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N- 181.

Dienstag den 6. August.

1878

Amtliches.

Während der Herbstübungen der Königlichen 21. Division werden die Städte und Gemeinden des Kreises mit Truppen belegt werden. Die Stärke und Zeit der Einquartierung, sowie der Verpflegungs­Modus wird den Herrn Ortsvorständen alsbald bekannt gegeben werden. Die angegebenen Stärk, n sind nur ungefähre, aber als Maxima zu be­trachten. Den Fourier-Offizieren steht überall das Recht zu, innerhalb der einem und demselben Truppentheil zugewiesenen Orte kleine A nde- rungen nach Maaßgabe der lokalen Verhältnisse vorzunehmen

Die Fourage wird während der Concmtrationen durch die Mili- tair-Verwaltung geliefert werden, ebenso sür die Marsckquartiere soweit deren Nähe von ständigen Garnisown dies erlaubt. In den übrigen Marsch quaitieren, in denen die Fourage nach §. 5 des Naturalleistungs- gesitzes vom 13. Februar 1875 sicher zu stellen ist, werden die bezüg­lich n Vereinbarungen zwischen der Königlichen Intendantur der 21. Di­vision und den betreffenden Gemeinden resp. dem Landrathsamte statt fincen.

Um Irrungen und Weiterungen zu vermeiden wird bemerkt, daß die erforderliche landesübliche Streu überall von Seiten der Quartier­geber zu ve abreichen ist.

Hanau am 3. August 1878.

__________________________Schrötter, Landrath.________________________

Bekanntmachung.

Bei dem Postamte in Großenlüder wird am 6. August d. I. eine Telegraphenanstalt in Wirksamkeit treten.

Cassel, 3. August 1878

Der Kaiserliche Ober-Postdirector

Vahl.

Rundschau.

R. F. Die tiefgehende politische Bewegung, welche in der ver­gangenen Woche lie g-sammle deutsche Nation anläßlich der Reichs­tagswahlen erfaßt hielt, beginnt allmählich sich zu legen und in das gewohnte Geleis einer ruhigeren objectiven Anschauung unserer staat­lichen Verhältnisse zurückzukehren.

Mit beträchtlichen Verlusten ist die socialdemokratische Partri aus der Wahlschlacht heivorgegangen. Von den 12 Sitzen, welche ihre Ver­treter im Reichstage bisher einnahmen, sind fünf definitiv verloren ge­gangen und in 5 Wahlbezirken haben noch Stichwahlen zwischen den Candidaten der socialdemokratischen und dem der betreffenden Gegen­partei stattzufinden. Von diesen 5 Stichwahlen fallen aber Voraussicht« lich zwei zu Ungunstcn der Socialdemokratie aus, so daß dieselben im neuen Reichstage nur durch höchstens fünf Abgeordnete vertreten sein wird.

Auf dem Gebiete der wirthschaftlichen Politik des deutschen Reiches stehen für nicht zu ferne Zukunft durchgreifende Umänderungen in Aus­sicht. Die vielbesprochene Steuerreform ist gegenwärtig Gegenstand der Berathungen der Finanzminffter der deutschen Staaten, die am letzten Montag in Heidelberg zu einer diesbezüglichen Conferenz unter dem Vorsitze des Präsidenten des Reichskanzleromies Herrn Hosmarn zusam- mengeiieten sind. Das Ergebniß dieser Conferenz soll dann die Grund­lage für den Entwmf bilden, den die preußische Regierung über die Steuerrefoim dem Bundesrathe demnächst vorzulegen gedenkt.

Auch bezüglich der kirchlichen Verhältn sse dcS deutschen Reiches, resp. Preußens, sind Veränderungen zu erwarten. Der päpstliche Nun­tius in München, Alorsi Ma'ella, hat im Laufe der vergangenen Woche mehrfache Unterredungen mit dem Fürsten Bismarck in Kissingen gehabt, die, wie man in maßgebenden Kreisen allgemein überzeugt ist, lediglich die Anbahnung eines Ausgleiches zwischen den preußischen Staaten und der römischen Curie zum Zwecke haben.

Im deutschen Reichtanzeiger sind am 2. d. die Ergebnisse des Reichshaushaltsetat für das Jahr 187778 veröffentlicht worden. Der Punkt, auf welchen es hauptsächlich ankommt, ist die Frage, wie weit die Einnahmen des Reiches hinter dem Voranschläge zurückgeblieben sind. Nach dieser Aufstellung beträgt der Ausfall bei den Zöllen und

Verbrauchssteuern gegen den Etat 15,654,008 Mark. Ferner bat der Reinertrag der Wechselstempelsteuer 462,932 Mark, der Ueberschuß der Post- und Telegraphenverwaltung 1,693,395 Mark und der Reichseifen- babnen 106,447 Mark weniger ergeben, als veranschlagt war. Das Dtficit beläust sich im Ganzen auf 11,060,147 Mark und ist dasselbe laut Beschluß des Reichstages vom 9. April d I aus den Ersparnissen an den von Frankreich für die deutschen Occupationstruppen gezahlten Verpflegungsgeldern zu decken.

