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Bosniens halten, wenn er auch vor dieser Stadt den Insurgenten noch einen harten Strauß liefern muß. Die Pforte ist nun auch wenigstens der Form nach vollständig auf die Seite Oesterreichs bezüglich der Occupation Bosniens getreten, indem sie nach Serajewo die Mitthei­lung gelangen ließ, daß die Occupation Bosniens eine zwischen der österreichischen Regierung und der Pforte getroffene Vereinbarung sei und daß die Oesterreicher nicht als Feinde, sondern als Freunde nach Bosnien kamen. Aus dem in Bosnien vorgefundenen Widerstände w:rd die österreichische Diplomatie mit Recht aber wohl Capital schlagen und wegen des revolutionären Charakters der Einwohner Bosniens die dauernde Besetzung dieses Landes noch mehr bearünden, und mit der Geltendmachung der Ansprüche Oesterreichs im Orient sönnen sich auch mit die Sympathien der westeuropäischen Culturfreunde vereinigen. Die Occupation Bosniens durch Oesterreich ist und bleibt eine Gegen- action für die durch Rußland protegirte Sclavenherrschaft auf der Balkanhalbinsel und das politische Gleichgewicht Europas wird auf diese Weise erhalten. Durch die Verleihung Bosniens in die öster­reichische Machtsphäre greift aber auch Oesterreich auf die vernünftige Politik zurück, die es im vorigen Jahrhundert unter günstigen Auspici-n im Orient verfolgte. In den durch siegreiche Kriege Oesterreichs gegen die Türkei herbeigeführten Friedensschlüssen von Passarowitz, Belgrad und Sistowa bedang sich das damalige Oesterreich in richtiger Erkennt­niß seiner natürlichen Entwickelung Handelsprivilegien in Bezug auf die Länder der Balkanhalbinsel aus und nur durch die unglückliche spätere österreichische Politik verlor Oesterreich sein Handelsvorrecht im Orient und dasselbe ging ohne große Mühe in die Hände der Engländer, Franzosen und Italiener über, die mit ihren Schiffen den Handel mit der Levante beherrschen. Durch die Ausdehnung der österreichischen Machtsphäre auf Bosnien und wahrscheinlich auch mittelbar auf Ser­bien und Montenegro kann Oesterreich sich jedoch eine neue Handels­straße, die nur des Baues einiger Eisenbahnen bedarf, eröffnen und den bisher für die österreichische Monarchie brach liegenden Orient für den Welthandel, an dem dann auch Deutschland als Hinterland Oesterreichs theilnehmen muß, fruchtbar machen.

Berlin, 16. August. Se. Maj stät der Kaiser und König und die Großherzoglich badische Familie machten, laut Meldung des R. u St.-A." aus Teplitz, gestern eine Ausfahrt am Schloßberge vor­bei nach Suchey und Weschen. Heute nahmen Se. Majestät ein Arm­wasserbad. Das Befinden Bllerhöchstdesselben ist ein zufriedenstellendes.

