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Dienstag den 15. Oktober.
1878.
Rundschau.
R. F. Deutsches Reich. Der Kaiser Wilhelm befindet fich in Baden-Baden, wo er bei dem schönen Herbstwetter fast täglich Ausflüge unternimmt, sehr wohl. Seine Ueberfiedlung nach Wiesbaden ist, damit sich d-r hohe Herr nach und nach an den Wechsel des Klimas gewöhnt, gegen Ende dieser Woche oder am Anfänge der nächsten zu erwarten.
Der Feldmarschall Graf Moltke, der von Cassel wieder nach Berlin zurückgekehrt ist, nahm bereits wieder seinen Platz im Reichstage ein. Das äußere Aussehen des Marschalls verräth nichts von der eben erst überstcndenen nicht unbedenklichen Krankheit. Graf Moltke wurde bei seinem Eintreten in den Reichstag allseitig herzlich begrüßt.
Die zweite Berathung des Socialistenzesetzes im Reichstage hat gute Fortschritte im Sinne der Ordnung!freunde gemacht. Nachdem durch die Annahme des Paragraph 1 des Socialistengesetzes mit einer Mehrheit von circa 50 Stimmen vom Reichstage das Votum abgegeben worden war, daß er in seiner Mehrheit das Gesetz wolle, find die Berathungen rascher gefördert worden, fo daß gegenwärtig fast zehn Paragraphen des Gesetzes zur Annahme gelangt sind.
Wie uns mitgetheilt wird, wird der bisherige Chef der Marine- station der Ostsee, Herr Contreadmiral Werner, Mitte dieses Monats Kiel verlassen, um in Wiesbaden Wohnung zu nehmen. Damit wäre wohl der Abschied dieses hervorragenden Seeosficiers besiegelt.
Es heißt, daß in Folge des Schreibens des Papstes Leo XIII. an den Cardinal-Staatssekretär Nina der Reichskanzler Fürst BiSmarck in den letzten Tagen an Letzteren ein Schreiben gerichtet hat. In demselben bittet er Namens des Kaisers den Staatssecretär, dem Papste für die verbindlichen und wohlwollenden Worte zu danken, welche derselbe an den Kaiser und die deutsche Nation gerichtet hat Fürst Bismarck soll in dem Schreiben seiner festen Ueberzeugung Ausdruck gegeben haben, daß die Ve-Handlungen zwischen dem Papste und der preußischen Regierung in kurzer Zeit von dem glücklichsten und dauerhaftesten Erfolge gekrönt sein werden.
Die osficiöse „Post" spendet der Bennigsen'schen Rede im Reichstage reichlichen Beifall und rechtfertigt ihr Verhalten während der Wahlen gegenüber den gefallenen Beschwerden. Ihr Urtheil faßt sie dann wie folgt zusammen: Das Werk friedlicher Weiterentwickelung im Reiche kann erst wieder ausgenommen werden, wenn der Friede h^rrge- stellt ist, man mag die Unterbrechung so tief man will bedauern, sie ist unumgänglich nöthig, und wir find es nicht, die sie veranlaßt haben. Die nationalliberale Partei hat durch den Mund des Herrn von Ben- nigsen der Regierung einerseits und den rechts von ihr stehenden Parteien andererseits die Versicherung gegeben, daß sie triefen Friedcnszustand herbeiführen helfen will, und sie kann sicher sein, daß es ihr an aufrichtigem Entgegenkommen unsererseits nicht fehlen wird.
Oesterreich. In Wien herrscht große Erbitterung. Sämmtliche Journale sind entrüstet über die unverschämte Note der Pforte. Die Dificiöfen meinen, die Regierung dürfe sich auf eine thatsächliche Widerlegung der erlogenen Granelthaten nicht einlassen und müsse die Pforte nur kühl und höflich abfertigen und im Uebrigen sich nicht in der Fortsetzung der Occupatiousarbeit beirren lassen. — Die österreichische Presse ergeht sich ebenfalls in allgemeiner Entrüstung über diese Note. Das „Fremden!-lait" sagt, „daß es solch eine Impertinenz nicht für möglich gehalten habe." . Die „Presse" meint, die Note „über* steige an unverschämter Lügenhaftigkeit Aller, was bisher in ähnlichen diplomatischen Machwerken geleistet worden ist." Das „Tageblatt" bezeichnet nach dieser Note die Pforte als „eine verlogene heimtückische Regierung, mit der keine Convention möglich" sei. Die türkenfreund- liche „N. Fr. Pr." nennt die türkische Protestnote „in der That sehr ungeschickt abgefaßt" und erklärt die darin den österreichischen Soldaten zur Last gelegten haarsträubenden Dinge „erstunkrn und erlogen." — In der österreichisch-ungarischen Ministerkrisis ist noch keine Entscheidung gefällt und scheint man die Frage mit den Parlamenten lösen zu wollen, da der Kaiser Franz Josef den österreichischen Reichstag auf den 22. Oktober einberufen hat. Tisza wird auch im ungarischen Ministermm bleiben.
