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Zugleich Amtliches Organ für Kreis «ud Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Au-uahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstag- mit der Berliner Provinzial-Lorrespondenz.

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M 184. Freitag den 9. August. 1878.

Amtliches.'

Die Herrn Bürgermeister, welche seither zu Nachweisungen über stattgehabte Gemeinde-Einnahmen in den Gemeinde-Rechnungen Erhebe- Manuale beigefügt haben, haben statt derselben von jetzt ab die spe­ciellen Einnahmebelege namentlich aber über stattgesundene Versteige­rungen, Verpachtungen rc. die darüber aufgenommenen und gestempelten Original-Protokolle den Rechnungen beizufügen.

Hanau am 5. August 1878.

Für den Kellner Heinrich Wehrhahn in Hanau, 16 Jahre alt, ist um Entlassung aus dem Preußischen Unterthanen-Verbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.

Hanau am 7. August 1878

________________________ Der Landrath. __________________

Rundschau.

R. F. Unserem hochverehrten Kaiser Wilhelm werden in Teplitz nicht allein von der dortigen Einwohnerschaft Ovationen dargebracht, auch die Fürsten eilen herbei, ihm ihre ungeheuchelte Theilnahme an seiner glücklichen Errettung zu bezeug«n. Nackdem am Sonnabend be­reits das sächsische Königspaar den Kaiser in Teplitz besucht hatte, traf am Mittwoch der Kaiser Franz Joseph dort ein. Die Zeit seiner An­wesenheit in Teplitz verbrachte er in fast beständigem Zusammensein mit seinem kaiserlichen Vetter, von dem er sich am Donnerstag Vormittag wieder verabschiedete, um nach Wien zurückzukehren. Die Begegnung der beiden Monarchen trug den Charakter tief empfundener Herzlichkeii. Wie man jetzt hört, wird der Aufenthalt des Kaisers Wilhelm in Teplitz sich bis zu seiner Abreiie zu den Manövern des XL Armeekorps erstrecken. Zum VerwählungSfeste der Prinzessin Marie wird er auf Abrathen der Aerzte nicht nach Berlin gehen, dagegen aber den Ge­burtstag der Kaiserin Augusta wie alljährlich in Badew Baden begehen.

Die Verhandlungen zwischen der deutschen Regierung und der päpstlichen Curie währen in Kissingen noch fort. Der päpstliche Nun­tius Masella hat mit dem Fürsten Bismarck in den letzten Tagen wie­derholt Unterredungen gehabt und wird sich sein Aufenhalt in Kissingen sicherem Vernehmen nach bis zum Beginn der nächsten Woche erstrecken. Ueber das Nähere der Verhandlungen verlautet natürlich nicht das Ge­ringste, doch gilt es bei Personen, welche höheren Intentionen sonst näher stehen, als zweifellos, daß der Ausgleich auf Grund der bayeri­schen Kuchengesetze, welche von den Maigesetzen nur unwesentlich ab­weichen, von der römischen Curie aber bereits anerkannt sind, erfolgen werde. Die Stellung des Cultusministers Falk soll durch den Ausgleich nicht berührt werden.

Neben diesen Verhandlungen auf kirchenpolitischem Gebiete nimmt gleichzeitig die Berathnng der deutschen Finanzminister in Heidelberg uniere Aufmerksamkeit in Anspruch. Der Gegenstand derselben ist die Vermehrung der ReichSeinnahmen, zu welchem Zwecke eine erhöhte Be­steuerung von Petroleum, Kaffee, Zucker und Thee in Aussicht genom­men ist. Daneben wird, wie von gut unterrichteter Seite berichtet wird, das Tabaksmonopol als das geeignetste Mittel zur Hebung der finan­ziellen Schwierigkeiten auch ferner im Auge behmten.

Dem am 9. September zusammentretenden neuen Reichstage wird nach nunmehr endgültig festgestelltem Beschlusse in der ersten Session das Srcialrstengesetz als einziger Berathuugsgegenstand vorgelegt werden. Am 13. oder 14. August wird der Entwurf dem Justizausschuß des EEeSraihes unterbreitet werden. Das Plenum des Bundesrathes selbst dürfte jedoch kaum vor Ende dieses Monats zusammentreten. ,,, ®a8 gegen Hödel verhängte Todesurtheil unterliegt gegenwärtig uoyaiten Diskussionen, da es sich darum handelt, ob es vollzogen wer , " soll oder nicht. Entgegen früheren Mittheilungen ist erst in den n ein Bericht des StaatsministeriumS, das sich in demselben sur Vollstreckung des Urtheils ausgesprochen hat, nach Homburg abge- worden. Auch Fürst BiSmarck soll sich entschieden für die Voll- steyung des Urtheils ausgesprochen haben. Da die Entscheidung dies mal in einer anderen Hand als der des Kaisers liegt, der durch seine snade die Todesstrafe in Preußen zeitweilig faktisch abgeschafft hat, so

dürfte rücksichilich der eben angeführten schwerwiegenden Ansichten die Bestätigung des Urtheils wohl zu erwarten sein.

