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Samstag den 3. August.

1878.

Amtliches.

Bei der heutigen Ermittelung des Ergebnisses der Wahlen zum Reichstag hat eine absolute Stimmenmehrheit aller in dem 8. Wahl­kreis deS Regierungsbezirks Cassel abgegebenen Stimmen sich nicht heraus­gestellt. Es ist daher eine engere Wahl unter den beiden Kandidaten, welche die meisten Stimmen erhalten haben, vorzunehm.

Es haben Stimmen erhalten die Herren: Dr. Hermann Weigel zu Cassel 8559 Stimmen.

Carl Frohme zu Bockenheim 5351

Wilhelm v. Trott zu Solz 4476

Zersplitterte Stimmen 15.

Zur engeren Wahl kommen die Herrn Dr. Weigel und Frohme.

Alle auf andere Kandidaten fallende Stimmen sind ungültig. Die engere Wahl findet auf denselben Grundlagen und nach denselben Vor- schriften statt wie die erste. ES bleiben die Wahlbezirke, die Wahl- lokale und die Wahlvorsteher unverändert. Es sind dieselben Wähler­listen anzuwenden wie bei der ersten Wahlhandlung. Eine wiederholte Auslegung und Berichtigung der Listen findet nicht statt.

Die engere Wahl wird auf

Sonnabend den 10. August e. festgefetzt.

Die Ermittelung des Wahlergebnisses findet

Dienstag den 13. August c., Vormittags 10/» Uhr, im Gasthof zum Riesen zu Hanau öffentlich statt.

Die Herrn Wahlvorsteher mache ich noch besonders darauf auf­merksam, daß nach §. 31 Satz 4 des Reglements zur Ausführung des Wahlgesetzes für den Reichstag vom 31. Mai 1869 die Bescheinigung darüber, daß die Bekanntmachungen in ortsüblicher Weise erfolgt sind, nicht auf der Wählerliste zu ertheilen, sondern von den Gemeindevor­ständen den Wahlvorstehern noch vor dem Wahltermin besonders ein» zureichen sind.

Hanau am 3. August 1878.

Der WahlcommissariuS für den 8. Wahlkreis:

Schrötter, Landrath.

Entlaufen: Zwei Stück Enten.

Verloren: Am 2. dS. Mts. auf dem Wege von Großauheim bis Hanau eine lederne Umhängetasche, enthaltend ein werthvolles Do- cument.

Zu geflogen: Ein Kanarienvogel.

Hanau am 3. August 1878.

AuS Königlichem Laudrathsamt.

Tazesschau.

Frankreichs Haltung gegenüber dem Berliner Vertrag.

, . U. F. Das heutige Frankreich ist auf dem Berliner Congresse M einer Art und Weise vertreten worden, die gleich weit entfernt von ertler Selbstüberhebung wie ungerechtfertigter Geringschätzung der an­deren Mächte die Bezeichnung würdig und maßvoll durchaus verdient. Hätte der Congreß vor einem Jahrzehnt stattgesunden, so würde der Vertreter Frankreichs auf demselben eine wesentlich andere anmaßendere Rolle gespielt habtN. Im Jahre 1866 sahen es die Franzosen als eine Vereidigung an, daß Preußen gegen ihren Wunsch und Willen Oester- serch besiegte:Rache für Sadowa" war der Ruf, mit dem sie diese «timmung charakterisirten, und um diese vermeintliche Demüthigung

wieder einigermaßen auszugleichen, brächte es Napoleon III. dahin, daß der Friede von Nikolsburg unter der Intervention des Grafen Benedetti vermittelt wurde. Frankreich mußte wenigstens die Befriedigung haben, der Welt zu zeigen, daß der Krieg auf seinen Befehl beendet wurde.

In den letzten Jahren ist Frankreich bescheidener geworden: Es hat sich nicht in den Orientkrieg gemischt und hat ohne Einrede zuge­geben, daß England im mittelländischen Meere, welches Frankreich gern als ein französisches Meer ansehen möchte, sich eine neue Besitzung er­warb.

