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Wetters die gewöhnliche Morgenprommade. Das Aussehen Sr. Maje­stät wird zunehmend frischer und besser.

— Berlin, 11. Sept. (R. u.St-A.) In der heut. (2.) Sitz, des Reichs­tages theilte der Alters-Präsident v. Bonin mit, daß die Abtheilungen sich wie folgt konstituirt haben: I. Abthl.: Abgg. Wiggers (Parchim) sVorsj, Frhr. von Nordeck zur Rabenau sStellvj., Dr. Müller (San- gerhausen), Senestrey sSchriftf.j; II. Abch : Abgg. Dr. v. Schwarze sVors.j, Dr. Hänel [SteHo ], v. Reden, Frhr. v. Mirbach [Sdjriftf.J; III. Abth : Abgg. v. Forcade de Biaix sVorss, Dr. Völk [Stelln], Eysoldt, Fürst v. Hatzfeldt sSchriftf.j; IV. Abth.: Abgg v Schöning sVors.si Frhr. zu Frankenstein [SteUo.]. Dr. Buhl, Staelin sSchriftf.j; V. Abth.: Abgg. Dr. Bamberger sVors s, Graf Balestrem sstellv.j, v. Colmar, Hilf sSchristf.j; VI. Abtg.: Abig. Dr. Moufang sVorsj, v. Hoelder [Stelln.], v. Below, Findeisen sSchriftf.j; VII. Abth.: Abgg. Frhr. S^enk v. Stauffenberg sVors.fi v. S ydewitz [SteHo ], Frhr. v. Hertling, v. Manteuffel sSchrrstf s Sodann gelangte ein Schreiben des Reichskanzlers, in Vertretung gezeichnet von dem Präsidenten des Reichskanzler-Amts, Staats-Minister Hofmann, zur Verlesung, welches dem Hause mittheilt, daß bei den Berathungen des Gesetzentwurfs ge­gen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie die ver­bündeten Regierungen außer durch tue Mitglieder des Bundesraths ver­treten sein werden durch die Herren Geheimen Regierungs Rath Jtten- bach, Geheimen Justiz-Rath Oelschläger und Geheimen Regierungs-Rath von Brauchitsch.

Hierauf schritt das Haus zur Wahl des ersten Präsidenten. Es wurden im Ganzen 359 Stimmzettel abgegeben, davon erhielten der Abg. Dr. v. Forckenbeck 240, der Abg. Frhr. zu Frankenstein 114 und der Abg. Dr. Delbrück 3; zwei Stimmzettel waren unbeschrieben. Somit war der Abg. Dr. v. Forckenbeck zum ersten Präsidenten des Hauses auf die Dauer der nächsten vier Wochen erwählt. Derselbe erklärte auf eine Anfrage des Alters-Präsidenten von Bonin, daß er die auf ihn gefallene Wahl dankend annehme und bestrebt sein werde, sein Amt ge­recht und unparteiisch zu führen.

Auf eine Aufforderung des Präsidenten von Forckenbeck drückte das Haus dem Alters Präsidenten von Bonin für dessen bisherige Lei­tung der Geschäfte des Reichstages durch Erheben von den Plätzen fei­nen Dank aus.

Hierauf schritt das Haus zur Wahl des ersten Vize-Präsidenten.

Bei der Wahl des ersten Viccpräsidenten erhielt Stauffenberg 125, Frankenstein 119, Seydewitz 115 Stimmen. Es ist eine engere Wahl zwischen d-n Dreien nothwendig.

Die erneuerte Stichwahl hinsichtlich der Stelle des ersten Viceprä- fidenten ergab 175 Stimmen für von Stauffenberg und 142 für von Frankenstein; 33 Zettel waren unbeschrieben. Sonach ist Stauffenberg gewählt; derselbe nahm die Wahl dankend an.

Zum zweiten Viccpräsidenten wurde mit 212 von 335 Stimmen Fürst Hohenlohe-Langenburg gewählt; 117 Zettel waren unbeschrieben. Zu Schriftführern wurden durch Acclamation gewühlt: Bernards Graf Kleist (Schmenzin), Thilo, v. Soden, Blum, v. Minnigerode, Weigel und Eysoldt.

