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flnnnutr Aineigtr.

Zugleich Anrtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Corresyondenz.

Freitag den 20 September.

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A-iMcheS.

Der am 6. September er. aus der Correktions- und Landarmen- Anstalt zu Breitenau entlassene Tagelöhner Wilhelm Mohn aus Lan- genselbold ist seiner Reiseroute zuwider in der Heimath nicht einge- t! offen. Um Mittheilung üver dessen zeitigen Aufenthaltsort wird er­sucht.

Hanau am 17. September 1878.

Zugeflogen: Eine Ringeltaube.

Gefunden: Ein Portemonnaie mit Inhalt. Ein karrirtes Taschentuch. Eine graue gestrickte Jacke.

Zugelaufen: Ein schwarzer Pinscher m. Geschlechts.

Verloren: Ein Portemonnaie mit 2 M. 27 Pf. Ein Man- schettenkuops.

Hanau am 20. September 1878.

______Aus Königlichem Landratbsamt.

NuudfchKu«

B F. Obwohl Anfangs über die Reise des Kaisers Wilhelm nach Cssel die Meinung herrschte, dieselbe würde auf Wunsch des Kai­sers sich in aller Stille vollziehen, so ist doch gerade die Ankunft des Kaisers am letzten Sonntag auf Schloß Wüh-lmshöhe die Veranlassung zu den freudigsten Kundgebungen der Bevölkerung geworden. Von einer zahllosen Volksmenge und den Spitzen der Behörde enthusiastisch begrüßt, fuhr der Kaiser mit dem General v Bose in offenem Wagen von der Eisenbahnstation nach Schloß Wilhelm^hohe, wo am Tage voiher be­reits die Kaiserin eingetroffen war. Das Ausiehn des Kaisers ist ein vortreffliches und durch die herzlichen Kundgebungen der Bevölkerung wurde er sichtlich freudig erregt. In den letzten Tagen machten der Kaiser und die Kaiserin häufig Ausflüge zu Wagen in der Umgebung von Wilhelmshöhe, wo sie fortwährend von einer freundlich grüßenden Vol?sm nge umdrängt wurden. Zur großen Parade des elften Armee corps begabt sich der Kaiser nebst den anderen hohen Herrschaften am 20. September. Die Parade findet bei dem Orte Wabern statt. In der Umgebung dieses Ortes, sowie bei den Orten Guntershausen und Holzhaufen werden auch am 21., 23. und 24. September die großen Manöver der elften Armeecorps ausgeführt, an denen sich der Kaiser zu Pferde beiheiligen wird.

Bon den hohen Herrschaften sind zu den großen Manövern des elften Armeecorps in Casfel eingetroffen: Der Kronprinz mit seinem aliest n Sohne, dem Prinzen Wühe'm, d>e Prinzen Karl, Friedrich Karl und Albrecht von Preußen, die Großherzöge von Hessen und Mecklen­burg-Schwerin, der Erdgroßherzvg von Sachsen-Weimar, der Herzog v. Edinburgh, der Erbprinz von Sachsen-Meiningen und der Fürst von Waldeck Ebenfalls haben sich von den meisten europäischen Staaten Militärgesandtschaften zu den Manövern bei Casfel begeben.

Seit dem Beginne der Woche ist der Reichstag in seine bedeu­tungsschweren Berathungen, in diejenigen des Socialistengesetzes, getreten «nb die erste Berathung des betreffenden Gesetzeniwurses hat sich in einer hochinteressanten Weise vollzogen. Von Seiten der Regierung wurde die Vortage in'der ersten Lesung verhältnitzmäßig wenig verthei­digt, sondern der Stellvertreter d:s Reichskanzlers Minister Graf Stol- berg glaubte sich um dem Hinweise auf die umf-ss-nden Motive für das Gesetz begnügen zu können und führte im Uebrigen aus, daß das wahre Heilmittel gegen die Socialdemokratie freilich nicht in diesem Ge- 1fH sondern durch die Verbreitung einer besseren Gortesfulcht und Sitte und die Pflege glücklich machender Tugenden zu finden sei. Die Redner der Centrumspartei wünschten auch durch die religiöse Gesinnung und nur durch eine solche die Socialdemokratie bekämpft zu sehen, doch lehu- ten sie für ihre Partei das Socialistengesetz in irgend einer Form ab. Von den Srcialdemokraten war der erfahrene und rednerisch begabte Agitator Bebel auserkoren worden, die Socialdemokratie gegenüber dem Ausnahmegesetze zu vertheidigen und Bebkl hat große Mühe auf die Lösung der ihm gewordenen Aufgabe verwandt. Er behauptete zunächst wn kühnem Worte, daß es eine Lüge sei, die Socialdemokratie der Urheberschaft der Attentate auf den Kaiser zu beschuldigen und suchte

