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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer B.ilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
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M 201, Donnerstag den 29. August. IBM
Amtliches.
Polizei-Verordnung.
Auf Grund des §. 5 der Verordnung vom 20. September 1867, die Polizei-Verwaltung betreffend, wird nach Berathung mit dem Stadtrathe folgende Polizei-Berdordnung erlassen.
Im Interesse der Sicherung der Ordnung und des öffentlichen Anstandes werden Frauenspersonen, welche wegen gewerbmäßiger Unzucht bestraft werden, oder der Prostitution notorisch ergeben sind, unter polizeiliche Controle gestellt.
Einer unter Controls gestellten Frauensperson wird aufgegebrn:
§, I. Anzeige über ihre Wohnung, Ab- und Anmeldung in dem Polizen Bureau bet einem Polizei-Cowmissair zu machen.
§ 2 Sich zur ärztlichen Untersuchung zu stellen, falls solches von der Polizei angeordnet wird.
§ 3. Sich selber bei einem Polizei Commissair auf dem Polizei- Büreau zu melden und anzuzeigen, wenn sie bemerkt, daß sie an Syphilis erkrankt ist.
Verboten wird derselben:
§ 1. In der Nähe von Kirchen und Schulen Wohnung zu nehmen, oder die innegehabte Wohnung zu behalten, falls das Wechseln derselben von der Polizei verfügt worden ist.
§. 2. Wohnung zu nehmen bei Leuten, welche wegen Kuppelei bestraft worden sind.
§. 3. Die Hausthür ihrer Wohnung des Nachts unverschlossen zu lassen, sowie das Heraussehen durch die Fenster, das Anlocken von Mannspersonen durch Rufe, Winke und dergleichen.
§. 4 Sich des Abends und des Nachts bei eingetretener Dunkelheit auf den Straßen der Stadt und in den Anlagen umher zu treiben.
§. 5. Sich in unanständigen Kleidern am Tage auf den Straßen der Statt zu bewegen.
§ 6. Sich in intime Unterhaltung mit Mädchen unter 16 Jahren einzulaffen.
§ 7. Mannspersonen oder Prostituirte in Wohnung zu nehmen oder des Nachts zu beherbergen.
Zuwiderhandlungen werden auf Grund der §§. 361 Nro. 6 und 362 des Strafgesetzbuches bestraft.
Hanau, den 17. August 1878.
Königliches Landrathsamt.
v. Schrö tter.
Gefunden: Eine Broche in Gestalt eines Sterns. Ein Portemonnaie, enthaltend einen goldenen Ohrring und einige Pfennige. Ein Regenschirm. Ein kleiner blecherner Waffereimer. Ein Paar weiße baumwollene Strümpfe. Ein weißes Handtuch (durchnäßt). Ein brauner Henkelkorb. Eine Mütze. Ein Zollstock.
Verloren: Zwei goldene Ringe. Ein Portemonnaie mit 3 Mark 80 Pf.
Entlaufen: Ein junges Huhn.
Hanau am 29. August 1878.
, _________ Aus Königlichem Landrathsamt.__________________
Tagesschau.
— Berlin, 28. Aug. Der deutsche Kronprinz wird, wie jetzt feststeht, am 5. Stptember in Ulm eintreffen, dort Quartier nehmen und ben am 5., 6. und 7. September in der Nähe von Jschenhausen bei Günzburg statifindenden Manövern beiwohnen.
— Se. Königliche Hoheit der Prinz Heinrich der Niederlande ist unter dem 24. d. M. zum Chef des 5. Rheinischen Infanterie- Regi- wents Nr. 65 ernannt worden.
— Berlin, 28. August. Die am 3. d. Mts. vorbehaltene Auswechselung der türkischen Ratifikationimkunden des Berlmer Vertrags hat heute zwischen dem Vertreter des Auswärtigen Amts und den Ge- ichäftsträgern von Oesterreich Ungarn, Frankreich, Großbritannien, Jta- uen, Rußland und der Pforte im Palais des Reichskanzlers hier statt- bfunden. (R. u. St.-A.)
