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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
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^t 199» Dienstag öen 27. August» 187v.
Amtliches.
Bewerber um die erledigte vierte Schulstelle in Windecken, mit welcher ein Einkommen von 900 Mark nebst 90 Mark für Heizung, sowie eine entsprechende Wohnungs-Geldentschädigung verbunden ist, werden zur Einreichung der Bewervungsgesuche aufgefordert.
Hanau am 23. August 1878.
Der Bäcker Georg Behringer von hier hat für sich und Familie um Paß nach Amerika gebeten.
Hanau am 21. August 1878.
Der Landrath ____ ______
Bekanntmachung.
Verbot der Einfuhr von frischen Trauben, Rebenabgängen u. s. w. nach der Schweiz.
Die Einfuhr von frischen Trauben in die Schweiz ist, einer Mittheilung der Schweizerischen Postverwaltung zufolge, in diesem Jahre nur insoweit gestartet, als für die Verpackung dieser Sendungen weder Nebenblätter noch sonstige Rebinabgänge verwendet worden sind. Die Einfuhr von Wurze-reben, Rebholz und Wurzelstöcken noch der Schweiz ist auch fernerhin unter >agt. Dagegen könn n Traubenkerne und ge= gshrene Trester, sowie getrocknete Trauben, wie schon bisher, in du Schweiz eingeführt werden.
Berlin W., 21. August 1878.
Kaiserliches General- Postamt.
W i e b e.
Rundschau.
R. F. Bereits seit dem 24, August weilt der Kaiser Wilhelm in Gastein zur Nachkur und erfreut sich dort ebenso wie in Tepl-tz des besten körperlichen und geistigen Wohlseins. Außerordentlich günstig auf das Gemüth des Mona-chen, welches in diesem Sommer so argen Erschüiterungen ausgesetzt war, muß auch der Umstand wirken, daß der Kaiser von der österreichischen Bevölkerung in Gastein, sowie von den dortigen Kurgästen mit der ausgezeichnetsten Herzlichkeit empfangen wurde und auch bei seinem jedesmaligen öffentlichen Erscheinen auf das Herz lichste begrüßt wird Die gleichzeitige Anwesenheit des Fürsten Bismarck mit dem Kaiser Wilhelm in Gastein führt auch zu häufigen Unterredungen bei beiden maßgebendsten Personen des deutschen Reiches, welcher Umstand bezüglich der schwebenden wichtigen Fragen unserer inneren Politik gewiß bedeutsam ins Gewicht fällt, wenn auch die Reichsregierung vorläufig noch in den Händen des Kronprinzen ruht.
Bezüglich des Socialistengesetzes sind im Justizausschusse deS deutschen Bundesrathes die Meinungen so verschieden gewesen, daß die Plenarsitzung des Bundesrathes über das Socialist ngesetz erst am 27. August stattfinden konnte. Die Differenzen in den Anschauungen über die neue Gesetzvorlage brauchten längere Zeit zu ihrem Ausgleiche und machte namentlich der preußische Minister des Innern Graf Subnmg, welcher m bin dem Reichsjustizamte einen beträchtlichen Antheil an der Entstehung des Gesetzes hat, bedeutende Schwierigkeiten. Doch im Ju- stizauLichusse des Bundesrathes gelang endlich am Ende der vorigen Woche die Verständigung und das Plenum des Bundesrathes dürfte daher am 27. August nur einfach seine Zustimmung zu den Beschlüssen des Ausschusses gegeben haben.
Zu den Verhandlungen wegen Beilegung biS deutschen Kirchen- stre tes erfährt man von osficiöser Seite des Auslandes, daß es sich zunächst nur um die Wiederherstellung, resp. Wiederanknüpsung der diplomatischen Beziehungen Deutschlands zum heiligen Stuhle handele. Ferner strebe man danach die Accredltiruvg des päpstlichen Nuntius in München bei der deutschen Regierung unter Aufrechterhaltung seiner Mission bei oer bayerischen Regierung und seiner Residenz in München durchzusetzen und schließlich empfehle sich wohl eine gelinde Anwendung der Maigesetze, um du-ch ihre Härten nicht wieder neuen Zwist tzeraus- Mbeschworm. Erst später würde es sich zeigen, ob man noch weiter auf dem Wege der Versöhnung vorwärts schreiten werde.
Die p eutzischen Minister werden, mit A«r«i.hme des Fürsten
Bismarck, in der ersten Septemberwoche wieder vollzählig in Berlin anwesend sein, wo dann unter Vorsitz b'§ Grafen Stolberg die Berathungen über die Vorlagen für den preuß schen Landtag beginnen sollen. So weit bis j-tzt zu übersehen ist, werden die Minister für Justiz und für Landwirthschaft die größte Zahl von Vorlagen einbringen. Dagegen scheint der Minister des Innern nur wenige Entwürfe vörlegen zu wollen. Die Arbeiten, welche sich auf die Ausdehnung der inneren Verwaltungsreform beziehen, sind noch sehr im Rückstände.
