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es ist dann von allen Mächten einhellig die Nothwendigkeit ausgesprochen worden, daß die Türken in irgend einer Weise ihren bisherigen Widerspruch fallen lassen müßten. Die türkischen Bevollmächtigten sagten zu, sofort neue Instruktionen einzuholen, deren Eintreffen erwartet wirb. Ein Mandat für Oesterreich zum Einmarsch in Bosnien kann nur durch Congreßbeschluß ertheilt werden, dieser wiederum erfordert Einstimmigkeit. Sollte sich letztere durch aufrecht erhaltene Schwierigkeiten der Türken nicht erzielen lassen, so wird Oesterreich unter dem bereits zu- geiagten Einverständniß sämmtlicher europäischer Mächte Vorgehen. Die Angabe, daß der türkische General Mehemed Ali bereits seine Abreise vorbereite, ist falsch. Lady SaliSbury wird übermorgen hier ein- tieffen
— Berlin, 2. Juli. (Köln. Ztg.) Die Vertreter Rumäniens sollen Instruktionen von Bucharest erwarten, ob sie gegen die Beschlüsse des KongreffeS wegen Bessaramens Einspruch erheben sollen. Jedenfalls wird die Frage, ob Rumänien die Dobrudscha annehmen soll, den Kam- me n der Landes selbstverständlich unterbreitet werden. Der Ausgleich wäre ohne Zweifel leichter, wenn Rumänien die ganze Dobrudscha bis Kav.ena erhielte, welches für den Bau eines Hafens besser geeignet scheint als Küstendsche.' Man nimmt an, daß bei dem durch Congreß- beschluß Rumänien zugewiesenen Theil der Dobrudscha das Donaudelta mit Ausnahme der Kiliamündung einbegriffen ist, wie das ja Rußland selbst -war nicht ausdrücklich im Vertrage von San Stefano, aber doch in dem Gortschakowstchen Rundschreiben vom 7. April angeboten hatte. Im Uebrigen werden die genaueren Gränzen, auch wegen der Dobrudscha, wohl erst wie in den anderen Fällen durch eine Commiffion sestgestellt werden.
— Berlin, 2. Juli. Der Congreß behandelte heute dem Vernehmen nach die Donaustage. Oesterreich soll, nach der „Köln. Ztg ", die Neutralisation vorgeschlagen haben, so wie eine Ausdehnung ber Co upetenz der Donau-Commiffion. Die Mächte sollen keinen Widerspruch erhoben haben und die Angelegenheit wurde der Commission des Cougreffes überwiese» Außerdem wurde vorläufig die Kriegsentschädigung Rußlands erörtert. Rußland soll erklärt haben, es werde für die bekannte Summe von vierzig Millionen Pfund keine Entschädigung durch Gebietsabtretung verlangen. Wie es heißt, werden m hrere Mächte erklären oder haben schon erklärt, daß die russische Entschädigungsforde- rung die Rechte der Gläubiger der Türkei nicht beeinrächtigen könne.
— Berlin. In die Wahlagitation zum neuen deutschen Reichstag werden diesmal alle deutschen Kriegervereinsverbände geschlossen ein« treten, und es wird demnächst zu diesem Zwecke ein gemeinsamer Aufruf von den Besitzenden der einzelnen Verbände erlassen werden. Dieses Vorgehen ist ein außerordentlich bedeutsames, da es ungefähr 80u0 Krieger- und Landwehrvereine gibt, die etwa 80,000 Mitglieder zählen, welche Gegner der Socialdemokratie sind. (Trid.)
— In vollster Frische und Rüstigkeit trat am 29. Juni Prinz Karl von Preußen in sein 77. Lebensjahr. Am Tag vorher hatte Prinz Karl seinem kaiserlichen Bruder in Berlin einen Besuch abgestattet und von diesem d'e herzlichsten Glückwünsche persönlich entgegengenommen.
