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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich Mit Ausnahme der Sonn» und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

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Freitag den 27» September.

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Amtliches.

In Gemäßheit des GesetzeS über die Enteignung von Grundeigen- Ihum vom 11. Juni 1874 hat die Königl. Direktion der Main-Weser- Bahn die Feststellung des Planes für die in der Gemarkung Groß- auheim zur Anlage der Friedberg-Hanauer Eisenbahn heranzuziehenden bezw. zu enteignenden Grundstücke beantragt.

Der vorläufig feftgestellte Plan nebst^Beilagen wird in dem Ge­meindelokal zu Großauheim 14 Tage lang, vom 28. Septbr. c. bis zum 12. Oktbr. c., zu Jedermanns Einsicht offen liegen, während welcher Zeit etwaige Einwendungen gegen den ausgelegten Plan münd­lich oder schriftlich bei dem Königlichen Landrathsamte dahier einzu- bringen sind.

Hanau am 24. September 1878.

G efunden: Eine Spannkette. Ein Knabenhut. Ein goldener Zwicker. Eine karrirte Frauenjacke. Ein Notizbuch, enthaltend Heimath- schein, auf den NamenJohannes Eckert aus Langstadt" lautend.

Hanau am 27. September 1878.

Aus Königlichem Landrstbsamt.

Rundschau»

R F. Ein erhabenes Bild von deutscher Loyalität hat sich bis zur Mitte dieser Woche in der Provinz Hessin entrollt. War schon die glanzvolle Truppenschau durch den Kaiser bei Cassel dazu angethan eine hohe Weihe dem ersten officiellen Auftreten des Kaisers nach seiner Wiedergenesung zu verleihen, so gaben dann die Festlichkeiten der hessi­schen Bevölkerung und zumal derjenigen der Stadt Cassel zu Ehren des Kaisers der ganzen patriotischen Feier doch erst ihren volksthLmlichen Charakter. Das vieltausendstimmige Hurrah der wackeren Truppen, die ihren geliebten Oberfeldherrn wieder an ihrer Spitze sahen. wurde fast in Schatten gestellt durch die nie endenden Hochs, rotiere die Bevölke­rung dem Kaiser und seiner erlauchten Gemahlin ausbrachten, und die Festzüge der Bevölkerung Cassels, zumal die kindlichen Ovationen der Schulkinder Cassels und Umgegend werden den Kaiser und sein hohes ©einige überzeugt haben, daß am Marke des deutschen Volkes noch kein Wurm der Zerstörung nagt und daß es nur die Unthaten einzelner ent­arteter Subjekte waren, die das erhabene Haupt des greisen kaiserlichen Helden bedrohen konnten. Nach Beendigung der Manöver bei Cassel begab sich der Kaiser nebst seiner Gemahlin nach Coblenz, von wo aus er am Donnerstag nach Cöln eilte und dort durch seine Gegenwart die Enthüllungsfeier des Denkmals für seinen verewigten Bruder Wilhelm IV. verherrlichte. Kommenden Sonnabend wird das hohe Paar nach Baden-Baden reisen, wo es den Geburtstag der Kaiserin Augusta im Schooße der kaiserlichen Familie zu feiern beabsichtigt.

Fürst Bitmarck, der wahrscheinlich wegen des raschen Temperatur- wechsel!- bei seiner plötzlichen Uebersiedelung von Gastein nach Berlin wenige Tage an einem Nesselfieber erkrankt war, hat sich am Montag Mittag mit seinen Söhnen nach Barzin begeben, um auf seinem dortigen Landsitze einige Tage der Erholung zu verbringen. Im Uebrigen er­fährt man, daß der Reichskanzler von seiner Erkrankung vollständig wiedeihergestellt ist und daß er beim Beginn der zweiten Lesung des Sremliftengesetzes in den ersten Tagen des Oktober wieder in Berlin eintreffin wird, um den betreffenden Reichstagsverhandlungen beizu- wohnen. Wir halten an dieser Meinung unbedingt fest, denn der prak­tischer Politik huldigende Reichskanzler versteht es wie kein Anderer, die höchst wahrscheinlich noch vorhandenen Gegensätze, welche ein Schei­tern des Socialistengesetzes herbeiführen können, zu ebenen. Und ein abermaliges Scheitern des Socialistengesetzes muß vermieden werden, wenn nicht das deutsche Reich wieder in eine unabsehbare Krisis gestürzt werden soll.

