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gesetz, welches in der Frühjahrssession bekanntlich nicht zur Beratbung im Plenum gelangte, der Entwurf eines Viehseuchengesetzes, dessen Vorbereitung so weit gefördert ist, daß die Vorlegung desselben an den Bundesrath in Kürze erfolgen kann. (D Montags. Blatt.)
— Die österreichischen Vorschläge wegen Abschluß eines Meistbe- günstiguugsvertrags sind nach der „Trib." seitens des Reichskanzlers einer aus Mitgliedern der beteiligten RnchS- und Staatsbehörden bestehenden Commission zur Begutachtung überwiesen worden.
— Pforzheim, 23. Nov. Einem hiesigen Bijouteriehändler, der mit bedeutendem von Pforzheimer Fabrikanten bezogenen Waaren- »orrath in Holland Geschäfte zu machen suchte, wurden, wie man hört, in einem Hotel zu Amsterdam, während er Abends ausgegangen war, Goldwaaren im Werthe VM über 20,000 Mk. gestohlen." Der Dieb hatte, um in daS Zimmer zu gelangen, außer dem gewöhnlichen Verschluß auch ein besonders angelegtes, sog. Vorhängschtoß, zu beseitigen gehabt. Von dem Thäter ist bis jetzt keine Spur ermittelt worden. Zum Glücke — auch für die hiesigen Lieferanten, die zum Theil Master- kollektionen beigelegt hatten — ist der Gestohlene bei einer St. Galler Gesellscha't versichert. Hoff ntlich wird die Untersuchung das über diesem Verbrechen liegende Dunkel aufzuhellen vermögen (Pwrzh. Beob.)
— Prag, 20. Nov. Die bedeutende hiesige Spinnerei von Joseph Pietschmann ist in der letzten Nacht ein Raub der Flammen geworden.
— P e st, 23. Novbr. Der Heeresausschuß der ungarischen Delegation votirte nach eingehender Debatte die für die Umgestaltung der Werndlgewehre beantragte Summe von 1,712,000 Fl.
— Rom, 22. Nsv. In der vorigen Nacht tauchten h er Maueranschläge auf, welche das Publikum von dem festlichen Empfange des Königspaares abschrecken sollten und die von der Polizei schleunigst entfernt wurden. Es sind darauf verschärfte Vorsichtsmaßregeln getroffen und viele Verhaftungen vorgenomm-n worden. — 23. Nov Zu dem morgen Statt findenden Empfange des Königs und der Königin werden umfassende Vorbereitungen getroffen. Die Blätter geben der Befriedigung über die anläßlich des Mordversuches von den auswärtigen Blättern veröffentlichten sympathischen Kundgebungen Ausdruck. Die Verhaftungen von Internationalisten in verschiedenen Städten dauern fort. In Pisa wurden drei Leute verhaftet, die im Verdachte stehen, an dem Werfen der Orsini-Bomben theilgenommen zu haben In Padua haben bei drei Internationalisten Haussuchungen Statt gefunden; es sollen dabei kompromittirende Schriften gefunden worden sein.
— Neapel, 22. Nov. Der König besuchte Abends den Ministerpräsidenten Cairoli und überreichte ihm die goldene TapierkeitS- Medaille. — 23. Nov. Garibaldi hat an den Ministerpräsidenten Cairoli folgende Depesche gerichtet: „Ich sende Ihnen Kuß und Umarmung. Dem Könige meine Glückwünsche." — Der König empfing gestern eine Deputation aus der Provinz Basilicata, bestehend aus dem Präfekten, einer großen Anzahl Bürger und den 50 Bürgermeistern der Provinz. (Köln. Ztg.)
— London, 23. Novbr. Dem „Reuter'schen Bureau" wird aus Konstantinopel gemeldet: Der Sultan hat ein Schreiben an den Kaiser Alexander gerichtet, in welchem er diesem seinen Dank ausspricht für seine Erklärung hinsichtlich der Ausführung des Berliner Vertrages und den Kaiser zugleich ersucht, zur Unterdrückung des Ausstandes in Ma- cedonien beizutragen. Dieses Schreiben wird dem türkischen Botschafter in St. Petersburg, Chakir Pascha, welcher sich nach Livadia begeben soll, in Odessa zugestellt werden.
