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Steckbrief.
Gegen den Arbeiter Johannes Loos von Bruchköbel ist wegen Diebstahls richterlicher Haftbefehl erlassen worden
Es wird um Festnahme des Loos und Ablieferung desselben in hiesiges Gefängniß ersucht.
Hanau, den 25. August 1878.
Der Staais-Anwalt.
Sporleder. vt. Lucas.
Tsgesscha«.
Zum 2. September.
R. F. Wieder naht der 2. September heran, der Tag, an welchem vor 8 Jahren Deutschland sich und der Welt bewies, daß es geeint stark und mächtig genug sei, seinen alten Erbfeind Frankreich, den Stören seines Friedens, zu bezwingen und mit gewaltigem Griffe zu Boden zu schleudern Der Bbenteuerer auf Frankreichs Throne, der seine Herrschaft durch verrätherisches Blutvergießen gegründet hatte und seinen schwankend gewordenen Herrschersitz durch deutsches Blut wieder zusammen zu kitten gedachte, wurüe au jenem Tage herabgerissen von seiner Höhe.
Als Gefangener nahte er sich dem deutschen Oberseidherrn, die Kerntruppen der französischen Armee theilten mit ihm das Geschick der Gefangenschaft. Ein donnernder Freudenjubel durchbrauste damals ganz Deutschland, als die inhaltsschwere Nachricht von der Kapitulation von Sedan eintraf. Doch kem wüster Siegesrausch war es, sondern eine reine ungetrübte Begeisterung, der Ausbruch des Dankes gegen das Walten der Vorsehung. „Welch eine W mdung durch Gottes Fügung !" diese Worte unseres Heldenkeisers bildeten den leitenden Gedanken, welcher jene erste Sedanfeier durchzog und welcher die Gemüther trotz der geräuschvollen Freudendemoustration im Innern ernst und feierlich bewegte. Jener zweite September war es, der in allen Deutschen das Gefühl der Zusammengehörigkeit, das Bewußtsein, daß sie Brüder eines Stammes seien, stärker denn je erregte. Das Schlachtfeld von Sedan, auf welchem Preußen, Bayern und Sachfen vereint gekämpft und vereint geblutet hatten für den heimischen Herd, wurde zum Saatfeld, dem bedeckt mit Ruhm und Ehre ein mächtiges einiges Kaiserreich Deutschland entsprießen sollte. Unter den Stürmen des Krieges, im Herzen Frankreichs, ging der von den Edelsten unseres Volkes gehegte, von Vielen bespöttelte Traum von der Wiederaufrichtung der alten Kaiserherrlichkeit in Erfüllung.
Jahre sind seitdem an uns vorübergerollt Sie bargen Gutes für unser neues deutsches Reich aber auch Schlimmes in ihrem Schooße. Die wirthschaftliche Noth, welche alle Reiche der Erse durchzog, nahm auch in Deutschland ihren Eintritt, lähmte Handel und Gewerbe und lastet noch immer schwer auf ihnen. Sie begünstigte das Entstehen einer Partei, deren Bestrebungen darauf gerichtet sind, den Zusammenhalt des deutschen Reiches durch Untergrabung der öffentlichen Autorität, durch Vernichtung der Vaterlandsliebe im deutschen Volke zu erschüttern. Schlimme Früchte-, hat ihr herzloses Treiben bereits gezeitigt. Die sophistischen Lehren dieser Partei waren mit Ursache, daß zweimal die mörderische Waffe auf das Haupt des allverehrten Heldenkaisers, den würdigen Träger unseres Nationalgedankens gerichtet wurde. Die Vorsehung hat es besser gefügt als es die Absicht der Mord- buben war. Kaiser^ Wilhelm ist seinem Volke erhalten geblieben. Nachdem er dem deutschen Reiche vor acht Jahren bescheert wurde ist er uns jetzt zum zweiten Male wieder gegeben worden. Seine Wieder- genesung zu feiern ist kein Tag würdiger als der zweite September. Alle wahrhaften Deutschen mögen an ihm zeigen, daß sie unbeirrt durch den Hader der Parteien, ungebeugt durch den Druck der Zeit festhalten an dem deutschen Reich, daß sie stets bereit sind Gut und Blut für dasselbe einzusetzen und es gegen die äußeren unv inneren Feinde zu vertheidigen. Eine solche Kundgebung wird die beste Feier des 2. September, wird der schönste Dank für die Erhaltung unseres Kaisers sein.
