4485
Staat eine abwartende Haltung einzunehmen. Jedenfalls, so heißt es, bat er nicht die Absicht, Ei Werbungen vorzunehmen oder auch nur ein- zuleiten. bevor er nicht mit einiger Sicherheit annehmen kann, daß er der Zustimmung b?» Landtages versichert sein darf. Gegentheilige Angaben sind um so sorgfältiger zu prüfen, als erfahrungsgemäß die Spekulation immer von Neuem des Thema's sich bemächtigt, um durch Manöver an der Börse sich zu bereichern und das Publikum zu schä- Äigen Es scheint die Annahme berechtigt zu sein, daß vorläufige Er- Werbungen von Privatbahnen gar nicht in Rede stehen.
Nach einer der „Trib." über denselben Gegenstand zugehenden Mittheilung werden sich die Eisenbahnvorlagen des Handelsministers vorläufig auf einige kleine Anlagen wie die Linien von Frankfurt- Homburg, Finnentrop —Olpe rc beschränken. Wegen der größeren An lagen schweben zunächst noch Verhandlungen zwischen dem Handels- und dem Fman-m nister über das Princip der Beschaffung der Mittel bei Uebernahme von Prioatbabnen durch den Staat. Der Finanzminister wünscht möglichste Beschränkung der Ausgabe preußischer Consols, um den Geldmarkt für künftige Finanzoperationen nicht zu beeinträchtigen. Dageg-n wünscht er die Beibehaltung der Prioritäten und die Um» Wandlung der Stammactien durch Abstemplung in Staatspapiere. Bon der Au-tragung dieser Fragen bleibt es abhängig, ob und wie weit der Handelsminister mit größeren Eisenbahn-Projekten vor den Landtag treten wird.
— Beim Empfange größerer Summen in Gold wird eS sich empfehlen jedes 20-Ma-kstück genau anzusehen, denn es existiren leicht vergoldete Viergrcschenstücke, mit dem Bildniß Friedrich Wilhelm's IV. Die Falsificate sind, wenn sie sich zwischen echten Doppelkronen befinden, leicht zu ubersehen, da sie ebenso groß, ebenso dick sind, nur das Ge- w'.cht ist natürlich ein anderes. Ein berliner Kaufmann hat vor einigen Tagen in einer Rolle mit 20 Markstück-n zwei solcher Nachbildungen gefunden.
— Stuttgart. Gegenwärtig befindet sich der D^eccnent für das gewerbliche Unterrichtswesen im preußischen Handelsministerium, Dr. Wehrenpfennig, hier auf einer Studienreise, um die württemberg- ischen Anstalten zur Förderung des Gewerbewesens (Schulen, Musterlager rc.) in Augenschein zu nehmen,
— In Gunzenhausen cwculirt eine Petition an die Staatsregierung, in der sie gebeten wird, die früher bestandene Biertaxe wieder einzu- führen. Es heißt darin, die Freigabe der Biertaxe sei überhaupt nur ein Versuch gewesen; man sei nun zur Überzeugung gekommen, baß das Publikum der Ausbeutung gewisser Gewerbetreibender so sehr aus- gesetzt sei daß man jenen Schranken setzen müsse. Ander begehren auch, daß Brod- und Fleischtaxe eingeführt werde. Auf andere Städte und Orte soll eingewirkt werden, daß sie dieselben1 Schritte thun sollen, dann werde es an E folg nicht fehlen. Die Klagen über das Hinauftreiben der Lebensmittelpreise werden überhaupt immer lauter.
— Wien, 11. Noi., Abends. Meldungen der Polit. Corr.: Aus Konstantinopel: Laut Nachrichten, die der Pforte aus Seres in Maeedonren zugeym, haben die Bulgaren zwei in ' Krasna befindliche Compagnieen regulärer türkischer Truppen Überfällen und umzingelt und dieselben nach einem dreißigstündigen Kampfe als Gefangene abgefüh.t. Andere bulgarische Aufständische griffen Jenikaessi und Gratzanitza an arnd steckt, n die mohamedanischen Ortschaften Bresnitza, Matka und Paligrad in Brand, wobei viele Werber und Kinder umgekommen sein 'sollen.
