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Italic« ist nun auch von dem Schicksal betroffen worden, welches vor mehreren Monaten unseren Kaiser zweimal so schwer heimsuchte, und den König der Spanier jüngst in Lebensgefahr brächte. Bei seinem Einzüge in Neapel, wo dem König Humbert von der Bevölkerung ein festlicher Empfang bereitet worden war, stürzte sich ein beschäftigungS- loser Koch, Namens Passamente, auf den Äagm deS Königs mit einem gerückten Dolche, offenbar in der Absicht, den König niederzustoßen. Dmch die Geistesgegenwart des mit dem Könige im Wagen sitzenden Ministerprösidenten Cairoli, der den Mörder beim Schöpfe packte, wurde größeres Unglück jedoch verhindert und der König erhielt bei dem Kampfe nur eine leichte Wunde am linken Arm und der Ministerpräsi­dent wurde leicht am linken Oberschenkel verletzt. Der sofort verhaftete Mörder erklärte keiner politischen Verbindung anzugehören, doch wolle er durch die Beseitigung der Könige bessere Zustände schaffen. Die Untersuchung wird hier wohl noch das Nähere ergeben. Bemerkens- werth ist, daß der König Humbert kurz vor dem Attentate Drohbriefe erhielt, d neu er jedoch keine Beachtung schenkte. Auch sollen Briefe bei dem Mörder gefunden sein, die dessen Mitgliedschaft bei der Jater- nationale beweisen. In ganz Italien, zumal in Rom herrscht großer Jubel über die Errettung des allgemein verehrten jungen Königs.

Die noch diegäußere Politik beherrschende Orientfrage zeigte sich die letzte Zeit wiederholt im günstigen Lichte. Die Wirkungen der Rede des Lord of Beaconsfield und die Anstrengungen des Kaisers von Oesterreich in Bezug auf die Durchführung des Berliner Vertrages find von nachhaltiger Wukung gewesen und außerdem ist der Gaf schuwa-- loff, der in Pesth und Paris war und demnächst nach Berlin reip. Friedrichsruhe zum Fürsten BiSmarck und darauf nach London abreisen »mrd, im Austrage des Kaisers von Rußland offenbar bemüht, das Mißtrauen gegen die russische Politik zu beseitigen und den Großmäch­ten zu erklären, daß Rußland seinerseits ernstlich gewillt ist, den Ber­liner Vertrag auszuführen. Freilich werden die Erklärungen des Gra­fen Schuwaloff ihren hinkenden Boten haben, denn in russischen Regie- ruttgskreisen hält man auch an der Meinung fest, daß Rußland nur dann seine Versprechungen zu halten brauche, wenn auch von anderer Seite den Verpflichtungen des Berliner Vertrages «achzekomme« würde, hier spielt Rußland wohl in erster Linie auf die Türkei an, doch dürf­ten in zweiter Linie auch England und Oesterreich, die gleichfalls beim Berliner Vertrage in hervorragender Weise engagirt, gemeint sein.

Einen entsetzlichen Commentar zur angeblichen Lösung der Orient- frage gibt der täglich wachsende Aufstand der Bulgaren in Südrum lien (Macedonien), welcher zahlreiche türkische Truppen, die anscheinend nichts ausrichten können, beschäftigt. Bemerkens werth bei diesem Äufstande ist, daß er fast nur als Räuber- und Rassenkrieg erscheint und ein ideales politisches Ziel nur der Deckmantel für die kampf- und raublustigen Bulgaren ist.

Die türkisch-griechische Streitaffaire soll auf Anrathen des Groß- veziers Safvet Pascha freundschaftlich zwischen der Pforte und Griechen­land geschlichtet werden, ehe d e in dieser Beziehung in Aussicht stehende Einmischung der Großmächte eintritt, und zwar soll der Sultan bewegt werden, ein kleines Ländergebiet auf der Seite von Volo an Griechen­land abzutreten.

