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1 216,
Dienstag den 17. September.
187b
Amtliches.
Bekanntmachung.
Bei dem hier stationnten Bremser Franz Wilhelm Tholl der Berg «Märk. Bahn sind außer andern Wertsachen, deren Eigenthümer bekannt sind, folgende Gegenstände gefunden worden, deren Eigenthümer nicht bekannt sind. rc. Tholl hat häufig auf den Strecken Cassel— Gerstungen und Cassel— Scherfede den Packmeisterdienst versehen und ist geständig, die nachstehend aufgesührten Gegenstände in den letzten 2 Monaten im Packwagen während der Fahrt aus verschiedenen Koffern und Reisekörben mittelst Nachschließen gestohlen zu haben:
1) ein goldenes großes Medaillon mit Collierkette (hohle Ringelkette, matt); 2) ein Brillantring, matt; 3) ein Brillantring, Glanz mit schwarzer Emaille; 4) ein Angehörige mit Rosen in Form eines Pendelrques; 5) ein Ring mit viereckigem Smaragd und kleinen Rosen (Glanz); 6) eine Nadel mit Granat (copuchon geschliffen);
7) eine Nadel mit Coralle; 8) eine goldene Nadel in Säbelform;
9) ein goldener Uhrknebel; 10) ein Medaillon, Glanz mit schwarzer Emaille; 11) eine kleine Broche, rund, schwarz emaillirt mit Perle und silbervergoldetem Boden; 12) ein Anhänger von Knochen in Form eines Opernglases mit der Ansicht der Apollinarius- Kirche zu Remagen und Ehrenbreitenstein bei Coblenz; 13) ein Anhänger in Form eines einfachen Opernglases von Knochen mit dem Bilde Maria, Christus und Johannes; 14) eine längliche silberne Schachtel mit einer silbernen Pincette, beides golhi'ch gezeichnet L. T; 15) ein gold. doublirter Federhalter mit goldener Feder; 16) ein Crayon mit roth-weißem Onyx und den Buchstaben E. S.; 17) eine Corallenkette nach Verlauf geschnürt mit Corallenschloß; 18) j vier goldene Hemdknöpfe; 19) ein kleines Portemonnaie mit gelbem Bügel und gereiften vergoldeten Messingplatten; 20) ein Paar Manschettenknöpfe (kleine Gcmsenhörnchen); 21) eine unächte Uhrkette ; 22) ein unächtes Medaillon; 23) eine kleine silberne Schwefelholzbüchse ; 24) ein graues Theatertuch mit Troddeln; 25) eine etwa drei Meter lange runde mit Goldfäden durchflochtene Schnur und 26) ein silberner Eßlöffel mit verziertem Stiel, auf letzterem die verschlungenen Buchstaben 0. C. K
Es wird ergebenst ersucht, nach den Eigenthümern dieser Gegenstände, welche vorläufig hier asservirt werden, gefälligst Recherchen zu veranlassen und event, hierher Nachricht zu geben.
Cassel, den 10. September 1878.
_____________________Königliche Polizei-Direction.______________________
Gefunden: Eine Häckelnadel. Ein goldner Ring. Ein Zollstock. Zwei Stück eiserne Bänder. Ein Paar graue wildlederne Handschuhe. Eine alte blaue leinene Schürze. Ein Notizbuch. Ein Rechnenbuch.
Zugeflogen: Ein Kanarienvogel.
Entlaufen: Eine Ente. Ein großer schwarzer Hund mit weißer Brust und weißem Hals.
Hanau am 17. Septbr. 1878.
Aus Königl. Landraths.Amt.
R « ch a u. _
R F. Unter herzlichster Theilnahme der einheimischen Bevölkerung und der fremden Curgäste hat der Kaiser Wilhelm, nachdem er vorher vom Fürsten Bismarck, Minister Eulenburg und anderen hochstehenden Personen im Gasteiner Badeschlosse Abschied genommen hatte, am 14. September Gastein verlassen, um sich noch Schloß Wilhelmshöhe bei Cassel zu begeben, wo er am letzten Sonntag Nachmittag glücklich eingetroffen ist. Bei der Ankunft des Kaisers in Wilhelmshöhe fanden keine Ovationen der Bevölkerung statt, da wahrscheinlich auf ärztlichen Rath ein festlicher Empfang des Kaisers höflich verbeten worden war. Die Wirkung der Gasteiner Cur auf die Gesundheit des Kaisers soll alle Erwartungen übertroffen haben und sind auch die Bewegungen der rechten Hand des Kaisers wieder ohne Anhand möglich, wenn der erlauchte Herr dieselbe auch zeitweilig noch in der Binde zur Schonung trägt.
