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^ 169.
Dienstag den 23. Juli.
187b
Amtliches.
Zur Anlage der Hanau-Friedberger-Bahn ist der Geländeerwerb in der Gemarkung Ostheim von nachstehenden Parzellen erforderlich:
Eigenthümer
Seite des Katasters
Flöch-n- mhalt der abzutre- tenden Theils
Bezeichnung nach der Lage.
Wilhelm B r od t 3r
Johann Georg Brust 3r
Johann Georg Carl
Nachdem die Königl. Direktio
ab
272
71
i der M
8 Ar
98 Ü-M
3 Ar
70 ^-M.
3 Ar
63 □ M ain-Weser-
An derSlaadter Waide, do.
Auf dem Gäns- lingLberg.
Bahn die F«st-
stellung der für die vorbezeichneten Parzellen zu gewährenden Entschädigungen beantrrgt und die Königliche Regierung zu Cassel mich behufs Leitung des Entschädigungsverfahrens auf Grund des Gesetzes vom 11. Juni 1874 zu ihrem Commissarius ernannt hat, habe ich zur Abschätzung der genannten Parzellen durch die von der Königlichen Regierung ernannten Sachverständigen Termin auf Montag den 2 9. d. M., Vormittags lO'/s Uhr, in dem Rathhaus zu Ost heim anberaumt, zu welchem etwaige unbekannte Theiln-hmer, welche bei dem Entschädigungsverfahren ein Interesse zu haben vermeinen und bis jetzt noch nicht zugezogen sind, hierdurch unter der Verwarnung vorgeladen werden, daß im Ausbleibungsfalle die Entschädigung ohne ihr Zuthun festgestellt und wegen Auszahlung und Hinterlegung der Entschädigung verfügt werden wird.
Hanau am 20. Juli 1878.
Am Freitag den 26. d. Mts. findet auf der großen Wiese an den Schießständen in der Richtung auf Bruchköbel und Langendiebach von Morgens 7 Uhr bis Nachmittags 2 Uhr ein Schießen mit scharfen Patronen statt. Zu dieser Zeit dürfen die von Bruchköbel und Langendiebach nach Hanau führenden Fußwege nicht betreten werden.
Hanau am 20. Juli 1878.
Der Land: ath.
Rundschau.
R F. Aus der Reichshauptstadt kam beim Beginn der neuen Woche die erfreuliche Kunde, daß der Kaiser Wilhelm wieder seine Spazierfahrten an sonnigen Nachmittagen unternimmt und diese Thatsache dürste ein neuer Beweis dafür sein, daß der geistige und körperliche Zustand unseres erhabenen Kaisers abermals bessere Fortschritte gemacht hat. Wenn das sonnige Wetter anhält, dürfte nun wohl auch der Zeitpunkt sehr nahe sein, wo der Kaiser nach seiner Sommerresidenz Babelsberg übersiedelt. Sonstige Nachrichten über die Dispositionen bezüglich der Lebensweise und der Pläne des Kaisers sind sammt und sonders sehr vorsichtig aufzunehmen, da der Kaiser und seine hohe Umgebung wohl manche Wünsche in diesem Sommer in Bezug auf Erholungsreisen, Manöver und Regierungsgeschäfte realisiren möchte, aber die Durchführung dieser Wünsche hängt doch lediglich von dem Kräfte- zustande des Kaisers ab und dieser Zustand ist abgesehen vrn der letzten Krankheit des Kaisers wegen deS hohen Alters desselben doch sehr pro- blematrscher Natur.
An Stelle des wegen seiner Erholung beurlaubten Fürsten Bis- marck führt der Graf zu Stollberg-Wernigerode die Leitung der Geschäfte als Stellvertreter des Reichskanzlers sowohl für das Reich als auch für Preußen als Ministerpräsident. Der in Kissingen weilende Reichskanzler wird erst beim Beginn der Reichstagssession nach Berlin zurück- kehren, nach dieser Zeit im Herbste aber noch weitere Erholung auf seinen Landsitzen in Varzin oder FriedrichSruhe suchen. Die preußischen Minister sind bis in die letzten Wochen hinein noch alle mit Arbeiten
sehr beschäftigt und werden sie deshalb ihren Urlaub erst im August antreten.