Bezüglich der Einführung der neuen Gewerbeordnung in Elaß- Lothringen, welche als zur Zeit noch unthunlich von der Reichsregierung abgelehnt wurde, soll nunmehr im Monat September oder Oktober eine statistische Untersuchung in den neuen Reichslanden mitgenommen werden, welche darthun soll, ob und wann sich die Einführung der Gewerbeordnung in Elsaß Lothringen empfehlen läßt.
Die praktischen Ausführungen der Bestimmungen des Berliner Vertrages sind bekanntlich bei der Türkei zumal wegen Griechenlands und Montenegros auf argen passiven und auch activen Widerstand gestoßen und es hat daher Deutschland als Präsidialmacht auf dem Ber- lmer Congreß die Initiative zu einer gemeinschaftlichen Drohnote der Großmächte an die Pforte ergriffen, damit sich dieselbe endlich bewegen läßt den von ihr müunterzeichneten Berliner Vertrag in allen seinen Paragraphen in Wirkung treten zu lassen Ob freil ch die einfache Drohung der Großmächte die Pforte zur Erfüllung der von ihr eingegangenen Verbindlichkeiten bewegen wird, dürfte zu bezweif la sein. Für diesen Fall hat jedoch der Berlmer Vertrag noch einen anderen Paragraphen vorgesehen, nach welchem dann Rußland und Oesterreich als nächste großmächtliche Nachbarn der Türkei die Durchführung der Bestimmungen des Berliner Vertrages in Angriff nehmen werden.
Die Pforte scheint den Eintritt dieser Einmiichung d-r Großmächte auch schon zu fürchten, denn sie hat, um die Beschwerden Griechenlands zu para ysiren, ein Rundschreiben an die Großmächte gesandt, in welchem sie ihre Handlungsweise gegenüber Griechenland zu rechtfertigen gedenkt. Jetzt, nach Abschluß des Berliner Vertrages, werden sich die Großmächte aber wohl erst rechr nicht auf die faulen türkischen Borwände einlassen.
Was die militärische Seite der österreichi ch n Occupatron Bosnüns und der Herzegowina anbetrifft, so stehen die Sachen für die Oefter- reicher sehr gut, denn die Macht der Aufständischen ist durch die Einnahme der Hauptstadt Serajewo durch den Feldzeugmeister Philippowitsch nicht nur in Bosnien gebrochen, sondern der Feldmarschalllieutenant Jovanovic hat auch in der Herzegowina bei Cernici die Insurgenten auf das Haupt geschlagen. Außerdem hat die österreichische Regierung beschlossen, noch 4 Division n nach Bosnien uub der Herzegowina zu senden, um das Werk der Occupation nachhaltig und vollständig durchzu- führen. Was jedoch die polnische Seite dec österreichischen Occupalron Bosniens und der Herzegowina anbetrifft, so sieht es für Oesterreich noch sehr schlimm aus, da noch immer keine diesbezügliche österreichisch türkische Convention abgeschlossen wurde. Die Frage, ob die 160,010 Mann starke österreichische Occupationsarmee im Namen des Kaisers von Oesterreich oder des Sultans in Bosnien operrrt, ist unglaublicher Weise noch immer nicht im österreichischen Kronrathe entschieden worden und kann man, um nicht gänzlich an der österreichischen Diplomatie zu verzweifeln, nur annehmen daß die österreichische Regierung, sobald die Occupation Bosnies und der Herzegowina einmal vollständig durchgeführt ist, der Türkei einfach erklären wird, daß diese Provinzen durch österreichisches Biut mit der Monarchie der Habsburger verbunden sind.
Die Wirren im Orient wollen im Uebrigen nicht gerade weniger werden. Die Montenegriner haben von Neuem Podgaiitza angegriffen, weil die Türken ihnen diese Stadt dem Berliner Vertrage gemäß nicht ausliefern wollen, und der Aufstand der Mohamedaner im Rhodopeuc- birge ist auch wieder heftig entbrannt, da die Unterhandlungen mit d-n Russen zu keiner Einigung geführt haben. Ebenso scheint auch die Angelegenheit wegen der Auslieferung Batums sehr ernst zu werden, da der dort wohnende sehr kriegerische Volksstamm der Laren beschlossen hat, den Russen den heftigsten Widerstand bei der Besetzung des Gebietes von Batum entgegenzufetzen.