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Mittwoch den 4. September
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Amtliches.
Von dem Herrn Minister für Handel rc. und dem Herrn Minister des Innern ist durch gemeinsamen Erlaß vom 24. v. M. verfügt worden, daß vor der Ausführung der von dem erstgedachten Herrn Minister unterm 30. Juni v. J. getroffenen Entscheidung, nach welcher die Unterhaltung der Landwege innerhalb fiscalischer Gutsbezirke den adja- cirenden Gemeinden obliege, bezw. denselben auf Grund des Kurhessischen Staats-Ministerial-Ausschreibens vom 12. Juli 1830 zuzuweisen sei, mit Rücksicht auf die in Aussicht genommene anderweite gesetzliche Regelung der in dem vormaligen Kurfürstenthum Hessen geltenden Bestimmungen über die Unterhaltung der Landwege Abstand genommen werde.
Casfel, am 4. Juli 1878.
Königliche Regierung, Abtheilung des Innern.
Bekanntmachung.
Die zum Schutze der Schauläden offener Geschäfte angebrachten Marquisen sind größtentheils auf eine so geringe Höhe vom Niveau des Trottoirs herabgelassen, daß hierdurch vielfach der freie Verkehr gehindert und die Gefahr für Vorübergehende, sich zu beschädigen, nicht ausgeschlossen ist.
Mit Rücksicht auf das vorliegende öffentliche Interesse werden deßhalb die betheiligten Hausbesitzer bezw. Ladeninhaber hierdurch veranlaßt, bei Meidung des im Falle der Nichtbesolgung einzuleitenden Straf- und Zwangsverfahrens, sofort Vorkehrungen zu treffen, daß dem erwähnten Mißstande vorgebeugt werde und der untere Rand der Marquisen mindestens zwei Meter vom Boden entfernt bleibe.
Hanau am 30. Juli 1878.
Landwirth Georg Brodt lOr zu Ostheim ist als Bürgermeister vereidet und in sein Amt eingeführt worden.
Hanau am 30. August 1878.
Die resp. Herrn Bürgermeister werden an die Erledigung meiner Verfügung in Nr. 200 des Hanauer Anzeiger, Verzeichniß d^r vorhandenen taubstummen Kinder betr., bei 3 Mark Strafe erinnert.
Hanau am 4. September 1878.
Der Landrath.
Gefunden: Ein Knicker. Eine Knabenmütze. Ein Regenschirm. Ein Portemonnaie mit Inhalt. Eine Manschette. Eine glanzlederne Quaste mit weißer Schnalle. Ein weißes Taschentuch. Ein Hundemaulkorb.
Verloren: Ein Portemonnaie. Eine Brieftasche. Ein Paar schwarze Glacehandschuhe. Ein Portemonnaie mit 2 Mark.
Entlaufen: Ein großer schwarzer Hund mit weißen Pfoten. Ein großer schwarzer Neufundländer.
Hanau am 4. September 1878.
Aus Königlichem Landrathsamt.
Landwirthschafllicher Kreis-Verein Kann«.
Nächste Versammlung Dienstag den 10. September, Nachmittags 2V2 Uhr, im Gasthaus zum goldenen Löwen in Hanau.
Tagesordnung:
1) Obst-, Frucht-, Gemüse- und Maschinen-Ausstellung in Hanau.
2) Beschaffung von Wintersaatgetreide.
3) Bericht über die Hochstädter VrehauSstellung.
Der Vorstand.
Die Herren Bürgermeister werde» um Veröffentlichung des Vorstehenden ersucht.
Hanau am 31. August 1878.
Der Landrath.
Rundschau.
R. F. Im Anfänge dieser Woche beging die deutsche Nation ihr schönes Ehrenfest, die nunmehr achtjährige Sedanfeier. Es ist unmöglich hier alle die Momente anzuführen, durch welche dieses nationale Fest in allen deutschen Gauen gefeiert wurde. Genug, die bei Weitem überwiegende Mehrheit des deutschen Volkes beteiligte sich in rühmlicher Weise an dieser nationalen Feier, die der politischen Mündigkeitserklärung unseres geeinigten Vaterlandes gilt, und jene Häuflein Deutscher, die, obwohl sie in Deutschland sich deutschen Rechts und deutscher Ordnung erfreuen, dieser Feier schmollend oder trotzig den Rücken wandten, haben ihr verdammendes Urtheil empfangen durch die gegen- theilige Gesinnung der Mehrzahl ihrer Mitbürger.
