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— (Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger) versendet soeben an ihre Mitglieder den Jahresbericht für das Geschäftsjahr 1877/78. Wir entnahmen demselben, daß die Zahl der Mitglieder dieser gemeinnützigen Gesellschaft von 80,552 auf 33,509 (also um rund 3000 Personen) gestiegen ist, welche eine Gesammtsumme von 112,680 M. an regelmäßigen Jahresbeiträgen gezahlt haben. Die Ge- sammtausgaben haben sich auf rund 108,360 M. belaufen, die ordentlichen Einnahmrn haben also eben zur Bestreitung der Ausgaben hingereicht, während die außerordentlichen Einnahmen an Stistungsgeldern, Legaten, Zinsen u. s. w. ungefähr genügt haben zur Ausgleichung der Abschreibungen an den Rettungsgerachschasten und dem übrigen Eigenthum der Gesellschaft. Die Mitglieder vertheilen sich über ganz Deutschland; selbstverständlich stellen die Seebezirke das größte Kontingent, darunter Bremen mit 1821, Hamburg 1034 Personen. Unter den Binnenplätzen nimmt Magdeburg mit 700 Mitgliedern den ersten Rang ein, es folgt Berlin mit 556 Mitgliedern Durch die Stationen der Deutschen Gesellschaft sind im vergangenen Jahre wiederum 55 Personen dem Tode in den Wellen entrissen worden; die Zahl der durch die Gesellschaft seit ihrer Begründung im Jahre 1865 geretteten Personen hat mit 1108 nunmehr das erste Tausend überschritten! Aus dem Protokolle über die in diesem Jahre in Oldenburg gehaltene Generalversammlung ergibt sich, daß im laufend n Jahre wiederum eine beträchtliche Anzahl von Stationen neu errichtet und vervollständigt werden soll. Dem Berichte ist eine vortreffliche Karte der deutschen Nord- und Ostseeküste beigegeben, auf welcher die Rettungsstationen und die von jeder einzelnen ausgeführten Rettungen verzeichnet sind.
— (W ilh el ms h av en.) Nachdem nunmehr die Hafenbauten in Wilhelmshaven beendet sind, dürste es von Interesse sein, Näheres über die Anlage zu erfahren. Der Hafen selbst (so schreibt die Trib.) ist ein sogen. Fluthhafen. Aus der Hafeneinfahrt gelangen die Schiffe durch die erste Schleuse in den 200 M. langen, 120 M. breiten Vorhafen und durch eine zweite Schleuse in einen 1200 M. langen Kanal, welcher zum Kriegshafen führt. Letzteren schließen 3 Trockendocks und 2 Hellinge ab. Der Kriegshafen ist 400 M. lang, mehr als halb so breit und enthält auf seinen aus Klinkern erbauten und mit Quadersteinen verblendeten Ufern mächtige drehbare Krahne. Dir eine seiner Langseiten ist nicht mit durchgehender Kaimauer, sondern wie der Kanal über Wasser nur mit einer tzsteindosfirunz versehen, um eine spätere Erweiterung des Hafens zu erleichtern. Die Wassertiefe sämmtlicher Bassins beträgt fast 11 M., ist also auch für die schwersten Schiffe ausreichend groß. Die Docks haben eine obere Breite von durchschnittlich 8 M., eine Länge von 142 M., so daß sie auch für Reparaturen der größten Panzerfregatten sich eignen. Der Wasserabfluß der Docks wird durch eiserne Pontons bewirkt. Gegenwärtig arbeitet man daran, südlich des Kanals einen großen Handelshafen auszubaggern und durch seine Verbindung mit dem Kriegshafen zugleich eine zweite Ausfahrt für diesen zu gewinnen. Die Marineetablissements und Depots liegen um den letzteren herum. Was die Land- und Küstenbefestigung anlangt, so ist eine Eneeinte nicht vorhanden. 3 Forts, welche so weit entfernt liegen, daß der Kriegshafen gegen ein Bombardement genügend gesichert ist, schließen das Terrain auf der Landssite ab. Sämmtliche Werke sind sehr geräumig, gut ausgerüstet und sekundren sich in zweckmäßigster Weise. Neben dieser zur Zeit in Fertigstellung begriffenen Landfront befindet sich in östlicher und nordöstlicher Richtung der Stadt vorgelegt die Küstenbefestigung. Die ganzen Befestigungsanlagen sind oder werden telegraphisch mit der Zentralstation verbunden, auch finden sich an der Küste Observatorien, welche mittels des von Siemens und Halske kon- struirten elektrischen Distanzmessers Torpedos im Moment, wo sich das feindliche Schiff über ihnen befindet, vom Lande aus zu entzünden gestattet.
