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— Der „R. u. St.-A" Nr. 272 enthält: Bekanntmachung des Reichskanzleramts zur Ausführung des Gesetzes vom 3. Juli 1878 (Reichs-Gesetzblatt S. 133), betreff nd den Spielkartenstempel.

— Berlin, 18. November. Se. Majestät der Kaiser und König machten, laut Meldung des „R. u. St.-A." aus Wiesbaden, gestern, nach einem Besuche in der Stadt, Nachmittags eine Spazierfahrt in die Umgegend, wobei Allerhöchstdieselben während längerer Zeit zu Fuß promenirten. Abends besuchten Se. Majestät das Theater.

— Der Kaiserliche Botschafter bei der Hohen'Pforte, Traf von Hatzfeld, ist nach Beendigung des Sommeraufenthalts in Bujukdere mit dem Botschaftspersonal nach Pera zurückgekehrt. — Der Königliche Ge­sandte von W?ntzel ist mit Ablauf eines ihm Allerhöchst bewilligt ge­wesenen Urlaubs auf seinen Posten in Hamburg zurückgekehrt und hat die Leituug der Gesandtschaft wieder übernommen.

— S. M. Elattdecks-Korvette „Prinz Adalbert", 12 Geschütze, Kommandant Kapt. z S. Mac-Lean. ist am 7. d. M früh auf Funchal- Rhede (Madeira) eingetroffen. — S. M. Panzer-Korvette „Hansa", 8 Geschütze, Kommandant Koro. Kapt Heusner, ist am 15. d. Mts. von Plymouth nach Madeira in See gegangen. — S. M. Dampfkanonen- boot „Wolf", 4 Geschütze, Kommandant Kapt. Lt. Becks, ist am 14. d. M. Abends auf der Rhede von Plymouth zu Anker gegangen.

— Die „Post" bespricht in ihrer Nr. 320 die verschiedenen in neuerer Zeit vorgekomwenkn Attentate und bemerkt u. A. folgendes: „Wenn Deutschland das Unglück gehabt hat, die Aera der Attentate zu eröffnen, so ist es für uns wiederum ein Trost, daß auch in Deutsch­land zuerst und vollständig erkannt worden ist, wie dem Verderben ein Halt geboten werden müsse und könne. Das Gesetz gegen die Social­demokratie ist der Grundstein für eine ganz neue Entwickelung unseres polrtilchen Lebens. In Uebereinstimmung mit der ungeheuren Mehrheit des Landes hat eine große Mehrheit des Parlaments erkannt, daß eine absolut trügerische Lehre sei, zu glauben, die Uebel der Freiheit könnten durch die Freiheit allein geheilt werden. Zum ersten Male ist in dem neuen Deutschland ein wahrhaft staatsmännischer Sinn zur Geltung ge« kommen, daß gegenüber dem höchsten Gebote der Selbsterhaltung jede andere Rücksicht, selbst die Liebe zur Freiheit zurücktreten müsse, ein Opfer, welches uns bisher glücklicher Weise erspart blieb, da die gegen­wärtige Regierung erhaben ist über jeden Verdacht reaktionärer Ten­denzen, welche ihr nur Socialdemokraten und deren stille Bundesge­nossen unterschieben können."

— Grebt ein Gemeinschuldner nach der Zahlungseinstellung oder innerhalb der nächst vorhergehenden zehn Tage eine von ihm vor der kritischen Zeit gekauften Waare an den Verkäufer gegen dessen Auf­gabe der Äaufpreisforderung, mag dieselbe fällig sein oder nicht, zurück, so kann die Rechtshandlung nach einem Erkenntniß des Reichs-Ober- Handelsgericht, I. Senat, vom 24. September 1878 als eine wider­rechtliche Zahlung der Schuld angesochten werden

— Kiel, 18 Nov. Die Untersuchungs Commission in der An­gelegenheit deS Großen Kurfürsten wird nach der „Köm. Ztg." morgen den Vice- Admiral Jachmann und den Contre-Admiral Klärt gutachtlich vernehmen.

