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kommenen orientalischen Frage zu Ehren, aber darüber ist man noch im Ungewissen, sowie darüber, ob nicht eine der vorher genannten fünf Sprachen zu Gunsten des Griechischen wegs.elassen werden soll. Der Charakter der Zeitschrift soll ein hochossizieller fein, wie der Umstand beweist, daß in ihr die päpstlichen Breven und Allokutionen im Urtext sowie in den betreffenden Uebertragungen veröffentlicht werden sollen. Die Druckmaschinen sollen den neuesten Anforderungen entsprechen und aus Manchester — eben so gute wären freilich in Deutschland zu finden — bezogen werden Das Format soll, nach der „Köln Ztg", groß sein etwa wie das der genannten Zeitung. Die Schwierigkeiten, welche mit der Vielsprachigkeit verbunden sind, sollen durch die Gelehrten und sonstigen Hülfsmittel der Propaganda überwunden werden. Man hat bereits die Möglichkeit herausgerechnet, 50,€00 Abzüge an den Mann zu bringen, 10,000 in Rom durch Süaßcnverkeuf, die übrigen außerhalb der heiligen Stadt fund Italiens. Der Preis der einzelnen Nummer soll entweder 6 oder höchstens 10 Centesimi betragen. Bezüglich der Besetzung der obersten Leitung soll die Wahl noch zwischen dem bisherigen Redakteur des Monde zu Paris, Herrn Conestable, und dem Bruder des Papstes schwanken. Es ist bekannt, daß Leo mit der Art der ultramontanen Presse in allen Ländern nie einverstanden gewesen ist und schon als Kardinal eine neue katholische Zeitung zu gründen gedachte. Den bethen hiesigen klerikalen Organen, der Voce della Verita und dem Osservatme Romano. d ss n Besitzer in den guten Tagen von Pio Nono sich ein stattliches Bäuchlein angemästet hat und der den gegenwärtigen Papst mit Gesuchen um Unterstützung seines „unin° teressirten" Unternehmens oft, wenn auch mit schwachem Erfolge, bestürmt hat, ist der Schrecken über die neue Konkurrenz arg in die Glieder gefahren. Sollte wirklich über diese beiden ungeschliffenen Streiter Christi eine geschäftliche Schwindsucht kommen, so würde ihnen von der sonst ausnehmend höflichen römischen Presse schwerlich ein Wort des Bedauerns nachge schickt werden. An der neuen Gründung aber wird man, falls sie zu Stande kommt, jedenfalls ein interessantes Experiment erleben. Da das Annoneenwesen hier zu Lande noch in der Kindheit ist, namentlich aber in den Kreisen, für die das Blatt zunächst bestimmt sein wird, so wird von einem lohnenden Ertrage des Unternehmens kaum die Rede sein können, und die modernen Maschinen aus Man- chister dürften leicht rostig werden, wenn der zukünftige Nachfolger Liv's, wie leicht der Fall sein könnte, über die publizistischen Obliegen- hertm des Vatikans verschiedener Ansicht ist. (Perl Tagbl.)
— Rom, 21. Nov. Der Kriegsminister Bonelli ist zum Senator ernannt. Das Avv-nire St Sard-gna erinnert, daß Passamente, als er vor zehn Jahren wegen Verbreitung revolutionärer Manifeste in Salerno verhaftet wurde, der Polizei gegenüber erklärte, er habe sich mit dem Erlernen der französischen Sprache beschäftigt, um nach Paris gehen zu können, wo er Napoleon III. tobten wollte.
— England. Ern Glasgower Blatt veröffentlicht eine Liste von über 150 Fallissements in Glasgow und dem Westen Schottlands, die direkc ober indirekk auf die Zahlungseinstellung der „City of Glasgow Bank" zurückzuführen sind. Die Gesammtverbiudlichkesien der foHit gewordenen schottischen Filmen betragen 25 Millionen L. Der Werth des Capitals der schottischen Banken betrug am 1. Oktober 24 000.000 L. ; am vorigen Sonnabend, dem 16. d., belief er sich nur auf 19,000.000 L.