die Socialdemokratie auf alle Arten rein zu waschen, denn dieselbe be­zwecke nur eine friedliche Entwickelung der Erwerbsverhältnisse. Auch glaubte Bebel zu Gunsten der Socialdemokratie geltend machen zu müssen, daß vor sechzehn Jahren die Leiter der preußischen Regierung mit den Führern der Socialdemokratie eine Verbindung gesucht hätten. Wurde dem Abgeordneten Bebel schon vom Bundesrathstische und aus den Reihen der conservativen und nationalliberalen Abgeordneten gehörig geantwortet, so übernvhm doch in der Dienstagssitzung der Reichskanzler Fürst Bi-marck in gewaltiger Rede die Rechtfertigung seiner Person als Minister, als welcher er mit den socialdemokratischen Führern in früheren Jahren in Verbindung gestanden haben sollte und aab über­haupt eine hochinteressante Beleuchtung der ganzen Affaire. Mit wuch­tigen und klaren Worten zertrümmerte der Reichskanzler das mythische Gewebe, welches der Abgeordnete Bebel über den Verkehr Laffalle's mit dem Fürsten Bismarck ausgesponnen hatte und erklärte, daß er die so­cialdemokratische Bewegung nur als eine Bestrebung, die Lohnvelhüit- n sie der Arbeiter zu bessern, angesehen habe, bis ihm durch die Ver­herrlich angcu der Pariser Commune von Seiten eines socialdemokrati­schen Abgeordneten im Reichstage ein Licht über die wahrrn Bestrebungen der Sccialtemotratie ausgegangen sei. Hervorzuheben ist noch von der bedeutsamen Rede des Fürsten Bismarck, daß sie ganz sachlich gehaltm war und daß er zum großen Schrecken der Socialdemokraten Lassalle als einen der geistreichsten und liebenswürdigsten Menschen bezeichnete, mit dem er über Arbeiterverhältnisse zwar einige ihn (den Reichskanzler) sehr belehrende Unterredungen gehabt, aber niemals mit Lassalle, der übrigens ein naticnalgefinnier Mann gewesen war, in politischen Unter- Handlungen gestanden habe. Fürst Bismarck forderte auch die social- demokranschen Abgeordneten direkt auf, ihm Beweise für ihre Behaup­tungen zu bringen und fügte bezüglich B-bels den freimüthigen Wunsch seinen Auslassungen bei, daß er mit Bebel gern einige Besprechungen, wie einst mit Lassalle haben möchte, um vielleicht dadurch zu erfahren, wie sich die Socialdemokraten die Herstellung ihres Zukunftsstaates den­ken Fürst Bismarck sch unter dem Beifall der Mehrheit der Ab­geordneten seine Rede, mit der Hoffnung, daß der Reichstag der Regie­rung beisteuert werde zum Schutze des Kaisers und der Nation gegerr socialdemokratische Uebergriffe. Die erste Lesung des Socialistengesetzes wurde dadurch beendigt, daß auf vorhergegangenen Antrag des in den socialistischen Angelegenheiten sehr erfahrenen Abgeordneten Dr. Bam- berger der Reichstag mit großer Mehrheit das Socialistengesetz einer Comm ssion von 21 Mitgliedern zur engeren Berathung überwies. Bon den 21 Mitgliedern gehören 6 der conservativen, 7 der nationalliberalen und 6 der klerikalen Partei an, 2 sind Fortschrittsmänner. Damit schloffen am Dienstag die vorberathenden Sitzungen des Socialistengesetzes und der Reichstag beschäftigte sich in den nächsten Sitzungen mit Wahlprü- funzen und kleineren Vorlagen.

Die Französin haben in den letzten Tagcn ihre Augen an unge- gewöhnlichen militärischen Schauspielen geweidet. Auf die großen Ma­növer in mehreren Provinzen folgte am letzten Sonntage eine große Truppenparade bei Vmcenms in der Nähe von Paris. An derselben betheiligten sich über 50,000 Mann der verschiedenen Waffengattungen und soll bei der Revue von Neuem ein beträchtlicher Fortschritt in der Ausbildung der französischen Armee bemerkbar gewesen sein. Der Prä­sident der Republik Marschall Mac Mahon wurde bei dieser Gelegenheit von der französischen Bevö.kerung sehr respektvoll begrüßt, was früyer selt n der Fall war.

England verhandelt seit geraumer Zeit resultatlos mit der Pforte wegen Einsührung von Reformen in den asiatischen Provinzen der Türkei, obwohl der englische Botschafter Layard in Konstantinopel zu diesem Zwecke häufig Audienzen beim Sultan Abdul Hamid hat. Die Pforte scheint auch England gegenüber mißtrauisch geworden zu sein und sie soll entschlossen sein, die Reformen in Sitten allein durchzuführen, be­züglich ihrer finanziellen Verhältnisse aber von englischen, französischen um i aiienischen Kommissaren «in Gutachten abgeben zu lassen. Mid- hat Pascha, der verbannte Großvezier, ist von der Pforte zurückberufcn und mit einem goubernementakn Posten auf Kreta betraut worden.