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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
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80 Psg.
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Freitag Den 26. Juli. 187b.
Ltstellungeu
auf den
„Hanauer Anzeiger" für die Monate August und September werden von allen Post- anst alten, sowie von der Expedition (Hammergasse 9) Waisenhaus entgegengenommen.
Amtliches.
Gefunden: An dem Wald bei Wilhelmsbad etwas über 1 Mark baar. Ein rechter wildlederner Handschuh. Eine Blechbüchse mit Kaffee, A. L. gez. Ein Stück Gummielastikum in ein 4eckiges Holzstäbchen eingelegt. Eine Partie Eisendeabt. Ein gelber Strumpf. Eine von einem Medaillon abgebrochene goldene Nadel.
Zugelaufen: Ein schwarzer Schäferhund männlichen Geschlechts, mit einer Narbe am rechten Auge; Empfangnahme bei Conrad Roll zu Hirzbacherhof bei U arköbel.
Hanau am 26. Juli 1878.
Aus Königlichem Landrath samt.
Rundschau.
R. F. Der Gesundheitszustand des Kaisers Wilhelm hat sich in den letzten Tagen im erfreulichsten Maße gehoben, so daß der Kai'er, begünstigt durch das schöne Sommerwetter, nicht nur am 20. und 21. Juli Spazierfahrten unternehmen konnte, sondern der erhabene Monarch ist auch bereits am 22. Juli nach seiner Sommerfrische Babelsberg in der Nähe von Berlin übergesiebelt. Dort in der ländlichen Ruhe und Frische hofft man eine weitere Stärkung der körperlichen Kräfte des Kaisers zu erreichen und gewiß wird auch Geist und Gemüth des hohen Herrn während seines Aufenthaltes in Babelsberg mehr und mehr gehoben werden. Empfing der Kaiser doch auch bereits hin und wieder einen höheren Beamten, der ihm Borteäge über Regierungsangelegenheiten halten mußte. Auch bezüglich der diesjährigen Kaisermanöver ist zu erwähnen, daß dieselben nur für das fünfzehnte Nrmceccrps abbestellt wurd-n, während es auf den Wunsch des Kaisers bezüglich des elften Armeecorps bei den getroffenen Manöverdispositionen bleibt.
Auf eine Beiordnung des Kronprinzen Friedrich Wi Helm, welche vom stellvertretend, n Kanzler Grafen Stolberg gegengezeichnet ist, wurde das seit dem 7. Juli vorigen Jahres für Deutschland erlassene Pferde- ousfuhroerbot wieder aufgehoben. Die Aufhebung dieses auf eine etwaige Mobilisirung Bezug labenden Verbotes konstatirt offenbar auch äußerlich die friedliche Wendung in der politischen Lage, wie sie seit der Vollendung des Congießwerkes ihren Anfang genommen hat.
Als Nachfolger des Prinzen Reuß, bisherigen deutschen Botschafters in Konstant,nopel, ist der deutsche Gesandte in Madrid, Graf Hatzfeld, ernannt worden. Deutschland wird also seine Botschaft bis auf Weiteres in Konstantinopel noch beibehalten, da die Ausführung des Berliner Vertrages dies erheischt. Das Projekt, die d utsche Botschaft in Konstantinopel in eine Gesandtschaft zu verwandeln, dürfte daher erst später zur Verwirklichung kommen.
Außer dem schon mehrfach erwähnten Socialistengesetze wird auf den dringenden Wunsch des Reichskanzlers der künftige Reichstag sich auch mit denjenigen Angelegenheiten beschäftigen, welche häufig Anlaß zu Unzufriedenheit und Viraitterung im Volksleben gaben und wird deshalb hauptsächlich das Gesetz gegen die Lebensmittelverfälschung, für welches noch immer neue Gebiete erschlossen wurden, in der nächsten Reichstagssession noch einmal zur Teiathung kommen.
In dem schweren Unglücksfalle, welcher der deutschen Marine eins ihrer stärksten Panzerschiffe kostete und dessen zahlreiche Mannschaft fast sammt und sonders vernichtete, find die Untersuchungen der kaiserlichen Hacariekommission nunmehr soweit gediehen, daß das kriegsgerichtliche Verfahren gegen die betreffenden Personen eingeleitet werden konnte. Was bis jetzt über den Erfolg der Untersuchungen verlautet, scheint darauf hinzuweisen, daß man keiner Person, sondern nur unglücklichen
Umständen die Schuld am Untergänge des „Großen Kurfürst" beimessm kann.