— In Greenwich (nächst London) sind von der enlischen Polizei 6 Fälscher russischer, Rubel-Noten mit einer großen Zahl von Falsifikaten, Druckmaschinen, Steinpatten und ailtn^ erforderlichen Apparaten verhaftet worden. Drei der Fälscher sind Russen, zwei aus Oesterreich, einer aus Deutschland. Die Namen dieser sauberen Gesellen sind: Vinz. Symurski, Martin Pfeiffer, Moritz Schalt, Jsaak Mazeck, Trojanowski und Rudolf Sikrut.
— London, 22. Nov. (Köln. Ztg.) Der Befehl zum Beginn der Operationen für die Colonne im Klyderpaß ist Mittwoch Abend in Jumrood eingetroffen, worauf die zweite Brigade sofort aufbrach, bei Lashora biwakirte und Donnerstag Morgen den Marsch nach dem im Rücken Alimusjids gelegenen Khetikesta .antrat, um dem Feinde den Rückzug abzuschneiden. Die erste Brigade marschiete Donnerstag Morgen um zwei Uhr ab, um die Anhöhe Khotaskos bei Lashora einzu- nehmin und auf das von dort völlig bestreitbare Alimusjid das Geschützfeuer zu eröffnen. Die dritte und vierte Brigade rückten bei Tagesanbruch auf der Hauptstraße des Passes zum Frontalangriff vor. — Die Times gesteht zu, daß der Krieg nicht populär sei und erklärt, die Gränzberichttgupg dürfe nur eine ganz geringe sein. — Nach einer Mittheilung der Daily N^ws aus Jumrood vom heutigen Tage haben die Afghanen Alimusj'd während der Nacht geräumt, nachdem Tytler's Brigade den Engpaß in deren Rücken besetzt hatte. Ohne einen Schuß wmve heute Morgen von dem Platze Besitz genommen. Bestimmungen zum Vorrücken werden gegenwärtig getroffen.
— New-Aork, 21. November. Der Dampfer „Jtaly" von der National Dampfschiffs-Compagnie (C. Messingsche Linie) ist hier einge- ' troffen.
Lokales.
Hanau, 23. November 1878.
— (Stadttheater.) Die in letzterer Zeit gegebenen Vorstellungen brachten uns außer dem Benedix'schen Lustspiel „Der Vetter", in welchem Herr Dir. Frey als „Siegel" eine köstliche und höchst ergötzliche Figur schuf, — „Die Kunst geliebt zu werden", Liederspiel von Gumbert und als besonders hervorragende Vorstellung: „Die Journalisten" von G. Freytag, worin Herr Dr. H. Müller als „Bolz" gastirte. Wir freuen uns, einen so vorzüglichen Salonschauspieler tote Herrn Müller auf unserer Bühne gesehen zu haben. Der „Bolz" des geschätzten Gastes war so vollendet, daß wir wohl diese Rolle nie wieder in gleicher Weise — mit so viel Liebenswürdigkeit, Eleganz und Ungezwungenheit — sehen werden. Die heimischen Mitglieder haben in bietet Vorstellung wieder bewiesen, daß Hanau mit dem Personal seines Staditheaters fast durchweg zufrieden sein kann. Als hervorragende Leistungen dieses Abends möchten wir die des Frl. Lie d er, der Herren de Paula und Schwarz nennen. — Herr Dumont, der sich als „Peter" im Liederspiel: „Die Kunst geliebt zu werden" keine Lorbeeren erringen konnte, war als „Bellmaus" sehr lobenswerth; ebenso war Herr Salomon als „Schmock" recht brav. — Das Zusammenspiel an diesem Abend war ein musterhaftes.
