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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinjial-Correspondenj.
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Amtliches.
Bekanntmachung.
Sonntag den 21. Juli d. Js., Abends 9 Uhr, wurde nach den gepflogenen Erhebungen auf der Straße zwischen Dettingen und Hörstein eine Nothzucht verübt.
Um dieselbe Zeit sollen mehrere Herren aus Hanau diese Straße passirt haben und der Vergewaltigten begegnet sein, denen sie sich unter Schilderung des Sachverhalts zu ihrem Schutze angeschlossen hatte.
Um geeignete Recherche und, da der Beschuldigte in Haft ist, um schleunige Bekanntgabe von Namen und Stand der betreffenden Personen aus Hanau wird ersucht.
Aschaffenburg, 11. August 1878.
Der Königl. Untersuchungsrichter.
Scheuerer.
Wird veröffentlicht.
Hanau am 12. August 1878.
Der Landrath.
Gefunden: Eine Tuchmütze. Eine schwarze Knabenmütze. Ein Rechnenbuch, „ Taft l-Rechnen". Ein kathol. Katechismus. Ein Henkelkorb, darin ein Butterweck. Ein glanzlederner Kinderschuh.
Zugelaufen: Ein weißer Hund. Ein großer schwarzer Hund mit weißer Brust und geschnittenen Ohren; Empfangnahme bei Philipp Burkhardt zu Mittelbuchen.
Verloren: Ein Portemonnaie mit 9 Mark.
Hanau am 13. August 1878.
Aus Königlichem Landrathsamt.________________
Rundschau.
R. F. Der Blik der deutschen Nation weilt noch unverwandt bei ihrem Kaiser, der durch d-n Gebrauch der warmen Quellen zu Teplitz mit bestem Erfolg die Kräfte in seine verwundet gewesenen Armen wieder erstehen sieht. Die Theilnahme an der Wiederherstellung des erhabenen Monarchen ist so groß, daß eine Menge hoher und niederer Gäste nach Teplitz reisen, um dem Kaiser Wilhelm ihre Huld'gung dar- zubringen. In den letzten Tagen wurde der Kaiser Wilhelm auch durch besonders hohen Besuch beehrt. Der Kaiser Franz Joseph begrüßte ihn persönlich auf österreichischer Erde und schied mit dem Auschruch von Teplitz, einen schönen Tag in der Nähe unseres erlauchten Monarchen verbracht zu haben, und in der Zeit vom 9 bis 13. August hatte der Kaiser Wilhelm seinen Schwiegersohn, den Großherzog von Baden, und den Prinz Ludwig von Baden zum theilnehmenden Besuche um sich. Bei ein m weiteren guten Verlauf der Teplitzer Cur wird sich der Kaiser Wilhelm in der letzten Woche des August wahrscheinlich nach Schloß Wilhelmshöhe bei Cassel begeben, von wo aus er den Manövern des elften Armeecorps beizuwohnen gedenkt.
Die zwischen dem Reichskanzler und dem päpstlichen Nuntius Ma° sella in Kissingen gepflogenen Unterhandlungen in Sachen des Kirchen- streitcs sind vorläufig zum Abschluß gelangt und der Nuntius Masella hat sich wieder nach München zurückbegeben. Ueber den Gegenstand und Erfolg der gepflogenen Unterhandlungen verlautet zwar durchaus noch nichts Zuverlässiges, doch gilt in maßgebenden Kreisen als sicher, daß der Reichskanzler nicht daran denkt, in der Hauptsache der Maigesetze nachzugeben, aber daß er wohl bemüht ist, für die 15 Millionen Katholiken Deutschlands einen modus vivendi zu finden, nach welchem sie sich zwischen der Staatsgewalt und der römischen Curie wohler fühlen können, als es die bisherigen Zustände im Kirchenstreite erlaubten.
Der deutsche Bundesrath ist bereits auf den 14. August zu neuen Sitzungen laut einer kaiserlichen Verordnung einberufen worden und bringt man diese frühzeitige Einberufung des Bundesrathes mit der wichtigen Berathung des Socialistengesetzentwurfes, mit dem sich der neue Reichstag schon im September beschäftigen wird, in Verbindung. Als weiter e Ursachen der frühzeitigen Einberufung des Bundesrathes tauchen auch noch allerlei Gerüchte über Principe nfragen in den Regie- rungsgeschästen auf, doch fehlt diefen noch jede thatsächliche Begründung, i
Die Conferenz der deutschen Finanzminister zu Heidelberg wurde |
am Schlüsse der letzten Woche beendigt und die officiösen Organe melden trocken, daß zwischen den Finanzministern eine Einigung über einen neuen Finanzplan stattgefunden habe. über die Art und Weise dieses neuen Steuerprojectes schweigt jedoch die Zungenfertigkeit des officwsen Berichterstatters sich vollständig aus und der Reichstag kann sich auch daher auf einige gelinde Ueberraschungen gefaßt machen. Augenscheinlich wird auch das Tabaksmonpol wieder in den Vordergrund der finanziellen Erörterungen treten. Angeblich wäre in Heidelberg von den Ministern Hofmann und Hobrecht eine Entwickelung der Reichsbedürfnisse für den nächsten Etat und für die weitere Zukunft gegeben worden, und man neige zu der Ueberzeugung, daß der einfachste Weg zur Beschaffung der erforderlichen Mittel in der Einführung des Monopols liege, obschon auch weitere Stenerobjecte vorgeschlagen und ventilirt werden.