Land au, 15. November. Im Postwagen des von Neustadt kommenden Nachtschnellzuges war in vergangener Nacht Feuer ausge- brochen Die betreffenden Postbeamten warfen die in Brand gerathenen Papiere u. s. w. aus dem Wagen, wodurch einer weiteren Ausdehnung des Feuers Schranken gesetzt wurden. Wie groß der angerichtete Schaden ist, konnten wir noch nicht erfahren.

— Triest, 15. Nov. Zu den Petroleum-Magazinen von Morpugo Parente in Nebresina, das ca. 8000 Faß Petroleum enthielt, ist heute Mittag Feuer ausgebrochen. Die Magazine stehen in vollen Flammen. Von hier aus ist ein Löschtrain mit der Bahn abgegangen. Der Petroleumbrand entstand durch einen Blitzschlag. Es brennen 6000 Faß. Alles ist assekurirt. Der Brand dürfte mehrere Tage dauern.

— Neapel, 17. Nov., Abends. (Köln. Ztg.) Der König und die Königin trafen Nachmittags 2Vi llhr hier ein und wurden von den Behörden, einer gopen Anzahl von Vereinen und einer dichtgedrängten Menschenmenge mit Begeisterung empfangen. Als bei der Fahrt durch die Carbonarustraße mehrere Leute dem Könige und der Königin Bitl- ichriften überreichten, zog ein Mensch plötzlich sein Dolchmcsser aus der Scheide, stürzte sich mit der gezückten Waffe auf den König und brächte demselben eine Hautwunde am Unten Arm, dem Minitterpräsidenten Cairoli eine leichte Wunde am linken Oberschenkel bei. Der König zog sofort seinen Degen und versetzte dem Mörder damit einen Hieb über den Kopf, wahrens Cairoli den Menschen an d n Haaren erfaßte. Ein Cuiraffier-Caprtän otriounbeie Denselben gleichfalls und überantwortete ihn alsdann der das KönoFpaar geleitenden Wache. Das Ganze er­eignete sich mit solcher Schnelligkeit, daß man selbst in den zunächst folgenden Wagen nichts von dem Vorgänge wahrgenommen hatte. Die Königin und der Pnnz von Neapel befanden sich mit dem König in einem und demselben Wagen und zeigt-n große Fassung uns Ruhe. Der

König und die Königin wurden bei der Fortsetzung ihrer Fahrt bis zu« königlichen Residenzpalast von unausgesetzten Jubelrufen der Bevölkerung begleitet und zeigten sich bei der Ankunft im Palast der immer stärker angeschwollenen und unaufhörlich nach ihnen verlangenden Bevölkerung vom Balcone. Der Mörder heißt Giovanni Passavante, ist Koch, 29 Jahre alt; er erklärte, daß er irgend einer Verbindung nicht angehörr, daß es aber seine Ansicht sei, daß es keine Könige geben dürfe, weil er arm und von seinen Herren stets mißhandelt worden sei — 18. Nov., früh. Der Minister Präsident Cairoli hat gestern Abend folgendes Telegramm an die Vertreter Italiens im Auslande genutet: In dem Augenblick, wo heute Nachmittag der König mit der Königin und dem Kronprinzen im Wagen seinen Einzug in die Stadt Neapel hielt und inmitten der begeisterten Kundgebungen der Bevölkerung welche sich ehrerbietigst um das einziehende Herrscherpaar drängte, stürzte sich ein Mensch mit einem Messer in der Hand auf Se. Majestät. Der König, der sich von seinem Sitze erhoben hatte, erhielt eine sehr leichte Haut­wunde an der linken Schulter. Dr ich die Ehre hatte, dem König gegenüber zu sitzen, so habe ich glücklicherweise selbst den Mörder er­fassen und an der Ausführung des Verbrechens verhindern können Ich habe in dem Kampfe eine leichte Wunde am Bein erhalten Der Mör­der, der von einem Säbelhieb des Cuirassiercapiräns am Kopf get offen worden war, wurde sofort verhaftet. Ihre Majestäten haben nicht das geringste Zeichen von Erregung kundgegeben. Die Bevölkerung beglei­tete dieselben bis zum Palast mit den wärmsten Ovationen. — 18 JJloD. Unmittelbar nach dem Attentat zogen 60,000 Personen vor den Palast und begrüßten den König, welcher mehrmals auf dem Balcon erschien, mit begeisterten Kundgebungen. Die Stadt wurde festlich beleuchtet.