Nach zuverlässigen Nachrichten wird der Reichstag Montag den 9. September einberufen und durch den Generalstellvertreter des Reichs­kanzlers Graf zu Stolberg-Wernigerode eröffnet werden.

In Frankreich werfen die nahenden Wahlen für den Senat bereits ihren Schatten voraus und veranlassen eifrige Agitationen seitens der republikanischen Partei und ihrer Gegner. Die erstere wünscht die Majorität, welche sie in der Deputirtenkammer bereits besitzt, auch im Senat zu erlangen, während die conservativen Parteien natürlich ihren letzten Stützpunkt, den sie in der gegenwärtigen Majorität des Senats finden, nicht gern verlieren möchten. Bei der gegenwärtigen republi­kanischen Richtung, welche zur Zeit der größere Theil der französischen Nation folgt, dürfte indessen wohl zu erwarten sein, daß der Wahlsieg den Republikanern zufallen wird. Neben diesen in Aussicht stehenden Wahlen nahm der Strike der Kohlenarbeiter in Valenciennes auch wäh­rend der letzten Tage noch die öffentliche Aufmerksamkeit in Anspruch, doch kann derselbe seit Ende der Woche als beendigt betrachtet werden. Den Manövern der französischen Arm^e werden dies Jahr seit 1870 zum ersten Male wieder deutsche Oificiere im Austrage des General- stabes der deutschen Armee beiwohnen.

Dem lauten Geschrei der allzu heißblütigen Patrioten Italiens fetzt die italienische Regierung j tzt e nen Dämpfer auf, indem sie gegen die Schreier desItalia irredenta" mit Arretirung und Polizeistrafen vorgeht. Die Volksstimmung ist deshalb auch bereits eine ruhigere geworden. Die römische Hierarchie hat in der vergangenen Woche durch den Tod des päpstlichen Staatssecretärs Franchi ein schwerer Verlust getroffen. Franchi war als Mensch wie als Priester von Allen die ihn kannten geachtet und geliebt und stand nur mit der Partei der Jntrasignenten seiner versöhnlichen Gesinnung halber auf etwas gespann­tem Fuße.

Die belgische Abgeordnetenkammer hat in der vergangenen Woche die Wahlprüfungen zu Ende geführt. Die bei den Wahlen unterlegene clericrle Partei hatte aus Rache eine Anzahl Wahlen liberaler Abge­ordneter beanstandet, da ihr jedoch die Nichtigkeit ihrer Beschwerden nachgewiesin wurde, vermochte sie den Eintritt der betreffenden Abge­ordneten in das Abgeordnetcnhaus nicht zu verhindern.

In d.n beiden Häusern des englischen Parlamentes ist die Orient­politik der englischen Regierung im Verlaufe der ganzen Woche seitens der Oppositionspartei heftig angegriffen worden und noch steht das Ende dieser Kämpfe nicht bevor. Einige Male kam es zwischen dem Pre­mierminister und seinen Gegnern, namentlich den Exministern Gladstone und Carnavon, zu persönlichen AuSeir andersetzungen, aus denen der Premierminister jedoch als Sieger hervorging. Im Unterhause dauerten die Debattcn über den gegen Beeconsfield gerichteten Hartlingfichen Tadelsantrag am Schlüsse der Woche noch fort.

Der Einmarsch der österreichischen Truppen in Bosnien scheint denn doch nicht gänzlich ohne Kampf sich vollziehen zu sönnen, wie das freundliche Entgegenkommen der bosnischen Einwohner an der Grenze erwarten ließ. In der Hauptstadt Bosniens, Serajcwo, sind durch den fanatisirten Pöbel blutige Unruhen erregt worden, welche den Zweck haben sollen, den Einmarsch der Oesterreich» zu verhindern. Das Ver- talten der türkischen Behörden gegenüber den Aufrührern läßt fast schließen, daß sie die Unruhen nicht ungern sehen. Glücklicherweise sind die österreichischen Occupationstruppen zu übermächtig, als daß ein der- artiger versuchter Widerstand irgend welche ernstlichen Besorgnisse er­regen könne. Gegen Mostar, die Hauptstadt der Herzegowina, rückt gleichfalls eine starke österreichische Heeresabtheilung vor.

Die russische Regierung hat ihren noch in Rumänien stehenden