— Ueber die Berschleppungs-Politik der Pforte stellt das „Berl. Tagebl." in Nachfolgendem eine Reihe von Mittheilungen zusammen, die ihm von seinen verschiedenen Korrespondenten per Draht im Laufe des Bormittags vom 7. Oktober zugegangen sind. Vorerst wird aus Konstantinopel versichert, daß infolge des Scheiterns der österreichisch- türkischen Konventions-Verhandlungen, die Beziehungen zwischen der Pforte und Wien einen gespannten Charakter annehmen. Aus Wien wird gemeldet, diese Spannung sei so schroff bereits, daß der Sultan in dem letzten Ministerrathe den Wunsch ausgesprochen habe, den diplomatischen Verkehr mit Oesterreich abzubrechrn. Erst den großen Bemühungen des Großveziers sei es gelungen, den Sultan von solchem abenteuerlichen Schritte abzubringen. Es stände sogar ein neuer Sch ritt der Pforte wegen der bosnischen Frage in Wien in unmittelbarer Aussicht, Ebenso wie mit Oesterreich verschleppen sich die Differenzen, welche zwischen der Pforte und England bestehen. Der „Daily Telegraph" versichert, daß die Verzögerung des großherrlichen Erlasses, der die Annahme der britischen Reformpläne ausspricht, nur durch russischen Einfluß herbeigeführt wurde, obgleich das englische Programm bereits vom Kabmet und Sultan mündlich angenommen wurde. Die „Times" berichtet sogar, daß übereinstimmend mit den englischen Wünschen der zurückgekehrte Midhat Pascha nicht, wie unrichtig gemeldet, zum Gou
verneur von Creta ernannt, sondern für einen höheren Platz in Kleinasien bestimmt sei. Der Abwechselung halber soll, wie endlich aus Rom telegraphirt wird, der türkische Gesandte abermals dem italienischen Minister des Auswärtigen, Corti, gegenüber das Dementi von der Cedirunz Egyptens an England wiederholt haben. Corti soll indeß sein Erstaunen darüber geäußert haben, daß nicht auch England sich diesem Dementi anschließe.
— Aus München wird gemeldet, daß die bayerische Staats- regierung mit Einführung der Reichs-Justizgesetze die Competenz der Schwurgerichte für Aburtheilung von Preßsachen zu beschränken beabsichtige, indem sie die in den §j. 18 und 28 des Reichspreßgesetzes mit Strafe bedachten Vergehen wieder der Aburtheilung der Schwurgerichte entzieht. (Trib.)
— Wien, 7. Okt., Abends. Die amtliche Wiener Zeitung veröffentlicht ein kaiserliches Handschreiben vsm 7. d. an den Fürsten AuerSperg, in welchem der Kaiser das Entlassungsgesuch des gesummten Ministeriums für die in dem Reichsrsthe vertretenen Länder unter Anerkennung der eifrigen und treuen Dienste annimmt und alle Minister beauftragt, bis zur Bildung eines neuen Ministeriums im Amte zu bleiben.
— Rom, 8. Oktbr. Wie es heißt, hat der Vatikan Schritte gethan, daß in der Verfassung des Fürstenthums Bulgarien die Rechte der den Papst anerkennenden bulgarischen Kirche mittelst einiger Privilegien respektirt werden. Auf Bosnien und die Herzegowina aedenkt der Vatikan die katholische Hierarchie nicht auszudehnen; der Vatikan wird nur bemüht sein, daselbst der katholischen Kirche ihre speziellen Institutionen zu erhalten. — Der Minister Cairoli hat sich nach Bel- girate begeben.
