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Freitag den 11. Oktober.
L87d.
UmtlicheS.
Nachdem die im § 19 des Enteignungsgesetzes vom 11. Juni 1874 verschriebene Frist für die Offenlegung des Planes für die zur Anlage eiws Weges am Bahnhöfe Honau der Frankfurt- Bebraer Eisen- bahn in der Genarkung von Gros anheim zu enteignenden Grundstücke abgilaufen, wird in Gemäßheit des § 20 des gedachten Gesetzes Termin zur Erörterung der vorgebrachten Einwendungen gegen den Plan auf Freitag den 2 5. Oktober d. 3., Vormittags 10 Uhr, auf dem Landrathsamt anberaumt, wozu die Interessenten mit dem Bemerken erngeladen werden, daß die nicht Erscheinenden mit ihren etwaigen Einwendungen werden ausgeschlossen werden.
Hanau am 5. Oktober 1878.
Der Landra'h
RuAdscha».
R. F. Aus der Reichshauptstadt kommt die Kunde, daß der Kaiser W lhelm höchst wahrscheinlich in der letzten Woche dieses Monats nach Berlin zurückkehren und die Regierungsgeschäfte wieder übernehmen wird. Wie aus einem Erlaß des Berliner Magistrats zu ersehen ist, wird es sich die Berliner Bürgerschaft mcht nehmen lassen, bei dieser Gelegenheit dem schwergeprüft! n geliebten Kaiser einen fesil-chen Empfang zu bereiten und hat bereits ein zu diesem Zwecke zusammengetretenes Comitö seine Thätigkeit entfaltet. Das Befinden des Kaisers Wilhelm in Baden-Baden ist ein befriedigendes, doch kann der Fall Eintreten, daß der Monarch sich nicht direkt von Baden-Baden nach Berlin begibt, sondern wegen eines allmähligin klimatischen Uebergangts erst noch einige Tage in Wiesbaden Aufenthalt nimmt.
Einer althergebrachten schönen Sitte entsprechend und dem elter- l'chen Herzenszuge folgend begaben sich am 7. Oktober der Kronprinz und die Kronprinzessin des deutschen Reiches nach Kiel, um ihrem Sohne, dem Prinzen Heinrich, der zu seiner seemännischen Ausbildung eine fast zweijährige Seereise unternehmen wird, Lebewohl zu wünschen. Mag der jugendliche Prinz als ein wackerer Seemann glücklich zurückkehren!
Der Reichstag, welcher bekanntlich seit dem 7. Oktober seine Plenarsitzungen wieder ausgenommen hat, erledigte eine große Anzahl Wahlprüfungen, indem er den Commissionsanträgen entsprechend die betreffenden Wahlen für gültig erklärte und einen Theil der Wahlproteste dem Reichskanzler zur Untersuchung überwies. Der Präsident v. Forcken beck machte das Haus auch mit dem Ableben des Abgeordneten Habermann bekannt, dessen Andenken die anwesenden Reichstagsmitglieder durch Erheben von ihren Sitzen ehrten. Am Dienstag war keine Sitzung des Reichstages, weil an diesem Tage erst noch die Fraktionsbesprechungen zum Socialistengesetz beendigt werden mußten. In der darauffol- gkndtn Reichstagssitzung vom Mittwoch fand zunächst eine Neuwahl des Präsidiums statt, welche auf eine Wiederwahl des bisherigen hinauslief und dann trat der Reichstag in die hochwichtige zweite Berathung des Ercialistengesttzes ein, über deren Ergebnisse erst der Telegraph berichten wird.
Bei den Fraktionssitzungen bezüglich des Socialist!ngesetzes hat sich ergeben, daß die conservativen und nationalliberalen Abgeordneten in ihrer großen Mehrheit auf dem Standpunkte der Commissionsbeschlüsse stehen, und das Vorhandensein dieser Praliminarbestätigung gibt bei der wahrscheinlichen Geneigtheit des Bundesrathes, über die noch schwebenden Streitfragen mit dem Reichstage zu unterhandeln, eine ziemliche sichere Gewähr für das Zustandekommen deS Socialistengesetzes. Der Reichskanzler Fürst BiSmarck hatte auch wiederholte Besprechungen mit d«m Herin v. Bennigsen, einem einflußreichen Führer der Rational- liberalen, welche Besprechungen wohl auf eine angestrebte Verständigung zwischen Regierung und Reichstag hinsichtlich des Socialistengesetzes in Besonderem hindeuten.
Für den deutschen Bundesrath findet sich in diesem Jahre eine ununterbrochene Kette von Berathungsgegenständen. Während der Berathung hinsichtlich des Socialistengesitzes ist wegen des Nahens der ordentlichen Reichstagssession schon das Ausstellen des Reichsbudgets durch den Bundesrath nothwendig geworden und außerdem sandte der Reichskanzler dem Bundesrathe auch das Programm für die Untersuchung der Lage der Eisenindustrie zur Prüfung. i, ।
Sowohl über die Stellung des preußischen Cultusministers Dr. Falk als auch über die Nachfolgerschaft des kränklichen preußischen Justizm^nifters Leonhardt Lesen vor einigen Tagen verschiedene Gerüchte herum Mnn biefelbtn nun wahrscheinlich auch manches Wahre in sich bergen und eine fötalste dung der ministeriellen Verhältnisse Preußens nach dieser Seite hin erfolgen muß, so dürfte sich im bisherigen Stande der Dinge doch erst dann eine Aenderung vollziehen, wenn der Kaiser die Regie unstsgeschäste wieder übernommen hat.
