AS»n«eme»tS-
Preis: jährlich 9 Mark. HULj. 4 M. 50 P. $iert:ljätrli6
8 W irt 25 Psg ?Sk auswärtige
Abonnenten Mit dem betreffen» tsn Psstansschlag. 4>ie einzelne Nummer lö Pfg.
Ämiaucr WeiaM
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Proninzial-Correfpondenz.
InsertionS-
Preis:
Die ispültige Warmondzeile ob. deren Raum io Pfg.
Die 2->aIt. Zeile
20 Pfg.
DieSipaliigeZeile 30 Pkg
M 233.
Montag den 7. Oktober.
i87^.
AmtilcheS.
Vom 7. d. M. an bleibt auf die Dauer von zwei Wochen der Landweg zwischen Windeckm und Osthsim wegen der durch den Eisen- bahnbau nothwendigen Straßenverlegung für durchgehendes Fuhrwerk gesperrt.
Es wird dieses unter Hinweisunz auf die Polizei Verordnung vom 6. April 1877 — Amtsblatt Seite 137 — hiermit veröffentlicht
Hanau am 5. Oktober 1878.
______ Der Landra'h_______ a g e s l ch a «. Krisis in Oestreich-Ungarn.
(A. d. Schw. Stert)
Die ungarische Ministerkrise erscheint wegen ihrer möglichen Folgen selbst in der Kriegsleitung von so außerordent icher Bedeutung, daß sich der gemeinsame Kriegsminister bereits zu weitgehenden Zugeständnissen an den ungarischen Standpunkt herbeißelassen hat. Vor Kurzem noch wurden über die verbrauchten 60 Millionen hinaus noch 80 MiL. Gulden verlangt, theils zur Dickung bereits gemachter Ausgaben, theils als Ersordelniß für 1879 zur Bestreitung der Verwaltungskosten in Bosnien und der Herzegowina. Aber schon gestern wollte man die 80 Mill. auf 60 herabsetzen, und man sagt, daß im äußersten Falle auch die letztere Summe um ein ganzes Drittel vermindert werden würde, so daß sich die Kriegsleitung mit der Bewilligung von 40 Mill. begnügen wollte. Die ungarische Regierung, insbesondere der Finanz- minister Szell, schemt aber bereits zu sehr mißtrauisch zu sein, als daß er sich damit zufrieden geben würde. Er verlangt irgend eine Bürgschaft dafür, daß auch die nunmehr bewilligten Mittel nicht mehr überschritten weidn. Eine solche Bürgschaft kann er nur darin erblicken, wenn die Dauer und der Umfang der Okkupation in entsprechendem Maße end- giltig festgestellt und das künftige Schicksal der besetzten Provinzen, d. i. ihr staatsrechtliches Verhältniß zur Monarchie oder zu einer Hälfte derselben, ein- für allemal unsrer heutig bestimmt wird. Das sind sehr schwer zu erfüllende Bedingungen, insbesondere die staatsrechtliche Seite der Okkupation dürfte vorläufig, wenn auch nur grundsätzlich, kaum endgiltig festzustellen sein. Nach diesen Schwierigkeit n kommt die Frage, in welcher Form die herabgesetzten Geldmittel beschafft werden sollen. Da eine gemeinsame Anleihe, welche die Ungarn wünschten, in Zislei- thamen abgelehnt wird, soll das Aurkunftsmittel einer Verpachtung des Tabaksmonopols in beiden Reichshälften ergriffen werden. Der Vorschlag rührt vom Reichsfinanzminister Baron Hoffmann her und findet ziemlichen Anklang. Hierüber ist also ein Vergleich denkbar und vielleicht sogar wahrscheinlich, jedenfalls wahrscheinlicher, als über die Bürgschaftsforderungen des ungarischen Finanzministers, welcher sich fürchtet, daß man, wie beim 60 Mill -Kredit, nach einigen Monaten wieder mit der Erklärung an ihn herantreten werde, daß die bewilligten Summen aufgebraucht seien und daß mehr Geld erfordert werde. Aber auch angenommen, daß alle diese Schwierigkeiten beseitigt werden und daß das ungarische Kabinet im Amte bleibt, so ist damit noch immer nicht viel gewonnen. Diese Krise ist dann höchstens für wenige Wochen vertagt und wird sicherlich erneut und verstärkt zum Ausbruche kommen, lobald die Parlamente und die Delegationen beisammen sind. Es fragt sich, ob diese Körperschaften auch die Bedeckung der Summen bewilligen werden, über welche sich jetzt die Regierungen eventuell ejn'gen. Die Vertretungen werden allerdings nicht die Okkupation überhaupt rückgängig machen wollen, und nicht einmal die Mehrheit im ungarischen Parlamente ist gesonnen, die Schlagworte der äußersten Linken zu befolgen. Aber es ist heute schon ein öffentliches Geheimniß, daß die Vertretungen hüben wie drüben speziell der jetzigen Leitung der auswärtigen Politik nichts bewilligen wollen, weil sie zu derselben absolut win Vertrauen mehr haben. Der Fernstehende kann sich kaum eine Vorstellung davon machen, wie allgemein Graf Andraffy angefeindet wrrd. Selbst in Ungarn hat er namentlich in der jüngsten Zeit den Rest seines Ansehens verloren und dürfte dasselbe kaum wieder zurück- gswinncn. Die ungarische Ministerkrise ist also, auch wenn sie in der günstigsten Weise verläuft, nur der Vorbote einer baldigen größeren
