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LieSspaltig-Zeii«

M-Psg.

M 195.

Donnerstag den 22. August.

Amtliches.

Den Herrn Orisvorstörden bimt zur Nachricht, daß für die am 27. August resp. 2 September c. zu Dörnigheim, Bergen, Bffchofsheim, Großauyeim, Hochstadt und Fechenbeim einzuquartierenden Pferde des Husar!n-Regiments Nr. 13 resp. Artillerie-Regiments Nr. 27, sowie für die am 4. Okrober c. zu Esche; sheim, Ginnhe.m, Preungesheim, Eckenheim und Braunheim einzuquartierenden Pferde des Artillerie- Regiments Nr. 27 der Kaufmann M. Sichel von Hanau dieFourage an Ort und Stelle liefern wird.

Von den nicht aufgeführten Marsch quartieren der Truppen der Königlichen 2 1. Division, von weicher der tägliche Bedarf 25 Ra­tionen nicht übersteigt, haben die Gemeinden die Fourage zu liefern.

Hanau am 22. August 1878.

Der Landrath.

Bekanntmachung.

Bei dem Postamt in Naumburg, R. B. Cassel, wird am 21. August d. J. eine Telegraphenanstalt mit Fernsprecher in Wirksamkeit treten.

Cassel, 20. August 1878.

Der Kaiserliche Ober-Postdirektor.

In Vertretung: b Rumohr.

Tagesscha«.

Die Pforte und der Berliner Friede.

(L d. ®ä». Sieri)

Wenn auch nach dem Berliner Kongreß der Friede noch immer nicht ganz gesichert erscheint, so ist das die Schuld der Türkei. Sie weigert sich, in daS Unabänderliche sich zu ergeben. Unter allerlei Aus- flüchten entzieht sie sich den Verpflichtungen, die ihr der europäische Areopag auferlegt hat, und welche die Gegenleistung waren für den Schutz. den Europa dem durch die Waffen vollständig nie der gestreckten Osmanenreiche angedeihen ließ Wo nicht offene Gewalt, setzt doch die Pforte durch ihre Zügelungen passiven Widerstand dem Willen des Kongresses entgegen. Und selbst am aktiven Widerstand hat sie es nicht fehlen lassen, denn es ist mehr als Vermuthung, daß die Schwierigkeiten, welche die östreichische Okkupation in Bosnien findet, von der Pforte, wenn nicht heraufbeschworen, doch unterstützt wurden. Die Pforte hat sich, als Oestreich den Ernst zeigte, beeilt, ihre Hände in Unschuld zu waschen und Befehle zur Unterwerfung nach Bosnien gesandt. Aber der Busstand ist dort einmal organisirt, der Fanatismus entfesselt und noch ist nicht zu ermessen, wie theuer Oestreich die Durchführung des vom Kongreß erhaltenen Mandats zu stehen kommen wird. Bis zu dieser Stunde weigert sich die Pforte, die Konvention mit Oestreich abzuschließen, zu welcher die letztere Macht aufgefordert hat. Immer wieder werden neue Anstände erhoben, neue Ausflüchte ersonnen. Da Oestreich es ablehnt, eine bestimmte Zeitdauer für die Okkupation fest, zujetzen, heißt es, wolle sich die Pforte dieserhalb neuerdings an die Kongreßmächte wenden, obwohl sie wohl weiß, daß dieser Schritt gänz­lich aussichtslos ist, da die Frage schon auf dem Kongreß aufgeworfen, aber von den Mächten ein bestimmter Ausspruch unterlassen wurde. Ebenso sperrt sich die Türkei gegen die Ausführung der anderen Kon­greßbeschlüsse. Sie hat immer neue Borwände, die Räumung von Varna und Batum zu verzögern, was natürlich nur zur geige hat, daß auch die Russen vor Konsiantmopel sich mit der Heimkehr nicht beeilen, sie weigert sich, an Montenegro die stipulirten Gebietstheile Herauszu- geben, sie weigert sich, mit Griechenland sich über die Grenzberichtigung in Thessalien und Epirus zu verständigen und fährt inzwischen fort, die griechische Bevölkerung der Grenzdistritte durch Tscherkesfcnbanden in ausgefuchter Weise mißhandeln zu lassen. Savfet hat neuerdings ein Rundschreiben versandt, worin er das Andlängen Griechenlands in die­ser Sache einfach zurückmeist. Es versteht sich, daß die griechische Re­gierung sich hiebet nicht beruhigt, und nachdem ein förmlicher Kongreß. Beschluß ovrlregt, kann sie unmöglich von den Mächten im Stich gelassen werden. So bereitet die Pforte auf allen Punkten der Ausführung des

