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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer B ilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial Correspondenz.

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Donnerstag den 7» November.

1878

Amtliches.

Gefunden: Ein Stickzeug. Eine Serviette.

Zugelaufen: Am 2. ds. Mts. ein großer schwarzer Hund; Empfangnahme bei Bahnwärter Gottfried Ginz, Haltestelle Nieder - rodenbach.

Verloren: Ein Portemonnaie mit 5 Mark 50 Pf. nebst einem goldenen Ring.

Hanau am 7. November 1878.

Aus Königlichem Landrathsamt.

Tagesschau.

Bekanntmcchungen auf Grund des Reichsgesetzes vom 21. Ok­tober 1878. Nach demR. u. St.-A." Nr. 262 sind verboten worden: der Gesangverein Siberte zu Luckenwalde; der in Reichenbach i. V. be­stehendeVogtländische Zritungsverein" ; der Verein dersozialistischen Arbeiterparter", die Gewerkschaft der Schuhmacher und verwandten Ge­werbe, sowie die Gewerk chast der Schneider, sämmtlich zu Worms; der GesangvereinEintracht" zu Lübeck; derElbstrom-Verein von Ham­burg und Altona nebst Umgegend" für die Ewerführer-Tagelöhner, so­wie die auf und an dem Wasser beschäftigten Arbeiter; weiter folgende Druckschriften: 1) der deutsche Bauernkrieg von Friedrich Engels. Drit­ter Abdruck. Leipzig, EenossenfchastS-Buchdruckerei 1875; 2) die Mär­tyrer der Kommene in Neu-Kaledonien. Uebersetzt aus dem Franzö­sischen. Leipzig 1876. Genossenschasts-Buchdruckerei; 3- Protokoll des Sozialisten-Kongresses zu Gotha 1877. Hamburg, Genossenschafts-Buch- druckerei; 4) der deutsche Bauernkrieg von A. Bebel. Braunschweig, Verlag von W. Bracke jr. 1876 ; 5) Herr Böhmert und seine Fälschun­gen der Wissenschaft, von eimm Arbeiter. Zürich 1873.

Nach demR. u. St.-A." sind die beiden Häuser des Land­tags der Monarchie auf den 19. November einberufen.

Berlin, 5. Novbr. Die Nachrichten vom Rheine über das Befinden beider Majestäten lauten, nach derKöln. Ztg.", so erfreulich wie möglich. Der Kaiser ist frisch und heiter und von seinem schweren Leiden ist keine Spur mehr zu bemerken, es wäre denn, daß Se. Maje­stät bei längeren geschäftlichen Verhandlungen etwas leichter zu ermüden scheint. Wie schon berichtet, ist der Gedanke aufgetaucht, daß der Kaiser zur Erleichterung künftig einen Theil der Geschäfte dem Kronprinzen überlasse, dann aber wieder aufgegeben worden. Wie es heißt, hat na­mentlich der Reichskanzler diese Theilung, die allerdings nicht ganz leicht auszusühren sein mag, für unthunlich erklärt.

B erlin, 6. November. Die Wahl des Herrn v. Forcken- beck zum ersten Bürgermeister von Berlin hat bereits die Allerhöchste Bestätigung erhalten, gleichzeitig ist dem Gewählten der TitelOber­bürgermeister" auch in seiner neuen Stellung verliehen.

Berlin, 6. Novbr. Der Königlich englische Botschafter Lord Odo Russell, sowie der Königlich italieniiche Botschafter Graf de Launay sind von ihren Urlaubsreifen hierher zurückgekehrt und haben die Leitung her ihnen unterstellten Botschaften wieder übernommen.

DieTrib." schreibt unterm 6 Novbr.: Die Tabakserquete- Coumussion wird selbst bei Aufbietung aller Kräfte die erheblichste Mühe haben, das überaus umfangreiche statistische Material, welches ihr vor- liegt, im Laufe dieses Monats durchzuarbeiten. Die Hauptaufgabe wird dann in der Abfassung des Berichtes an den Bundesrath bestehen, worin zugleich Vorschläge über die vortheilhafteste Besteuerung des Tabaks gemacht werden sollen. Man n mmt an, daß sich der Bericht eingehend über das TabakSmonopol verbreiten, wenn nicht für dasselbe entscheiden werde. Im Bundesrath hat man sich, nach einer uns zu- - ehenden Mittheilung, längst über die Grundzüge für die eventuelle Einführung des Monopols verständigt, so daß dieselbe ohne Zeitverlust u's Wert zu setzen wäre. (Vom Reichstag scheint nach der bekannten Erklärung der 204 jetzt gar nicht wehr die Rede zu sem.)

X 3n Ergänzung der beabsichtigten Wiederherstellung der Ein- gangSabgabe von Petroleum ist nach derB. Börs.-Ztg." auch bte Emführung einer Gassteuer in AuSsicht genommen. Wie verlautet,

sind die Behörden von der Ccntralstelle vor Kurzem bereits aufgefor­dert worden, den gesammten Umfang der Leuchtgasproduktion in Preu­ßen möglichst genau festzustellen.