— Bern, 12 Nov. (Köln. Ztg.) Die Schweiz hat für den 1. Januar 1879 den lateinischen Münzvertrag gekündigt.
— Die Pariser Ausstellung ist am 10. d. M. geschlossen worden. -Sie ist im Ganzen von etwas über 16 Millionen Menschen besucht worden.
— Madrid, 11. Nov. Bei der heute wegen Mordversuchs auf den König geführten Gerichtsverhandlung wurde vom Staatsprokurator die Berhängung der Todesstrafe über den Attentäter, vom Vertheidiger eine nochmalige Wiederaufnahme des Prozeßverfahrens beantragt. Eine Entscheidung des Gerichtshofes liegt noch nicht vor. — 12. November. Die marokkanische Regierung hat der spanischen Regierung die Mittheilung gemacht, daß sie den Familien der ermordeten spanischen Unterthanen eine Geldentschädigung zahlen und der spanischen Flagge Genugthuung verschaffen werde.
— London, 12. Novbr. (R. u. St.-A.) Der frühere Vizekönig von Indien, Lord Northbrook, hat sich bei einer in Winchester gehaltenen Rede dahin geäußert, daß die vielbesprochene Rektifikation der Nordwestgrenze Indiens sich voraussichlich auf eine permanente Okkupation von Quettay beschränken werde.
— Rußland. Die Nihilisten haben sich wieder bemerkbar gemacht, indem sie in der Nacht vom 24. Ocwber einen mörderischen Angriff auf einen Polizei Offizier ausführten. Zwei elegant gekleidete Damen redeten in einer der belebtesten Straßen den betreffenden Offizier an und während die eine mit ihm ein Gespräch anknüpfte, stieß ihm die andere einen Dolch in den Leib, ohne ihn jedoch gefährlich zu verwunden. Der Offizier rief „Mörder" und lief davon, um eine
Wache zu holen. In dem Augenblick ging der Redacteur eines Lokalblattes vorbei und fragte die Damen, was sie zu dieser That verleitet habe. „Kümmern Sie sich um Ihre eigenen Angelegenheiten", lautete die Antwort, „auch Sie werden unseren Händm nicht enttchlüpfen." Die Damen zogen sich unbelästigt zurück, stiegen in eine schöne Equistage, welche offenbar auf sie wartete und verschwanden. — In dem Gefängniß von Odessa befinden sich augenblicklich 340 Nihilisten. Es sind besondere Veranstaltungen getroffen, um all- Unruhen sofort unterdrücken zu können, falls solche bei der in Kurzem bevorstehenden Verhandlung : gegen die Nchil sten versucht werden sollen. (Trüb.)
— Konstantinopel, 11. Nov. (Köln Z)g.) Midhat Pascha ist zum Generalgouverneur von Syrien ernannt worden. — Der Mi-- Nisterrath hat die Antwort der Pforte auf die griechische Note, in welcher die Ernennung von Delegirten für die Berichtigung der griechischtürkischen Gränze verlangt wird, berathen. Dem Vernehmen nach ist der Beschluß des Ministerrathes ein dem Verlangen Griechenlands günstiger und dem Sultan bereits vorgelegt. — In Burgas treffen fortgesetzt russische Truppen ein.
— New - Iork, 11. Novbr. Der Dampfer „Helvetia" von der National-Dampfschiffs-Compagnie (C. Messing'sche Linie) ist hier eingetroffen.
Lokales.
Hana«, 13 November 1878.