Mit der am nächsten Montag statlfindenden Eröffnung des deutschen Reichstages wird in dem inneren Leben Deutschlands ein neuer Wendepunkt gekennzeichnet werden. Der wichtigste Berathungsgegenstand in der ersten Session des neugewählten Reichstages betrifft das Socialistengesetz, welches, wenn auch nur zeitweilig, gewissen öffentlichen Rechten und Freiheiten Schranken auferlegen soll, mit vollem Rechte kann daher die nächste Reichstagssession als eine neue Legislaturperiode bezeichnet werden. Von der Wichtigkeit derselben ist man auch in den Regierungskreisen vollständig überzeugt und der Kronprinz des deutschen Reiches wird als Stellvertreter des noch der ruhigen Erholung bedürftigen Kaisers durch eine Thronrede den Reichstag eröffnen und diese Thronrede wird gewiß Manches enthalten, was zur Beruhigung und Aufklärung in unserer vielbewegten Zeit dienen dürfte.
Das Schicksal des Socialistengesetzes im Reichstage, woran sich doch so viele andere Folgerungen knüpfen werden, wird in allen betheiligten Kreisen mit Unruhe erwartet und wahrlich man hat Ursache dazu, denn dieses Gesetz in seiner jetzigen Fassung will Niemanden recht befriedigen. Preußen ist unzufrieden, daß es mit seinem Anträge wegen Einsetzung eines Reichsamtes für Angelegenheiten der Presse und Vereine im Bundesrathe überstimmt worden ist, wonach ein Ausschuß des Bundesrathes die betreffende höchste Instanz selbst bilden soll, und in dem Bundesrathe überhaupt sind die Cardinalmeinungen über die Aufnahme, welche der Gesetzentwurf im Reichstage finden wird, sehr auseinandergehend.
In den politischen Kreisen Frankreichs kursiven seit einiger Zeit mannigfache Gerüchte über den bevorstehenden Rücktritt des Marschalls Mac Mahon. Es heißt, der Marschall werde am Tage nach der Ver- theilung der Weltausstellungspreise feine Entlassung geben, um die dann unausbleibliche Bestürzung der Republikaner zur Erlangung von Zugeständnissen von demselben zu benutzen. Die bezüglichen Meldungen werden vielfach in Verbindung mit den im Januar 1879 stattfindenden Senatorenwahlen gebracht, von denen die französischen Republikaner bekanntlich die „Krönung des republikanischen Gebäudes" erhoffen. Würden doch, falls die Linke bei den Erneuerungswahlen für den Senat in der That als Siegerin aus dem Wahlkampfe hervorgeht, die Intriguen der monarchistischen Macher vom Schlage des HerzogS von Broglie nahezu unmöglich gemacht werden. Hieraus erklären sich ebensowohl die Anstrengungen der reaktionären Heißsporne, noch im letzten Augenblicke einen „Coup" zu versuchen, wie das andererseits nicht überraschen kann, daß die Republikaner in ihrer Besorgniß vor der bekannten Taktik der bei der Auswahl der anzuwendenden Mittel wenig skrupulösen Geg ner vielfach Gespenster sehen. Jedenfalls würden die Urheber des Handstreiches vom 24. Mai 1873 und des Abenteuers vom 16. Mai 1877 diesmal die Republikaner mehr gerüstet finden, während andererseits wohl angenommen werden darf, daß der Marschall Mac Mahon nicht mehr aufs Geradewohl sich in Abenteuer einlassen wird, die bisher immer nur mit seiner persönlichen Bloßstellung ihren Abschluß erhalten haben.
Fast der ganze übrige Theil der auswärtigen Politik dreht sich wieder einmal um die leidigen orientalischen Angelegenheiten, welche durch die angestrebte Ausführung der Berliner Conserenzbeschlüffe in verschiedene neue Krisen versetzt worden sind. Besonders ist es die Besetzung Bosniens durch Oesterreich, welche noch in keiner Beziehung zu