— Lahore, 23. Nov. (Köln. Ztg.) Die Civil and Military Gazette meldet: Englische Cavallerie- uno Infanterie-Abtheilungen ha- ben ohne Kampf Slbi, eine Ortschaft östlich von Dadur, auf afghanischem Gebiet besetzt.
Spezialtelegramme des „Deutschen Montags-Blatt."
— Rom, 24. Nov., 9 Uhr Morgens. Die Thätigkeit des Untersuchungsrichters im Prozesse gegen Passamente ist wahrscheinlich am Dienstag abgeschlossen. Die Sitzung des Schwurgerichts wird ungefähr Mitte Dezember erfolgen. Der Mörder leugnet Hartnäckig, Mitschuldige zu haben. Die Anklagekammer beschloß nichts destoweniger, die verhafteten Internationalisten wegen eines Attentatskomplois anzuklagen. Die Verhafteten heißen Melillo, Schettino, Ciccaresi und Amato. Der Mörder ist immer gefaßt. Er verlangte Papier, um an seine Mutter zu schreiben. Er liegt in einer Zelle des Gefängnisses San Francesco den ganzen Tag auf seinem Bette ausgestreckt. Er gesteht, den Mordentschluß gefaßt zu haben, nachdem er von dem Attentat Hödels erfuhr. Er sagt cynisch: Jetzt werde er ein Mörder genannt, weil er nicht ordentlich getroffen habe. Ein konfiszirtes Testament des Mörders aus dem Jahre 1870 ergibt, daß er seit Jahren Mordpläne hegte; seine militärische Konduitenlffte ergibt, daß er schon zweimal zu Strafkom- pagnien versetzt worden war. Seine Kameraden gaben ihm den Spitznamen „Scheusal" wegen seiner durch entsetzliche Blatternarben Hervoc- gerufenen Häßlichkeit. Der Staatsanwalt verweigerte dem englischen Botschafter die Erlaubniß, den Mörder zu sehen.
— London, 24. Novbr. Die Engländer sind, fall ohne irgend welchen Widerstand zu finden, bis nach Pishin, vorgedrungen. Die
Afridistruppen haben 500 Afghanen ab geschnitten und sie entwaffnet.' In ganz Indien erwartet man die Nachrichten vom Kriegsschauplätze mit Ungeduld. Der bisherige Erfolg der britischen Waffen erregt hier große Freude.
— Rom, 24. Nov., 1 Uhr 20 Min. Mittags. Der „Fanfulla" erfährt, Waddington habe, interpelliet von dem englischen Botschafter wegen des Aufenthalts der französischen Flotte im Pyräus, erklärt, daß die französische Flotte den Befehl habe, Griechenland gegen die türkische Flotte zu schützen.
— Wien, 24. Nov., 1 Uhr 10 Min. Mittags. Die hoch offiziöse „Montagsrevue" meldet, daß die Zollverhandlungen mit Deutschland in nächster Woche beginnen würden. Als Basis würde die „Meistbegünstigung" dienen, jedoch betont die „Montagsrevue" die Aufrechterhaltung der bisherigen Bevorzugung des Rohleinenverkehrs als unerläßliche österreichische Bedingung. Die „Montagsrevue" erklärt, daß das Ins- lebentreten des neuen allgemeinen österreichischen Zolltarifs zu Neujahr gewiß sei.
Lokales.
Hasan, 25. November 1878.
— Freitag Abend ließen zwei junge Leute in der Krämerstraße einen Kanonenschlag los; der eine der Betheiligten ist eingesteckt.
— Vorgestern Morgen carambolirten am Ecke der Hammergasse und Marktplatz zwei Fuhrwerke, das eine wurde zur Ecdr geschleudert und das Pferd so beschädigt, daß es bereits verendet. Wie wir hören soll die beide Fuhrleute gleiche Schuld treffen.
