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Freitag den 12. Juli
DieSÄaltizeü-'l-
Amtliches.'
Es ist zu unserer Kenntniß gekommen, daß der Erlaß des vormaligen Kurfürstlichen Ministeriums des Innern vom 24. Mai 1830, welcher gestattet, daß wenn sich nach den Statuten der betreffenden Feuerversicherungs-Gesellschast an bie sechsjährige Versicherungsperiode ein 7. Freijahr anschließt, in dem der Versicherte von der Zahlung von Beiträgen frei bleibt, die deshalbige Verlängerung der Versicherungszeit als rechtliche dem Versicherten zu gut kommei.de Folge der von seiner Seite bisher stattgefundenen Contrakts-Erfüllung nachgesehen werden kann, den Ortspoli-eibehörden, welchen die Visirung der Policen über mit inländischen Versicherungsgesellschaften abgeschlossenen VersicherungsVerträgen obliegt, nicht überall bekannt ist.
Königliche Regierung, Abtheilung des Innern (gez.) Kühne.
Den Herren -Ortsvorständen des Kreises wird vorstehende Verfügung zur Kenntniß und Nachachtung bekannt gegeben.
Hanau am 6. Juli 1878.
Die Herrn Bürgermeister werden aufgefordert, zu der von dem Herrn Stempel-Fiskal beabsichtigten Revision diejenigen Urkunden, Pachtverträge, Auctionsprotokolle, Accordoerhandlungen mit Bauhandwerkern rc. binnen 8 Tagen anher einzusenden, welche den Rechnungs- belägen nicht beiliegen respve. erst in diesem und dem vorigen Jahre ausgenommen worden sind.
Hanau am 9. Juli 1878. __________________ Der Landrath.
Bekanntmachung.
Bei der Postanstalt im Bade-Logirbaus zu Wildungen wird am 10. Juli eine Telegraphenanstalt in Wirksamkeit treten.
Gaffel, 9. Juli 1878.
Der Kaiserliche Ober-Postdirector.
Vahl.
Rundsch an.
R. F. Die guten Hoffnungen auf die Genesung des Kaisers Wilhelm haben sich in der vergangenen Woche im vollsten Maße erfüllt. Kein Verband ist mehr nöthig, um die verwundet gewesenen Arme des Kaisers zu stützen und die Beweglichkeit der einzelnen Kör« percheile hat sich durch die Rückkehr der Kräfte bereits so gehoben, daß der Kaiser in Uniform unbehindert Spaziergänge in den Räumen seines Palastes unternahm. Unter diesen Umständen ist es auch wahrscheinlich, daß der Kaiser Wilhelm d e Congreßdiplomaten vor ihrer Abreise von Berlin in einer Audienz wird begrüßen können, was dem hohen Herrn gewiß zu großer Freude gereichen wird.
Zu Ehren der Congreßbevollmächtigten wird am Sonnabend in Berlin ein großes Hoffest gefeiert werden, bei welchm das kronprinz- liche Paar die hohen Gäste empfangen wird. Diews Hoffest hat insofern eine politische Bedeutung, weil es voraussichtlich den Schluß des Congresses festlich krönen wird. Die deutsche Hauptstadt wird danach die Ehre haben, ein erhabenes Friedenswerk in ihren Mauern vollendet zu sehen.
Seitdem von Seiten der Regierung einige Kundgebungen bezüglich der Neuwahlen für den Reichstag stattgefunden haben, befestigt sich immer mehr die Ansicht, daß es einer Majorität von gemäßigten politischen Elementen gelingen werde, der Regierung im Reichstage die wünschenswerthe Stütze zur Wahrung der gesellschaftlichen und wirth- fchaftlichen Interessen zu gewähren und ist dieses Ziel auch der Wahl- ruf eines großen Theiles der reichssreundlichen Parteien. Trotz der Verwirrung, die mannigfache Gegensätze in vielen Wahlkreisen hervorge- bracht haben, steht doch sicher zu hoffen, daß die reichsfreundlichen Par- leien in großer Mehrheit Sitze im neuen Reichstage erwerben werden, sich auch schon daraus ergibt, weil die Betheiligung an den Wahlen dieses Mal eine viel größere ist, als früher, und die Freunde der
Ordnung, die bekanntlich manchmal sich recht lau erhielten, entfesselt sind, vollzählig ihre Pflicht zu thun.
