Qmemnttl* Preis:
»thrlich 9 Mark, selb;. 4 an. 58 P.
Vierteljährlich * Wart 25 Pfg. für auswärtige Abonnenten alt dem betreffenden Postaufschlag. Me einzelne Nuiu- »er 10 Psg.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner ProvinziabCorrespondenz.
Insertionl-
Preis:
Die ispaltige Earmoudzeile ob. baren Raum
M Psg.
Die Lspalt. Zeile so Psg.
Die SspaltigeZeile 80 Psg.
M 207.
Freilag den 6. September
187b.
Vereinigtes evangelisches Waisenhaus
M Hanau.
Im Interesse des unserer Leitung anvertrauten hiesigen Waisenhauses sehen wir uns genöthigt, Folgendes zur öffentlichen Kenntniß zu bringen.
Schon seit Jahren hat sich der Verwaltung des Waisenhauses die Einsicht aufgedrängt, daß die gemeinsame Erziehung und die Massen- Verpflegung der Waisenkinder in dem hiesigen Anstaltsgebäude selbst zu verschiedenen ernsten Bedenken Anlaß bot. Es wurde deshalb nach längerer, sorgfältiger Prüfung aller einschlägigen Verhältnisse zur Verhütung bestehender und weiterer Mißstände, sowie zur Vermeidung eines zweckwidrigen Kostenaufwandes beschlossen, nicht nur vas theure, in seinem wahren Erfolge aber mehr als zweifelhafte Internat, sondern auch gleichzeitig den bisher meist nur kümmerlich ausgefallenen Garten- und Feldhau gänzlich aufzugeben und die Waisenkinder selbst auf Kosten der Anstalt und unter der dauernden Ueberwachung des Vorsteheramtes bei hierzu geeigneten Familien in der Regel auf dem Lande zur Pflege und Erziehung unterzubringen.
Diese Einrichtung, welche sich auf den Grundsatz stützt, daß Haus und Familie bei sonst zutreffenden Umständen die natürliche und die beste Stätte der Erziehung sind, versprach sowohl für die innere Ausbildung als auch für das körperliche Gedeihen der, meistens ländlichen Verhältnissen angehörigen Kinder in mehr als einer Hinsicht erhebliche Vorzüge, wie denn diese Art der Waisenversorgung mehrseitig eingezogenen Erkundigungen zufolge auch in benachbarten Städten seit lange die befriedigendsten Früchte trügt.
Demgemäß ist das Gebäude der Anstalt in hiesiger Stadt seit vorigem Jahre von den Waisenkindern verlassen worden, und diese werden nun an verschiedenen Orten ihres Heimathlandes in braven, zuverlässigen Familien auf Kosten des Waisenhauses unterhalten und erzogen, und sie erfreuen sich somit der Wohlthat eines heilsamen Haus- und Familienlebens. Die der Anstalt gehörigen bisher jedoch ohne den gewünschten Nutzen verwalteten Gartengelände und Aecker sind in vortheil- hafter Weise verkauft oder verpachtet, die Räumlichkeiten des Hauses selbst aber zum Gewinn der Waisenhauskasse vermiethet worden, und, was die Hanptsache ist und bleibt, die fraglichen Kinder befinden sich seitdem in solchen Lebenskreisen frisch und munter, aus denen sie hervorgegangen sind und in denen sie später ein gedeihliches Fortkommen finden sollen.