Zeitbetrachtungen.
(«. d. Schw. Stert)
Es wäre jetzt noch zu früh, wenn man schon von einem Ende des Dualismus in Oestreich reden wollte, aber wahrscheinlich ist es allerdings, daß in Folge der Einverleibung von Bosnien und Herzegowina und des thatsächlichen Protektoratsverhältnisses zu Montenegro und Serbien die jetzige Einrichtung der östreichischen Monarchie allmählich eine Veränderung erleiden wird. Der Dualismus hat, außer dem Nachtheil, daß er alle zehn Jahre die Monarchie in eine tiefauf- wühlende Ausgleichsaufregung versetzt und dann noch das gegenseitige Gefühl der Uebervortheilung zurückläßt, die weitere Folge, das er die Hälfte der Bewohner des Reiches mundtodt macht Man braucht keine Sympathie für die Slaven zu hegen, um es unbillig zu finden, daß 5 Millionen Magyaren in Transleithanien und 8 Mill. Deutsche in Cis- leithanien allein herrschen und 18 Mill. Slaven in beiden Reichshälften nichts zu sagen haben. Diese Erscheinung ist durch ein künstliches Wahl
gesetz hervorgerufen und widerspricht den ersten Grundsätzen der konstitutionellen Regierungsform. Bereits macht sich in Prag wie in Agram eine erhöhte politische Regsamkeit fühlbar. Man hat von offiziöser Seite die Erwerbung von Bosnien und d r Herzegowina als bedeutungslos hinzustellen versucht, indem man auf die geringe Zahl verwies, um welche das slavische Element hiedurch vermehrt würde. Man darf aber einerseits nicht die. Richtung übersehen, in welcher diese neueste Aktion Oestreichs vor sich geht, andererseits muß man die Beziehungen beobachten, welche der Berliner Vertrag, im Gegensatz zum Frieden von San Stefano, zwischen Oestreich einerseits, Montenegro und Serbien andererseits hergestellt hat. Montenegro ist in Bezug auf seine Seever- bindung unter östreichischer Vormundschaft, es hat in Berlin durch östreichischen Einfluß Spizza verloren, welches San Stefano ihm zugesprochen hatte. Ebenso ist Seebien durch östreichische Einsprüche in seiner im März erlangten westlichen Ausdehnung im Juli beschränkt worden und hinsichtlich der Eisenbahnen ganz von Oestreich abhängig. Serbien, als der Träger großer Erinnerungen, hat die jetzt von Oestreich besetzten stammverwandten Gebiete längst als zukünftigen Besitz des grotzserbischen Reiches betrachtet und empfindet das Eingreifen dw Wiener Regierung als eine Kränkung seiner Rechte. Auf der andern Seite gehen die Wiener Blätter fo wert, die Serben der Unterstützung der Bosnier zu beschuldigen. Jedenfalls wird das unabhängige Serbien ebenso wie das unabhängige Rumänien eine lästige Nachbarschaft bilden für die unter Oestreichs Herrschaft verbleibenden Stammverwandten. Auch von Ungarn her droht dem Dualismus Gefahr, denn dort hat unter dem Einfluß der Früchte, welche bet orientalische Krieg gezeitigt, die Partei der reinen Personalunion rasch an Macht gewonnen. Man bedenke auch: vor einem Jahre in Pesth der Jubel über die Erfolge der „stammverwandten Türken" bei Plewna, der gegenseitige Besuch türkischer und magyarischer Studenten, und jetzt türkische Kriegsgefangene in ungarischen Festungen!