Berlin, 16 Aug. Der Justiz-Ausschuß des Bundesrathes hat. gestern unter dem Vorsitz des Staatssecretärs Dr Friedberg die Berathungen des Socialistengesetzes begonnen. Man glaubt, daß die­selben nur wenige Tage in Anspruch nehmen und sehr erhebliche Ver­änderungen nicht beliebt werden. Die frühere Gegnerschaft einzelner Bundesregierungen gegen Reichsämter hat sich, wie es scheint, auch gegen das neu intendirte Reichsamt für Presse und Vereine geltend ge­macht. Es ist möglich, daß in dieser Beziehung Anstände erhoben und behauptet werden. Uebrigens ist auf eine baldige Abhaltung einer Plenarsitzung zu rechnen, welche dann die Beschlußfassung über das Gesetz bringen und nach welcher die Bundesrathsarbeiten wieder für einige Wochen ruhen dürften. Man spricht vielfach von einem Wie­derauftreten der preußischen Staatsbahnfrage und avisirt eine Erweite­rung des Staatsbahnnetzes unter Betonung der großen Verdienste, welche sich der neue Handelsminister, Hr. Maybach, im Gegensatz zu seinem Vorgänger, dem Minister Achenbach, erworben hätte. Das Ganze kommt nur darauf hinaus, daß die Berlin Stetüner, Magdeburg-Hal­berstädter und Cöln-Mindener Eisenbahngesellschaften dem Staate Au- kaufsofferten gemacht haben, worüber weitere Verhandlungen indessen nach jeder Richrung hin erst in einigen Wochen beginnen können. Es ist hinzuzufügen, daß diese Verhandlungen so umfangreich zu werden versprechen, daß ihr Abschluß keinenfalls bis zum Beginn der Land­tagssession zu ermöglichen ist. Inzwischen wird es gut fein, sich daran zu erinnern, daß für die Verkehrserweiterung in Preußen unter keinem Handelsminister soviel geschehen ist, wie unter Achenbach. Aus dem Verzeichniß der Staaten, welche auf dem soeben in Paris eröffneten Münzcongreß vertreten sind, ergibt sich, daß Deutschland von den größeren Staaten fast allein an demselben nicht Theil nimmt. Es war wie man hört, die hierher gelangte Einladung zur Theilnahme einfach abgelehnt worden, weil auf deutscher Seite an den zur Behandlung gelangenden Fragen keinerlei Interesse besteht. Deutschland ist der einzige Staat, welcher, ohne irgend ein Dlsagio für sein Papiergeld zu haben, ausschließlich die Goldwährung als Norm festhält, während selbst England hinsichtlich seiner indischen Besitzungen bei der Frage wegen Einführung der Doppelwährung respective Festsetzung eines be­stimmten Verhältnisses zwischen Goto und Silber unmittelbar interessirt ist. Gerade diese letzterwähnten beiden Fragen aber bilden den Schwer­punkt um den sich die ganzen Verhandlungen in Paris drehen werden. Insofern werden auch die Beschlüsse, welche etwa in Paris gefaßt werden könnten, für unsere Verhältnisse ohne jede praktische Wirkung bleiben, es sei denn, daß für den Verkauf des großen hier noch vor­

handenen Silberquantums daraus eine Erschwerung oder Erleichterung erfolgen sollte. (Trib.)

Berlin, 16. Aug (Köln. Ztg.) Die gestern gemachten Andeutungen über eine hier bevorstehende Hinrichtung haben sich schnell bewahrheitet. Der Meuchelmörder Hödel. der am 11. Mai d. J. die Mordwaffe auf den Kaiser gerichtet hat, ist heute früh 6 Uhr auf Grund des Erkenntnisses des Staatsgerichtshofes die Bestätigung des Er­kenntnisses ist vom Kronprinzen unterzeichnet auf dem dazu bestimm- ten Hofe des Zellengefängnisses enthauptet worden. Die bevorstehende Hinrichtung war streng geheim gehalten. Erst in der vergangenen Nacht erhielten einzelne Personen Kenntniß davon und das Publikum wurde durch Säulenanschlag heute Morgen von dem Vorgänge unterrichtet. Gestern Vormittag wurde dem Verurtheilten die am 8 d. M vollzo­gene Voüstrcckungsordre von dem Oberstaatsanwalt v. Lack in Gegen­wart des Untersuchungsrichters und eines Criminalbeamten mitgetheilt. Nach 6 Uhr Abends erfolgte seine Ueberführung unter Begleitung von Schutzleuten zu Wagen nach dem Zellengefängniß und heute Morgen dann in den vorgeschriebemn Formen die Hinrichtung, welche der Scharf­richter Krauts vollzog. Es waren hierbei der Präsident des Staats- gerichtshofes, V c präsident des Kammergerichts v. Mühler, der Ober­staatsanwalt v. Luck, der Untersuchungsrichter, die vorschriftsmäßigen Gerichtszeugen und Polizeimannschaft zugegen. Der Geistliche des Zel- l-ngefängnisfes geleitete den Delinquenten zur Richtstäite. Die Procedur erforderte nur wenige Minuten. Wie ich erfahre, legte Hödel von der Verkündigung des Urtheils bis zu dtssen Vollstreckung auch nicht einen Augenblick die widerwärtige Frechheit ab, die er während des Processes zur L>chau trug.

