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deutsche Regierung zur Betheiligung an den Arbeiten der Confereuz zu richten. Die nächste Sitzung wurde auf Montag anberaumt.

— London, 16. August. (W. T. B.) Die Vertagung des Parlaments ist heute unter Verlesung einer von der Königin erlassenen Thronrede erfolgt. In der letzteren heißt es:

Als Sie in einer kritischen Lage der öffentlichen Angelegenheiten zu Anfang dieses Jahres zufammentraten, hatte ich Ihnen zum Voraus angekündigt, daß es im Interesse des Reichs nothwendig werden könnte, Vorsichtsmaßregeln zu ergreifen, für welche ich an Ihre Freigebigkeit appellirte. Gleichzeitig hatte ich Ihnen aber die Versicherung ertheilt, daß ich keine Bemühungen sparen würde, um dm Frieden aufrecht zu erhalten. Ihre Antwort war eine unzweideutige und hat wesentlich zu einer friedlichen Lösung der Schwierigkeiten beigetragen. Es ist zwischen Rußland und der Pforte in allen Punkten, welche die bestehenden Ver­träge berührten, nachdem sie einer Diskussion durch den Kongreß der Mächte unterworfen worden waren, ein Einvernehmen hergestellt, und die Rathschläge der Mächte haben zu einem Frieden geführt, welchen ich mich glücklich schätze, für einen dauerhaften zu halten Das otto- manische Reich ist aus einem unglücklichen Kriege nicht ohne schwere Verluste hervorgegangen, aber die Vereinbarungen, welche getroffen wor­den sind, komnun n-cht nur den Unterthanen der Pforte in günstiger Weise zu Gute, sondern sichern auch die unabhängige Lage der Pforte, welche gegen einen Angriff wird behauptet weroen können. Ich habe mit dem Sultan eine Defensiv-Allianz abgeschlossen, welche in Bezug auf den asiatischen Theil des türkischen Reichs denjenigen Engagements, die ich mit den anderen Mächten im Jahre 1856 accpärt habe, und deren Form doch in der Praxis als nicht wirksam befunden worden ist, einen viel deutlicheren Ausdruck gibt. Der Sultan seinerseits hat sich verpflichtet, die Maßregeln anzunehmen und auszufüren die nothwendig sind, um eme gute Regierung in diesen Provinzen zu sichern Um für die Gegenstände dieser Vereinbarung eine Erleichterung herbeizuführen, habe ich die Okkupation und Administration der Insel Cypern über­nommen. Für die Erzielung aller dieser Vereinbarungen, die zum Ab­schluß gelangt»n, sind mir die ausgezeichnete Disziplin meiner Streit- kräfte zu Wasser und zu Lande unb der in ihnm herrschende Geist, so­wie der gute Wille, mit welchem die Reserve meiner an sie gerichteten Aufforderung entsprachen, das patriotische Angebot militärischer Hülse, welches ich von meinem Volke in den Kolonien erhielt, und der stolze Wunsch meiner indischen Armee, unter d e Vertheidiger des britischen Reiches gezählt zu werden, eine wesentliche Unterstützung gewesen. Meine Beziehungen zu allen auswärtigen Mächten sind fortdauernd freundschaftliche.

— London, 17. August. Die amtliche Gazette meldet, daß das Verbot der Torpedo-Aussuhr aufgehoben ist.

— Petersburg, 16. August. General Mesenzow ist kurz nach 5 Uhr Nachmittags seiner Wunde erlegen.

— St. Petersb urg, 16. August. (R- u St.-Anz.) Nach h er eingetroffenen Nachrichten ist der Meßplatz von Nischni-Nowgorod heute von einer großen Feuersbrunst heiwgesucht worden.

— Washington, 16. August. Nach hier eingelangt n Nach­richten hat sich das gelbe Fieber von New Orleans bis nach Missisippi verbreitet. Die Einwohner fliehen, und die Kommunikationen sind theil- weise unterbrochen.

