer, welche des Bußtages halber an diesem Abend in Frankfurt nicht auftreten kann, im Saale „zum Riesen" dahier concertiren.
— Von den in der Nacht von Samstag auf,Sonntag aus dem hiesigen Gefangenhause Ausgebrochenen ist der Eine in Wiesbaden wieder dingfest gemacht worden.
— Der Entendieb ist ermittelt, ebenso sind zwei junge Bursch n aus der Judengasse verhaftet, die im Verdacht stehen den kürzlich gemeldeten Uebersall verübt und dem UebersaLenen bte Uhr abgenomwen zu haben.
— Von heute an kostet das Pfund Hammelfleisch bei Metzger A. Ochs in der Sterngasse 50 Pf.
—r. Noch immer machen die Bäcker keinerlei Anstalten von den hohen Brodpreisen herunter zu gehen. Unwillkürlich sehnt man sich u-ch den alten Zeiten, wo die Taxen polizeilicherseits regulirt und festgestellt wurden.
— e. Die zwei Kanonenschlag-Männer sind ihrer Hast vorerst wieder entlassen worden. Es wäre zu wünschen, wenn diese Bübereien exemplarisch gestraft würden.
Versteigerungs- und Verpachtungs-Kalender für Donnerstag den 28. November.
Vorm. von 10—11 Uhr ist bei Königl. Amtsgericht, Abthl. II hier, Termin zum Verkauf des den Fuhrmann Johannes Reuling'schen Kindern gehörenden Grundvermögens, Brandvers.-Nr. 4 der Altstädter Nebengasse, anberaumt (s. Nr. 241 „Han. Anz.")> — Nachm. 2 Uhr versteigert Herr Taxator W. Seiffert im Gasthaus „zum Elephanten" wegen Wohnortsveränderung gegen Baarzahlung: 3 Sopha's, 1 Chaise- long, 2 Sessel, Bettstellen mit Sprungfedermatratzen, Büffet, sonstige Stuben- und Küchenmöbel. Bettwerk rc. — Ebenfalls Nachm. 2 Uhr kommen im Amtsgerichtslokal gegen Baarzahlung: 2 Wanduhren, 2 Tische, 2 Spiegel, Küchenschrank, 7 Bilder rc. gegen Baarzahlung zum Verkauf.
— Für heute. Abendgottesdienst in der Marienkirche: Anfang 7 Uhr; Prediger: Herr Missionär Schrenk aus Frankfurt a. M. — Hanauer Stadttheater: Zum zweiten Male: „Die Ahnfrau", Tragödie