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und Vorstand des KabinktS-Ministeriums Eschenburg; für Lübeck: Prä­ses des Finanz-Departements Senator Dr. Plessing; für Bremen: Bürgermeister Gildemeister; für Hamburg: Senator Dr. Versmann.

— Nach einem Ministerialbeschluß, der nach den Attentaten ge­faßt worden, haben sämmtliche preuß. Ressortschefs darauf hingewirkt, daß überall aus den Reihen der von der Regierung beschäftigten Ar­beiter die sszialdemokratifchen Elemente sorgfältigst entfernt würden. Selbstverständlich war hierbei in erster Reihe das Handelsministerium betheiligt und es ist der bezügliche Erlaß des Handelsministeriums sei­ner Zeit bekannt geworden. Jetzt haben nun auch nach die sämmtlichen k. Regierungen die Gelegenheit wahrgenommen, ihrerseits eine Bekannt­machung zu erlassen, worin es heißt: „@3 ist ernste Pflicht der könig­lichen Eisenbahnbehörden, in Verbindung mit den Polireiverwaltungen nicht nur die Entfernung der Elemente, welche den Bestrebungen der Sozia demokratie zuneigen oder gar förderlich sind, aus dem Beamten- und Arbeiterpersonal der Eisenbahnen herbeizuführen, sondern auch da­hin zu wirken, daß dergleichen Elemente von jetzt ab unter den Beamten der Eisenbahn nicht neu ausgenommen werden. Zur Erreichung dieses Zweckes sollen bei Anträgen um Vereidigung der Bahvpolizeibeamten die Eisenbahnbehörden die Aufsichtskontrole auch darauf erstrecken, ob die zur Ausübung der Bahnpolizei berufenen Personen sich et^a durch Betheiligung an sozialdemokratischen Agitationen für die ihnen zu über­tragenden amtlich n Funktionen als ungeeignet erweisen. Ferner soll rn den polizeilichen Führungsattesten für Bahnpolizeibeamte in jedem Fall auch noch festgestellt werden, daß der Betreffende, so viel bekannt, den Bestrebungen und Agitationen der sozialdemokr. Parteien fein ge­standen hat."

— Bei den Kissinger Verhandlungen handelt es sich durchaus nicht um irgendwelche Aenderung oder Aufhebung bestehender Reichs­und Staatsgesetze, sondern um einen modus vivendi, der einer parla­mentarischen Genehmigung nicht unterliegt. Man will einen Modus finden, inwieweit die durch den Tod erledigten Diözesen und die massen­haft vakanten Pfarreien wieder besetzt werden sollen Die Rückberufung der durch den kirchlichen Gerichtshof abgesehen Bischöfe ist ausgeschlos­sen. Möglich, daß man solche Diözesen neue Oberhirten wählen läßt. — Bei den Heidelberger Ministerkonferenzen über die Sieuerfragen wird eine auf Anlaß Bismarcks im Reichskanzleramt ausgearbeite Denkschrift als Grundlage der Berathungen dienen.

— Der Commissar des amerikanischen Finanzministeriums, Herr Poesche, welcher der Tabaks-Enquete Commission Mittheilungen über die Tabaksbesteuerung in Amerika gemacht, ist von Kissingen, woselbst er dem Reichskanzler einen eingehenden Vortrag über die einschlägige Materie erstattet, wieder nach Berlin zurückgekehrt. Es gewinnt jetzt immer mehr an Wahrscheinlichkeit, daß eine Commission, bestehend aus dem bayerischen Geh. Rath Mayr, dem Steuerrath Pieg aus Frankfurt a. M. und dem Tabakssadrikanten Ermeler zu Berlin, sich demnächst nach Amerika zum Studium der dort bestehenden Tabakssteuer begeben wird. Die Tabaks-Enquete-Commission wird vor Ende dieser Woche ihre Arbeiten kaum beschließen können; sie hat die zweite Lesung des Fragebogens über den Tabakshandel beendigt und beräth jetzt den über die Tabaksfabrikation.