Als das Geheimniß, mit welchem der englische Premierminister Lord of Beoconsfield den cypnschkn Schacher umhüllt hatte, sich ein wenig lichtete, fürchtete man der Vertreter Frankreichs werde durch dies hinter dem Rücken des Congresses getriebene Jntriguenspiel sich verletzt fühlen und den Congreß verlassen. Es geschah jedoch nicht. Der fran­zösische Vertreter, Minister Waddington, wohnte dem Congresse bis zu Ende bei und die frenzösische Republik war der erste Staat, welcher den Vertrag ratificirte. Allerdings erhoben sich auch in Frankreich Stim­men, welche erklärten, Frankreich müsse eine ähnliche Entschädigung er­halten wie England, doch die Stimmen verhallten ohne in der franzö­sischen Nation einen nachhaltigen Eindruck oder gar eine ähnliche Auf­regung wie in Italien zu erzeugen.

Zu dieser Beruhigung hat wohl am meisten die Erklärung des größten und populärsten Republikaners Frankreichs, Gambetia, beige­tragen, welche dieser dem Pariser Correspondenten der Times gegenüber abgab. Gambetta äußerte sich in der betreffend n Unterredung dahin, daß er mit dem Hauptresultate des Berliner Congresses zufrieden sei, wenn er auch nicht sämmtliche Abmachungen bill gen könne. Als wich­tigste Folge des Friedens oe-trageS betrachtete er d'e Sprengung des Dreikaiserbundes. Oesterreich sei durch die Besetzung von BoSnien und der Herzegowina zum Rivalen Rußlands geworden und theile sich mit England in die Aufgabe, die Vergrößerungsgelüste Rußlands zu beachten. Dadurch sei Oesterreich den W-stmächten wieder näher gerückt und Eng­land genöthigt worden, an den Vorgängen auf dem Kontinente mehr Theil zu nehmen als bisher. Diese Aenderung in der Politck Englands könne Frankreich nur angenehm sein, denn sie bedinge die gegenseitige Annäherung der beiden Mächte und darin liege Frankreichs Gewinn vom Berliner Vertraue.

In dieser Weise legt sich der Führer der französischen Republikaner das Ergebniß des Berliner Friedens zurecht. Ob er damit seine wahre Meinung ausgesprochen hat bleibt allerdings dahin gestellt, doch jeden­falls bewahrt die französische Nation eine würdigere Haltung als die italienische, deren Lärmen und Toben deutlich für die politische Unreife derselben spricht.

Berlin, 2. August. Ein Privattelegramm der Nordd. Allg. Ztg. aus Teplitz von heute Vormittag 11 Uhr 30 Minuten meldet: Se. Majestät hat heute das erste Vollbad mit vortrefflichem Erfolge Erfolge genommen, demselben vorher ging das dritte Moorbad. Die Vollbäder werden mit 27 Grad zehn Minuten lang genommen, die Moorbäder bei localer Anwendung zwanzig Minuten. Das Befinden des hohen Herrn ist durchaus befriedend. Die von einigen Blättern gebraßte Nachricht, daß Se. Majestät bei der morgen, am Geburtstage seines Vaters, stattfindenden Feier persönlich zu erscheinen gedenke, ist irrthümlich, desgleichen die Nachricht von einem bevorstehenden Ein­treffen des Kaisers von Oesterreich. Der Besuch Allerhöchstdesselben ist erst in zwei bis drei Wochen zu erwarten und kann auch für jene Zeit noch nicht als definitiv feststehend betrachtet werden."

B erli n, 2. August. Nach den neuesten Wahlergebnissen ge­winnen die beiden conservativen Fractionen 3035 Sitze Die Pro­vinzen Preußen und Pommern haben fast durchweg confervativ ge­wählt. (Frftr. Ztg)

Berlin, 2. August. Nachdem unter dem Vorsitze des König­lichen Ober-Berghauptmanns und Direttors der Bergwerks Abtheilung im preußischen Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbei­ten, Dr. Serlo, die aus den Mitgliedern, Geheimen Kommerzien-Rath