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WWG Inniger.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

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M 213.

Freitag den 13» September.

im.

Amtliches.

Ernst Henkel von hier ist als Sachverständiger zur Untersuchung deS Schweinefleisches auf Trichinen verpflichtet worden.

Hanau am 11. September 1878.

Der Laudrath.

Rundschau.

R. F. Am Freitage wird der Kaiser Wilhelm seine Cur in Gastein beendigen und dann am Sonnabend über Salzburg und München seine Reise nach Schloß Wilhelmshöhe bei Cassel antreten, wo er wahr­scheinlich am Sonntag Abend eintreffen wird. Bis zum Beginn der großen Manöver, die' vom 20. bis 23. September staitfinden, wird der Koffer noch einige Tage der Erholung leben. Im Uebrigen gedenkt der hohe Herr jedoch in der bisherigen Weise zu Pferde den Manövern bei» zuwohnen und wird er zu diesem Zwecke in der Umgebung von Wil­helmshöhe die ersten Ausflüge zu Pferde versuchen. Zu den Manövern bei Cassel haben verschiedene deutsche Fürsten, unter anderen der Groß Herzog v. Weimar und die Herzöge von Meiningen und Gotha, ihren Besuch angesagt, desgleichen werden der Kronprinz und die meisten preußischen Prinzen zu den Manövern bei Cassel anwesend sein.

Mit dem ersten Tage dieser Woche, an welchem der Reichstag in der bereits bekannt gegebenen Weise eröffnet wurde, hat auch das par­lamentarische Leben in Deutschland begonnen. Die bei der Eröffnung des Reichstages vom Vicepräsidenten des preußischen Staatsministeriums Grafen Stolberg verles-ne Thronrede hat in klaren und strikten Worten Zweck und Ziel der außerordentlichen Session des Reichstages vorge­zeichnet.

Unvermeidlicher Weife mußte der neuerwählte Reichstag zunächst mehrere Sitzungen dazu verwenden, um sich zu constituiren. Bis zur Vollendung der Constitution des Reichstages fungirte in demselben als Präsident der älteste Abgeordnete, Herr v. Bonin. Erfreulicher Weise war der Reichstag schon von seiner ersten Sitzung an beschlußfähig und konnten daher die Präsidentenwahlen gleich auf den Mittwoch anbe- raumt werden. Höchst wahrscheinlich ist als erster Präsident des Reichs­tages der frühere Präsident desselben, der erprobte Herr v. Forckenbeck, erwählt worden, da sämmtliche conservative und liberale Part-ie» über seine Wahl einig waren und die beiden Vicepräsidenten dürften demnach auch aus den Reih n der conservativen und gemäßigt liberalen Parteien hervorgegangen sein, wenn es der verstärkten Centrumspartei nicht ge­lungen ist, einen der Ihrigen als Vicepräsidenten durchzusetzen. Für die parlamentarischen Arbeiten der begonnenen Reichstagssession ist im Uebrigen Alles geschehen, um sie sofort in Angriff nehmen zu können. Die klaren und zutreffenden Motive des Bundesrathes zu dem Socia­listengesetze zeigen den Zweck der Reichsregierung in dieser Frage und die erste Berathung des Socialistengesetzes könnte demnach am 13. und 14. September vom Reichstage vorgenommen werden.

Parlamentarische Verhandlungen, die aus dem Schooße des Reichs­tage- angeregt werden, werden sich in Hinblick auf die mit knapper Zeitdauer bemessene außerordentliche Session nur auf einige Interpella­tionen und gejchäflliche Anträge beschränken. Davon hat, wie bereits früher angekündigt wurde, der..Abgeordnete Mosle bereits eine Inter­pellation bezüglich des Unterganges desGroßen Kurfürst" im Reichs­tage eingebracht ir*.aubt man, daß die Reichsregierung, resp. der Marineminister, bereitwilligst die genügenden Aufklärungen in einer der nächstin Sitzungen des Reichstages abgeben wird.

Auf Verordnung des Kronprinzen wird die Affaire desGroßen Kurfürst" nun doch durch ein Kriegsgericht abgeurtheilt werden und verlautet, daß der Stab des dritten Armeecorps, dessen Commandeur der General von Groß ist, das betreffende Kriegsgericht constituiren werde.

Der Kaisermörder Nobiling, dessen Herstellung »an noch vor we- wgen Tagen zuversichtlich hoffte, ist seinen irdischen Richtern Plötzlich entzogen worden. Derselbe starb am 10. September Nachmittags wahr- lcheinlich in Folge einer Blutvergiftung, welche durch die noch fort­während eiternden Kopfwunden des Nodilng herbeigeführt worden sein mag.