Berliner Friedens Hindernisse. Sie verhöhnt den . Pakt, den sie unter- schreiblu mußte, damit ihr für den Rest ihrer Besitzungen in Europa noch ein« a! eine Gnadenfrist bewilligt würde. Europa will den Fried n, aber es kann seiner nicht froh weiden, weil es der Türkei anders ise* fällt. Wie lange werden sich die Mächte diesen Zustand noch gefallen lassen! Wie lange, muß man hinzufügen, wird En-land fein m Schäd­ling die Fortsetzung dieses Spiels gestatten? Seitdem England die Türkei unter Kuratel nahm, hat es zugleich Europa gegenüber gewisse Verpachtungen übeln-mmen, es theilt mit seinem Mündel die Verant­wortung für dessen Aufführung. Entweder ist der britische Gesandte in Stambul aerobe so einflußlos wie alle anderen, oder er spielt ein zwei­deutiges Spiel

Teplitz, 21. Aug. (Köln. Ztg.) Nachdem durch die etwa dreiwöchige Cur in Teplitz die Genesung Sr. Majestät des Kaisers und Königs in erfreulicher Weise so weit gefördert worden ist, um einerseits eine Curpause zu rechtfertigen, andererseits eine längere Reise unbedenk­lich erscheinen zu lassen, haben die Aerzte den Zeitpunkt für gekommen erachtet, den von Anfang an als höchst wünschenswerth in Aussicht ge­nommenen Aufenthalt in Gastein jetzt eintreten zu lassen. Von der gleichzeitigen eventuellen Wiederaufnahme des Gebrauches indifferenter Thermalbäder und dem Einflüsse der Alpenluft erwarten sie eben so wohl weitere Fortschritte in der GebrauchsHitzigkeit der Arme wie auch namentlich eine fernere Hebung des allgemeinen Kräftezustandes.

Berlin, 21. August. Ihre Kaiserlichen und Königlichen Ho­heiten der Kronprinz und die Kronprinzessin sind heute Morgen um 9 Uhr, von Homburg v. d. H. kommend, auf der Wildparkstation einge­troffen und haben wiederum im Neuen Palais bei Potsdam Wohmmg genommen.

Berlin, 21. August. In hiesigen politischen Kreisen richtet sich das lebhafteste Interesse augenblicklich nach Rußland, in dessen Re­gierungskreisen sich mit jedem Tage mehr eine unverkennbare Mißstim­mung gegen Deutschland Geltung verschafft. Es ist hier nicht unbe­merkt geblieben, daß einen Tag nach dem Attentat auf den General Mesenzeff die Zurückberufung des Generals Jgnatieff, welcher bis dahin in der Verbannung zu Kiew lebte, erfolgt ist. Jgnatieff ist die Seele der pamlavistischen Partei, welche den Großfürsten Thronfolger umgibt und, wie bekannt, der deutschfreundlichen gegenübersteht, welche sich um den Czaren mit dem Fürsten Gortfchakoff und dem Grafen Schuwaloff grupput. Man erwartet in nächster Ze t ein schärferes Auftreten der diesseitigen Regierungsorgane gegenüber den heftigen Angriffen der ruf. fischen Presse auf die deutsche Politik und deren Leiter.

Dem Vernehmen nach wird in hiesigen Regierungskreisen an­läßlich des dem Generalfeldmarschall Grafen Moltke gemachten und von diesem gebilligten Vorschlages, aus den Erträgen der Wilhelmsspel.de eine nationale Arbeit r-Pensions- und Jnvalidenkasse nach dem Pr-ncip der Knappschafts Kassen zu gründen, vielfach auch die Frage erörtert, ob sich bei uns die Einführung einer der englischen Staats-Lebens- und Rentenversicherung, wie sie nach einer Parlament?acte vom Jahre 1864 geschaffen worden, analoge Einrichtung empfehlen würde. Das Wesen der gedachten englischen Staats-Lebens- und Renten-Versicherung ist folgendes: der englische Staat versichert sowohl für den Todesfall ein Capital von höchstens 100 Lstr. (Lebens-Bersicherung), als für das i . ter von 60 Jahren an eine Rente von 60 Lstr. (Rentenversicherung). Er bedient sich hierzu feiner Schuldenverwaltung und der Post. Die letztere hat insbesondere die Prämien emzuziehen, welche sie in den kleinsten Raten annimmt, und die Renten oder verfallenen Capitalien auszeizahlrn. Die Prämien können bei jeder beliebigen Postanstalt er­legt und die Renten und Capitalien bei dem zunächst gelegenen Post- amte erhoben werden. Die Prämien sind auf der Grundlage der all­gemeinen Sterblichkeitsziffer und einer Verzinsung der eingehenden Gel­der zu 3 pCt. berechnet, und es ist für den Berwaltunasaufwand ein entsprechender Zuschlag, der bei Ratenzahlungen etwas höher gegriffen ist, gemacht. ' ' (Trib.)