Bezüglich der von der Regierung geplanten Maßregeln gegen die Socialisten hat man gegenwärtig einen der Form nach ganz anderen Weg Ungeschlagen. Während das erste Socialistengesetz vom preußischen Ministerium entworfen und dem Bundesrathe zur Genehmigung vsrge- legt wurde, tat gegenwärtig das Reichsjustizamt als die höchste juristische Behörde die Herstellung eines diesbezüglichen Gesetzentwurfes in die Hand genommen, wodurch marche Uebelstände des ersten Entwurfes beseitigt werden dürften. Die diesbezüglichen Vorschläge des Reichsjustizamtes fassen die Sache auch an mehreren greifbaren Punkten an und verlangen wichtige Umänderungen, re'p Zusätze für das Vereins- und Versammlunasgesetz, sowie für die Preßgesetze. Der neue Gesetzentwurf wider die Socialisten wird daher wahrscheinlich der Mehrheit des Reichstages eher annehmbar erscheinen als der frühere.
Der Wahlkermin steht fast unmittelbar vor der Thür und die Be- sorgniß wird laut, daß viele dem ordnungsliebenden Bürgerstande au- gehörende Wahlberechtigte die hohe Bedeutung der gegenwärtigen Wahlen verkennen möchten. Noch ist immer fast eine Woche Zeit bis zum Wahrerm n und den Vertrauens», ännein in den engeren Wahlzirkeln also noch manche Gelegenheit geboten, für die gute Sache zu wirken und vielleicht Tausende von St mmen zu gewinnen, die am 30. Juli ihr Volum sowohl für die Stärkung der bisherigen Ordnung als auch für die Wahrung der bisher erworbenen öffentlichen Rechte abgeben.
Der König Ludwig von Bayern hat den Landtag bis auf weiteres wieder vertagt. Die Vertagung ist jedenfalls im Hinblick auf die bevorstehenden Reichstagswahlen, an denen viele bayerische Landtagsabgeordnete persönlich betheiligt sind, vom Könige Ludwig verfügt worden.
Einem noch ziemlich dunkel«n Gerüchte zufolge soll auf den Herzog Georg von Sachsen-Meiningen ein mißglücktes Attentat unternommen worden sein, als er in der Umgebung der Stadt Meiningen auf einer Spazierfahrt begriff n war. Aufklärende Nachrichten werden je- denfallS bald Licht in die Affaire bringen.
Da die Ratifikation der Congreßaclen und des Berliner Vertrages durch die Tiactatmächte nur die Bedeutung eines ceremoniellen Abschlusses des Berliner Vertrages hat, so tritt die orientalische Frage gegenwärtig nicht mehr in ihrer früheren Bedeutung auf. Sie ist kein die Großmächte beschäftigender hochpolitischer Conflict mehr, sondern die Einzelangelegenheiten der Orientfrage sind den einzelnen betheiligten Staaten zur Erledigung übergeben und die Orientaffaire erscheint deshalb gegenwärtig bei den betreffenden Mächten als besondere, man möchte fast sagen häusliche Angelegenheit.
Der Occupation Bosniens durch Oesterreich stellen sich gegenwärtig unerwartete Hindernisse entgegen Nachdem die Türkei die mit Oesterreich hinsichtlich der Occupation gepflogenen Unterhandlungen absichtlich in die Länge gezogen hatte, ist sie, wie neuerdings aus Wien berichtet wird, gegenwärtig noch weiter gegangen, indem sie Drohungen fallen ließ, die Oesterreich von der Besetzung Bosniens abhalten sollen. Diese heikle Affaire wird aber demnächst jedenfalls dazu führen, daß die österre chische Regierung der nutzlosen Unterhandlungen müde ihre Truppen gegen den Willen der Türkei und unbekümmert um einen etwaigen Widerstand der türkischen Besatzung BoSnienS ihre Armee in dasselbe einmarschiren lassen wird.
Seit b.m Abschlüsse des Berliner Vertrages beherrscht der englische Premierminister Lord of Beaconsfield die öffentliche Meinung in England gänzlich. Das Geschick, mit welchem er das englische Staatssch ff durch die Klippen der Oricntkrisis führte, hat seine Gegner verstummen lassen und der Lord of Beaconsfield denkt daran, den gegenwärtigen günstigen Augenblick zu benutzen und der Opposition einen schweren Schlag zu versetzen, indem er beabsichtigt, die Auflösung des Parlaments durchzusetzen. Bei den hierauf nothwendig werdenden Neuwahlen dürfte die Opposition dann wohl eine ziemliche Anzahl ihrer bisherigen Plätze im Parlamente verlieren. Am Ende der vergangenen Woche gab der englische Premierminister dem Okerhause auch Rechenschaft über seine Thätigkeit aus dem Berliner Congresse. Dieselbe gipfelte darin, daß