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Freitag den 16. August.
1878.
Amtliches.
Gefunden: Auf der Aschaffenburger Landstraße gegenüber vom Lehrhof ein Sack Hafer. Ein 200 g Gewicht, ein 100 do., zwei je 50 und ein 20 g Gewicht. Ein Hundemoulkorb. Ein Rädchen.
Verloren: Ein großer Schlüssel. Ein Portemonnaie mit 10 Mark.
Hanau am 16. August 1878.
Aus Königl. Landrathsamt.
Rundschau.
R. F. Die Nachrichten, welche täglich der Telegraph aus Teplitz über das Befinden des Kaisers Wilhelm bringt, werden immer erfreulicher. Die Heilquellin zu Teplitz haben auf die Gesundheit des erlauchten Greises eine so wunderbare Wirkung hervorgebracht, daß derselbe seiner Umgebung wie neugeboren erscheint und höchst wahrscheinlich demnächst in den Vollbesitz seiner ehemaligen Geistes- und Körperfrische gelangen wird. Der Kaiser Wilhelm ist auch bereits im Stande, fast täglich kleine Fußtouren zu unternehmen, wodurch sein Krästezustand auch noch gefördert wird, so daß, wenn keine unvorhergesehenen Hindernisse eintreten, der Kaiser Wilhelm jedenfalls den Ende dieses Monats beginnenden Manövern des elften Armeecorps bei Cassel beiwohnen wird.
Der Kronprinz des Deutschen Reiches, welcher bekanntlich Gene- ralinsp^cteur einer Anzahl Armeecorps, wozu auch die süddeul schen gehören, ist, hat feine diesbezüglichen Bestimmungen bereits getroffen und wird mit der Jnspection des ersten bayerischen Armeecorps beginnen. Zu diesem Zwecke wird er am 7. September in Babenhausen eintreffen und beim Fürsten Fugger-Babenhausen auf einige Tage Quartier nehmen.
Obwohl officieÜ der Schleier, welcher das Resultat der Kissinger Verhandlungen zwischen dem Fürsten Bismarck und dem päpstlichen Nuntius Masella verbirgt, noch nicht gelüftet worden ist, so darf doch so viel feststes n, daß der Vatikan nicht mehr auf dem Standpunkt des „non possumus" steht und in dem deutschen, resp, preußischen Kirchen- streite nachgegeben hat, denn hervorragende ultramontane Zeitungen bringen abwiegelnde Artikel, aus denen dies klar hervorgeht. Das Er gebnrß der Verhandlungen zwischen dem Reichskanzler und dem päpstlichen Nuntius dürfte daher dahin gehen, daß Vorschläge ausgetauscht worden sind, auf welche Weise man vertragsmäßig die römische Kirche in Deutschland wieder in Lebensthätigkeit versetze und es scheint, daß die römische Curie unter stillschweigender Anerkennung der preußischen Kirchengesetze einen derartigen Ausgleich annehmen wird. Andere friedliche Anzeichen für den Kirchenstreit liegen außerdem noch vor. Der neue Staatssecretär Nina im Vatikan hat die Funktionen seines Amtes in dem versöhnenden Sinne seines verstorbenen Vorgängers Franchi zu verwalten begonnen, indem er ein im versöhnlichen Sinne gehaltenes Schreiben an den Fürsten Bismarck gerichtet haben soll, und bezüglich des Ablebens des Cardinals Franchi wird von Rom aus eine Nachricht verbreitet, daß der deutsche Reichskanzler ein warmes Beileidsschreiben in den Vatikan gesandt habe, ein Umstand, der allerdings dazu angethan wäre, bedeutende Fortschritte im Versöhnungswerke zwischen Rom und Berlin zu constatiren.
Der kaiserlichen Verordnung gemäß ist der deutsche Bundesrath bereits am 14. August eröffnet worden, an welchem Tage auch eine neue Arbeitsoertheilung für die Bundesrathsausschüsse vorgenommen wurde. Außer mit der Berathung des gegen die Socialdemokratie gerichteten Ausnahmegesetzes wird sich der Bundesrath mit der Erledigung einiger Arbeiten aus der vorigen Session beschäftigen und in erster Reihe die Zweckmäßigkeit eines Enqueteverfahrens hinsichtlich der Steuerfreiheit des Spiritus berathen.
Bezüglich der Eröffnung des Reichstages ist die betreffende kaiserliche Verordnung durch den Kronprinzen erlassen worden. Nach derselben wird der Reichstag zum 9. September nach Berlin einberufen.