— Die Stellung der Ultramontanen bei den demnächstigen Stich­wahlen wird von der „Germania" wie folgt präcisirt: „Ueberall wird derjenige Candidat von uns zu unterstützen sein, der nicht bloß nach der allgemeinen Parteistellung, in deren Rahmen er sich vor der Oeffent- lichkeit präsentirt, sondern auch nach seinen persönlichen Eigenschaften unserer Richtung am Nächsten steht. Daher kommt es, daß wir in ein­zelnen Kreisen die Conservativen, in anderen den Fortschritt zu unter­stützen haben. Wo es die Umstände fordern und die Zeit es erlaubt, werden von einzelnen Candidaten noch besondere Garantien zu extrahiern sein, und falls diese nicht gegeben werden, dürfte Wahlenihaltung am Platze sein. Wir müssen eben auch bei den Stichwahlen unsere Partei als eine in sich geschlossene, selbstständige erscheinen lassen.

— Nach einer Verfügung des Finanzministers sollen in Zukunft die Käufer von Domainen und Forstgrundstücken statt der Uebernahme des bisherigen Beitrages die Verpflichtung übernehmen, bei freihändigem Verkauf alle Kosten des Geschäfts, bei Verkäufen im Wege der Lizita- tion alle von der Abhaltung der Lizitatisn an entstehenden Kosten zu tragen. Diese Bestimmung tritt mit dem 1. September d. I. in Kraft.

— Am 1. August ist in Düsseldorf die Generalversammlung der rheinisch-westfälischen Gefängniß-Gesellschaft abgehalten worden, bei wel­cher Gelegenheit der Gefängnißprediger Stursberg in Düsseldorf einen eingehenden Bericht über die Zunahme der Vergehen und Verbrechen und ihre Ursachen erstattete. Danach hat die Zahl der Vergehen und Verbrechen in Preußen von 1871 bis 1875 angeblich um 516 pEt. zugenommen, während die Bevölkerung Preußens in dieser Zeit nur um 4 es pCt. zunahm. Es wurde eine Petition an den Reichstag beschlossen, die dahin geht, es möge seitens der obersten JustizbehördiN im Hinblick auf die §§. 23 bis 26 des Strafgesetzbuches von dem Rechte der vor­läufigen Entlassung von Strafgefangenen ein ausgedehnterer Gebrauch

gemacht und diese Einrichtung überhaupt unter Berücksichtigung des in Sachsen bewährten Verfahrens weiter entwickelt werden. (Berl. Tgbl)

— Karlsruhe, 6. Aug., Abends Die Mitglieder der Heidel­berger Minister-Conferenz waren heute von dem Großherzog zur hiesi­gen Hoftafel geladen und werden Abends nach Heidelberg zurückkehren.

— Würzburg, 4. Aug Nach den aus Kissingen eingelaufenen Drahtnachrichten über die Zusammenkunft des Fürsten Bismarck und des päpstlichen Nuntius in München, sollen zwischen beiden ganz ent­scheidende Vereinbarungen getroffen worden sein und zwar auf Grund der bereits in Bayern seit langer Zeit bestehenden Kirchengesetze, welche im Prinzipe gar keine anderen Bestimmungen enthalten, als die preußi­schen Maigesitze. Bezügl. der Kirchenfrage in Bayern ist es noch gar nie einem Geistlichen eingefallen, ein kirchliches Amt anzutreten, bevor ihm von Seite des KönigS die Bestätigung wurde und nur die Z it- verhältnisse waren andere, in der die bayerischen Kirchengesetze gegeben wurden. Im klebrigen soll auch der persönliche Verkehr zwischen Reichskanzler und Nuntius ein äußerst lebhafter gewesen fein, so daß sich für die Katholiken Deutschlands die besten Hoffnungen an diese Zu- sammenkunft knüpfen. — Der Aufenthalt des Fürsten BiSmarck in Kissingen soll wegen des ausgezeichnet günstigen Erfolges, den die Badekur in diesem Jahre brächte, um eine Woche verlängert worden skin. Vom 10. bis 13. August wird in Würzburg zur Erinnerung an den 100jährigen Geburtstag Zahns ein großes Turnfest des fränki­schen Gauturnverbandes veranstaltet. (Schw. Merk)