Frankreich. Paris, 14. Oktober. Nachdem das „Journal
officiel" die Muuicipalräthe für den 27. Oktober d. J. zur Wahl der Delegirten für die SenatSwahlen einberufen und die letzteren selbst auf den 5. Januar 1879 festgesetzt hat, kann die Wahlbewegung als eröffnet gelten. Die Zahl der Gemeinderäthe, welche am 27. Oktober zusam- mentreten werden, um ihre Delegirten zu wählen, beläuft sich auf 14,021 und die Gesammtzahl der Senatswähler, welche am 5. Januar in Bewegung gesetzt werden, beträgt 16 666 und zwar folgendermaßen zusammengesetzt: 205 Deputirte, 1064 Generalräthe, 1376 Arrondisse- mentSräthe und 14,021 Delegirte der Gemeinderäthe.
Aus dem Orient. Der Sultan ist von dem englischen Re- sormprojekt für Kleinasien nicht befriedigt; es geht ihm nicht weit genug, so wenigstens hat er zufolge einer Meldung des „W T. B." aus Konstantinopel vom 14. d. M. sich Hobart Pascha gegenüber ausgesprochen; er werde mehr Reformen zur Ausführung bringen, als England verlange (glückliches Kleinasien). — Aus Konstantinopel wird gemeldet: Die Pforte erklärte dem russischen Botschafter, daß sie für die Sicherheit der Christen in den geräumten Gebieten garantiren könne, wenn die Russen Adrianopel räumen würden. Fürst Labanoff erwiderte hierauf, die Räumung Adrianopels könne nicht früher erfolgen, als drei Monate nach Unterzeichnung des definitiven FrüdenSvertrages zwischen Rußland und der Türkei.
Aus Bukarest: Die russisch-rumänischen Commissionen zur Ueber* gäbe Besfarabiens sind bereits ernannt und werden in Ismail ihren Sitz nehmen. Die Russ n sollen mit der Lemolirung der Festungswerke Widdins begonnen haben. Die rumänische Regierung ist mit der Wiederherstellung des internationalen Postverkehrs mit Konstantinopel über Varna und Rustschuk nach Rumänien beschäftigt.
England. London, 14. Oktober. Die authentische Nachricht, daß die Russen wieder vor Konstantinopel bleiben, erregt hier ungeheure Aufregung. Wahrscheinlich macht England eine Gegendemonstration mit der Flotte.
Die „Times" meldet: In Konstantinopel hält man einen Krieg gegen Griechenland für unausbleiblich.
Aus London wird der „N. F. P." vom 10. d. M. gemeldet: Die neuesten Mittheilungen über Indien finden sich in einem der „Times" aus Darjccling am 8. zugesendeten Telegramm. Danach sind von jedem Besatzungs Regimente 200 Mann, verstärkt durch reitende Artillerie und Batterien von Bierzigpfündern, aus Peschawer nach Jamrud unterwegs. Führer und ein Regiment aus Kohat werden sich denselben dort anichließen. Man glaubt, daß diese Streitmacht unter dem Befehle des Generals Roberts das Fort Ali-MuSjid angreifen werde.
Afghanistan. Der Emir hat die Stämme aufgefordert, ihm Beistand zu leisten. Alle, sogar die kürzlich besiegten Jowakis, haben, wie man glaubt, zugesagt. — Die Grenzstämme vom Khyber bis zum Bholen zählen 180,000 streitende Männer; davon sind 150,000 afghanischen und 30,000 beludschischen Blutes. 23,000 Afridis gibt es. Wahrscheinlich werden die Beludschen und Afridis neutral bleiben. — Der Emir hat die Besatzungen von Kandahar. Gulalabad und Aii- Musjid verstärkt und auch Jakub Khan freigelassen.
Spanien. Der König von Spanien ist aus seiner Reise zu den Manövern am 8. Oktober in Burgos eingetroffen, wo er an der Station vom Marschall Quesaba und den Militär- und Civilbehörden empfangen wurde. In der Kathredale wurde von dem Erzbischof und dem Kapitel ein „Tedeum" gesungen. Die Straßen waren reich geschmückt, doch war der Empfang im Ganzen ein sehr kühler. Darauf begab sich der König nach Vatoria und von dort auf das Manöverfetd.
Schweiz. Am vergangenen Sonntag hat in Genf eine Volksabstimmung über die von der Regierung vorgelegte Verfassungsrevision stattgefunden, und ist das RegierungSprojekt einem Reuter'schen Telegramme zufolge mit 8700 gegen 2000 Stimmen verworfen worden. Die Radikalen haben damit einen hervorragenden Sieg davongetragen.
TagesschaA.
— Berlin, 14. Oktober. Im weiteren Verlaufe der vorgestrigen (11.) Sitzung des Reichstages wurde in der zweiten Berathung des Gesetzentwurfs gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Goziol- demokratie bei der Abstimmung über §. 5 in namentlicher Abstimmung