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Walter AWiacri
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanan.
Erschein: täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der. Berliner Provinzial- Correspondenz.
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R u N d t ch k «.
K. F. Das Befinden des Kaisers Wilhelm ist auch in Gastein, wo der erlauchte Monarch bereits seit dem 24. August weilt, fortdauernd ein gutes. Die dreiwöchentliche Kur in Teplitz ist dem Kaiser sehr gut bekommen, so daß die Aerzte nur noch den Aufenthalt in der Ea- steiner Aipenluft für die vollständige Genesung des Kaisers als nothwendig erachten und diese Voraussetzung scheint sich auch in jeder Beziehung zu bestätigen. Die verwundet gewesenen Glieder des Kaisers find bis auf den rechten Arm und die rechte Hand, die noch nicht vollständig ihre Funktionen verrichten können, wiederhergestellt, auch das Aussehen des Kaisers ist ein fast jugendlich frisches und sein Gesicht ist wieder so freundlich wie ehedem.
Weniger die Anwesenheit des Kaisers, der die Reichsregierung noch in den guten Händen des Kronprinzen weiß, als wohl mehr dre gleichzeitige Anwesenheit des Reichskanzlers Fürst Bismarck in Gastein haben diesen stillen Badeort für die nächste Zeit zum Mittelpunkt einer politischen Thätigkett gemacht. Der Fürst Bismarck hat den Chef seiner Kanzlei, den Geheimen Rath Tiedemann, zu sich nach Gastem berufen und scheint der Reichskanzler offenbar wichtige Arbeiten in Bezug auf die inneren Verhältnisse Deutschlands in Angriff nehmen zu wollen. Auch der Graf Hotzfeidt, der neue deutsche Bokjchafter bei der Pforte, und der Herr v. Keudell, der neue Bvtschaftrr in Rom, werden in Gastein erwartet, um für ihre Missionen Jnstrnctionen Dom "Fürsten Bismarck zu erhalten.
Am 27. August hat endlich der BundeSrath, nachdem sein Justiz» ausiLutz sich fast drei Wochen mit bem Socialistengesetz beschäftigt hatte, im Plenum über diese Gesetzvorlage Beschluß gefaßt und heißt es, daß besonders auf den Antrag Bayerns das neuzubildende Reicheamt für Preß- und Vereinsangeiegerrheiten aus dem Gesetze entfernt und seine Funktionen auf den BundeSrath selbst übertragen worden seien. Außerdem ist der Paragraph in dem Gesetzentwürfe, nach welchem beschlüg- nahmte Gelder verbotener Vereine an die Armenkasse des Beschlagnahme- Ortes abzuführen sind, nicht aufrecht erhalten worden und die Cowpr- tenz der, Polizeibehörden der Einzelfttalkn hinsichtlich der Handhabung des Socialistengesetzes soll auch noch ausgedehnt worden sein.
Bezüglich der Ausführung des Steuer:esormprogrammes, welches die deutsch.» Finanzminister vor wenigen Wochen in der Conserenz zu Heidelberg, ausgestellt haben, verlautet, daß die Beschlüsse dieser Conferenz noch die Einzelregierungen beschäftigen. Erst wenn die Gktachten derselben vollständig vorliegen werden, kann man an die Ausarbeitung der Pläne herantreten. Es soll dieselbe jedoch als ein systematisches Ganzes vorgenommen werden, und schon diese Angabe, welcher wir Grund ^haben vollen Glauben beizumessm, schließt aus, daß ein vereinzeltes Steuerproject wie die Petroleumsteuer aus dem Zusammenhänge heraus zum Abschlüsse gebracht werden möchte. Als sehr wahrscheinlich oarf es aver angesehen werden, daß die Petroleumsteuer einen erheblichen Punkt in bem Reformprogramm bilden wird.
In Sachen der Beilegung des KirchenstteiLes in Deutschland erfährt man daß es mit derselben noch sehr gute Wege hat. denn wenn auch der deutsche Reichskanzler und der päpstliche Nuntius Masella in Kissingen einen vertraulichen Gedankenaustausch gepflogen" haben, welcher Günstiges für die Beendigung des KirchenstreiteS hoffen läßt, so sollen doch dre eigentlichen Verhandlungen, an denen hauptsächlich der deutsche Botschafter in Rom, Herr v Keudell, theilnehmen wird, erst in der nächsten Woche beginnen und die beiden Parteien haben daher gegenwärtig noch zu thun, um ihren Standpunkt in dem Kirchenstreite zu präcisirep. Von den beiderseitigen Standpunkten fürchte: man jedoch, daß sie sich trotz der vertraulichen Annäherung des Fürsten Bismarck und des Nuntius Maiella in Kissingen noch ziemlich schroff gegenüber» stehen werden, so daß die Herstellung des Friedens zwischen Deutschland und der päpstlichen Curie entschieden noch sehr problematischer Natur erscheint.