Die erste Woche von der außerordentlichen Session des deutschen Reichstages ist dahin gegangen, ohne daß schwerwiegende Entscheidungen
auf dem parlamentarischen Gebiete fielen. An beruhigenden und zufriedenstellenden Symptomen hat es während der ersten Sitzungen des Reichstages jedoch nicht gefehlt. Gaben doch schon die Präsidentenwahlen eine nicht zu unterschätzende Gewähr, daß diejenigen Parteien des Reichstages, welche in Folge der Auflösung desselben während des Wahlkampfes einander häufig mit größter Schroffheit gegenüber standen, nun im Reichstage der politischen Nothwendigkeit gehorchend, sich vielfach wieder genähert hatten.
In einer eingehenden Weise hat sich der Reichstag auch mit d m Untergänge des Panzerschiffes „Großer Kurfürst" beschäftigt, doch war, wie es nicht anders sein konnte, das sachliche Resultat der diesbezüglichen Interpellation des Abgeordneten Mosle-Brenn« gering. Der Marineminister v. Stosch beantwortete die Interpellation mit großer Zuversicht und Sachkcnntniß und führte in erster Linie aus, daß Niemand bis jetzt nachgewiesen habe, daß organisatorische Fehler in dec deutschen Marine die Schuld an dem Untergänge deS „Großen Kurfürst" trügen. Auch seien die am Steuerruder des Panzerschiffes „König Wilhelm" befindlichen Mannschaften geschulte Seeleute und es lasse sich nur annehmen, daß der wachhabende Osficier beim plötzlichen Auftauchen des „Großen Kurfürst" neben dem „König Wilhelm" vor Schreck den Kopf verloren habe, was auch seinen unheilvollen Einfluß auf die Mannschaften am Steuer geltend machte. Zugestanden hat jedoch der Minister v Stosch, daß die nothwendige razche Entwickelung der deutschen Kriegsflotte eine etwas übereilte Ausbildung der Officiere und Mannschaften der Marine zur Folge haben mußte, und neben Unglück lichen Zufällen ist wohl hierin mit eine Ursache der bedauerlichen Katastrophe zu erblicken, für die aber wohl von der Marineleitung schwerlich Jemand direct verantwortlich gemacht werden kann. Die während der Interpellation gemachten Vorwürfe der Abgeordneten Hänel und Meier wegen ungenügender seemännischer Ausbildung der deutschen - Kriegsflotte widersprach der Marineminister von Stosch ebenfalls und forderte nähere Beweise für diese Behauptungen. — Nach diesen Erörterungen zu schließen wird wohl auch das wegen der Aburtheilung der an der Katastrophe Entheiligten eingesetzte, Kriegsgericht keine wesentlich andere Beleuchtung in die Affaire bringen.
In den auswärtigen Angelegenheiten werden immer noch und zwar jetzt wieder mehr als es seit Abschluß des Berliner Friedensvertrages der Fall gewesen ist, alle Fragen von den Affairen des Orients übertroffen Es stellt sich immer mehr heraus, daß die Friedensära für den Orient schließlich erst werden kann, wenn eine Anzahl Jnsurrections- und Nachkriege durchgeführt und neue bedrohliche Umwälzungen verhindert worden sind, wobei sich die Zukunft des Orients allerdings sehr trüb und traurig gestaltet. Beginnt man zunächst mit dem Staate des Orients, um den sich zur Zeit doch noch Alles dreht, mit der Türkei, so gibt sowohl deren widerspenstiges Verhalten als auch ihre eigene Lage zu den äußersten Besorgnissen Anlaß. Denn es gewinnt immer mehr den Anschein, daß es mit dem Reginunte des Sultans Abdul Hamid zu Ende geht. Fast jeden Tag fürchtet man in Konstantinopel den Ausbruch einer Revolution, die von den Jmans und Ulemas, der einflußreichen mohamedanischen Geistlichkeit, zu Gunsten des früheren Sultans Murad geplant wird. Dazu kommt der anarchische Zustand in den türkischen Provinzen, zumal in Albanien, wo die unter dem Einflüsse der Pforte organisirte Liga durch die Ermordung Mehemed Ali's sich gegen die Türkei selbst gewandt hat. In solchen wüsten Zuständen schwinden alle Hoffnungen auf die Beruhigung des Orients.
Ein weitere Vermehrung erfährt der allgemeine Wirrwarr auf der Balkanhalbinsel noch durch die Haltung Griechenlands, dessen Regierung in einer Minister sitzung der letztn Woche die Mobilistrung der griechr- schen Armee beschlossen hat. Die griechische Regierung scheint demnach auf die von ihr in einem Cirkulare angerufene Intervention der Mächte wenig Hoffnung zu setzen und vielmehr die Selbsthülfe vorzuziehen.
Vom Schauplatze der österreichischen Occupation sind in den letzten Tagen keine wichtigen Nachrichten veröffentlicht worden. Die österreichische Heeresleitung zieht es vor, sich in dem occupirten Gebiete erst fest zu setzen und die Verbindung nach rückwärts, die von den Jusur- । genten häufig bedroht wurde, sicher herzustellen, anstatt wie früher un- I ablässig vorzudringen. Ein weiteres Vorwärtsschreiten wird wahrschein-