Einzelbild herunterladen
 

toewtemcntS» Preis:

Zithrlich 9 Mark, tzalbj. 4 M. 50 P.

Vierteljährlich 3 Mark 25 Pfg. jWür auswärtige Abonnenten mit dem betreffen­den Postaufschlag. Die einzelne Nuin- mer 10 Pfg.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Somitaas mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

Jnscrtioiir-

Preis:

Die ispaltige Warmondzeile od. deren Raum

10 Pfg.

Die Sspalt. Zeile

20 Pfg.

DieNspaltigeZeile 30 Pfg

M 193

Dienstag den 20» August.

18? b

Amtliches.

Gefunden: Ein Stück Hufeisenstaab. Eine Knabenmütze. Ein schwarzes Damenhalstuck. Ein Hundemaulkorb.

Zugelaufen: Ein kleiner weißer Hund.

Verloren: Eine goldene Breche mit dem Bild einer Eidexe. Eine Broche mit Brillanten mit Rheiustein in Silber gefaßt. Em Portemonnaie mit 3 Mark.

Hanau am 20. August 1878.

Aus Königlichem Landrathsamt.

Rundschau.

R. F. Ueber das Befinden des Kaisers Wilhelm laufen ans Teplitz noch stets befriedigende Nachrichten ein und ist der Abschluß der Teplitzer Kur in nicht ferner Zeit in Aussicht genommen. Der Kaiser wird dann nach einem anderen klimatischen Kurorte übersiedeln und dort bis nira Beginn der Manöver des XI. Armeekorps verbleiben. Ueber die Wahl dieses zweiten Kurortes ist bis jetzt noch nichts entschieden.

Die Verhandlungen in Kissingen zwischen dem päpstlichen Nuntius Masella und dem Fürsten Bismarck sind durch die am Sonnabend er­folgte Abreise des Reichskanzlers nach Gastein vorläufig abgebrochen worden Der Nuntius hatte noch kurz vor der Abreise des Fürsten Bismarck eine letzte Unterredung mit diesem. Wie man von sicherer Seite vernimmt, sollen die Unterhandlungen zwischen d m preußischen Staate und der römischen Kurie in Rom durch einen Vertrauensmann fortgesetzt werden. Das Gesinden des Fürsten Bismarck ist durch die Kur in Kissingen wesentlich gehoben worden.

Im Justizausschuß des BundeSrathes fanden in letzter Woche die Berathungen über das Socialistengesetz statt. Dieselben nahmen einen sehr raschen Verlauf und kamen bereits in erster Sitzung die vier ersten Paragraphen, welche das Princip des Gesetzes enthalten, zur Annahme. Am meisten Widerspruch fand das projectirte Reichsamt für Vereins- weseu und Presse, in welchem einz-lne Regierungen einen Eingriff in ihre innere Verwaltung zu sehen schienen. Die Annahme des Gesetz­entwurfes vom Plenum des Bundesrathes, der in den ersten Tagen dieser Woche Beschluß hierüber fassen wird, ist nicht zu bezweifeln und dürfte dieselbe auch bezüglich des neuen Reichstages als gesichert ange­sehen werden, da die conservativen und der größte Theil der national- liberalen Abgeordneten des Reichstages geneigt sind, die Gesetzvorlage, wenn auch mit einigen Modifikationen, anzunehmen.

Der Landesausschuß von Elsaß-Lothringen hat in seiner letzten Sitzung am 10. d. M. auf den Antrag von Schneegans von Neuem einstimmig dem Wunsch Ausdruck gegeben:Es möge dem Lande eine eigene Verfassung als Bundesstaat, mit dem Sitze der Landesregierung in Straßburg und der Vertretung im BundeLrathe zugestanden werden." Im Hinblick auf den Ausfall der jüngst vollzogenen Reichstagswahlen in Elsaß Lothringen muß die Erfüllung dieses Wunsches weiter in die Ferne gerückt erscheinen, als es noch im letzten Winter der Fall war. Wir körnen diese ungünstige Wendung nur lebhaft bedauern; so lange aber in den Reichslanden diejenigen Parteien das Uebergewicht behaup­ten, welche den Anschluß an Deutschland nur als ein Provisorium an- sehen, so lange können such im Interesse der Ruhe und Sicherheit des Reiches ihnen nicht Einrichtungen zugestanden werden, welche der Ver­folgung jener Tendenz um so kräftiger Vorschub leisten würden.

Im preußischen Finanzministerium ist man eifrig mit der Auf­stellung des preußischen StaatLhauShaltSetat beschäftigt und sind die Bestrebungen hauptsächlich darauf gerichtet, das mehrfach erwähnte De­ficit zu beseitigen. In allen Ministerien finden dieserhaib Berathungen statt, um die Ansätze möglichst zu reduziren und die Voranschläge, welche in hergebrachter Weise möglichst gering normirt sind, richtig zu stellen.