— Der Minister für die landwirthschaftlichen Angelegenheiten, Dr. Friedenthal, ist aus Frankfurt a. M., der Unterstaatssecretär im Reichskanzler-Amt, Eck, aus Tirol, der Unterftaatsficretär im Reichs- kanzler-Amt für Elsaß Lothringen, Herzog, aus Süddeutichland, der Unterftaatsficretär im Smatsministerium, Homeyer, aus Harzburg, der Ministerialdirector im Handelsministerium, Duddenhausen, aus Norderney in Berlin eingetroffen.

— Der Ausschuß der berliner Stadtverordneten-Versammlung hat die Herren v. Forckenbsck (Breslau), v. Stauffenberg (München) und Seite (Königsberg) als Overbürgermeister-Candrdaten vorgeschlagen. Die Berichterstattung an das Plenum soll, wir verlautet, am Donnerstag der nächsten Woche erfolgen. Voraussichtlich würde die Wahl alsdann noch im Laufe des Monats September erfolgen.

— Für die Hirn erblichenen der mit S. M. Panzerfregatte „Großer Kurfürst" Verunglückten sind bei der Centralstelle 103,283.92 Mk. ein- gegingen, womit die Sammlungen nunmehr als geschlossen angesehen werden.

Alle diejenigen Personen, welche noch Anspruch auf Unterstützung aus diesen Gaben zu haben glauben, werden aufgefordert, sich innerhalb 4 Wochen bei der Centralstelle zur Sammlung von Gaben für die Hinterbliebenen der mit S. M. Panzerfrezatte „Großer Kurfürst" Ver­unglückten zu melden, damit die definitive Vertheilung der Mgegange- nen Beiträge demnächst erfolgen kann.

— Nach dem Viehseuch «zesetz vom 25. Juni 1875 ist der Be­sitzer vo« Hausthieren resp. sein Vertreter verpflichtet, von dem Aus- druche einer Seuche unter seinem Viehstande und von allen verdächtigen Erscheinungen, welche den Ausbruch einer Seuche befürchten lassen, so­fort der Ortspslizeibehöcde Anzeige zu machen. Diese Bestimmung findet, nach einem Erkenntniß des Ober-Tribunals vom 17. Juli 1878, auch dann Anwendung, wenn der Ortspolizeibehörde bereits anderwei­

tige Mittheilung von dem Ausbruche einer Viehseuche in dem betreffen* den Hausstande zugekommen ist.

— Alle statistische» Nachweisungen über die Auswanderung auS Deutschland nach überseeischen Ländern in den letzten Jahren haben die Abnahme ergeben. Diese findet ihre volle Bestätigung in den aus transatlantischen Ländern kommenden Berichten amtlichen Ursprungs, welche sich über die Berkehrsverhältnisse aussprechen. Es liegt der „N. A. Z" ein Bericht aus San Francisco vor, welcher sich in Bezug auf die Einwanderung in Folgendem ausläßt: Im Jahre 1875 belief sich die Einwanderung nach Californien noch auf 65,000 Personen, sie sank in dem darauf folgende» Jahre auf 35,000 und hat sich im Jahre 1877 auf nur 18,000 Personen, und darunter an 4000 Chinesen, be­laufen.