Die günstige Wmdung der Dinge in Oesterreich übt ihren Einfluß schon vollständig auf die parlamentarischen Körperschaften aus. Sowohl im österreichischen ReichSrathe als auch im ungarischen Reichstage hat man nach den gewordenen Erklärungen sich beruhigt und es gilt schon jetzt als wahrscheinlich, daß die Parlamentsausschüsse die Orientpolitik des Grafen Andraffy mit einer wenn auch kleinen Mehrheit gutheißen und einen weiteren außerordentlichen Credit zur Vervollständigung der Annexion Bosniens bewilligen werden.

Zwischen dem Ministerpräsidenten der französischen Republik Marschall Mac Mahon und dem Führer der Republikaner Gambetta soll sich immermehr eine Annäherung herausbilden, die hauptsächlich von dem Minister des Innern Macöre gehegt wurde. Wenn sich diese Nachrichten bewahrheiten, so durften die tonangebenden Kreise Frank­reichs bald zur vollständigen Harmonie gelangen.

TageSschan.

Bekanntmachungen auf Grund des Reichsgesetzes vom 21. Ok­tober 1878. Nach demR. u. St.-A." Nr. 275 sind unterm 18. und 19. November verboten worden: die nicht periodische Druckschrift:das Ziel der Arbeiterbewegung. Rede des Abgeordneten Dr. Johann Jacoby vor seinen Berliner Wählern am 20. Januar 1870. Berlin 1870. Adolf Cohn. Verlag und Antiquariat"; die Nr. 73 des im Druck und in der Expedition von Alois Pfyl in Einsiedeln erscheinenden Blattes Schweizerischer Erzähler", welche als selbständige Druckschrift in Arns- derg verbreitet worden ist; der GesangvereinEintracht" in Hainhau­sen" (Kreis Offenbach); sowie derArbeiter-Unterstützungsverein^ in Dietesheim (Kreis Offenbach).

Berlin, 20. November. (Abgeordnetenhaus.) Im weiteren Verlaufe der heutigen Sitzung brächte der Finanz-Minister Hobrecht den

Staatshanshalts-Etat für das nächste Etatsjahr, sowie als Ergänzung zu demselben ein Anleihegesetz ein. Der Minister führte einzeln die Positionen auf, welche in dem laufenden Etatsjahr einen Ueberschuß her­vorgebracht hätten, welcher jedoch in Folge der Erhöhung der Matriku- larbeiträge Seitens des Reiches nicht in den nächsten Etat habe einge­stellt werden können Die Gesammteinnahmen hätten in Folge der un­günstigen Zeitverhältnisse nicht in der bisherigen Höhe eingestellt wer­den können, dagegen hätten sich bei den Ausgaben erhebliche Ersparnisse nicht erzielen lassen, wodurch ein Defizit hervortrete, welches augenblick­lich durch eine Anleihe gedeckt werden solle. Nachdem der Minister die im Etat zum Ausdruck kommenden Veränderungen der MinisterialressortS kurz berührt, ging er zu der Erörterung der Frage über, ob das in diesem Etat zur Erscheinung kommende Defizit nur ein vorübergehendes oder ein dauerndes sei. Nur sehr schwer werde sich die Regierung zu der letzteren Annahme verstehen, und wahrscheinlich werde in den näch­sten Jahren eine Erhöhung der Einnahmen eintreten, namentlich werde das eine Folge einer rationelleren Eisenbahnpolitik sein. Eine dauernde Beseitigung des Defizits aber werde nur auf dem Wege der Finanz­politik des Reiches, durch Erhöhung der eigenen Einnahmen aas dem Wege der indirekten Steuern desselben und durch die dadurch herbeige­führte Entlastung der Einzelstimmen von den Matrikularbeiträgen Herbei- geführt werden können. Deshalb hoffe er, daß zur Erreichung dieses Zieles das Haus dem jetzigen Etat zustimmen werde. (Schluß 121/« Uhr. Nächste Sitzung Freitag 11 Uhr.) (R u. St.-A.)