Das schwere Werk der Tabaksenquetekommission liegt nun vollendet vor; ein stattlicher Band von nicht weniger als 140 Seiten in dem Formate der Reichstagsdrucksachen enthält den offiziellen Bericht, wie er nach seiner Ratifikation durch den Reichskanzler in Kissingen seine letzte Redaktion erhalten hat. Den Anfang des Schriftstückes bilden d.e Fragebogen bezüglich des Tabakbaues, der Tabakfabrikation und des Tabakyandels. Im Anschlüsse daran befinden sich die Fragen an die Bezirkskommissionen, welche letzteren als die Grundpfeiler der ganzen Enquete c-nzusehcn sind. Um nach allen Seiten hin ben Werth anzu- beuten, welchen man in diese Kommissionen legt, ist von der Central- leitung ötn Landesregierungen aufgegeben worden, an die Spitze der­selben möglichst hohe Beamte zu stellen; von Baden z. B. wird der Direktor des statistischen Landesbüreaus Riecke mit diesem Amte betraut werden. Als Anhang an das Ganze figurirt eine umfangreiche Arbeit über den Einfluß des Tabaksmonopols in Frankreich und U igarn auf die Tabakbauern. Bekanntlich wird in Frankreich äußerst rigoros ver­fahren und dem Bauer fast jedes Blatt nachgezählt; ein ähnliches Ver­fahren gebraucht man in Oesterreich in den nicht zur Stephanskrone gehörigen Ländern. In Ungarn jedoch wird ein etwas milderes System angewendet und dieses letztere würde man, falls die Entscheidung zu Gunsten des Monopols ausfallen sollte, für Deutschland in Vorschlag bringen.

Man weiß, daß Prinz Heinrich, der zweite Sohn des Kron­prinzen, dazu bestimmt ist, eines Tages der Kommandeur der deutschen Seemacht, der Admiral der Flotte zu werden. Und man weiß auch, daß im preußischen Königshause die Jugend mit denkbar größter Gründ­lichkeit für ihren künftigen Beruf vorbereitet wird. So wird denn, wie der B. B.-C. meldet, Prinz Heinrich (ber am 14. Aug. seinen 16. Ge- bultstag feierte), in etwa 4 Wochen Deutschland an Bord eines Kriegs­schiffes verlassen, um volle 2 Jahre auf einer Seereise zuzubringen, die ihn vermuthlich durch die Meere aller 5 Welttheile führen wird. Die kronprinzlichen Eltern haben sich im Interesse der seemännischen AuS- bUdung des Prinzen zu dieser zweijährigen Trennung entschlossen.

Staats- und Gemeindebeamte, welche auf Kündigung angestellt sind, können nach einem Erkenntniß des Ober-Tribunals, I. Senats, vom 30. Mai 1878, ohne ein förmliches Disziplinarverfahren von der ihre Anstellung verfügenden Behörde entlassen werden, den Entlassenen ist jedoch in jedem Falle das volle Gehalt bis zum Abläufe der Kün­digungsfrist zu gewähren. Soll ein solcher Beamtersofort", ohne Weiterzahlung des Gehalts bis zum Abläufe der Kündigungsfrist, ent­lassen werden, so muß der Entlassung aus dem Amte ein förmliches Disziplinarverfahren, gleichwie bei den lebenslänglich an gestellten Be­amten, vorhergehen.

In den Tagen des 16, 17. und 18. September cr. soll in Berlin ein Congreß sämmtlicher Colonial-, Material-, Spezerei-, Jta- lienerwaaren-, Butter-, Droguen«, Tabak-Händler und Kaufleute ner- wandter Branchen abgehalten werden. Außer den 17 bis jetzt zur Ta- ges-Ordnung angemeldeten Anträgen soll vorzüglich über die Bildung eines Central-Verbandes Deutscher Kaufleute verhandelt werden, sodann eine Besprechung über die Konsum-, Beamten-Konsum und Hausfrauen- Vereine ftattfinben, und dabei die Stellungnahme zu denselben erörtert werden. Es werden sämmtliche kaufmännischen Vereine Deutschlands, ebenso wie sämmtliche Einzelkaufleute aufgefordert, sich durch Delegirte oder persönlich an diesem Congreß zu betheiligen und ihre Anträge für