Fast gänzlich unbemerkt hat diese Woche in Berlin eine vom Handel sminift er berufene Conferenz stattgefunden, welche über die Auf­stellung von Grundzügen für die Reform der deutschen Gewerbeschulen berieth. Der Hauptpunkt der gefaßten Resolutionen gipfelte darin, daß die Gewerbeschul-n künftig in zwei Gruppen, in solche, welche unmittel­bar für das gewerbliche Leben, und in solche, welche für die technischen Hochschulen vorbereiten, zu trennen und d:e Lehrpläne streng diesen Zie­len gemäß einzurichten seien.

Von Neuem wieder wird unsere Aufmerksamkeit auf die Vorgänge im Orient gelenkt. Der militärische Spaziergang Oesterreichs, als wel­cher die Occupation Bosniens anfänglich angesehen wurde, steht im Be­griff sich in einen regelrechten Feldzug zu verwandeln. Von der tür­kischen Regierung heimlich angestachelt hat der Pöbel von Serajewo, der Hauptstadt Bosniens, sich empört, die Behörden gewaltsam vertrie­ben und ein anarchistisches Regiment eingeführt, unter welchem Raub und Mord an der Tagesordnung sind und das sich gegen den Einmarsch der österreichischen Truppen richtet. Dieselben haben auch bereits einige Scharmützel gegen die Aufständischen zu bestehen gehabt, doch ist Mostar, wo man einen lebhaften Widerstand erwartete, ohne Kampf besetzt wor­den. Es ist zwar zu erwarten, daß die Aufständischen sich der öster­reichischen Armee nicht nachdrücklich entgegen stellen werden, doch wird der Guerrillakrieg, den die türkischen Banden jedenfalls in räubermäßiger Manier führen werden, die Pacification des Landes sehr erschweren. Da es erwiesen ist, daß die türkische Regierung die Aufständischen be­günstigt, beabsichtigt das Wiener Cabinet der Pforte ernstliche Vorstel­lungen hierüber zu machen und soll, wie bestimmt versichert wird, bei der diesbezüglich!n Berathung selbst der Fall eines definitiven Krieges mit in Erwähnung gezogen worden sein.

Das Verhältniß der Pforte zu Griechmland ist gleichfalls ein wenig erfreuliches, da sich die erstere auch hier sträubt den Bedingungen des Berliner Vertrages nachzukommen. Griechenland beabsichtigt daher, Thessalien und Epirus auch ohne die Einwilligung der Türkei zu be- setzen. Auch im Rhodopegebirge steht die Erneuerung der Unruhen in Aussicht, da die Insurgenten dem englischen Botschafter Loyard in Kon­stantinopel erklärt haben, sie würden den Widerstand gegen die russische Occupation nicht aufgeben.

In unierem Nachbarlande Frankreich scheinen gegenwärtig die Strikes in Permanenz erklärt zu sein. Kaum ist die Beendigung des Strikes der Kohlenarbeiten gemeldet, so trifft die Nachricht ein, daß Pariser Kutscher seit Mittwoch striken, ein Umstand, der hinsichtlich der Weltausstellung recht unangenehm sein mag. Auf der Bildfläche des politischen Lebens tauchten seit der letzten Zeit immer wieder die bevor­stehenden Senatorenwahlen auf, zu welchen seitens der Republikaner wie der Conservativen die umfassendsten Vorbereitungen zur Sicherung des Sieges gemacht werden und worüber wir bereits früher berichtet haben. Als neu ist in dieser Angelegenheit zu melden, daß von den verschiede­nen conservativen Parteien die Bildung eines Wahlcomitäs nach vieler Mühe zu Stande gebracht worden ist. Seit Beginn dieser Woche befindet sich der Kriegsminister auf einer Inspektionsreise, die hauptsächlich den Zweck hat, die nach Deutschland zu gelegenen Festun­gen einer genaueren Besichtigung zu unterziehen.

Nachdem in England die Regierung durch die Verwerfung des Hartington'schen Antrages einen glänzenden Sieg bezüglich der von ihr befolgten Orientpolitik gefeiert hat, beginnt sie eifrig die Ordnung ikr sie berührenden neuen Orientverhältnisse in die Hand zu nehmen und hat zu diesem Zwecke in den ersten Tagen dieser Woche eine Anzahl tüchtiger Beamten aus den verschiedensten Verwaltungszweigen aurge- wählt und denselben VerwaltungSämter auf der Insel Cypern über­tragen.

Im Vatikan ist man gegenwärtig bemüht, einen Nachfolger für den verstorbenen Cardinalssekretär Franchi zu finden. Der in erster Linie als der Nachfolger Fianchi's auserwählte Cardinal Lena macht jedoch Schwierigkeiten, da seine Politik mit der des Kardinals braucht