3. Plenarsitzung des Hauses der Abgeordneten am Freitag, den 22. November 1878, Vormittags 11 Uhr. Tagesordnung: Erste Be­rathung des Gesetzentwurfs, betreffend die Ausführung der deutschen Civilprozeßordnung. Erste Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend die Ueberg angsbestimmungen zur deutschen Civilprozeßordaung und deut­schen Strafprozeßordnung. Erste Berathung des Entwurfs eines Ge­setzes zur Ausführung der Konkursordnung. Erste Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend die Zwangsvollstreckung gegen Benefizialerben und das Aufgebot der Nachlaßgläubiger im Geltungsbereiche des Allge­meinen Landrechts.

Berlin, 20. Nov. DrS preußische Finanzm nisterium hat nach dem B. B.-C. das an das Finanzministerium anstoßende Grund­stück. welches der Firma S. F enkel gehörte, für Den Preis von 750,000 Mark, vorbehaltlich der Genegman; durch den Landtag, zur Vergrößerung d.s Finanzministeriums erstanden.

Nach den seit dem 1. Juli d. I. über den Waareneingang in Italien geltenden Vorschriften mußte eine an mehrere Empfänger ge­richtete Sendung, bezüglich welcher die Behandlung nach d:m Konven­tionaltarif beansprucht wurde, für die Waaren jedes einzelnen Empfän­gers von einem besonderen Ursprungszeugniß begleitet sein. Nach neue­rer Anordnung darf die Eingangsabfertigung solcher Sendungen auf Grund eines gemeinsamen Ursprungszeugnisses stattfinden, wenn für die verschiedenen Waarenposten je ein Auszug aus dem Ursprungszeugnisse, welcher dieselben Angaben, wie das letztere, enthalten muß, Dorgelegt wird. Dieser Auszug wird von der italienischen Zollbehörde beglaubigt und visirt und mit einem Stempel von 60 Centimes belegt. Ferner hat die italienische Regierung verfügt, daß künftig Ursprungszeugnisse der Handelskamwern des Landes der Versendung dieselbe Geltung haben sollen, wie die von Ortsbehörden ausgestellten. (R. u. St.-A.)

Meiningen, 19. Nov. Gestern wurde der Landtag von dem Präsidenten Dr. Rück-rt eröffnet. Von den ihm vorliegenden Ar­beiten seien erwähnt ein Gesetzentwurf über Verlängerung der Etats- Periode bis Ende 1879 und ein solcher über Besteurung der Wander- lager und Waaren-Auctionen.

Greiz, 19. Nov. (Leipz. Ztg.) In der heutigen Landtags­sitzung ist der Staatsvertrag, betreffend die Zusammenlegung der Be­zirke mehrerer Landgerichte zu gemeinsamen Schwurgerichtsbezirken, ein­stimmig genehmigt und hierauf der Landtag vertagt worden.

Rom, 21. Nov. (Köln. Ztg.) Das vfficröze Siritto stellt in Abrede, daß der Papst den König von Italien aus Anlaß feiner glück ichen Errettung beglückwünscht habe. Gure Gewährsmänner warnen vor einer optimistischen Auffassung der Nachricht des Standard über das baldige Ende des Culturkampfs.

Rom 21. Nov. (R. u. St.-A.) Anläßlich der gestrigen Ge­burtstagsfeier der Königin fanden fast im ganzen Lande öffentliche pa­triotische Kundgebungen statt. In Pisa war eine solche öffentliche Feier von den Studirenden und Bürgern veranstaltet worden. Während der­selben explodirte eine Bombe, glücklicherweise ohne ernstlichen Schaden zu thun. Ein Individuum, das man für den Urheber der Schandthat hielt, wurde sofort verhaftet und konnte nur mit Mühe vor der Er­bitterung und Wuth der Menge geschützt werden.

London, 21. Nov. (Köln. Ztg.) Der Emir von Afghanistan hat das Ultimatum des Bicekönigs unbeantwortet gelassen; das eng­lische Cadinet beschloß daher, nach Indien den Befehl zum Borrücken zu telegraphiern. Die Times glaubt, die ersten Operationen würden in der Besetzung des Khyber- und Kurumpasses und dem Vorrücken von Quettah aus bestehen. Heute findet wiederum ein CabrnetSrath Statt.