Die nunmehr zum größten Theile vollzogenen Stichwahlen für den deutschen Reichstag haben das Wahlresultat vom 30. Juli im Großen und Ganzen nicht beeinträchtigt, nur gewannen die Socialdemokraten in Dresden und Elberfeld noch zwei Sitze und es ist zu besorgen, daß sie in Folge der Zersplitterung unter den anderen Parteien noch in 1—2 Stichwahlen siegen werden. Schmerzlich für die Nationallibe- ralen und den Reichstag überhaupt ist der Verlust des Herrn v. Stauf- fenberg in der Münchener Stichwahl, wo der Ultramontane Ruppert siegte. Herr v. Stauffenberg gehörte als Vicepräsident seit Jahren dem Reichstage an und entfaltete bei den gesetzgeberischen Arbeiten stets ein hohes parlamentarisches Talent. Man glaubt daher, datz Herr von Stauffenberg noch in einer Nachwahl durch die Nationalliberalen gewählt werden wird.
Die Lösung der Orientsrage durch den Berliner Congreß hat auf der Balkanhalbinsel eine Menge unfertiger Zustände geschaffen, durch welche die belheiligten Staaten und Völkerstämme arg in Mitleidenschaft gezogen werden. So hat sich vor allen Dingen der militärische Spazier- gang der Oesterreicher nach Bosnien zu einer ernsten und schwierig: n Aufgabe für die betreffenden öfter reicht chen Heeresabtheilungen gestaltet und sind die Verhältnisse schon so difficil geworden, daß von Wien aus dem Occapationsheere mehrere Regimenter nachgesandt wurden. Bosnien, welches sich seit Jahrm in einem revolutionären Zustande befand, ist eben schwer militärisch zu erobern, da in diesem Lande schließlich jeder Einwohner aus Kriegs- und Raublust zur Waffe greift. Besonders macht den Oesterreichern in Bosnien die Jnsurgentenbande des Hadschi Loja zu schaffen und haben thatsächlich mit diesen Insurgenten schon ernste stundenlange Kämpfe stattgefunden. Die Stadt Mostar und einige andere wichtige Punkte Bosniens befinden sich aber bereits in der Gewalt der österreichischen Truppen und bei einem raschen Vordringen unter den energischen Truppenführern wird der Widerstand des den Oesterreichern feindseligen Theils der bosnischen Einwohnerschaft wohl bald gebrochen werden. — Die Reichstagswahlen in Ungarn sind mit bedeutender Mehrheit zu Gunsten der Regierung ausgefallen, doch über die Wiederwahl der ungarischen Minister waltet ein merkwürdiges Geschick. Der Ministerpräsident Tisza wurde in seinem alten Wahlbezirke nicht wieder gewählt und von den übrigen Ministern wurde bis jetzt nur der Minister der Landesvertheidigung Szende gewählt.
Im englischen Parlamente wollen trotz des für die Regierung abgegebenen Vertrauensvotums die erregten Debatten kein Ende nehmen und ist gegenwärtig die Verwaltung der Insel Cypern der beliebte Gegenstand, auf welchen die Oppositionspartei ihre Pfeile abschießt. Wahrscheinlich im Hinblick auf das englisch türkische Schutz- und Trutzbündniß bezüglich Kleinasiens wurde von Seiten der Pforte in diesen Tagen ganz ernstlich an die englische Regierung das Ansinnen gefüllt, daß sie das weitere Vordringen der Oesterreicher in Bosnien verhindern möchte, doch hat die Pforte auf Grund des Berliner Vertrages von dem englischen Kabinet die gebührende Zurückweisung erfahren müssen.
Die Verhältnisse der Türkei zu Rußland haben sich in letzter Zeit vielfach gebessert. Die Türkei hat in Folge dessen nunmehr auch in die Räumung der Festung Varna eingewilligt und die Russ n haben angefangen, dieselbe zu besetzen. Nach Vollendung der Besetzung dieser Festung wird auch der russische Oberkommandirende, General v. Todleben, einen Theil der russischen Stellungen vor Constantinopel räumen