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Montag den 15. Juli. iS^a»
Amtliches.'
Mit Rücksicht auf die in häufigen Fällen vorgekommene mangelhafte und ungenügende Instruktion der Gesuche um Aufnahme taubstummer Kinder in vaS ständische Taubstummen-Jnstitut zu Homberg werden die Betheiligten veranlaßt, sich zur Ausstellung der im §. 8 des Berwaltungs-Reglements vom 3. September 1874 (Amtsblatt Seite 241 ff.) unter 1 bis 3 vorgeschriebenen Zeugnisse künftighin überall des in der Beilage abgedruckten Formulares zu bedienen.
Der Inspektor der Taubstummen-Anstalt ist angewiesen worden, die im einzelnen Falle gewünschte Anzahl von Exemplaren des Formulares auf bezügliches' Nachsuchen gratis zu verabfolgen.
Cassel am 26. Juni 1878.
Der Landes-Director
v. Bischoffshausen.
Vorstehender Erlaß wird den Herrn Bürgermeistern des Kreises zur Beachtung besonders empfohlen.
Hanau, 6. Juli 1878.
Der Landrath.
TageSschau. Postsparkassen.
R. F. Vor etwa zwei Jahren machte unser Generalpostmeister St phan dem Berliner Magistrat die Mittheilung, daß die Postver- Waltung bereit sei, eine Verbindung zwischen der Post und den Spar- lassen eintreten zu lassen, Einzahlungen anzunehmen und Rückzahlungen zu leisten. Postsparkassen, wie sie in England schon seit langer Zeit bestehen, waren damals noch keineswegs beabsichtigt. Seit jener Zeit ist jedoch die deutsche Postverwaltung der mehrseitig angeregten Idee der Postsparkassen nach englischem Muster nahegetreten und es ist gegründete Aussicht vorhanden, daß sich der Plan realisirt.
In England nehmen ca 4000 Postanstalten Einlagen bis zu den kleinsten Beträgen entgegen. Die Sparbücher gelten für jede Postanstalt, so daß überall Einlagen und Zurückzahlungen erfolgen und die Sparbücher überall hin als Zahlungsmittel versendet werden können.
Die Postanstalten sind zur strengsten Discretion verpflichtet und dürfen über die Namen der Einleger rc. an Unbetheiligte keine Auskunft geben. Die eingelegten Gelder werden mit 2^2 pCt. verzinst und der Staat wird Schuldner der Einleger.
Es ist klar, daß ein solches Sparkassensystem, welches fast an jedem Orte die Gelegenheit bietet, auch die kleinsten Ersparnisse sofort ohne jede weitere Mühe zinsbar anlegen zu können, ganz außerordentlich geeignet ist, den Spürsinn zu wecken und den Interessen der zahlreichsten Classen der Bevölkerung, des Arbeiterstandes, besonders auf dem platten Lande Rechnung zu tragen. — Allerdings hat man frühw angenommen, daß die Schwierigkeit der Zurücknahme der Spareinlagen in höheren Beträgen die Spater abhalte, bei jeder kleinen Verlegenheit ihre ersparten Gelder zurückzuziehen. Das hat sich indessen a's eine durchaus falsche Annahme erwiesen. Gerade die durch eine Kündigungsfrist bedingte Zurücknahme der Gelder hat auf einen Irrweg geführt, auf dem schon mancher Sparer sehr viel Geld verloren. Dieser Irrweg ist der Versatz des Sparkassenbuchs, der zwar sehr leicht ist, aber sehr schwere Opfer an Zinsen kostet. Diesem Versetzen würde durch Verkürzung der Kündigungsfrist sehr bald ein Ende gemacht werden. — Hierzu kommt aber noch, daß die Schwierigkeiten, welche die Einzah- lüng der Spargelder macht, oft stärker sind, als der Wille, zu sparen, und daß sehr viele Ersparnisse nicht gemacht werden, die unter anderen Umständen gemacht sein würden. — Das deutsche Reich, dessen Credit «in befestigter ist, kann die Postsparkasse einführen, ohne daß je die Besorgniß vor einer Benachtheitigung der Interessen der Spareinleger entstehen würde, wogegen bisher in mehreren deutschen Staaten das Verfahren der Gemeindesparkassen-Verwaltungen die denselben auf kurze Kündigungsfrist übergebenen Gelder hypothekarisch auf lange Fristen anzulegen, bei einem durch politische Unruhen Uad Besorgnisse plötzlich hervorgernfenen starten Andrange der Einleger schon zu großen Gefahren
geführt hat. — Was das Sparen überhaupt betrifft, so wird von einem Theile der National-Oekonomie behauptet, dasselbe sei für das Volkswohl verderblich und hemme die Circulation des Geldumlaufs. Die 15 Pfennige, die gespart, statt für Bier verausgabt werden, entziehen sich allerdings der Industrie, denn wenn Alles spart, sich Alles auf das Nothwendigste beschränkt, so geht nach der landläufigen Ansicht die Industrie noch mehr zurück. Je mehr Bedürfnisse ein Volk hat, um desto höher entwickelt sich seine Cultur. Der verschwendete Thaler geht der allgemeinen Circulation nicht v.-rloren Wohl aber der zinslos zurückgelegte. — Aber solche Einwände sind nur theilweise begründet. Die einschlägigen Beobachtungen und Erwägungen sind zu sehr von der bevorstehenden Gewerbegesetzgebung und den von der ausländi'chen Con- eurrcnz durch Zölle entgegengesetzren Schranken abhängig, um schon für sich allein zu einem Vortheile zu berechtigtigen. Jedenfalls aber ist Sparsamkeit eine große persönliche Tugend und wenn derselben von Staatswegen durch Errichtung von Postsparkassen Vorschub geleistet werden würde, so könnte dies nur auf das Freudigste begrüßt werden.
