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Zugleich Amtliches Organ strr Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial Correspondenz.

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N- 23 L ——— Freitag den

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K F. In Baden-Baden, wo die kaiserliche Familie seit dem Beginn der letzten Woche weilt und täglich die herzlichsten Kundgebungen der Anhänglichfeit von der dortigen Bevölkerung entgegmmwmt, hofft der Kaiser Wilhelm den letzten Rest seiner Krankh it, die sich zuweilen noch in einer Art Schwächezustond äußert, loszuwerden und man hört, daß der Kaiser bereits daran denkt, den Zeitpunkt festzusetzen, an wel­chem er li; Regierung wieder übernehmen will. Nach Unterredungen, welche der Kaiser mit seinem Kanzler dem Fürsten Biswarck in Gaste-n gehabt hat, soll nun bezüglich der Wiederübernshme der Regierungsge- schäfte durch den Kaiser als für gut befunden worden sein, daß man erst die durch dir Attentate heraufbeschworene Krisis in eine feste Bahn gelenkt, d. h. daS Socialistengesetz angenommen sehen will, ehe der Kai- ser, für welchen am Abend des Lebens diese Krisis doch besonders schmerzlich sein muß, die Zügel der Regierung wieder in seine Hand nimmt. Man hat dabei in maßgebenden Kreisen anfänglich wohl auch an weitere Krisen, eventuell an eine wiederholte Neuwahl des Reichs­tages gedacht, doch wird die außerordentliche Session des Reichstages jetzt schwerlich noch einen derartigen Ausgang nehmen.

Der schon am letzten Sonntag von Varzin nach Berlin zurückge­kehrte Reichskanzler widmet zur Zeit seine ganze Kraft einer Verstän­digung zwischen Regierung und Volksvertretung bezüglich des Socia- listengesetzks. Zunächst versammelte er die Bevollmächtigten der deut­schen Bundesregierungen wiederholt zu Berathungen hinsichtlich des vor­erwähnten Gesetzes um sich und' dann nahm er auch Theil an den Be­rathungen der ReichstagscommissiLN, die in zweiter Lesung sich mit dem Socialistengesetze seit Ltzün Dienstag beschäftigt. In den Hauptstreit­punkten ist man in her Commission noch nicht einig geworden, doch hat der Minister Graf Eulenburg im Namen des Bundesrathes in der Commission Erklärungen abgegeben, welche auf eine endliche Lerständig- ung ziemlich sicher rechnen lassen. In der Frage der Recursinftanz ist der Bundesrath geneigt, den Antrag garnier wir einigen Mod-ficationen anzunehmen und hat der Bundesrath bis auf die Frage der Geltungs­dauer des Socialistengesetzes, wo er unter allen Umständen längere Vollmachten wünscht, nur wenig Abänderungsanträge zu den Csmmis- sionsbeschlüssen zu stellen.

Die nächste Sitzung des Reichstages wird am Montag den 7. Oktober Nachmittags stattfinden und wird sich der Reichstag in dieser Sitzung mit der Erledigung der Wahlprüfvngen beschäftigen. Die zweite Berathung des Socialistengesetzes wird daher erst am 8. Oktober im Reichstage beginnen können. Den Schluß der bedeutungsvollen Reichstagssession erwartet man am Ende der nächsten Woche, da außer dem Socialistengesetze dem Reichstage in dieser Session keine weiteren Gesetzvorlagen gemacht werden sollen.

Unser wackerer Generalfeldmarschall Moltke war leider, wie man jetzt erfährt, in Casfel wegen einer während der Manöver erlittenen Erkältung nicht ungefährlich erkrankt, doch befindet sich der Feldmar- schall bereits wieder auf dem Wege der Genesung und man hofft ihn bald wieder an der Spitze des Großen Generalstabes in Berlin zu sehen.

Eine deutsche Prinzessin ist die Braut eines fremdländischen Kö- nigS geworden, von dem man sich schon seit längerer Zeit erzählte, daß er auf der Brautschau an deutschen Höfen herumreife. Am letzten Sonntage verkündete der Fürst von Waldeck seinen Hofstaaten bei einem Galadiner, daß seine Trchler die Prinzessin Emma mit dem anwesenden Könige von Holland verlobt sei. Einer Prinzessin von Waldeck darf man in Deutschland wohl zur künftigen Königin von Holland gralu- liren, nur sollen die Holländer nicht gerade sehr erfreut fein, daß ihr einrndfechzigjähriger König sich mit einer zwanzigjährigen Prinzessin verlobt hat.