In der Angelegenheit des deutsch-österreichischen Handelsvertrages, der bekanntlich seit vorigem Jahre von einem Provisorium zum andern geschleppt wird, sollen nach den Unterredungen, welche der Fürst BiS- marck mit dem Grafen Audrassy während der Congreßtage über den Handelsvertrag gehabt hat, die Dinge so weit vorgeschritten sein, daß die betreffenden Abgesandten Deutschlands und ' Oesterreichs demnächst wieder zusammentreten können, um die Verhandlungen zu einem gedeihlichen Abschluß zu bringen.
Der sächsische Landtag hat in dieser Woche eine bedeutungsvolle Regierungsvorlage genehmigt. Nach derselben wird der Staat autori- siit, sämmtliche Privatbahnen Sachsens mit Ausnahme der Linie Chem- nitz-Würschnitz anzukaufen.
Nachdem seit dem Abschlüsse des Berliner Vertrages die große orientalische Frage vorläufig aufgehört hat zu existiren, beschäftigen die kleinen fragen des Orieuts in keinem geringen Maße die politische Weit. Oesterreich pflegt seit Wochen mit der Pforte Unterhandlungen wegen der Besetzung BoSniens und nach den neuesten Berichten Mehe- med Ali Paschas und Karatheodori Bcy's aus Wien sollen die Verhandlungen zu einer gütlichen Verständigung führen. In Wien scheint man indessen thatsächlich einige Skrupel wegen der Annexion BoSniens zu fühlen. Dieselbe ist weder bei der österre chiscken noch bei der ungarischen Bevölkerung der Habsburger Monarch-e populär, weil man die für Oesterreich politische Nothwendigkeit, Bosnien zu annektiren, nicht einsieht. Für die österreichische Regierung bbibt die Occupation Bos- niens jedoch Lebensfrage und man wird längstens die Ratifikation des Berliner Vertrages abwarten, um dann rechtskräftig BoSnien durch österreichische Trupp.» besetzen zu lassen Der Feldzeugme-ster Philippo- witsch, der Commandant der österreichischen Occupanoostrupperi, ist bereits.nach der Grenzstadt Brod abgereift und dürfte demnach dre Occupation Bosniens auch schon früher beginnen.
In England kann man wegen der Orientfrage zwei vollkommen verschiedene Strömungen beobachten Die Mehrheil des englischen Volkes billigt die Politik des Lord of Beaconsfield, weil sie die Vortheile einsieht, welche der Besitz von Cypern der englischen Handelspolitik im Orient bringt und es werden schon Stimmen in England laut, welche den Lord of Beaconsfield zum Herzoge von Cype:n erhoben wissen wollen, außerdem erfreut sich der Lord of Beaconsfield des vollsten Vertrauens der Königin Victoria und ist vor wenigen Tagen durch die Verleihung des Hosenbandordens, dem höchst» englischen Orden, von der Königin ausgezeichnet worden. Aber für die englische Oppositionspartei existiren derartige Thatsachen nicht im Geringsten. Bei den Gegnern des Torykabinets ist der Lord of Beaconsfield ein alter Narr oder gar ein politischer Verbrecher, den man wegen der schlechten Wahrung der englischen Interessen auf dem Songreffe vor ein Gericht stellen müsse. So gehen die Meinungen der englischen Politiker auseinander. Doch das Resultat der Beacvnsfield'schen Politik wird dadurch nicht im Geringsten irritirt. Der General Wolseley ist mit 1700 Mann englischen Truppen in Barnaka auf Cypern bereits am 22. Juli eingetroffen und hat im Namen der Königin von England eine Proklamation erlassen, in welcher Reformen zur Hebung des Handels und des Ackerbaues versprochen werden. Ferner ist ein von der englischen Regierung unterstütztes Somit6 bemüht, der Türkei ein bedemends Anlehn zu verschaffen, damit dieselbe sich unter der Aegide Englands entsprechend reor,a- nisiren kann. Im Uebrigen sieht man in England die Dinge sehr friedlich an, denn die Entlassung der Reservisten und Miliztruppen ist von dem Staatssekretär des Krieges angeordnet worden.
Die Agitationen in Italien wegen der uopatriot.schen Politik der Regierung und der Befreiung Triefts und des Tridentino vom österreichischen Joche nehmen fast einen abscheulichen Charakter an. In Rom und den meisten anderen italienischen Städten finden Zuscmmenkünfre der Ultraradikalen statt, in welchen europäische Staatsmänner beschimpft und allerlei extravagante Reden gehalten werd.n. Der Spektakel ist auch für die italienische Regierung bereits so unangenehm geworden,