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Zugleich Amtliches Organ für 5kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Torrespondenz.
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M 257. Dienstag den 5. November. 18Ä
Amtliches.
® esunb en : Ein Geldtäschchen mit etwas Geld. Ein Notizbuch.
Verloren: Ein goldenes Petschaft mit rothem Stein mit Wappen eingravirt, ist verloren vom Bebraer Bahnhof bis Tuheimer Weg bezw. in die Stadt. Dem Finder eine Belohnung. Das obere Theil eines schwarz emaillirten Manschettenknopfs, w-iß mit Perlchen.
Zugcflogen: Ein Kanarienvogel. Ein junger Hahn.
Hanau am 5. November 1878.
__________________Bus Königlichem Landrathsamt.__________________
Betanntmachuna.
Bei dem Postamts in Flieden wird am 4. November d. Js. eine Telegrapbenanstalt in Wirksamkeit beten.
Cassel, den 31. Oktober 1878.
Der Kaiserliche Ober-Postdirektor.
_____________________ Vahl.________________________
Rundschau»
R. F. Zwei Wochen seit den ersten Ausführungen des Socialistengesetzes liegen nunmehr hinter uns und schon diese kurze praktische Erfahrung hat gelehrt, daß die Wirksamkeit des Geietzes außer Zweifel steht. Es ist nickt nur der socialdemagagischen Propaganda durch die Handhabung des Socialistengesetzes er« starker Riegel vorgeschoben wor. den, sondern auch die Art und Weise wie daS Scciaiivengesetz gehand- habt wird, wirkt zunächst befriedigend. Auck sind zur Zeit keine schlimmen Zeichen vorhanden, daß eine durch die Verfolgung oer Socialdemokratie erzeugte Gegeuströn ung ein anderes Uebel an das bisherige setzen werden. Wir glauben dah-r Berechtigung zu der Hoffnung zu haben, daß der Besserungsprozeß in unseren inneren politischen Verhältnissen einen guten Verlauf nehmen wird.
Von den Einzelheiten der Ausführung des Socialistengefetzes läßt sich im Großen und Ganzen nicht viel sagen, zumal es auch glücklicher Weise an fatalen Zischenfällen mangelt Es sei hier nur erwähnt, daß bis jetzt gegen fünfzig fecialdemokratische Zeitungen, über hundert sonstige socialdemokratische Truckichriften und wohl gegen zweihundert Vereine, weiche srcialdemokrat'schen Tendenzen huldigen, im dutschen Reiche verboten wurden. Daraus kann man sich ein Bild von der Ausdehnung der Socialdemokratie machen.
Der Bundesrath hielt am Sonnabend unter dem Vorsitze deS Staatsministers Hofmann eine Plenarsitzung ab, in welcher der Entwurf eines Regulativs für den Geschäftsgang bei der auf Grund des Gesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Socialdemokratie gebildeten Commiision genehmigt wurde. Die Recarscommision der Angelegenheiten des Socialistengesetzes kann daher ihre in voriger Woche unter Vorsitz des preußuchen Ministers Eulenburg begonnenen Sitzungen forb setzen. Die Vorlage über den Abschluß einer Uebereinkunft Deutschlands und Englands wegen Unterdrückung des Sclavenhandels wurde vom Bundesrathe den Ausschüssen zur Berathung übergeben. Ferner wurden noch Anträge und Berichte über das Pensionsvechältniß der Post- und Telegraphenbeamten, Zollbehandlung der schwedischen Zündhölzer, Ab- stcmpeluug der Spielkarten u s. w. vom Bundesrathe erledigt. Zur Abkürzung seiner vielen zeitraubenden Arbeiten ist hinsichtlich der dem BundeSrmh zu unterbreitenden Vorlagen auch die Neuerung eingeführt worden, daß dieselben erst vom preußischen Staatsministerium vorbe- rathen werden
In der vergangenen Woche hielt in Berlin auch der deutsche Handelstag, der berufen ist, über den Stand der geschäftlichen Lage Bericht zu erstatten und BesferungSanträge zu stellen, seine Sitzungen ab, doch sind die Arbeiten desselben leider ziemlich unfruchtbar gewesen. Ueber die Errichtung eines VolkSwirthschastlichen Senats wurde auf dem HandelStoge abgestimmt, doch mißt man allgemein einer derartigen Institution wenig Werth bei. In der Enqueteufrage über den Stand verschiedener Geschäftszweige wurde jedoch vom Handelstage Förderndes geleistet. Bemerkt sei auch noch, daß sich der Handelstag gegen die Einführung de» Tabaksmonopols, sowie gegen jede Steuererhöhung «»vjprach.