Die Ereignisse auf der Baikanhalbiniel, insbesondere die Occupation Bosniens, nehm n noch immer unsere Aufmerksamkeit in Anspruch und werden dieselbe wohl auch für längere Zeit hinaus gefesselt halten. Die Nachrichten vom „Kriegsschauplätze" lauten in ihren Einzelheiten i günstig. Die österreichischen Truppen bewahren ihre gute Haltung, die I
sie in den letzten Jahren stets nur unter ungünstigen Umständen zu zeigen Gelegenheit hatten, auch in Bosnien. Mangel an Tapferkeit kann ihnen nicht vorgeworfen werden, dagegen scheint die Leitung der Truppen nicht immer die nöthige Umsicht gezeigt zu haben, wie der erste Ueberfall der Husaren abtheilung bei Maglai zeigt, wo die Nichtbeachtung eines ersten strategischen Gebotes, sich beim Vormarsch auf feindlichem Gebiet durch Besetzung der die Straße beherrschenden Defilden den Rückweg zu sichern, einen großen Theil der Schuld an jenem blu- tigen Massacre trug. In dem letzten Gefecht bei Jacce, das durch seinen Umfang eher den Namen einer Schlacht verdient, haben sich die österreichischen Truppen ausgezeichnet geschlagen. In lang andauerndem blutigen Kampfe warfen sie die Aufständischen, deren Zahl auf 5000 Mann geschätzt wurde, aus zwei starken Positionen zurück und nahmen dann nach einem Rasttage den Weitermarsch wieder auf. Ueber neuere Zusammenstöße mit den Aufständischen hat seitdem nichts wieder verlautet, doch sind solche um so sicherer zu erwarten, je mehr sich die Occupationstruppen der Hauptstadt Bosniens Serajewo nähern, wo der Leiter des Aufstandes, der fanatische Hadschi Loja, eine Schreckensherr- sch ist errichtet hat und sich durch Ausgabe von Papiergeld mit Zwangscours und Brondschatzung des nicht mohamedanischen Theiles der Bevölkerung die Mittel zur Aufrechterhaltung des Kampfes verschafft. Die Popularität des Grafen Andrassy erleidet durch diese Vorgänge, welche feine stetige Versicherung, das die Bosnier den Einmarsch der Österreicher wünschten, Lügen strafen, in Oesterreich starke Einbuße. Auch das Ansehen des ungarischen Ministerpräsidenten Tisza hat durch sein Fiasco bei der Reichstagswahl eine Abschwächung erfahren. Das eigem- liche Magyarenthum wendet sich von ihm ab. Soweit sich das Wahlresultat bis jetzt überblicken läßt, ist die Verstärkung, welche die äußerste Linke, Kossuth'scher Färbung, erfuhr, in erster Linie auffallend. Die Partei Tisza hat wohl noch immer eine überwältigende Majorität, allein diese Majorität trägt in ihrer Zusammensetzung nicht die Bürgschaften des Erfolges in sich und kann dem ersten Zwischenfalle im Reichstage erliegen.
Die Türkei spielt bei den neuen Orientwirren eine sehr verdächtige Rolle. Sie hat den bosnischen Aufstand, wenn nicht direkt angc- schürt, so doch begünstigt und in Batum drohen die Lazen die Besetzung Vatums durch Rußland mit Waffengewalt zu verhindern, gleichfalls, wie vermuthet wird, auf Anstiften der Pforte. Die sich auf den Berliner Vertrag gründenden Ansprüche Griechenlands auf eine Grenzregu- lirung aber hat die türkische Regierung neuerdings gänzlich abgewiesm. Es ist noch nicht vorauszusehen, in welcher Weise diese unerfreulichen Verhältnisse, in welche noch die Interessen Englands hereinspielen, sich endgültig gestalten werden.
Beschäftigt im Mittelmeere sich festzusetzen, wird England durch das alte Gespenst eines russischen Kriegszuges nach Indien erschreckt. Einem Telegramm aus Bombay zufolge wird sich demnächst eine aus mehreren Osficieren und einem Arzte bestehende und von einer Abtheilung Cavallerie eskotirte Spezialgesandtschaft nach Kabul begeben und wahrscheinlich Anfang September von Peschawer aufbrechen. Der indischen Regierung sei die Nachricht zugegangen, daß eine aus drei europäischen Oific-eren bestehende und von Kosaken geleitete ru fische Gesandtschaft in Kabul eingetroffen und von dem Emir von Afghanistan empfangen worden sei. England scheint demnach irgend welche feinvlichr Absichten Rußlands bezüglich Indiens wirklich zu fürchten und denselben rechtzeitig entgegen zu arbeiten suchen.
Die republikanische Regierung Frankreichs ist stetig bemüht ihren Fortbestand zu sichern. Sie hat aus diesem Grunde kürzlich eine große Anzahl von Verwaltungsbeamten, deren Richtung antirepublikanisch war, aus dem Staatsdienste entlassen. Desgleichen suchen die gegenwärtig zumeist auf Inspektionsreisen befindlichen Minister durch Ansprachen Propaganda für die Republik zu machen.
Aus Kopenhagen wird die von französischer Seite gebrachte Nachricht, daß der Prinz Louis Napoleon sich um die dänische Pnnzessin Thyra bewerbe, zwar dementirt, doch gleichzeitig auch gemeldet, daß der Prinz binnen Kurzem dem dänischen Königshofe einen zweiten Besuch abstatten werde.