Diese allerdings tief eingreifende, aber, wie einleuchtet, einzig und allein zum rechtverstandenen Wohle der Waisen vorgenommene Veränderung hat nun mehrfach Mißverständnisse über den eigentlichen Bestand des Waisenhauses veranlaßt. Dem gegenüber heben wir an dieser Stelle hervor, daß das vereinigte evangelische Waisenhaus als Anstalt zur Pflege und zur Erziehung armer, hülfsbedürftiger Waisen aus den Kreisen Hanau, Gelnhausen und Schlüchtern nach wie vor in Hanau fortbesteht und sein Liebeswerk seit vorigem Jahre in der angegebenen Weise durch Familienerziehung zu lösen strebt. Soll die Anstalt aber
Hanau, am 3. September 1878.
ihre menschenfreundliche Aufgabe auch ferner mit dem gewünschten Erfolge erfüllen können, so bedarf sie nach wie vor der steten, kräftigen Unterstützung edel denkender Menschen, denen eigene Lebensgüter gestatten, der Armen und Waisen in wirksamer Art zu gedenken und sich des Segens zu getrösten, welcher allen barmherzigen und wohlthätigen Menschen verheißen ist.
Was nun die bisherigen Erfahrungen der neuen Einrichtung im Einzelnen betrifft, so hat die gegenwärtige Art unsere Waisen zu versorgen, seit ihrem Bestehen Dank der Hülse, welche uns von allen bethei- ligten Kreisen geworden ist, und Dank der Unterstützung, die uns die Vormundschaften, die Ortsvorstände, die Geistlichen, die Lehrer und die Verwaltungsbeamten bei unserem Liebeswerk leisten, bis heute alle erwarteten Vortheile bewährt, während kleinere Mißstände, die im Anfänge unvermeidlich waren, bald aufs Beste ausgeglichen werden konnten. Die eingeholten Berichte der zur Mitwirkung berufenen Stellen, die Zeugnisse der Geistlichen und Lehrer, die pflichttreuen Erklärungen der Ortsvorstände, sowie endlich unsere eigenen Erhebungen und persönlichen Localrevisionen haben zu unserer Befriedigung über das nunmehrige Befinden und sittliche Gedeihen unserer Pfleglinge .ein recht günstiges Ergebniß geliefert, und wir dürfen die Ueberzeugung hegen, mit der getroffenen Einrichtung dem leiblichen und geistigen Wohle der Waisen am Besten zu dienen.
Schon waren wir in Folge der dem Zwecke entsprechenden Verwaltung in der Lage, die Zahl der zur Unterstützung gelangenden Waisenkinder gegen früher um acht zu vermehren, und wir hoffen, bei der ferneren Erhaltung des bisherigen Einnahme-Standes die Zahl schon im nächsten Jahre noch erheblich steigern zu können. Dazu ist aber ein Haupterforderniß, daß uns von Seiten der Bevölkerung nicht nur der hiesigen Stadt, sondern der gesammten ehemaligen Grafschaft Hanau auch ferner milde Beiträge an Geld, Vermächtnisse und gleichartige Zuwendungen nicht versagt werden. Insbesondere halten wir es für geboten, im Interesse der armen Waisen die Aufmerksamkeit der verehrlichen Behörden, der Geschäftshäuser und aller Bewohner in Stadt und Land darauf hinzulenken, daß die wichtigste Quelle unserer Einnahmen in den Erträgnissen unserer Waisenhaus-Buchdruckerei, des Verlagsgeschästs und des Hanauer Anzeigers gelegen ist. Wir bitten deshalb, diese Einrichtungen des Waisenhauses nach Kräften zu fördern, dieselben auch ferner vertrauensvoll mit Aufträgen zu erfreuen und damit die bei allen guten Menschen hergebrachte und freudig geleistete Fürsorge für die bedrängten Waisenkinder auch in Zukunft in reichem Maße zu bethätigen.
Und so sei denn unser vereinigtes evangelisches Waisenhaus, dessen Aufgabe es ist, arme verwaiste Kinder aus Stadt und Grafschaft Hanau der Verwahrlosung und dem Elende zu entreißen und sie zu nützlichen Gliedern der menschlichen Gesellschaft heranzubilden, hiermit ausdrücklich dem öffentlichen Wohlwollen und der Liebe barmherziger Menschen von Neuem angelegentlich empfohlen!
Das Dorsteheramt.
Schrötter. Reinhard. Junghenn. Wrishaupt.