— Der „Times" wird aus Philadelphia vom 15. August ge­meldet : General Mitchell telegraphirte dem Kriegsministerim Berichte von General Howard, welche die Beendigung des Jndianerkrieges in Oregon und Jdaho melden. Die Indianer lösten sich neulich in kleine Trupps in den Bergen auf, von denen einige sich wieder zusammenfin­den, um sich zu unterwerfen. Truppen sind ausgesandt, um alle umher­schweifenden feindlichen Abtheilungen abzuschneiden. Ein Theil der Frei­willigen ward heimgesandt.

Spe zialtelegramm e des „Deutschen Montags-Blatt.

— Wien, 18. August. Die „Wiener Montagsrevue" meldet, daß unterrichtete Kreise, entgegen den Gerüchten betreffend eine Unterstützung der Insurgenten durch Serbien und Montenegro im Besitze untrüglich­ster Beweise dafür seien, daß diese Staaten die loyalste Haltung beob­achten. Fürst Nicolaus von Montenegro hat sich bereit erklärt, die Ber- provantirung der österreichischen Truppen zu erleichtern. Nach der „Montagsrevue" hat es sich heute bereits herausgestellt, daß Oesterreich die einzig dominirende Macht im Chaos w versprechender Bestrebungen im Nordostwinkel der Balkanhalbinsel sei. Oesterreich wird diese Stellung erweitern und befestigen, weil es sich um die Wahrung und den Schutz staatlicher Interessen handelt.

— Wien, 18. August, 12 Uhr 40 Minuten. Die Stimmung in Ungarn ist Angesichts der Meldungen über die Unfälle der Division Szapary sehr erregt; derselben Rechnung tragend, verlangt Tisza Ab­berufung des derzeitigen bosnischen Civilkomrmssars Rosky, der das Land nicht genügend kenne, und Ernennung Kallay' des früheren Bel­grader Generalkonsuls. — Fürst Nikita ersuchte den Großvezier tele­graphisch um Durchführung des Berliner Vertrages, soweit derselbe

Montenegro betrifft. Man befürchtet diesbezüglich Schwierigkeiten und den Ausbruch neuer Feindseligkeiten, da die Pforte, unter Berufung auf das Widerstreben der muhamedanischen Bevölkerung gegen Anerkennung der montenegrinischen Herrschaft, zögert, die abzutretenden Gebietstheile zu räumen.

— Wien, 18. August. Ein hier gestern angelangtes Anerbieten des Fürsten Nikita von Montenegro betr.sis einer Unterstützung in Bos­nien mit 30,000 Mann gegen die Abtretung des Dugakreises ist na­türlich abgewiesen worden. — Wie ferner aus Cettivje gemeldet wi.d, wurde Macha Wrbitza beauftragt, größere Abtheilungen bei Niksics zu konzentriren; das Piperi-Bataillon hat Auftrag erhalten, sich marschbe­reit zu machen. Der Fürst begibt sich zu Anfang der nächsten Woche nach Niksics.

— London, 18. August Am heutigen Tage langte eine ver­söhnend gehaltene Note der russischen Regierung hier an, welche die Mittheilung macht, daß bei der Ernennung des Kabul nur Handelsin- teressen in Betracht gekommen seien. In diplomatischen Kreisen glaubt man nicht, daß das englische Kabinet durch diese Erklärung befriedigt sein w'.rd. — Die englische Regierung schlug das Verlangen der Ein­wohner Cyperns, die griechische Sprache zur Amtssprache zu erklären, ab Betreffs griechischer Schulen ward: das Versprechen geleistet, deren sofort einzurichten.

— Kisfingen, 18. August. Gestern Vormittag ist der päpst­liche Nuntius Masella von hier abgereift.

— Würzburg, 18. August. Fürst Bismarck hat nach andert­halb Stunden Aufenthalt heute Morgen drei Uhr seine Reise nach Gastein fortgesetzt.

Lokales.

