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fiannucr Anzeiger.
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correipondenz.
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Preis:
Die ispaitige Garmondzeile oi. leren 3taum
10 Psg.
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M 253 Mittwoch den
30. Oktober. 1878.
Amtliches.
Durch Verfügung des Königlichen Polizei-Präsidiums zu Berlin ist bet deutsche Tabaks-Arbeiter Verein zu Berlin und somit auch die hiesige Mitgliedschaft verboten. Auf Grund des §. 6 des Gesetzes vom 21. Oktober c. wird dies hierdurch bekannt gemacht.
Hanau am 26. Oktober 1878.
Gemeindediener Georg Dietrich Dietz in Ostheim ist als Sachverständiger zur Untersuchung des Schweinefleisches auf Trichinen vereidigt worden.
Hanau am 17. Oktober 1878.
_______Der Landrath.
TagesfHam
+ Cassel, im Oktober. Wer die Wahlvorbereitungen der socialdemokratischen Agitatoren gesehen, die furchtbaren Anstrengungen beobachtet hat, die sie sich gegeben, in jeden Wahlkreis Candidaten hineinzuschieben, der sollte auf den Gedanken kommen, den SocialistkN- führern fei es heiliger Ernst mit den Interessen des „armen und unterdrückten Volkes", wie sie es nennen. Aber wenn die Probe auf das Exempel gemacht werden soll, dann ändert sich sofort die Sache. So hat der Abgeordnete Stumm den Vorschlag gemacht, für alle Arbeiter Pensionskassen in's Leben zu rufen Man sollte nun denken die Arbeiterführer würden mit voller Begeisterung diesen Plan aufgreisen und Arbeiterunterstützungskassen für Krankheits- und Todesfälle mit in's Leben rufen helfen. Doch weit gefehlt. Das „Hessische Volksblatt", das Organ des Herrn Pfannkuch, wehrt sich mit Händen und Füßen dagegen und schreibt am 16. Oktober: „Entschieden abgewtesen aber muß die Forderung werden, daß die PensionS lassen aus Zwangsbeiträgen auch der Arbeiter gegründet werden sollen. Das Verlangen ist geradezu ungeheuerlich, (sie.) Die Arbeiter können bestenfalls mit ihren Hungerlöhnen das nackte Dasein sammt Familie knapp fristen" Also für Pensionskassen haben die Arbeiter kein Geld? Nun halte man aber daneben, wie viel die Arbeiter für die socialdemokratischen Abgeordneten, für die Agitation, ihre Zeitungen u. s. w. ausgeben müssen, und die Worte des Hessischen Volksblattes erscheinen in eigenthümlichem Lichte. Wir enlnehmen die Notizen den socialdemokratischen Kalendern pro 1878 und 1879.
1) Die Wahl im Jahre 1877 verschlang die Summe von 54,200 Mark.
2) Es wurden 12 Abgeordnete gewählt, davon erhiel
ten 10 jeden Tag 9 Mark Diäten, macht in einer Legislaturperiode von 90 Tagen......8,100 „
3) Am 30. Juli 1878 wurden während der Wahlen verausgabt............. 150,000 „
4) Die socialdemokratische Presse zählt 62 Organe, in einer Gesammtauflage von 153,000 Exemplaren. Nehmen wir an, daß der Abonnementspreis durchschnittlich nur 3 Mark pro Exemplar im Jahre betrage, so sind verausgabt....... 459,000 „
5) Die Flugschristliteratur zählt 243 Nummern.
Nehmen wir an, daß davon nur 500,000 Exemplare ü 10 Pfg. vertherlt worden sind, so macht dies . 50,000 '„
6) Eine social-wissenschaftliche Revue, die „Zukunft", in einer Auflage von 3500 Exemplaren a 6 M. — 21,000 „
Maoyr in «summa 742,3UÜ Mark.
Also 742,300 Mark gering veranschlagt haben die Arbeiter in Jahresfrist für die Agitation auchrmgen können. Und weshalb? Weil die Agitatoren den Arbeitern ein Paradies versprachen, that ächlich aber, wie die Z chlen zeigen, für ihren Beutel thätig sind. Es leben, gering gerechnet, über 300 Personen in Folge der socialdemokratischen Agitation in recht guten Verhältnissen von den Arbeitergroschen. Und unter solchen Verhältnissen sollen ine Arbeiter für Kranken- und Sterbekassen keinen Pfennig übrig haben!
— Bekanntmachungen auf Grund des Reichsgesetzes vom 21. Oktober 1878. Nach dem „R. u. Sl.-A." Nr. 255 wurden unterm 28.