Bei der Nachwahl und Stichwahl im Wahlkreise Mählhausm- Langensalza ist der jüngste Sohn des Reichskanzlers Graf Wilhelm v. Sigmare! zum Abgeordneten in den Reichstag gewählt worden. Der junge Graf bekennt sich zur freiconfervativen Partei und hat seinen Wählern gegenüber geäußert, daß er in allen Cardinalfragen, die im Reichstage verhandelt würden, die Willensmeinung feines Vaters ein» holen würde.

Oesterreich befindet sich bezüglich seines Occupationskrieges in Bosnien und der Herzegowina noch immer einer sehr schwierigen Auf­gabe gegenüber, da die Insurgenten nicht nur allein sehr zäh kämpfen, sondern sich in den von den Oesterreichern noch nicht occupirten Theilen Bosniens auch rasch verstärken. Bei Bangaluka und bei Trebinja haben die österreichischen Truppen große Fortschritte gemacht, aber bei BthacS haben sich zwei österreichische Regimenter unter General Zach vergebens bemüht, die befestigten Stellungen der Insurgenten zu erobern. Eine langwierige blutige Arbeit steht dah°r noch immer den Oesterreichern in Bosnien bevor und der Abschluß einer Convention mit der Türkei, wo­von übrigens jetzt gar nichts mehr verlautet, dürfte auch dazu beitragen, um die Schwierigkeiten einer Occupation Bosniens einigermaßen zu be­seitigen, denn vor wenigen Tagen hat sich auf der Balkanhalbinsel ein Ereigniß zugetragen, welches beweist, daß der mohamedanische Fanatis­mus in Hellen Flammen aufgelodert ist.

Mehemed Ali Pascha, einer der Generäle und Staatsmänner, von welchen die Türkei noch eine Besserung ihrer trüben Zukunft hoffte, ist von einer Rotte Insurgenten in Albanien erschlagen worden. Auf den Befehl der Pforte hatte sich Mehemed Ali dahin begeben, um die anar­chische Widersetzlichkeit gegen die Bestimmungen des Berliner Vertrages zu beschwichtigen und da ereilte ihn der Tod. Nicht die hohe Würde, welche Mehemed Ali bekleidete, nicht seine Verdienste im letzten Feldzug haben ihn vor dem Schicksale bewahrt, daß ihn eine fanatische, meute­rische Rotte mohamedanischer Albanesen wie einen angeblichen Vater- landsverräther ermordeten. Der Beweis ist also gegeben, daß die Au­torität der Pforte in den insurgirten Provinzen gleich Null zu achten ist und Niemand kann absehen, wann der mohamedanische Bölkerbrand gelöscht werden wird.

Von einigermaßen erfreulichen Nachrichten aus dem Orient ist zu melden, daß Rußland feine noch mit der Türkei schwebenden Fragen allmählig löst. Der Besitznahme Batums durch die Russen ist die In­angriffnahme der Grenzregulirungen zwischen Rußland und der Türkei in Kleinasien gefolgt und auch in der europäischen Türkei machen die Verhandlungen bezüglich der Gebietsräumungen durch die russischen Truppen gute Fortschritte. Beeinträchtigt werden dieselben nur durch den fortgesetzten Aufstand der Mohamedaner im Rhodopegebirge, doch wird derselbe von den türkischen Truppen schließlich selbst gedämpft werden müssen.

England ist andauernd bemüht, Reformen in der Türkei durchzu­setzen und ist es zu diesem Zwecke seit einiger Zeit bestrebt, den im vorigen Jahre verbannten Großvezier Midhat Pascha, welcher als großer Organisator gilt, in den türkischen Staatsdienst zurückzubringen. Fort­währende politische Unruhen in Konstantinopel, wo sich neuerdings wie­der eine Verschwörung gegen den Sultan gezeigt hat, verhindern jedoch die Pforte etwas Außergewöhnliches für das Wohl der ihr gebliebenen Staaten zu leisten.

Die Angelegenheiten zwischen Griechenland und der Türkei nähern sich auch immer mehr dem kritischen Stadium, doch wird die Beichwerde- sote, welche Griechenland wegen der Haltung der Türkei bezüglich der Regelung der Griechenland betreffenden Titel des Berliner Vertrages an die Großmächte gerichtet hat, wahrscheinlich die Folge haben, daß die Vertragsmächte die Pforte einmüthig nöthigen, den Anforderungen Griechenlands gerecht zu werden.

Die Verstimmung zwischen Italien und Oesterreich wegen der chauvinistischen Propaganda der Jtalianissimi bezüglich der Ermordung des italienischen Consuls Perrod in Bosnien ist durch freundschaftliche Erklärungen der beiderseitigen Botschafter geschlichtet worden^nd hatten sich beide Nationen ohne Noth erhitzt.