— London, 8. Okt. (Köln. Ztg.) Der Standard meldet auS Kalkutta vom 7. d., daß der Angriff auf Alimusjid auf kurze Zeit verschoben sei, weil der Emir dort starke Truppenabtheilungen versammelt habe. 6000 Mann afghanischer Infanterie mit 18 Kanonen bedrohen Jamrood. Wenn man durch den Khyberpaß vorrücken wolle, so müßte man die ganze Besatzung von Peschawur zur Verwendung bringen. Wie verlautet, sind die Afguanna gegen die Afridis vorgegangen, um die Bevölkerung für ihre Hinneigung zu England zu bestrafen. — George Whalley, Parlamentsmitglied für Peterborough (ein zum Radicalimus neigender Lweraler, namentlich aber bekannt wegen seiner fast zur fixen Idee gewordenen Jesuitenspürerei), ist, 65 Jahre alt, gestorben
— Petersburg, 3. Okt. Die brennendste Frage für Rußland in diesem Augenblick ist nicht die Afghanenfrage, sondern diejenige, wie der kläglichen Finanzlage des Landes abgeholfen werden foll, die sich allmählich viel schlechter als diejenige Oesterreichs zu gestalten droht. Hören doch bis zur Stunde die Papiergeldemissionen nicht auf; nämlich nach der letzten Bilanz der Reichsbank sind wiederum 19,500,000 Rubel neu emittirt worden. Nicht weniger als neun ausführliche Projekte sind bei dem Finanzminister eingelaufen, wie der stets wachsende Krebsschaden der Finanznoth getheilt werden könne; allein alle kranken mehr oder weniger an der irrthümlichm Ansicht, als könnten die Fehler des finanziellen Systems allein durch rein finanzielle Operationen verbessert werden. Seit Katherina II. vor etwa hundert Jahren zur Verwirklichung ihrer grandiosen politischen Pläne zum ersten Male zur Emission von Papiergeld schritt, hat sich die russische Regierung gewissermaßen daran gewöhnt, nicht ihre äußere Politik mit ihren H ilfs- mitteln in Einklang zu setzen, sondern im Gegentheil behufs Ausführung ihrer politischen Projekte willkürlich Mittel zu schaffen. Wenn sie kein Geld hatte, so wurde die betreffende Menge Assignaten^gemacht, und es wurde wenig danach gefragt, welcher Schaden dadurch der Bolkswirth- schaft geschah. Dies ungesunde System wurde bis auf diesen Augenblick befolgt. (H. M.)
— New-Iork, 8. Okt. (Köln Zig.) Nachrichten aus Ja- maica zufolge ist der Aufstaus auf Samte Eroix unterdrückt uns sind sämmtliche Führer verhaftet. Den Anlaß zu dem Aufstande gab eine Streitigkeit zwischen den Negern und Pflanzern über die Arbeitscon- tracte. — In Baton Rouge (Louisiana) ist das gelbe Fieber im Wachsen.
Lokales.
Hanau, 9. Oktober. 1878.
— Wie uns von glaubwürdiger Seite mitgetheilt wird, senkt sich der Damm der Friedberg-Hanauer Bahn bei Roßdorf in nicht unbedenklicher Weise, während sich das Erdreich zu beide« Seiten des Dammes in auffallender Weise hebt. Unser Gewährsmann t|t der Meinung, daß dieser Unfall in Folge der Dämmung einer allzustarken Quelle entstanden und fürchtet die Entwerthung des ganzen Terrains einer 27 Casseler Acker haltenden, der Gemünde Roßdorf gehörenden W-.ese, — wenn nicht ohne Verzug genügende Abflüsse für das Wasser angelegt werden. ■ Wir geben diese Notiz ohn: jede weitere Bemerkung, werden aber bestrebt sein Eingehenderes über den Such verhalt in Erfahrung zu bringen. u
— Eine hiesige Frau gerieth gestern Morgen durch das Verlieren