Das fernere Schicksal der Occupaiion Boknieps durch Oesterreich hat die österreichische Diplomatie in eine Sackgasse gebracht, aus welcher sie sich - nur durch einen kühnen Streich ret»» kann Ein Vertrag Oesterreichs mit der Türkei wegen BoSnien ist noch nicht zu Stunde gekommen und der Berliner Vertrag bestimmt, daß Bosnien, für welches bereits so viel österreichisches Blut geflösst« ist, ein Grönland des Sul-
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tans verbleibe. Hier muß also die österreichische Diplomatie einen Ausweg finden, türm sie sich in der öffentlichen Meinung der österreichischen und ungarischen Naticn nicht noch comprsmittiren will, und dieser Ausweg ist so schwer zu finden, daß bereits das Gerücht ging, daß der Graf Andraffy, der bisherige Leiter der österreichischen Politik, seine Entlassung nehmen werde. Jedenfalls dürfte es interessant sein, zu erfahren, wie Oesterreich-Ungarn sein Verhältniß zu Bosnien regelt. Die österreichischen Occapationshecre, die bereits auf 160,000 Mann verstärkt worden sind, machen mittlerweile sehr gute Fortschritte, indem sie die widerspenstigen, raub- und mordlustigen Jusurgentenbanden sörmlich zu Paaren treiben.
Für den alten Hader zwischen Rußland und England, welcher durch den Abschluß des Berllner Vertrages wenigstens auf einige Zeit beigelegt erschien, findet sich doch immer wieder neue Nahrung. So habn englische Zeitungen die Behauptung aufgestellt, daß die Tuffen indirekt die Gräuelthaten der Bulgaren an bin Türken förderten. Darauf antwortete die impirirte „Agence ruffe", daß derartige Auslassungen für Rußland geradezu beleidigend seien und daß man hieraus die Absicht erkenne, wie England sich bemühe, im Gegensatze zu Rußland im Orient vorzugehen. Die russische Regierung werde jedoch dergleichen Eingriffe Englands abwehren und die Rechte aufrecht zu erhalten wissen, welche sie durch den Abschluß des Berliner Vertrages für Bulgarien erworben habe. Auch auf einer anderen Seite zeigte sich der Partei- zwiespalt zwischen England und Rußland Das Letztere schloß bekanntlich vor einiger Zeit mit dem Emir von Kabul einen Freundschaftsver- trag ab unb derselbe hat die für ihre indischen Besitzungen besorgten Engländer derartig erhitzt, daß sie bereits Drohungen ausgesprochen haben, für den Fall, daß der Emir von Kabul sich ihnen feindlich zeige.
In Folge des letzten politischen Mordes in Rußland, der dem General Mesenzeff das Leben koste!e, uud angesichts der Vermehrung der revoltirenden Elemente im russischen Reiche, hat die Regierung des Zaren zu ernsten Maßregeln gegriffen, um der überhandnehmenden Unordnung zu steuern. Für diejenigen russischen Städte und Provinzen, in welchen sich politische Excesse ereignen, sind Ausnahmegesetze bestimmt worden und zwar bestehen dieselben in nichts Geringerem als in bet Anwendung des Belagerungszustandes und der Militärgesetze, wie sie im Kriege gehandhabt werden. Angesichts dieser eisernen Maßregeln in Rußland wirft es nun ein seltsames Streiflicht auf die russischen Verhältnisse, daß trotz der ausgedehntesten Untersuchung noch kein einziger der Mörder entdeckt worden ist, die am hellen Tage den General Me- senzsff ermordeten.
Den Franzosen scheint ihre Weltausstellung wegen des Goldsiro- mes, den sie nach Paris bringt, so gut zu gefallen, daß sie den Schluß derselben möglichst weit hinauszuschieben gedenken, denn am 23. Oktober findet erst die officteüe Preisvertheilung an die Aussteller statt. Zur Belebung des schließlich doch eintönig werdenden Ausstellungsfestcs werden der Reihe nach noch eine Anzahl anderer Versammlungen nach Paris einberufen und waren dies in der letzten Zeit ein internationaler Cvn- greß zum Schutze des Freihandels und eine internationale Versammlung von Gelehrten.
Gewisse Affairen des Orients, welche schon seit geraumer Zerr von sich reden machest, sind noch immer « cht zum Abschluß gediehen. Die Russen haben ihren Aufenthalt vor Constantinopel von Neuem verzögert, der Aufstand im Rhodopezebirge dauert fort und Montenegro hat d--- schlössen, die Städte Podgoritza uno Spuz, welche der Berliner Congrcß dem Fürltenthume Montenegro zusprach, den Türken mit Gewalt zu entreißen da "diese die Räumung dieser Städte nicht bewilligen.
Das belgische Königspaar feierte am 24. und 25. August seine silberne Hochzeit unter reger BetMigung der einheimisch!« Bevölkerung Auch hatten hie fremden S aaten säe »mich 8es tretet zu dem Feste k belgischen Köm-rspaares gesandt. Deutsch and war dm ch den $wr n Wühe-m, dem ältesten Lohne des Kronprinzen Friedrich Wilheln', treten. —
— Berlin, 29 August. Sr. Majestät dem Kaiser und I bekommen, wie der „R. u St. A." aus Gastein meldet, die b ' Bäder, wie in früheren Jahren, sehr gut. Die erfrischende Llp-tt st begünstigt bei der guten Witte urg die Rekonvaleszenz Sr. Maj-flüt