— (Stadttheater.) In der verflossenen Woche wurde uns Moser's Lustspiel „Mädchenschwüre" in zwar sehr schöner Darstellung, doch ohne besonderen Erfolg zu erzielen, vorgeführt. Wenn auch diese Novität nicht den Anspruch machen kann etwas ganz besonderes in sich zu bergen und die Situationen an schon Dagewesenes erinnern, so ist doch gewiß, daß das Stück, wie alle früheren des Verfaffers, sehr geschickt und bühnengewandt geschrieben ist und prägnant geschilderte Figuren aufzuweisen hat. Nach unserer Meinung hätte die Novität bei so geschickter Durchführung der Rollen, namentlich des „Schröder" durch Herrn de Paula, der „Julie" Frl. Rionds, freundlichere Aufnahme verdient. Frl. Ihm war als „Clara" recht frisch und bedauern wir, daß eine sich letzterer Zeit bemerkbar machende Heiserkeit nicht den vollen Gebrauch der nothwendigen Töne zuläßt. Herr Mebius war zwar recht brav, jedoch ist seine Darstellungsweise etwas monoton, man wird bei jeder neuen Leistung an d.e vorhergegangene erinnert. Das Zu- sammenspiel war ein sehr gutes.
Am Freitag wurde d-r „Bicomte von Lötoriöres" in der früheren Besetzung, wiederholt
Eine der besten Vorstellungen in dieser Saison war die am S onn- tag gegebene Tragödie von Fr. Grillparzer: „Die Ahnfrau". Wir dürfen behaupten, daß ein besseres Ensemblespiel und bessere Darstell ung der Hauptrollen wohl kaum gedacht werden kann. Die beiden Hauptfiguren des Stückes: „Jaromir" und „Bertha", wurden durch Herrn Berthold und Frl. Lieder geradezu mustergiltig dargestellt. Daß Herr Berthold bei seiner Begabung für das Heldenfach Gutes leisten werde war vorauszusehea, allein wir möchten sagen, daß er an diesem Abend unsere Erwartungen noch übertraf. Durch das leidenschaftliche und hingebende Spiel des Frl. Lieder erzielten die Scenen zwischen — Bertha und Jaromir — jene Sympathie, welche das Publikum ein Drama-Kunstwerk mit durchleben läßt. Der „Graf von Borotin" des Herrn d e Paula war eine hochachtbare Leistung und der „Günther" des Herrn Berninghausen recht arerkennenswerth. Hrr Hochberg überraschte uns angenehm mit seiner Leistung als „Soldat" und Herr Sigis mund hat als „Boleslao" das Möglichste gethan. Einen einzigen Mlßton brächte Herr Meng es als „Hauptmann" durch ein paar Gedächtnißfehler in das Ganze.
Wir zweifeln nicht, daß ab und zu ein solcher Griff in die Theater - bibliothek der Direktion größeren Vortheil bringen würde, als die sich stets drängenden — manchmal gehaltlosen — und doch so theuren Novitäten.
— Der national-liberale Wahlverein unseres Kreises beschloß in seiner am 10. d. M. im „Centralhallensaale" stattgehabten Versammlung mit Einstimmigkeit: 1) Die Behauptung des Wahlvereines der Fortschrittspartei, daß der Abgeordnete Dr. Weigel sich bei der Abstimmung für das Socialisten-Gesetz mit seinen mündlich und schriftlich gegebenen Erklärungen in Widerspruch gesetzt habe, ist als vollständig unbegründet zurück zu weisen; 2) Der Reichstagsabzeordnete Dr. Weigel besitzt nach wie vor ihr vollständiges Vertrauen.
— Gestern wurde in der Messe ein weiblicher Stiefelmarder erwischt und in Haft genommen.
— Die Ehefrau des Steuerexekutors Hasselbaum ist gerichts- seitig wieder der Hast entlassen worden.
— (Für Hund ebe sitzer.) Wie wir schon vor einigen Tagen berichteten, hat Herr Sa'tlecmeister Joseph Münch einen Hundemaulkorb construirt, der dem Hunde das Gähnen erlaubt. Der Maulkorb wurde vom internationalen Thierich atz Congreß, gelegentlich der Weltausstellung zu Paris, sowohl, als vom Frankfurter Thierschutzverein