Außer dem Bundesrathe bereit, n auch mehrere Reichsämter neue Sesetzvorschläge gegen die srciale und wirthschaftliche Krisis vor und ist es in dieser Beziehung haüptsächlich das Reichsjnstizamt und das Reichsgesundheitsamt, welche praktische Vorschläge machen werden, die zu eitler großen Geiamm!Wirkung für die Aufbesserung der Verhältnisse beltrygM sollen. Die von dem preußischen Ministerium ausgehenden finanzMm-- Reformpläne für das deutsche Reich befinden sich nach zuverlüfl'gcn Mittheilungen aus Berlin noch immer in d n vorberathenden Stadien.. Der Fir.anzminifter Hobrecht ist zunächst noch vollständig m't der Wd-si nung der preußischen Finanzen beschäftigt und werden Finanpläne, die auf das Reich Bezug haben. erst in einigen Monaten vom prenIrfchrn Finanzminister ausgestellt werden können.
Sie seit dem 8. Juli tagende Kammer der bey wisch- n ReichZrärhe hat in ihrer Eröffnungssitzung durch ihren Präsidenten auch der fluchwürdigen Attentme aus den Kaiser Wilhelm gedacht und ihre Theilnahme für den erlauchten Monarchen ausgedrückt. In gleicher De.se hat der Alterspräsident Goguel des eb nsalls seit dem 8. Juli t^.ebd.n LandeSaurschusses von Elsaß-Lothrmgen im Namen des LandrsauS- schuss s, welcher mit ganz Elsaß-Lothringen dieselbe Gesinnung trage, feiner tiefen Entrüstung über die gegen den Kaiser Wilhelm Wüwn Schandthaten würdigen Ausdruck verstehen.
Der Großherzog von Weimar feierte in dieser Woche sein silbernes RegierungSjubilänty, bei welchem Feste sehr hohe Gäste, von bereit wir nur die Könige von Sachsen und Holland erwähne-, zugegen wären. Auch die Bevölkerung des Großherzogthums betheil'gte sich sehr rege an dem Ehrenfeste ihres kyrkn und kunstsinnigen Regenten.
Die letzten Stadien der Congreßverhandlungen waren nicht ranz wolkenlos und sogar eine kurze Zeit Gefahr drohend. Die Fra < wegen Batum schleppte sich ungelöst durch mehrere Sitzungen des" Con- gresses hindurch, bis endlich Batum als Freihafen Rußland zuerkannt wu.de und die näheren Vereinbarungen über diele Stadt nebst Gebiet zwischen England und Rußland vereinbart werden sollen. Die griechische Frage wurde vom Gongreffe gewissermaßen nur in der Theorie --löst, da es der Türkei und Griechenland Vorbehalten bleibt, die betreffenden Reformen auf Krela, in Thessalien und EpiruS durchzuführen wuö ist diese Seite der Congreßverhandlungkn ein wunder Fleck, der bei einer möglichen Collision Griechenlands mit der Türkei zu neuen Berathungen der Großmächte führen kann. Im Nebligen blieb der Congreß bei den gefaßten Beschlüssen und ist nur noch nachzutragen, daß bezüglich der bosnischen Frage Oesterreich und'die Türkei sich einigten, so "daß die demnächstige Besetzung Bosneens durch österreichische Truppen eine friedliche sein wird. Bezüglich Antivaiis, der Hafenstadt am adriatisch-n Meere, hat zwar Montenegro das Besitzrecht, aber auch Oesterreich hat dort besondere Privilegien. Die Rumänen sind mit der Heraus-.abe eines Theiles von Bessar abien an Rußland für die Erwerbung e nes Theiles der Dodrudfcha sehr unzufrieden und ist die Gefahr eines eir lest Conflicts zwischen Rußland und Rumänien noch vorhanden, da nach Nachrichten aus Bukarest die Rumänen Bessarabien nicht Mwillig eün- ' men wollen. Berhältnißmäßig am zufriedensten sind die Serben. Der, der Eröffnung der Skuptschina erklärte der Fürst Karl in einer ThrWt rede, daß Serbien zum Danke gegen die Großmächte verpflichtet feb dg dieselben d'e, Folgen des serbischen Krieges gegen die Türkei für W dien günstig gestaltet hätten. Durch da; auf dem Gongreffe bot si p tirte Einverständniß der Großmächte darf im Allgemeinen das Frd,r.S- Werk in feinen Grundlagen als gesichert gelten und werden einzelne- - untergeordnete Streitigkeiten dasselbe niemals gefährden. Die Resu.rate ; des Gongreffts werden zufammengefaßt in einem „Berliner Vertrag der Großmächte" und dürfte derselbe am 13. IM bereits «nlrrzerchnet- werden.
England hat noch in letzter Stunde, ohne daß auf d m Cene-eßn etwas diesbezügliches verhandelt wo.den wäre, eine eigenthümliche Stel^ hing zur Orients rage gefaßt, es hat sich zum Protektor te; Türkei in Asien aufgedrängt. Die betreffenden Erklärungen der englischen Reg!--