— In der Nacht von Samstag auf Sonntag trug sich so mancherlei zu: Aus einem Garten bei der Wasenmeisterei wurde eine große Partie Wäsche gestohlen. Wie wir hören ist die Thäterin in der Person eines 16jährigen Mädchens, welches die gestohlenen Gegenstände zu versilbern suchte, ermittelt. — Aus einem Hofe verschwanden in Ermangelung von Gänsen — zwei Enten. — Gegen Morgen entwichen aus dem hiesigen Gefangenhause drei Arrestanten, indem sie das Mauerwerk unter dem Fenster herausbrachen und sich durch das Loch herunter- ließen; zwei der Ausreißer sind, wie wir hören, bereits zu längerer Zuchthausstrafe verurtheilt.
— Gestern Abend versuchte ein Junge in einem Geschäfte derRo- sengasse die Ladenkasse einer gründlichen Untersuchung zu unterwerfen, wurde aber gestört und gab, um weiteren Unannehmlichkeiten vorzub engen, schnell Fersengeld.
Werst eigerungS- und Berpachtungs- K alend er für Dienstag den 26. November.
Nachm. 2 Uhr wird in der Behausung Krämerstraße Nr. 22 mit der Versteigerung des C A. Rößler'schen Nachlasses fortgefahren.
— Für Heu te. Abends 9 Uhr: Spritze Nr. 4 in den „drei Schwanen"; Nr. 5 im „goldnen Herz".
— An Stelle des aus dem Gemeindeamte ausgeschiedenen Bürger - Meisters Schuffert zu Ostheim, Kreis Hanau, hat der jetzige Bürgermeister Georg Brodt lOr daselbst die Geschäfte des Standesbeamten daselbst übernommen.
—d. Wächtersbach, 24. Nov. Auf hiesigem Rathhause sind gegenwärtig zwei Thurmuhren ausgestellt, die nach der von Herrn Carl Flügel dahier erfundenen eigenthümlichen Hemmung, bei welcher daS Pendel erst nach einer Reihe von leeren Schwingungen neuen Anstoß erhält, gebaut sind. Jene Erfindung ist durch Beschluß K. Reichspatentamts vom 10. d. M auf 15 Jahre patentirt. Die Vorzüge derselben bestehen in dem einfachen und deshalb billiger herzust-llenden und leichter zu behandelnden Mechanismus, sowie in der aus ein Minimum beschränkten Reibung, welche das Einöien entbehrlich macht. Die Haupthindernisse für den regelmäßigen Gang der gewöhnlichen Th urm- uhren: Oeloerdickung und Temperaturveränderung sind durch diese Erfindung vollständig beseitigt. — Herr Flügel hat bereits Thurmuhren in Neuenhaßlau bei Gelnhausen uns zu Schafheim bei Babenhausen aufgestellt und wird demnächst auch in Offenbach eins seiner Werte der öffentlichen Schau übergeben. — Einsender glaubt im Interesse Sachverständiger und Reflektanten bezw. Gemeinden auf diese Erfindung aufmerksam machen zu dürfen.
— Das preußische Gesetz wegen Abwehr und Unterdrückung von Viehseuchen vom Juni 1875 verlangt eine Zählung des Pferde- und Rindviehbestandes. Von jedem Haupt soll eine verschwindend kleine Abgabe erhoben werden, deren Betrag aber erst erhoben wird, wenn die Verzeichnisse vollständig angefertigt sind. Als Zählungstag ist der 3. Dezember bestimmt. (H. M.)
— Marburg, 22. Nov. Gestern Morgen 8 Uhr starb in Wiesbaden, wo er bis vor wenigen Monaten als praktischer Arzt thätig war, in Folge eines Herz- und Nierenleidens Professor Dr. Ferdinand Robert. Am 29. Mai 1814 in Marburg als jüngster Sohn des seiner Zeit hochberühmten Vizekanzlers Robert geboren, war er nach Vollendung seiner Studien bis zum Jahre 1850 in seiner Vaterstadt als beliebter Arzt und Professor der Chirnrgie thätig.
Aus der Umgegend
— Der Frankfurter „General-Anzeiger" schreibt unterm 23. Nov.