— Gast ein, 30. August. Kaiser Wilhelm machte heute eine zweistündige Morgenpromenade und^wicd nach Mittag eine Spazierfahrt unternehmen.
— Berlin, 30. August. Der Kaiser wird sich, wie man an- nimmt, nach Beendigung der Kur in Gastein und nach den Manövern in Hessen noch auf kurze Zeit nach Baden begeben und die Feier des Geburtstages der Großherzogin von Baden am 30. Septbr. auf der Insel Mainau beiwohnen. Anfangs Oktober soll dann in Köln die Enthüllung des von der Stadt dem Könige Friede. Wilhelm IV. gewidmeten Denkmals stattfinden. Der Kaiser, welcher sich für dieses Denkmal von Anfang an außerordentlich interessirt hat, ist seitens der städtischen Behörden eingeladen worden, der Feier beizuwohnen und d-mnach den Tag der Enthüllung festzusetzen. Voraussichtlich wird dieselbe am 3. Oktober stattfinden. (Trib.)
— Berlin, 39. Aug. (Köln. Ztg.) Der Kronprinz kommt heute Abend 10 Vi Uhr nach Berlin und reist sofort zu den Manöoern nach Marienwerder weiter. In seiner Begleitung befinden sich der Chef des Militär-Cabinets General v. Albedyll. der persönliche Adjutant Major v. Panwitz, Major Lenke und der Capitän Egerton. — Der Herzog von Connaught wird voraussichtlich am 3. September zugleich mit dem Prinzen Wilhelm nach England abreisen.
— Berlin, 29. Aug. Ueber die Eröffnung des Reichstages scheinen in den letzten Tagen veränderte Dispositionen getroffen worden zu sein. Die Nachricht hiesiger Blätter, welche den Kronprinzen per- sönlich den Eröffnungsact vollziehen läßt, wird uns als richtig bezeichnet. Zu diesem Entschluß soll die Erwägung geführt haben, daß der Beginn einer neuen Legislaturperiode einen besonders feierlichen Act erheische, und um so mehr, als die Regierung einem Reichstage gegen« überstehe, in welchem die Zahl ihrer unbedingten Anhänger nicht über# wiegt. Eine andere Version will missen, es würde die Thronrede gewissermaßen eine Motivirung für die Reichstagsauflösung und das Vorgehen der Regierung mit dem Socialistengesetz enthalten, und es sollte durch die vom Kronprinzen vollzogene Eröffnung die gedachte Darlegung einen besonderen Nachdruck erhalten. Thatsächlich kehrt der Kronprinz von den Truppenbesichtigungen, zu deren Vornahme er sich nach Westpreußen bezw. nach Süddeutschland begibt, am 8. September nach Berlin zurück. Im Weiteren heißt es auch, Fürst Bismarck würde nicht erst in der dritten Septemberwoche, sondern schon bei dem Beginn der Reichstagssession hieher zurückkehren, dagegen nach dem Schluß derselben einen Urlaub auf unbestimmte Zeit nehmen, der dann wieder bis in das nächste Frühjahr sich erstrecken möchte. — Im Justizausschuß des Bundesraths ist man bereits mit den Motiven zum Socialistengesetz beschäftigt. Im Reichsjustizamt wird übrigens wohl der Entwurf zu demselben ausgearbeitet werden. Es hieß früher schon, daß auch der zweite Entwurf eines Socialistengesetzes, mit Motiven begleitet, an den Bundesrath gelangen sollte, was bekanntlich nicht der Fall war. Man sprach davon, daß im preußischen Staatsministerium auch bereits Motive ausgearbeitet werden, von deren Einbringung man aber Abstand genom-