(Das Ergebniß der Reichstags wählen.) Die nach der Zusammenstellung deS nationalliberalen Centralwahlbureaus mitge theilten Ziffern der letzten Reichstagswahlen geben zu mancherlei Be­trachtungen und Schlußfolgerungen Anlaß. Die Betheiligung an der Wahl ist im Allgemeinen eine stärkere, als im Januar 1877, gewesen; die Zunahme der abgegebenen Stimmen um etwa 266,C00 ist jedenfalls verhättwßmäßig größer, als die Zunahme der Zahl der Wahlberechtig­ten. An dem Zuwachs haben theil: Preußen, Württemberg. Sachsen- Weimar, Braunschweig, Sachsen- Me nmgen, Anhalt, Schwarzburg- Rodolstadt, Schwarzburg-Sondershaustn, Waldeck, Bremen, Hamburg, Elsaß-Lothringen. Alle übrigen Bundesstaaten weisen ein mehr oder weniger erhebliches Minus in der Wahlbethciligung auf. In Preußen erstreckt sich der Zuwachs auf sämmtliche Regierungsbezirke mit Aus- nehme von Danzrg, Stralsund, Schleswig und Sigmaringen, die indeß sämmt-ich nur w^nig hinter der S.immenzahl von 1877 zurückblieben. Am meisten thut sich die Stadt Berlin durch Siimmenzunahme hervor (153,189 gegen 89,862), nächstdem die Regierungsbezirke Magdeburg und Merseburg. In Bayern weist nur der Regbz. Mittelfranken eine Vermehrung der Stimmen auf, alle übrigen Bezirke partizipiren an dem Minus. Was die St Mkmnzchl der einzelnen Fraktionen onlangt, so wendet sich das Interesse zunächst der Socialdemokratie zu. Dieselbe hat diesmal im Ganzen 4-5,485 Stimmen auf die Beine gebracht, d. h. 65,513 Stimmen weniger als im Vorjahre. Lässiger ist die Partei in ihrer Agitation nicht gewesen; man darf also in ihrem Ver­luste ohne Zweifel ein erfreuliches Zeichen erblicken, daß das deutsche Volk auch da, wo sie früher bereits Wurzel gefaßt hatte, sich von ihrem Treiben abzuwenden beginnt. Freilich ist dies nicht überall in gleichem Maße der Fall gewesen. In Berlin z. B. ist die Zahl der sozial- demokratischen Stimmen von 28,135 auf 57,511 gestiegen. Dagegen ist überall sonst in den Hauptstandquartiren ein Rückgang bemerkbar, so daß denn auch für die preußische Monarchie im Ganzen eine Ab­nahme der sosialdemokr. Stimmen um mehr als 20,000 festgestellt werden konnte. Das Gleiche ist betreffs der meisten übrigen Brndes- staaten der Fall, während allein das Königreich Sachsen und Hamburg eine beträchtliche Zunahme der Sozialdemokratie erkennen lass n. Von den übrigen Parteien hat am meisten verlortn die nationalliberale Partei, nämlich im Ganzen etwa ll1^ Prozent. Die Verluste »ertheilen sich im Wesentlichen auf Preußen, Bayern, Sachsen, Württemberg, Baden. In Preußen sind nur die Regierunzsbezrrke Stettin, Breslau, Magde­burg, Merseburg, Cassel und Koblenz, sowie die Prov. Hannover an diesem Rückgänge nicht betheiligt. Das Wachsthum der nationallib. Stimmen in letzterer Prov nz von 113,799 auf 116,476 hat indeß das Anschwellen der Partikularisten von 89,673 auf 113,702 nicht aufwie­gen können. Zunächst den Nationalliberalkn steht die Fortschrittspartei mit e ner Verminderung um etwa S1^ Proz. Dabei ergibt sich indeß die überraschende Thatsache, daß sich die Zahl der fortschrittlichen Stimmen in Preußen, trotz der im Osten emgebüßten Mandate, um nahezu 20,000 gehoben hat. Am meisten hat zu dieser Ausgleichung die Zunahme in Berlin und im Reg.-Bez Potsdam beigetragen. Das Minus des Gesammtresultats ist herbeigeführt durch Bayern, Sechsen und einige Kleinstaaten. Die Verluste der liberalen Parteien sind bei­nahe ausschließlich den beiden konservativen Parteien zu gute gr kommen, und zwar in erster Linie der Teutschen Reichspartei, welche sich einer Zunahme um etwa 63 Prozent rühmen kann, während die Demschkon- servativen um etwa 46 Proz. gewachsen sind. In Preußen haben beide etwa gle-che Fortschritte gemacht; außerhalb Preußens aber hat die ReichSpartei, namentlich in Bayern, Sachsen und Württemberg, mehr Glück gehabt. Die Gefolgschaft der Centrumspartei hat sich um 60,000 Stimmen vermindert. Der Gewinn von etwa 24,000 Stimmen in Preußen ist durch Verluste in Bayern, Baden, Württemberg und Hessen weit übertroffen worden. (Schw. Merk.)

(Beerdigung eines deutschen Marineoffiziers