Die Schlußsitzung des Congresses am 13. Juli. («. 6. Trib.)
Um 2*/- Uhr Nachmittags traten die Bevollmächtigten zum letzten Acte im Sitzungssaal des Congresscs zusammen. Die Mitglieder des Bureaus waren bereits um 1 Uhr erschienen, um ihre Arbeiten abzu- schließen und Alles für die Unterzeichnung der Tractate vorzubereiten. Die Mitglieder der Congresses erschienen vollzählig. wcd-r Gortschakoff noch Beaconsfield fehlten diesmal. Die Bevollmächtigten trugen kleine Uniform. Die Türken erschienen zuletzt, und als sie eingetreten waren, ergab sich, daß sie — das Siegel vergessen hatten, welches erst herbei- geschafft werden mußte; die Sitzung wurde dadurch um etwas verzögert. Der Director der Berliner Kunstakademie, Professor Anton von Werner, verweilte unter den Bevollmächtigten, um Studeen für das Frescobild zu machen, welches zum Anteaken an den Kongreß das hiesige Rathhaus zieren soll. In einer Loge wohnte, wie man hört, auch die Frau Fürstin Bismarck in Begleitung einiger Damen dem formellen Schlußacte bei.
Die Sitzung selbst währte kaum eine Stunde. Fürst Bismarck eröffnete dieselbe, indem er die Bevollmächtigten aufforderte, nun, da das Friedensweck beendet sei, zur Unterzeichnuiig des Vertrages zu schreiten; er gab zugleich seiner Freude über das Gelingen des Werkes und der Opferwilligkeit Ausdruck, welche alle Mächte zur Herbeiführung und Befestigung des Friedens an den Tag gelegt. Nachdem die Unterzeichnung erfolgt war, erhob sich Graf Andcassy, um folgende Ansprüche an die Mitglieder des Congresses zu halt n (die Anipcache wurde in französischer Sprache gehalten und lautet deutsch wie folgt,:
„Meine Herren! In dem Augenblick, wo unsere Anstrengungen ihren Abschluß in einer allgemeinen Verständigung gefunden haben, wäre es uns unmöglich, mit dem Ausdruck der Anerkennung gegen den hervorragenden Staatsmann zurückzuhalten, der unsere Arbeiten geleitet hat. Unveränderlich hat er das Ziel im Auge gehabt, den Frieden zu erreichen und zu befestigen. Zu diesem Ende hat er alle seine Anstrengungen daran gesetzt, die abweichenden Interessen zu versöhnen und so schnell als möglich der Ungewißheit ein Ende zu machen, die so schwer auf Europa lastete. Dank der We.sheit, der unermüdlichen Thatkraft, mit d.r unser Präsident unsere Arbeiten geleitet, bat er in hohem Grade zu dem schnellen Gelingen des Fried:nswerkeS beigetragen, das wir gemeinsam unternommen haben. Ich bin sicher, der emmüthi- gen Zustimmung dieser hohen Versammlung zu begegnen, wenn ich Ihnen Vorschläge, Sr. Durchlaucht dem Fürsten Bismarck den Ausdruck unserer wärmst« n Dankbarkeit zu bringen. Auf dem Punkte, uns zu ttenmn, glaube ich ferner auch Ihren Empfindungen am Besten zu entsprechen, wenn ich unseren ehrervieiigen Tank ausspreche für die huldvolle Gastfreundschaft, deren Gegenstand wir von Seiten Sr. Moj. des deutschen Kaisers und der erhaben-n kaiserlichen Famckie gewesen sind."
Sämmtliche Mitglieder des Congresses erhoben sich von ihren Plätzen. Fürst Bisma ck dankte für die ihm gewordene Anerkennung