— Berlin, 5 Ost. (Köln. Zig.) Die Mitglieder des Reichstags, welche bei der Vertagung in die Heimath gereist waren, beginnen bereits hicher zurückzukehren. Schon für morgen Abend, noch mehr aber für Montag, sind Fractionssitzungen anberaumt. Einstweilen verlautet, daß die Fortschrittspartei und das Cenvum, wenn auch nicht geschlossen, für die Verbesserungsanträge der Commission zu den einzelnen Paragraphen des Socialistengesetzes stimmen werden. Dagegen wird das Centrum jedenfalls gegen das ganze -sesetz stimmen und der größere Theil der Fortschrittspartei wird sich anschließen Die Haltung der National- Liberalen wird davon abhänzen, wie weit die Commission Aussicht hat, ihre Anträge durchzusetzen. Alles in Allem glaubt man, daß das wo- dificirte Gesetz mit einer Mehrheit von etwa 20 Stimmen angenommen werden wird In Bezug auf die Ausführung sind, wie bereits gemeldet, mancherlei Vork h ungen getroffen; namentlich richtet sich hier die Polizeibehörde auf eine besonders lebhafte Thätigkeit ein, in Folge deren mehrere höhere Stellen neu besetzt werden sollen. Auch nach anderer Richtung hin wird die hiesige Polizeiverwaltung in hervorragenden Stellen neu besetzt werden. Man geht mit einer Neugestaltung der Criminalpolizei um, an deren Sp-tze der Stadtgerichtsrath Graf Pückler treten wird Man sieht dies als einen Anfang für die beabsichtigten Neuerungen an. Ungegründet sind die immer wieder auftauchen den Gerüchte von einem bevorstehenden Rücktritt des Polizeipräsidenten v. Madai.
— Berlin, 6 Okt. Man nimmt in parlamentarischen Kreisen an, daß der Schluß dieser ReichstagSstssion, der am Dienstag, den 15. d. M. erfolgen dürfte, nicht formlos vor sich gehen werde. Es verlautet vielmehr, daß nach erfolgter Annahme des Sozialistengesetzes der feierliche Schluß des Reichstages durch den Kronprinzen im Weißen Saale des königlichen Schlosses stattfinden wird. Dies dürfte einer der letzten Regierunasakte des Kronprinzen sein, da die Wiederaufnahme der Regierungsgeschä te durch den Kaiser nach Annahme des Sozialistengesetzes unmittelbar bevorsteht. (D. Montgs Bl.)
— 7. Plenarsitzung des Deutschen Reichstages Montag den 7. Oktober 1878, Nachmittags 2 Uhr. Tagesordnung: Mündliche Berichte der Abtheilungen über Wählprüfunzen. — Mündliche Berichte der Wahlprüfungs-Kommission. — Bericht der Wahlprüfungs-Kommis- sion über die Reichstagswahl im 17. Wahlkreise der Provinz Hannover.
— Im 3. Vierteljahre 1878 sind im Reichspostzebiete 126 Postanstalten neu eingerichtet und 5 aufgehoben worden. In demselben Zeitraum sind im Reichstelegraptzengebiet 457 Telegraphenanstalten : bis auf 1 fämmtlich mit beschränktem Tagesdienst), davon 147 mit Fernsprechern, neu eingerichtet, 7 wieder eröffnet und 16 geschlossen worden.
— Ein Beamter, welcher behufs Ausführung eines amtlichen Auftrages ohne Noth während der Nachtzeit (im Winter von 6 Uhr Abends bis 6 Uhr Morgens und im Sommer von 9 Uhr Abends bis 4 Uhr Morgens) in eine Privatwohnung tritt, genießt, nach einem Erkenntniß des Ober-Tribunals ösm 11. September er., nicht den durch das Reichs-Strafgesetzbuch gewährten Beamtenschutz.
— Nach einem Erkenn niß des Ober-Verwaltungsgerichts vom 10. Juli d. I. sind Inhaber von Privat Irrenanstalten verpflichtet, den Polizeibehörden auf deren Verlangen ein Verzeichniß der in ihren Anstalten befindlichen Kranken mit Angabe des Datums der Ausnahme und des vollständigen Nationals zuzustellen, auch in Zukunft jeden Zu- unb Abgang binnen der ihnen bestimmten Frist zu melbtn.
— Ein Telegramm des Generals Totleben aus Adrianopel vom
3. d. meldet: Gestern bin ich in Adrianopel eingetroffen. Die Bevölkerung und die Geistlichkeit, die mir in Burgas, Aidos, Karnabad und Jamboli entgegenkamen, baten mich, dem Kaiser ihre Dankbarkeit für ihre Befreiung zu übermitteln. Ueberall herrscht außerordentliche Begeisterung. ®;e Städte find beflaggt und festlich erleuchiet. Die Türken beweisen ihr Bertram n zu den Behörden, indem sie ihre Waffen abliefern. Viele bulgarische Familien folgten den russischen Truppen, als diese die Umgebung von Konstantinopel verließen. Im ganzen Lande herrscht Ruhe. (Köln. Zig.)
— Athen, 4. Okt. (Köln. Ztg.) Die Natioual-Bersammlung Kretas erachtet die Zugeständnisse Mukhtar Pascha's für werihlos, wies