Die Berathungen der ReichstagScommission über den Gesetzent­wurf haben in den letzten Tagen nicht die erwarteten raschen Fortschritte gemacht. Namentlich war es der Paragraph 4 deS Gesetzentwurfes, welcher die Berathungen verzögerte. Dieser Paragraph handelt von der Recursinstanz und hatten als solche die Reichsregierung den Bundesrath,

der Abg. Lasker das Reichs-Oberhandelsgericht und der Abg. Gneist den Reichskanzler in Vorschlag gebracht. Die nach langen Debatten abgehaltene Abstimmung ergab jedoch nach keiner Seite hin ein be­stimmtes Resultat und wurde somit der Paragraph vorläufig abgelehnt. Die Cowmissionsberathungen werden sich voraussichtlich bis zu den ersten Tagen des Oktober h nziehen, so daß das Plenum des Reichstages die zweite Lesung des Socialistenzesetzentwurfes gegen den 6. Oktober hin beginnen wird.

Die gegenwärtigen Arbeiten des Bundesrathes betreffen lediglich laufende Verwaltungsangelegenheiten, außerdem finden vorbereitende Be­rathungen über einige der nächsten ordmtlichen Reichstagssession vorzu- legende gesetzgeberische Arbeiten statt. Für die letzten Monate dieses Jahres stehen jedoch dem Bundesrathe und namentlich auch dem Reichs­justizamte umfangreiche Arbeiten in Aussicht.

Hinsichtlich der Einberufung des preußischen Landtages, dessen Zusammentritt nach Schluß der gegenwärtigen Reichstagssession erwartet wird, vernimmt man noch nichts Gewisses. Höchst wahrscheinlich wird eine Entscheidung über diese Angelegenheit erst nach der Rückkehr des Fürsten Bismarck nach Berlin gefaßt werden.

Der ohnlängst zwischen dem deutschen Reiche und Schweden aus« gebrochene Zollkrieg, welcher deutscherseits dadurch provocirt wurde, daß die Holzschschteln der schwedischen Zündhölzer ihrer Papierveklebung halber neuerdings mit dem hohen Papierzoll belegt wurden, wird in nächster Zeit seine Erledigung finden, da sicherem Vernehmen nach der Bundesrath entschlossen ist, auf die sofortige Aufhebung dieser Zoll­maßregel hinzuwirken.

Bon der Occupation Bosniens durch Oesterreich liegt gegenwärtig ein befriedigenderes Resultat vor, als dies noch vor Kurzem der Fall war. Die österreichischen Truppen haben in der letzten Zeit durch ihre rastlose Energie, mit der sie unter den ungünstigen Verhältnissen gegen die Aufständischen vorgingen, wesentliche militärische Erfolge erzielt, die nicht ohne entmuthigenden Einfluß auf die Insurrektion geblieben sind. Namentlich hat die Einnahme der Beste Bihac durch den General Rein- lünder in der angegebenen Weise auf die bosnische Bevölkerung einge­wirkt und veranlaßt, daß aus vielen Gegenden Unterwerfungs-Deputa- tionen in den österreichischen Hauptquartieren erschienen. Der Einnahme von Bihec folgte die Beilegung zahlreicher Jniurgentenichaaren bei Senkowics und Landin-Ogiak durch den Feldmarschalllieutenant Vecsey. Auch das dritte Armeecorps unter Feldmarschalllieutenant Spapary hat Fortschritte gewacht und die Stadt Tuzla und Umgebung unterworfen und ebenso hat eine Brigade des vierten Armeecorps die Stadt Bjelina eingenommen. Diese für die österreichischen Waffen günstigen Ereignisse lassen annehmen, daß der Ganz der bosnischen Occupation eine ent­scheidende Wendung genommen hat und das Ende der blutigen Kämpfe nicht mehr fern in Aussicht steht. Dem von inneren Gefahren be­drohten Oesterreich wäre es sehr zu wünschen, daß es seine Orientsorgen los würde und ferne Aufmerksamkeit seinen inneren Angelegenheiten wieder ungetgeilt zuwenden könne.

In die übrigen Angelegenheiten des OrientS sind jetzt einige Fortschritte gekommen, wenn dieselben nicht wieder durch einen aber­maligen Rückschlag in Stockung gerathen. Der Rückzug der Russen von Konstantinopel ist bis Adrianopel und Tschatalja erfolgt und hat der General Tmleben über seine Aufnahme in Adrianopel eine sehr schmeichelhafte Depesche an den russischen Kaiser gerichtet, deren Inhalt hoffen läßt, daß der Rückzug der Russen vom türkischen Gebiet ohne besondere Störungen stattfinden wird. Die englische Regierung hat auch kund gethan daß sie ihre Panzerflotte von Konstantinopel zurückziehen werde, sobald die russischen Truppen noch weiter zurückmarschiren.

Während die Angelegenheiten der Türkei mit Montenegro und Griechenland noch als sehr unsicher bezüglich ihrer friedlichen Regelung betrachtet werden müssen, zumal sich England noch immer weigert mit den übrigen Vertragsmöchten zusammen die Ansprüche Griechenlands der Türkei gegenüber zu unterstützen, hat sich die Erenzregvlirungsaffaire zwischen der Türkei und Serbien zur Zeit sehr ungünstig gestaltet. Die türkischen Truppen haben dem Berliner Vertrage g'Mäß die Gebiete