— Rom, 18 Nov. Die Stadt ist beflaggt. Die Nachricht von dem Mordversuche und der Rettung des Königs wurde gestern Abend in sämmtlichen gerade spielenden Theatern von der Bühne herab ver­kündet und rief großartige Ovationen hervor. Die Diplomatie war so­fort in lebhafter Bewegung. Der spanische Gesandte erschien persönlich im Telegraphenbureau. Der Papst beabsichtigt in privater Weste den Ausdruck seines Bedauerns zu übermitteln. Der Mörder ist gerichtlich schon mehrfach bestraft. Er soll eine Jacke verkauft haben, um einen Dolch anzujchaffen. Auf dem rothen Tuche stand: „Viva la Repu- blica universale !a

— London, 18. Nov. Der Standard will missen, das Kano­nenboot Condor werde nach Burgas gesandt werden, um zu ermitteln, ob die Russen dort Befestigungen errichten; es stehe England vertrags­mäßig das Recht zu, zwei Kanonenboote im Schwarzen Meere zu haben.

8 o E a l 8 K,

Hanau, 19. November 1878,

Eingesandt.

In Ihrer Nummer vom 16. d. Mts besprechen Sie die traurige Lage der Arbeiter und Arbeiterinnen, welche gezwungen sind, ihr Mit­tagsmahl im Freien, allen Unbilden der Witterung ausgesetzt, stehend zu genießen.

Sollte diesem Uebclstande nicht am Einfachsten dadurch abzuhelfen sein, daß dem auswärts wohnenden Theile der Arbeirer, welcher hier allein in Betracht kommt, von ihren Arbeitgebern gestattet wird, das Mittagbrod in einem der dazu geeigneten erwärmten Arbeitsraume zu sich zu nehmen? Einige Unannehmlichkeiten für den Fabrikbesitzer wur­den hierbei wohl entstehen, wie reichlich aber würden sie ausgewogen durch das Bewußtsein, vielen Mitmenschen das harte Dasein etwas be­haglicher gestaltet, Erkältungen und Erkrankungen verhütet und eine Pflicht der Menschlichkeit erfüllt zu haben.

Kleine etwa nöthige tägliche Handleistungen um das Lokal zu die­sem Zwecke abzuändern, werden von den betreffenden Arbeitern sicher gerne übernommen werden und dürfte die Zeit von 3/tl bis 1 Uhr zu allenfallsig erforderlicher Lüftung und Ventilation des Lokales genügen, bevor solches seinem ursprünglichen Zwecke wieder zurückgegeben wird.

Sollte sich, nachdem jeder Arbeitgeber auch nach dieser Richtung für das Wohl seiner Arbeiter gesorgt hat noch das Bedürfniß nach ei­ner größeren gedeckten Halle zeigen, so wird der bewährte Wohlthätig- keitssinn der Bewohner Havau's gewiß auch hierfür dir Miitel aufzu- bringen wissen. Doch möge erst der Einzelne zeigen, was in seiner Macht steht, die Kräfte der Gesammtheit in Anspruch zu nehmen, ist dann immer noch Zeit. —t.

X In der am 16. d Mts., Nachmittags, im „golbnen Löwen" abgehaltenen Versammlung des landwirthschrftlichen Kreisoereins, welche in erfreulicher Weise stark besucht war, wurden zuerst d^e im Allgemei­nen zufriedenstellmven Resultate der Obst-, Gemüse- und Maschinen- Ausstellung bekannt gegeben. Es wurde von Herrn Landrach Freiherr v Schrötter darauf aufmerksam gemacht, daß künftighin bet Alie- nirung der Ausstellungsgegenstände eine strengere Aussicht wünich nswerth sei und daß im Uebrigett der mangelhafte Besuch der Ausstellung seitens der Landbevölkerung zu bedauern sei.

Demnächst erläuterte Herr v. Baumbach an stelle des nicht er-