— Das socialistische Wah-comitö in Mainz erläßt vor der noth­wendig gewordenen Stichwahl folgende Erklärung: „Die s-cialdemo« kratische Arbeiterpartei des Wahlkreises Mainz-Oppenheim findet sich veranlaßt, den Wählern ihres Candidaten Liebknecht folgende Erklärung abzugeben. Laut Beschluß des Wahlcomitäs vorn 4. d. M. fordern wir dieselben auf, ih e Stimmen, welche sie auf Wilhelm Liebknecht vereinigt, bet der Stichwahl einstimmig für Dr. Moufang abzugeben, da derselbe nachstehende Forderungen, welche von Seiten des Wahl- cvmitös der socialistischen Arbeiterpartei an ihn gestellt worden sind, schriftlich unterzeichnet hat. Forderungen: 1) gegen die Abänderung des im Art. 20 der Reichsverfassung begründeten ullgmernen und directen Wahlrechts; 2) gegen Ausnahmegesetze und alle Verschärfungen der Strafgesetze in politischer Beziehung; 3) gegen Vermehrung der Steuern und Lasten Daß es uns unter diesen Verhaltn ffen nicht möglich ist, für Herr« Reuleaux zu stimmen, werden Sie ersehen, wenn Sie das Wahlprogramm, welches derselbe entwickelte, durchgelesen, und dann gerade unsern Forderungen entschieden entgegentreten wird. Tann fällt noch ferner in die Waagschale, daß jede Stimme, die wir in unserm Wahlkreise für Dr. Moufang abgeben, für Wilhelm Liebknecht in Offen- bach ist, da die dortigen Ultramontanen bei der Stichwahl daselbst ihre Stimmen für Liebknecht abgeben, ebenfalls in den Wahlkreisen Barmen- Elberfeld, Solingen u. s. w."

— Teplitz, 6. Aug. (Köln. Ztg) Der vormalige König von Neapel, welcher sich unter dem Namen eines Herzogs von Castro hier aushielt, ist vorgestern nicht vom Kaiser, sondern von der Großherzogin von Baden empfangen worden.

— Wien, 5. August. Die „Wiener Abendpost" berichtet:- Die Havptcolonne der Occupationsarmee ist im Bosna-Thale nach Ueber­windung großer Schwierigkeiten vorgerückt. Die Bevölkerung ist durch baS tactooüe Auftreten unserer Trappen ganz gewonnen, namentlich die Besitzenden, da die Bewegung in Serajewo einen offen communistischen Charakter trägt. Der Generalstabs-Hauptmann Millinkovic, am 1. Au- guft von Dervent mit einer Escadron Husaren zur Recognoscirung des ^vEvn°Thales entsendet, wurde überall scheinbar mit Freude empfangen. Aus die Kunde von der Organisuung eines Aufstandes in Zepce ging derselbe dahin. Am Eingänge des Ortes mit Gewehrschüssen empfangen, formirten sich die Husaren zum Feuergeficht. Als Hauptmann Millin-

, Unnwglichfett emsah, vorwärts zu dringen, marschirte er nach Maglaj zurück, dessen früher freundliche Bewohner ein heftiges Kreuz­feuer auf die Husaren eröffneten, die in scharfer Gangart ein von Be- waffneten besetztes Defilöe Passiven mußten, wobei 70 Husaren fielen. Der Rest der Husaren erreichte unbehelligt die Vortruppen. — Auf dem «ormarfehe nach Mostar fand am 4 ds. bei Citiuk ein kurzes Gefecht

Insurgenten statt, welche sich mit Hinterlassung von Todten uud Gefangenen zurückgezogen. 4 österreichische Jäger wurden ver­wundet.

Wien, 6. Aug., Alends. Der Kaiser reist heute Abend um 10 Uhr nach Teplitz ab und wird am Donnerstag früh hier wieder eintreffen.

. Pesth, 6. Aug. (Köln. Ztg.) In Pesth siegte die Regierung m allen Wahlbezirken mit Ausnahme eines einzigen. Zwei Stichwahlen sind erforderlich. Von 100 Wahlkreisen siegte die Regierungspartei in 70. Von der vereinigten Opposition sind 18, von der äußeren Linken 10, von den Nationalen 2 Candidaten durchgebracht. In Debrecrin wählten alle drei Bezirke die äußerste Linke. Der Ministerpräsident Tstza blieb gegen Ernst Simonyi in der Minderheit.

— Bukarest, 5. Aug. Das Blatt Orient meldet: Die Türken