— ©erlitt, 28. August. Die Plätze im Reichstag sind, nach der „Köln. Zig.", sämmtlich belegt und der neue Situationsplan ist bereits im Abschluß begriffen. Man nimmt an, daß die Präsidentenwahl bereits am 12. September wird erfolgen können und daß man dann im Stande sein wird, noch in oder doch gleich nach der ersten Woche der Session in die erste Lesung des SozialistengesetzeS einzutreten Der Präsidentenwahl sieht man nrt Spannung entgegen. Es erhä't sich auch noch heute mit großer Bestimmtheit die Angabe, daß der Abg. von Forckenbeck darauf bestehe, die Wiederwahl zum ersten Präsidenten ab- zulehnen, ferner ist bis zur Stunde noch nicht bekannt, wen das Centrum von feinen Mitgliedern zur Präsidentenwahl vorschlagen wird. Im übrigen hat sich die Zahl der Wahlproteste, weiche im Bureau des Reichstags eingegangen sind, auch in den letzten Tagen noch erheblich vermehrt. Voraussichtlich wird die Wahlprüfungs-Commission sofort nach ihrer Constituirung bereits umfangreiche Beschäftigung finden.
— Der Weser-Zeitung wird von Berlin geschrieben: Unter den wenigen fremdländischen Correspondenten, welche behufs Berichterstattunz den mit der Occupation von Bosnien und der Herzegowina betrauten österreichisch-ungarischen Truppen sich angeschlossen hatten, befand sich Herr Herbert Tuttle, der hiesige langjährige Korrespondent der Daily News. Derselbe ist vor wenigen Tagen nach Berlin zurückgekehrt, da das rigorose Verfahren, welches die höheren österreichischen General- stabsosficiere gegen die Zeitungsberichterstatter beobachteten, ihm die ge- w ssenhafte Ausübung se n?s Berufs unmöglich machte.
— Officiös wird die Nachricht, der Reichskanzler werde einen Schutzzoll auf auswärtiges Getreide und Vieh vom Reichstage fordern, dementirt. (Trib.)
— Der unlängst verstorbene Dr. Otto Marckwald hat, wie die „Hamb. Nachr." mittheilen, von seinem 900,000 Mark betragenden Vermögen die Summe von 30,000 Mark dem Abg. Lasker vermacht und zwar zur Verwendung im Interesse der liberalen Partei.
— Wie aus Folkestone gemeldet wird, sind dort mehrere große Pontons mit einer Hebekraft von je 15 Tons angekommen, um wenn möglich die Anker, Kanonen rc. des „Großer Kurfürst" zu heben. Das Füllen der Pontons geschieht vermittelst der Luftpumpe.
— Reichenbach. Seit einigen Tagen sind hier gegen 50 Personen an der Trichinose erkrankt. Die Krankheit ist durch den Genuß sog. Bauernbratwurst, welche von dem Fleischer und Restaurateur Keßler zum Verkauf gebracht worden war, hervorgerufen. Die Schweine, deren Fleisch zur Herstellung der betreffenden Wurst verwendet wurde, sind aus dem Greizer Lande eingeführt worden.
— In Stobbe, einem kleinen Dorfe der Neumark, sollte letzte Woche eine Leiche beerdigt werden. Als die ersten Schaufeln voll Erde auf den Sarg fielen, machte der Todte sich durch Klopfen bemerkbar. Der Sarg wurde geöffnet, und der Scheintodte herausgenommen, welcher dann mit der ganz aufgeregten Gesellschaft vergnügt nach Hause ging und an dem „Leichenschmaus" theilnahm. (Mannh. Tagbl.)
— München, 28. Aug. (Köln. Ztg.) Anläßlich der bevorstehenden Reise des deutschen Kronprinzen wurde höheren Orts angeordnet, daß die Vorstände und Spitzen der politischen Behörden in Bayern demselben an den betreffenden Orten ihre Aufwartung machen.
— Wien, 28. August, Abends. Die „Polit. Corresp." veröffentlicht folgende Meldung aus Konstantinopel von heute: Die Pforte hat über die Ausschreitungen der albanesischen Liga in Prisrend Nachrichten erhalten, wonach diese Liga nicht allein die mohamedanische Bevölkerung zur Erhebung treibt, sondern auch die regulären türkischen Truppen zum Abfall von ihren Fahnen und zum Uebertritte zu den Aufständischen verleitet. In den an Novibazar gränzenden Districten herrscht große Aufregung.
— Wien, 28. August. Der „Presse" wird aus Serajewo gemeldet, es sei für diese Stadt ein Gemeindestatut entworfen und eine aus 6 Orthodoxen, 5 Muselmännern, 4 Juden und 3 Katholiken be stehende Gemeindevertretung gebildet worden. Zum Bürgermeister sei der Muhamedaner Mustapha Bey ernannt und habe diese Wahl den besten Eindruck gemacht. Die Preise für Lebensmittel würden der erwr-