„Die Memoiren des Teufels", welche am Sonntag den 17. d. M. gegeben wurden, konnten nur theilweise befriedigen, da einige Darsteller nicht fest genug memorirt hatten. Der Erfolg des Abends ist der sehr gewandten Darstellung des „Robert" durch yrn. B e r t h o l d zuzu- schreiben. Herr de Paula hatte zwar den „Rapiniöre" höchst charakteristisch angelegt, allein er war häufig so unverständlich, daß vieles verloren ging und Herrn Berninghaus fehlte zum „Lormias" die von ihm selbst gerühmte Noblesse und gesellschaftliche Sicherheit. Frl. Dorn „Gräfin Cerny" war nicht bedeutend. Herr Salomon war als „Gauthier" — bis auf eine nicht ganz zu rechtfertigende Ueberschwäng- lichkcit in der letzten Scene — gut. Als „Valentin" hätten wir lieber Herrn Schwarz gesehen.
Bei etwaiger Wiederholung wäre es auch besser, wenn Herr Ber- thold das dreierlei Roth im Costüme auf dem Maskenbälle vermeiden würde.
Eingesandt.
T. Cassel, den 18. November. In keiner Zeit der deutschen Geschichte sind die socialen Hebe'-stäube, welche nachweisbar früher viel größer gewesen sind, von so bösen däwonichen Mächten zu egoistischen Zwecken ausgebeutet worden als es gegenwärtig geschieht. Als Gegengewicht kann man die realen Bestrebungen auf dem Felde der allgemeinen Wohlthätigkeit ansehen. Es konnte hier die Nachricht von der allgemeinen Theilnahme der Hanauer Damenwelt an der Bildung eines dortigen Frauen-Vereins nur wohlthuend wirken und den Wunsch hervorrufen, daß dieses Beispiel in allen anderen Städten Nachahmung fände.
Aber auch ein Wohlthätigkeits-Verein hier, der die Unterstützung begabter bedüftiger Kinder beiderlei Geschlechts ohne Unterschied bey religiösen Bekenntnisses aus Volks- und Elementarschulen zum Zweck: hat, verdient das volle Interesse guter Menschen. Es ist die Louisen- Stiftung, welche im Jahre 1876 ins Leben getreten ist und bereits sehr segensreich gewirkt hat. Gegenwärtig unterstützt der hiesige Hauptverein der Louisen-Stiftung sechs Pfleglinge, von denen zwei Mädchen zu Lehrerinnen ausgebildet werden, ein Knabe besucht das Hersfelder Gymnasium, ein Anderer dir höhere Gewerbeschule und ein dritter die höhere Bürgerschule hier. Ein junges armes Mädchen mit guten Anlagen ist auf Kosten des Vereins zur Kindergärtnerin ausgebildet worden und hat vor Kurzem ihr Examen glänzend bestanden. Ueber 1200 Mark Unterstützungen sind in diesem Jahre gezahlt worden.
Der jährliche Vereinsbeitrag ist ein so geringer wie bei kaum einem anderen Wohlthätigkeitsverein, nämlich 1 Mark. Selbstverständlich kann der Verein aber bei einem so kleinen Beitrag nur eine erfolgreiche Thätigkeit entwickeln, wenn die Theilnahme überall eine recht rege ist. Herr Fabrikant H. W eishaupt ist bei seiner Anwesenheit hier auf die Wirksamkeit des Vereines aufmerksam gemacht und gebeten worden, die Zwecke desselben zu sördern. Derselbe hat sich auch bereit erklärt, Anmeldungen von Mugliedern entgegenzunehmen, wozu er vom Vorstände der Stiftung besonders bevollmächtigt worden ist. Möge der Wohlthätigkeitssinn bei1 Haniuer Bürgerschaft sich auch in dieser nicht genug zu empfehlenden guten Sache bewähren.
— Gestern Mittag wurde am neuen Bahnbau ein Arbeiter überfahren und dabei so schwer verletzt, daß er nach Beibringung ins Land- krankenhaus alsbald verstarb.
Versteigerungs- und Verpachtungs-Kalender für Montag den 25 November.
Nachm. 2 Uhr versteigert Herr Taxator August Berg im Hause Langstraße Nr. 19 gegen Baarzahlung: Möbel, Betten, Leinengerälh, Kleider und sonst verschiedene Gegenstände.