Nachdem lange Zeit hindurch in Preußen die Todesstrafe durch die grundsätzliche Begnadigung der zum Tode verurtheilten Verbrecher praktisch aufgehoben worden war, während sie dem Wortlaute des Ge­setzes nach sortbestand, ist man bezüglich Hödels zum ersten Male wieder von diesem Wege der Milde abgewichen. Die Beweggründe, welche den Kaiser bisher geleitet haben mögen die Begnadigungen zu gewähren,

können selbstverständlich nicht in DiScussion gezogen werden, da sie p?r= sönlicher Natur sind und der Krone das Recht der Begnadigung zusteht. Immerhin aber erweckt die Thatsache, daß Hödel gegenüber dein Gesetze freier Lauf gelassen worden ist, eine gewisse Befriedigung in uns. Es gibt eben Verbrechen, die nur durch den Tod gesühnt werden könn n

und zu ihnen gehört die That Hödels.

Von den Ereignisfen außerhalb der Grenzen unseres Vaterlandes sind es die Vorgänge in Bosnien, welche unsere Beachtung zumeist for­

dern. Die Nachrichten, welche in den letzten Tagen von dort zu uns gelangt sind, berichten von beständigen Kämpfen zwischen den Occupa- tionStruppen und den Insurgenten, in denen der Sieg häufig sich auf der Seite der letzteren befindet. Durch die langen Kriegsunruhen im Guerillakriege geübt und mit dem schwierigen Terrain auf das Genaueste bekannt, verstehen es die Aufständischen vortrefflich, stets da zu erscheinen, wo sie von den österreichischen Truppen nicht vermuthet werden. Hierzu scheint noch zu kommen, daß die Führer der einzelnen Truppentheile zuweilen, getäuscht von dem heuchlerischen freundlichen Entgegenkommen der Einwohner, sorgloser vorgerückt sind, als sie dies durften und da­durch die Ueberfälle durch die Jnfurgenten begünstigten. Erst in den letzten Tagen ist wieder eine zur Recognition vorgesckickie Compa nie auf diese Weise überfallen und von den Aufständischen zum größten Theile niedergemetzelt worden. Ein Offizier und 30 Mann waren der Rest, welcher von der Compagnie zurückkehrte. Den meisten Widerstand hat die 20. Division gefunden, welche, von Gratschanitza ausrückend, fünf Tage lang mit den Insurgenten kämpfte und dann gleichfalls unter beständigen Gefechten gezwungen wurde nach ihrem Ausgangspunkte zu- rückzukehren. Daß die Aufständischen, denen sich 30 Bataillone regu­lärer türkischer Truppen zugesellt haben, von Oesterreich endlich werden niedergeworfen werden, ist wohl endgültig zu erwarten, doch wird es Oesterreich noch manche Anstrengung und viele blutige Opfer kosten, ehe dieses Ziel erreicht sein wird. Die Zahl der Occupationstruppen wird nach dem Eintreffen der gegenwärtig in der Mobilisirung begriffenen Brünner Division sich in Bosnien auf 128,000 Mann belaufen.

Während in Bosnien die türkischen Truppen die aufständischen Einwohner in ihrem Widerstände gegen den Einmarsch der Oesterreicher unterstützen, hat die Pforte die BoSnien betreffenden Verhandlungen mit Oesterreich noch immer nicht beendigt. Ende der vergangenen Woche wurde zwar der Abschluß der diesbezüglichen Convention aus Konstan­tinopel gemeldet, doch ist bis jetzt die Bestätigung dieser allseitig ange- zwelfelten Nachricht ausgeblieben. Auch mit Rußland soll die türkische Regierung neuerdings wieder in Differenzen gerathen sein. Dagegen wird über die Verhandlungen der Türkei mit England bezüglich der in den türkischen Besitzungen Asiens einzuführenden Reformen berichtet, daß dieselben ihrem Abschlüsse nahe stehen.

Mit den inneren politischen Verhältnissen Rußlands scheint es nicht auf das Beste bestellt zu sein. Seit Beendigung des TürkenkriegeS haben seitens der russischen Polizei fast ununterbrochen Nachforschungen nach geheimen politischen Verbindungen stattgefunden, die auch dar Vor­handensein solcher feststellten. Angehörige dieser Verbindungen waren es wahrscheinlich auch, welche, erbittert durch die Verfolgungen, auf den obersten Polizerchef General Mesenzow am 16. d auf dem Michaelsplatze in Petersburg ein Attentat verübten. Die Verbrecher entkamen, doch der General starb noch an dem gleichen Nachmittage an der erhaltenen Verletzung. , , .

Aus England sind in der nächsten Zeit wichtige politische Ereig­nisse nicht zu erwarten, da am 16. d. die beiden Häuser des Parlamentes durch Verlesung einer von der Königin erlassenen Thronrede, welche hauptsächlich die guten Beziehungen Englands zu der Türkei bespricht, geschlossen wurden. m . . .., ,

In Frankreich haben die antirepublikamschen Parteien sich bezüg­lich der Senatorenwahl noch nicht einigen können und ist deshalb tue Veröffentlichung eines Wahlmanifestes durch das Waylcomsöe diestr Parteien unterblieben. , .

Italien will sich nachträglich doch noch ein Stuckch n Lurker an- eignen. Das italienische Cabinet hat in London die Anfrage gefteUts