D e versöhnliche Haltung des friedenSliebenden Papstes Leo läßt immer mehr eine befriedigende Beendigung des deutschen Kirchenstieites hoffen. Die Verhandlungen zwischen dem Vatikan und der deutschen Regierung find sert den Kissinger Unterredungen nicht unterbrochen wor­den und ist man zur Zeit dabei, die gegenseitrgen Vorschläge zu prüfen. Der deutsche Botschafrer in Rom, Herr v. KeuLeL, hat sich in dieser Woche auch mit neuen Instruktionen versehen nach Rom zurückbegeben. j

4. Oktober. MM

In der ungarischen Hälfte des österreichischen Kaiserstaates hat die bosnische Occupation nun doch eine Ministerkrisis heraufbeschworen und hat sich der Ministerpräsident Tisza nach Wien begeben, um das Entlaffungsgesuch des gesammten ungarischen Ministeriums zu über­bringen Äußer in den fortwährenden Protesten der ungarischen Par- lamentsparteien gegen die Occupation BosnienS ist die Ursache der unoariscken Ministerkrisis wohl in dem Umstände zu suchen, daß die Lösung der Fragen über die Geldbeschaffung für die Occupation Bos- mer.S und die künftige Stellung dieser Provinz zu Oesterreich-Ungarn immer naher heranrückt und dem bisherigen ungarischen Ministerium über den Kopf zu wachsen droht. Hoffentlich befördert die wahrschein­liche Entlassonz des Ministeriums Tisza den betreffenden Ausgleich mit dem unruhigen Ungarnvolke.

Mittlerweile haben für Oesterreich die Dinge in Bosnien und der Herzegowina immer mehr eine günstige Wendung angenommen, denn bie Herzegowina befindet sich jetzt vollständig in den Händen der Oester- reicher, da sie den letzten Rest der herzegowinischen Insurgenten in dem alten Feljennest Klo'suk gefangen nahmen und dann das Felsennest in die Luft sprengten, um dort ferneren Zusammenrottungen der Insurgen­ten ein Ziel zu setzen Auch in Bosnien steht es mit der österreichi­schen Sache gut. Das vierte österreichische Armeekorps hat die bedeu­tende Stadt Zwornik besetzt und sprachen die städtischen Behörden die Unterwerfung der Stadt aus. In Zwornik fanden die Oesterreicher nicht weniger als 44 Kanonen und ansehnliche Munitionsvorräche.

Zwischen Raßland und der Türkei befinden sich bekanntlich noch gewisse Angelegenheiten in der Schwebe, da der Berliner Congreß be­stimmte, daß Fragen, die nur Rußland und die Türkei angingen, auch nur von diesen beiden Staaten zu erledigen feien. Jetzt hört man nun endlich, daß ein entsprechender Vertrag zwischen Rußland und der Türkei entworfen worden ist, in welchem der Zar und Sultan zunächst den Berliner Vertrag bestätigen und die Türkei an Rußland 300 Millionen Francs Kriegsentschädigung, sowie 10 Millionen an russische Privatbe- schädigte und V2 Million an die Donaukommission zahlen f)K. Im Uebrigen enthält der Entwurf diejenigen Bestimmungen des Vertrages von Gt. Stefano, welche der Berliner Vertrag nicht beseitigt hat.

Der Conflict Gri chenlands mit der Türkei hat nach Nachrichten aus Ath n durch die Vermittelung oder vielmehr das Zureden der Großmächte einen Aufschub erfahren, zumal England die Absicht kund gegeben hat, daß es d'.e griechisch türkischen Streitigkeiten zwischen beiden Staaten selbst schlichten werde. Der nach Kreta zurückberufene ehema­lige türkische Minister Mikhrt Pascha soll hauptsächlich zu einer der­artigen Beilegung des griechisch-türkischen Zwistes beigetragen haben und hat er in dieser Beziehung angerathen, es solle, um die Türkei nicht zu sehr zu verletzen, nur der dritte Theil von denjenigen G>enzberich- tigungen Thessaliens und Epirus, welche der Berliner Congreß anord- nete, aber außerdem noch Kreta an Griechenland abgetreten werden, da Kreta der Türkei nur fortwährende Verlegenheiten bereite.

Wohl in Folge des Rückmarsches der russischen Truppen von Konstantinipel hat England auch seine Panzerflotte aus dem Hafen von Konstantinopel zurück nach dem Dardanellenemgange fahren lassen Der Sultan hat den Officieren und Mannschaften der englischen Panzerflorte bei ihrer Entfernung noch sein n Dank für die Haltung aussprechen lassen, welche sie gegen ihn und sein Land gezeigt hätten.

Der Krieg Englands gegen den centralasiatischen Staat Afghani­stan ist eine beschlossene Sache und 'kann nur abgewendet werden, wenn der Emir von Afghanistan wegen seiner Verweigerung einer englischen Gesandtschaft Genugthuung gewahrt. Der Emir pocht freilich auf fein Recht, daß er nur dann eine englische Gesandtschaft zu empfangen brauche, wenn er eine solche in seinem Lande zu empfangen wünsche. Bei den ehrgeizigen Engländern macht er mit solchen Kundgebungen aber keinen Eindruck und die englischen Kriegsvorbereitungen sind im vollen Gange. Der Krieg hat aber auch für England eine gefährliche Seite, denn es kennt die Stärke der afghanischen Kriegsmacht nicht, ebensowenig ist England der dem Emir von Afghanistan tributpflichtigen Gr enzstä» me sicher, welche im Stande sein sollen, ein Heer von ICO.000 Mann zu stell, n

Die französischen Politiker wissen gegenwärtig nichts Gescheiteres