In der deutschen Zollfrage hat tin Briefwechsel zwischen dem Reichskanzler und brm Freiherr n v. Barnbüler, einem hervorragenden Mitgliede der Schutzzollparter, ergeben, daß sich Fürst Bismarck mit einer demnächstigen Revision der deutschen Zölle beschäftigt und daß vor Abschluß dieser Revision wahrscheinlich keine neuen Zollconventionen von Deutschland abgeschlosf n werden.
Hinsichtlich der Hebung des im Kanal versunkenen deutschen Panzerschiff-s „Großer Kurfürst" bestätigt eS sich, daß die dentiche Regierung mit dem englischen Unternehmer Leutner einen Vertrag dahin abgeschlossen hat, daß Leutner 40,000 Pfund Sterling erhält, w:nn er das Panzerschiff bis zum ersten August 1879 im brauchbaren Zustande hebt, dagegen erhält Leutner keine Entschädigung, wenn ihm seine He- bunzSversuche mißglücken.
Die Wahrscheinlichkeit, daß im nächsten Jahre die Republikaner Frankreichs eine Mehrheit von circa 30 Stimmen im Senate erlangen werden, wie es sich bei den letzten Delegirtenwahlen muthmaßlich her- ausgestellt hat, erzeugte in der republikanischen Welt Frankreichs einen wahren Enthusiasmus. Das Hauptorgan der republikanischen Presse, die „Repudl.qae frauyaise", ruft in Folge des WahlresultoteS aus: „Der Sieg ist unser; er ist vollständig, er ist vernichtend. Frankreich ist von dem Alpdrücken der „moralischen Ordnung" befreit, die Rebellen find besiegt und die Republik ist gesichert" — Möglicher Weise trit: durch diesen Ausfall der Wahlen auck ein Stimm mgswechsel in den französischen Regierungskreifen ein und dann kann es sogar zu Minister- krisen kommen, da einige der gegenwärtigen französischen M nister den Republikanern nicht republikanisch genug sind.
Während es in Oesterreich dem Baron von Pretis zwar nicht gelungen ist, ein parlamentarisches Ministerium zu bilden, nehmen die parlamentarischen Berathungen in Wien doch gerade keinen ungünstigen Verlauf. In den beiden Häusern des österreichischen Reichsraths haben die Wahlen zu dm Delegationen stattgefunden. In parlamentarischen Kreisen glaubt man, daß dieselben dem Grafen Andraffy nicht ungünstig sind, und berechnet man, daß er mit Hülfe der HerrcnhauS-Mitgl eder, von denen vielleicht nur einer gegin feine Politik stimmen wird, ferner mit Hülfe der Polen Südländer und Kl-rikalen eine Mojorüät von zwei oder drei Stimmen für sich haben wird. Auch die ungarische VelksVertretung hat sich mit der Angelegenheit der Telegationswahlen beschäftigt. Doch werden in die Bermhangen fortwährend von den gegnerischen Abgeordneten Angelegenheiten anderer Art gemengt, so daß die Berathungen nur wenig Gedeihliches prcd cirkA. Dem Dräng n der Opposition nachgebend oder vielleicht auf höhere Anordnung hat der Ministerpräsident Tisza auch den Berliner Vertrag auf den Tisch des Hauses niedergelegt, so daß nunmehr die bosnische Frage von der Hmd dieses internationalen Vertrages berathen werden kann.
Der Streit Englands mit Afghanistan gelangt allmählig aus einem Stadium ins andere und dürfte bald in demjenigen an^elangt sein, wo es heißt Krieg oder Frieden. Merkwürdiger Weise zeigt jedoch England dem Emir von Afghanistan gegenüber eine große Langmuth, denn laut Beschluß beS englischen Ministerraths ist dem Emir ein er- | neutes Warnungs und Ermahnungsschreiben gesendet worden, welches allerdings das letzte sein dürfte, wenn der Emir sich den Wünschen Englands nicht fügt. Der Vicekönig von Indien soll auch gegen die Absenkung des neuen Ee mahnungsschreibens protestiren und weg.n unverzüglicher Wahrung der Ehre Englands in der Affaire die sofortige Kriegserklärung von Afghanistan anrathen.
Der Zar Alexander hat in der vergangenen Woche wiederholt Unterhandlungen mit hervorragenden russischen Staatsmännern, zumal mit dem Grafen Schuwaloff, gepflogen, woraus man schließen zu können glaubt, daß die stille Regierungskrisis, welche gegenwärtig die russische Politik beeinträchtigt, ihrem Ende nahe ist. Besonders sieht man im Grafen Schuwaloff den gemäßigten Diplomaten, welcher den rechten Ausweg für Rußland aus dem Verhängniß finden und den extravaganten Forderungen der Panslawisten, die den ganzen Orient russisch machen wolle«, ein Ziel setzen wird.
Z« Bezug auf die neuesten Konflikte im Orient, zumal in Betreff