In Oesterreich-Ungarn heißt es gegenwärtig, wie schon manchmal in früheren Zeiten, Minister kosen und kein Ende, denn jetzt liegen die Dinge so, daß weder Oesterreich noch Ungarn Minister hat. Wiederholten Entlossungsgesuchen nachgeRnd hat der Koffer Franz Joses am dritten Okiober die Entlassung des gesammten ungarischen und am sechsten Oktober die Entlassung des gesammten österreichischen Ministeriums angenommen Vorläufig bleiben die Minister jedoch noch in ihrem Amte, da der Kaiser erst hervorragende österreichische und ungarische Parlamentsmitglieder zur Berathung über die gegenwärtige La;e hören will. Die Ursachen der beiderseitigen Ministerkrisen in Oesterreich Ungarn liegen in der unsicheren politischen Zukunft wegen der Oc- cupatien Bosniens, worüber keins der beiden Ministerien beruhigt ist, und dann ist auch durch die beiden Min sterkrisen die Differenz in den Anschauung n der Oesterreicher und Ungarn hinsichtlich der Gestaltung der politischen Verhältnisse Bosnuns aufs Neue zum Ausbruch gekom- m n Es bleibt daher nunmehr dem Wiener Sabines weiter nichts übrig, als die für Oesterreich Ungarn brennend gewordene bosnische Frage rm Sinnetfiänbwffe mit den beiderseitigen Landesregierungen und beiderseitig! n Parlamentn zu lösen, was fürwahr eine schwere, aber immerhin keine unerreichbare Regierung? aufgabe ist.
Obwohl die Besitznahme Bosniens und der Herzegowina durch O-sterreich eine vollzogene Thatsache geworden ist und die Bewohner der beiden Prosinzen bereits anfangen mit den Oesterreichern Freuuv- schast zu schließen, so steht die Pforte doch noch immer einer entsprechenden Convention mit Oesterreich störrisch gegenüber und man muß wohl dieselbe als vollständig gescheitert betrachten. Da nun die Pforte im Uebrigen großen Werth auf die Erhaltung guter Beziehungen mit Oesterreich legt, so dürfte wegen Bosniin zwischen Oesterreich und der Türkei kein Conflict zu fürchten sein, sondern man muß einfach an» nehmen, daß sich die Pforte hinsichtlich der Besitzergreifung BoSniens durch Oesterreich mit Protest in das Unvermeidliche fügt. Eine Art Protestschreiben hat die Pforte denn auch wegen der Haltung Oesterreichs in Bosnien an die Großmächte gerichtet, doch wird dieselbe kaum etwas damit erreichen.
Die wegen der Renitenz des Emirs von Afghanistan sehr erbosten Engländer wurden am 8. Oktober von der Nachricht erfreut, daß die anglo-indischen Truppen die afghanische Grenzstadt Alimusjid beletzt hätten, doch am folgenden Tage stellte es sich heraus, daß die Nachricht erdichtet war, denn kein englischer Soldat hat bis jetzt einen Fuß auf afghanisches Gebiet gesetzt. Der Stand der Angelegenheiten in dem englisch- afghanischen Conflicte deutet übrigens auf ernste Verwickelungen hin, denn sowohl England als auch Afghanistan betreiben die Kriegs- rüstungen mit großer Eile und es findet sich kein Friedensvermittler. Der deutsche Reichskanzler soll allein durch den deutschen Botschafter in Konstantinopel dem Sultan Vorstellungen machen lassen, daß er den Emir von Afghanistan bewege, die englische Gesandtschaft zu empfangen, damit wegen der wahrscheinlichen Theilnahme Rußlands an einem englisch-afghanischen Kriege nicht aufs Neue der Weltfriede gefährdet werde. Ueber die Ergebnisse des englischen Ministerraihs in der afghanischen Angelegenheit verlautet nichts Bestimmtes und scheint das Londoner Kabinet bis auf Weiteres eine abwartende Stellung beobachten zu wollen.
Die monarchischen Parteien Frankreichs haben in Hinblick auf die Eröffnung der Kammern und die nahenden Senatswahlen, für welche die Delegirtenwahlen in den Gemeinderäthen bereits am 27. Oktober stattfinden, ihren Feldzug gegen das gegenwärtige republikanische Regiment in Frankreich eröffnet. Dieselben meinen, die gegenwärtige französische Regierung befindet sich in einer Art Anarchie, da sie kein festes Programm, noch ein Prinzip gebe. Ob die monarchischen Parteien