Oktober verboten: der Arbeiterbildungs-Verein in Dresden, der Verein „Bund der Tischler und verwandter Berufsgenossen" und der Verein „Deutsches Zimmerer-Gewerk" zu Hamburg
— Berlin, 28. Okt. Der Weser-Ztg. wird von hier geschrieben: „Während die Meldungen eines bevorstehenden Rücktritts des Finanz- min sters Hobrecht sich als unbegründet oder wenigstens übertrieben ec- wi sen, tauchen Gerüchte auf, welche mit großer Hartnäckigkeit einen nahen Wechsel in der Leitung des Reichskanzleramts avisiren. Präsident Hofmann scheint, abgesehen von principiellen Bedenken gegen die angeregte Lösung dringender Fragen, einer Steuerreform und sonstigen Aenderungen im Gebiete der Wirthschaftspolitik den beabsichtigten weiteren Abzweigungen von seinem Ressort nicht zustimmen zu können. Die von dem Reichskanzler begonnene Entlastung der bisherigen Cen- tralverwaltungsbehörde des Reichs geht ihrer weiteren Entwicklung entgegen. Bereits in den Voranschlägen für das Budget des nächsten Etatsjahres erwartet man dahingehende positive Anträge. Eben so wie das Reichskanzleramt werden auch das preußische Handels- und das Finanzministerium bedeutsame Aenderungen erfahren. Die dresbemg- Uchen Projekte befinden sich noch in einem zu frühen Stadium der Vor- arbeiien, als daß sie bereits in den Kreis politischer Erörterungen gezogen werden könnten."
— B erlin. 29. Oktober. Der Kaiserliche Botschafter, General- Lieutenant und General Adjutant von Schweimtz ist auf seinen Posten in St. Petersburg zurückgekehrt und hat die Leitung der Kaiserlichen Botschaft wieder übernommen. — Der Kaiserliche Botschafter am Königlich italienischen Hofe, von Keudell, ist nach einem kurzen Aufenthalte in der Heimalh, wohin er sich mit Allerhöchster Erlaubniß in Familienangelegenheiten begeben hatte, am gestrigen Tage nach Rom zurückgekehrt und hat die Leitung der Geschäfte wieder übernommen. — Der hiesige französische Botschafter, Graf von St. Vallier, ist von seiner Urlaubsreife hier wieder eingetroffen und hat die Leitung der Botschaft übernommen.
— In Betreff der eingeleiteten kriegsgerichtlichen Untersuchung aus Anlaß des Untergangs des Großen Kurfürst ist die Kieler Z. in der Lage, die positive Versicherung zu geben, daß die Voruntersuchung sich auf alle bei dem Unglück des Großen Kurfürst betheiligten Personen bezieht und daß die Hoffnung wohl berechtigt ist, daß diese Untersuchung Licht verbreiten werde nicht allein über die Katastrophe vom 31. Mai dieses Jahres, sondern auch über die vor den Ereign ssen dieses Schick- salStages unserer jungen Marine liegenden mittelbaren und unmittelbaren Ursachen derselben „Sind wir recht unterrichtet", fügt das gen. Bl. hinzu, „so soll der Chef der Admiralität, wie besonders betont wird, mit einer nicht genug anzuerkennenden Objektivität, und unbeeinflußt von persönlichen Neigungen, wie solche in seiner Kammerrede gefunden worden sind, die Untersuchung eingeleitet und gewünscht haben, sie in diesem Geiste fortgeführt zu sehen "
— Die Anzahl der Poftbriefkasten im Reichspostgebiete belief sich im Jahre 1876 auf 38,422 Stück. Seither sind 3983 Briefkasten hinzugetreten, und die Ausstellung von weiteren 2000 Brieskasten steht bevor, so daß am Schlüsse d. I. 44,405 Briefkasten vorhanden sein werden. In Bayern und in Württemberg sind 8936 Briefkasten vorhanden; es ergibt sich sonach für das ganze Reich eine Gesammtzahl von 53,341 Postbrieskasten.
— Posen, 29. Okt., Vormittags. (R. u. St.-A) Der „Pose- ner Zeitung" wird aus Rawitsch gemeldet: Der Gesangverein „Vorwärts", dessen Mitglieder nur aus Sozialdemokraten bestehen, wollte am 27. d. unter Zuziehung des Breslauer sozialdemokratischen Gesangvereins „Teutonia" in Sierakowo bei Rawitsch angeblich ein Konzert veranstalten, welches jedoch polizeilich auf Grund des Gesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie inhibirt wurde. Die Rawitscher und Breslauer Sozialdemokraten zogen alsdann nach Königsdorf bet Rawitsch, Kreis Guhrau. wo die Versammlung, da der wiederholten Aufforderung, auseinander zu gehen, nicht Folge gegeben wurde, mit Gewalt aufgelöst werden mußte.
— Braunschweig, 29. Okt. (Köln. Ztg.) Der hier erschei-