— Ueber den Tod des Nobiling berichtet man den Morgenblättern: Nobiling's Zustand, der, so weit es sein körperliches Leiden betraf, sich anscheinend zu bessern schien, war doch noch immer ein äußerst bedenk­licher, da die Eiterung der Wunde unaufhörlich fortdauerte, obgleich von den ihn behandelnden Aerzten wiederholt die Ansicht ausgesprochen wurde, daß, wenn nicht eine Blutvergiftung durch Vereiterung eintrete, Nobiling am Leben zu erhalten sei, wiewohl andererseits durch den großen Verlust von Gehirnmasse an der völlige« Wiederherstellung der Geisteskräfte entschieden gezweifelt wurde Seit letztem Sonntag ver­schlimmerte sich der Zustand Nobiling's sichtlich, und D enstag Mittag gegen 12 Uhr erklärten die Gefängnißärzte, daß der Verbrecher nur noch wenige Stunden zu leben habe. Die Mutter des Meuchelmörders wurde eiligst herbeigerufen und verlebte mit ihm die letzten Stunden. Ob der Sohn bei Verstand gestorben, ob er seine That bereut, ob er überhaupt Mittheilungen gemacht, wollte die Mutter nicht mittheilen. So weit wir heute unterrichtet sind, ist er ohne weitere Mittheilungen aus der Welt geschieden. Da Nobiling noch Untersuchungsgefangener und nicht verurtherlt war, so steht es der Familie frei, seinen Leichnam zu beanspruchen. Nobiling's Tod scheint durch Blutvergiftung in Folge der Vereiterung herbeigeführt. Die Obduction wird das Nähere ergeben. (Köln. Ztg.)

— Die Hamburger Firma G. C. Lorenz Meyer feierte am 9. d. M. das 150jährige Bestehen ihres Geschäftes, eines der größten Wein­häuser des Kontinents. Seit seiner Begründung vor 150 Jahren ver­erbte dasselbe stets direkt vom Vater auf den Sohn; seit 1812 ist die Firma unverändert G. C. Lorenz Meyer und seit 1759 wird das Ge­schäft ununterbrochen in demselben Hause betrieben.

— Oggersheim, 10. Sept. Das gestrige Gewitter vernichtete die ganze Tabaksernte der hiesigen Gemarkung.

— Italien. In diesen Tagen ist das Inventar der Hinter­lassenschaft des verstorbenen Staatsficretärs Franchi fertig geworden. Es hat sich ein todtes Capital von über einer halben Million Franken in baarem Gelde vorgefunden, ferner eine Menge von Pretiosen, fast alles Geschenke von fürstlichen Personen, werthvolle Geräthe für Haus und Tisch und Diamanten und Edelsteine im Werthe von mehr als hunderttausend Lire. Ein Bruder und zwei Schwestern haben sich darin zu teilen.

— London, 11. Septbr. Die „Morningpost" meldet: Midhat Pascha werde heute nach Paris abreisen. — Zum englischen Kommissar bei der bulgarischen Grenzkommission sei der Genie-Oberst Home er­nannt. — Nach einem Telegramm der „Times" aus Konstantinopel von gestern, ist Kiani Pascha als Finanz-Minister entlassen und auf diesem Posten durch Ruchdi Effendi ersetzt worden.

— Aus Lagos wird der „Köln. Ztg." gemeldet: Der König von Dahomey scheint noch immer geneigt, England herauszufordern, denn man berichtet, daß er sich jetzt bestimmt weigere, die Kriegsent­schädigung zu bezahlen. Auch werden die europäischen Factoreien von Eingeborenen überfallen und beraubt; der König aber leistet offenkundig diesem Treiben Vorschub, ja, er nimmt selbst einen Theil der von den Räubern gemachten Beute für sich.

— New- Dork, 10. Sept. Der Hamburger Postdampfer „Wie- land" ist Morgens 10 Uhr hier eingetroffen.

Lokales.

Hanau, 12. Septbr. 1878.

— Zu dem nächsten Montag Abend von 7—8 Uhr in der nieder­ländischen Kirche abzuhaltenden Gottesdienst, in welchem Herr Bischof RSinkens einen Vortrag halten wird, haben sich die vereinigten Ge­sangvereine auf Ersuchen gerne bereit erklärt, einige Chöre, und zwar die Motette von Hauptmann „Ehre sei Gott in der Höhe", sowie „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre" zum Vortrag zu bringen.

Versteigerungs- und Berpachtungs-Kalender für Freitag den 13. September.

Vormittags 10 Uhr in der Stein'schen Wirthschaft zu Eichen: Termin zur Versteigerung von SnDa Casseler Acker domänenfiskalsicher Grundstücke der Gemarkung Eichen (sog. Diedelsheimer Lehngut) (s Nr. 210 „Han. Anz."). — Mittags 1 Uhr werden in der Daut'schen Wirthichast zu Oberissigheim 165 Cass. Acker Domanialgrundstücke