Han au, 19 August 1878

— Am vergangenen Donnerstag verstarb hier unser verehrter Mit­bürger Herr Rentner Wilhelm Ziegler im Alter von 74 Jahren. Seine Thätigkeit für die Interessen unserer Vaterstadt als Stadtrath, Vorsteher des Gemeinde-Ausschusses, Abgeordneter beim kurhessischen Landtage und ständischen Communallandtage, sowie als langjähriger Oberst unserer Bürgergarde wird seinem Namen ein ehrenvolles Anden­ken sichern.

— Dem „Amtsblatt" Königl. Regierung zu Kassel entnehmen wir solzende Notizen über Geschäftsbetrieb und Resultat der hiesigen städtischen Sparkasse für das Jahr 1877: Am Schlüsse des Jah­res 1876 betrugen die Einlagen: Mk. 573470.10, Zuwachs in 1877: a) durch Neueinlagen Mk. 121501.15, b) Zinsenzuschreibung Mark 23022.70; Ausgabe in 1877: für zurückge.ogene Einlagen: Mark 106460 45; Betrag der Einlagen nach dem Abschlüsse des Jahres 1877: Mk. 611533.50; Reservesond Ende 1877: Mk 78381.33; Zinsüber­schüsse in 1877: Mk. 5186.1. — An Sparkaffenbüch wn wurden im Laufe des Jahres ausgegeben 176, zurückgenommen 218, im Umlauf befanden sich am Schlüsse des Jahres 1992 Stück; hiervon 775 bis 60 Mk., 353 von über 60 bis 150 Mk , 309 von über 150 bis 300 Mk., 253 von über 300 bis 600 Mk und 302 von über 600 Mk Einlage. Von brm Vermögen sind zinsbar angelegt: Mk. 230,400 als Hypothek auf städtische Grundstücke; Mk. 445057 in auf Inhaber lautende Pa­piere.

— Gestern war das Gerücht in unserer Stadt verbreitet als sei in Mainz ein großer Brand ausgebrochen. Glücklicherweise hat es sich nicht bewahrheitet.

— Heute, einige Minuten nach 11 Uhr, rückte das 1. Bataillon Hess. Füs.-Rgts. Nr. 80 nebst Stab mit klingendem Spiele zum Re­giments exerzieren in hiesige Stadt ein und soeben s/412 Uhr hält daS 3. Bataillon desselben Regiments zu gleichem Zwecke seinen Einzug.

Versteigerungs- und Verpachtungs-Kalender für Dienstag den 20. August.

Borm. 10 Uhr wird die diesjährige Weidencrescenz an den Damm­böschungen und Seitengräben der Frankfurt-B-braer Bahn auf der Strecke Hanau-Niederrodenbach verkauft; Zusammenkunft beim Bahn- Wärterposten Nr. 20 (s. Nr 183 „Han. Anz "). — Ebenfalls Vorm. 10 Uhr sollen an Gerichtsstelle dahier 37,600 Cigarren (Flora) in */* und i/io Kisichen gegen Baarzahlung verkauft werden. — Vormittags von 9 Uhr ab wird das Grummetgras im Altstädter Schloßgarten und von Vorm. 11 Uhr ab in den Anlagen zu Wilhelmsbad verkauft (f. Nr. 191 „Han. Anz.").

— Für heute. Abends 9 Uhr: Spritze Nr 4 in den „drei Schwanen"; Nr. 5 im „goldnen Herz".

— Königliche Regierung, Abth. des Innern, zu Kassel macht im „Amtsblatt" folgendes bekannt: Auf Grund des §. 2 des Gesetzes über die Schonzeiten des Wildes vom 26. Februar 1870 bestimmen wir, daß die Jagd auf Hühner und Wachteln den 24. August cr. und die Jagd auf Hasen den 15. September cr. ihren Anfang nimmt.

— Cassel. Nach der vor Kurzem erschienenen preuß. Gewerbe­statistik kommt im Reg.-Bezirk Cassel je 1 Erwerbsttzätiger auf