— Der Reichskanzler hat dem Bundesrath 1) den am 1. Juni 1878 zu Paris unterzeichneten Weltpostvertrag nebst erläuternder Denkschrift, 2) das am 1. Juni 1878 zu Paris geschlossene Uebereinkommen, betreffend den Austausch von Briefen mit Werthangabe, sowie 3) das am 4. Juni 1878 zu Paris geschlossene Uebereinkommen, betreffend den Austausch von Postanweisungen, nebst einer erläuternden Denkschrift, zur Beschlußnahme vorgelegt.
— Nach einer Verfügung des Chefs der Admiralität vom 22. v. M haben die Kommandanten in Dienst gestellter Schiffe und Fahrzeuge beim Ankauf von Kohlen sich zunächst zu vergew'ssern, ob solche deutschen Ursprungs zur Stelle sind und ist unter gleichen Verhältnissen der Beschaffenheit und des Preises den deutschen Kohlen vor fremdländischen unbedingt der Borzug zu geben.
— In denjenigen Festungen, wo neben dem Gouverneur ein Kommandant angestellt ist, sind, nach einer Allerhöchsten Ordre vom 20 v. M., dem Letzteren die Angelegenheit des Garnisondienstes in der vom Gouverneur zu bestimmenden und nach Umständen zu verändernden Begrenzung als Wirkungskreis zuzutheilen. Die Verantwortlichkeit des Gouverneurs wird hierdurch nicht berührt; er behält über die dem Kommandanten übertragenen Angelegenheiten die obere Aufsicht und zu selbständigen Anordnungen im Bereiche der letzteren die Berechtigung. Auch darf er dem Wirkungskreise des Kommandanten andere, zum Garni fonbienft nicht gehörende Dienstzweige zeitweise oder dauernd hinzufügen. Für den sich hiernach bestimmenden Wirkungskreis sind dem, einem Gouverneur unterstellten Festungs-Kommandartten in Aenderuug des §. 16 der Disziplinar-Strasordnung vom 31. Oktober >872 die Diszi- plinar-Strafbefugnisfe eines Regiments Commandeurs übertragen worden. Diese Bestimmungen finden sinngemäße Anwendung auch auf solche Festungen, in welchen neben dem ersten Kommandanten ein zweiter Kommandant angestellt ist.
— In einer Untersuchung gegen einen Buchdruckereibesitzer wegen
Herstellung einer zur Verbreitung bestimmten Druckschrift, ohne Nennung des Verlegers derselben, hat das Ober-Tribunal durch Erkenntniß vom 29. Mai b. J. ausgesprochen, daß der Drucker einer zur Verbreit ng bestimmten Druckschrift sowohl für die Nennung seines Ra uens und Wohnorts, als auch für die Nennung des Verlegers, Verzug rL und Herausgebers verantwortlich ist.
— In Nodilings Lazarethzelle wurde am vorigen Mittwoch der Wirth aus dem Jägerkeller geführt, um Nobiling als seinen früheren Stammgast zu rekognosziren. Nobiling lag auf seinem Bett und sah den Wuth m't lächelnder Miene au, ohne ein Wort zu sprechen. Der Wirth erkannte ihn mit voller Bestimmtheit wieder und glaubt auch, daß Nobiling ihn erkannt hat.
— Hamburg. Ein Weinreisender aus Köln, in einem hiesigen Hotel wohnhaft, ist an einer kleinen Wunde, die an der Stirn entstand, schwer erkrankt, da eine bedeutende Anschwellung eintrat. Die Ursache ist Blutvergiftung, he beigeführt durch das weiße Schweißleder des Hutes, das mit Bleioxyd durchtränkt ist. Der Erkrankte mußte in's allgemeine Krankenhaus gebracht werden. Der Hut ist französisches Fabrikat.
— Wie das „Chemnitzer Tageblatt" meldet, ist der bekannte socialistische Agitator Most dem Vernehmen nach durch das dortige Polizeiamt dieser Tage unter Verbot der Rückkehr aus Chemnitz ausgewiesen worden. Herr Most wird demnach sobald er den Rest seiner Strafe verbüßt hat, die dortige Stadt zu verlassen haben.
— München, 2. Juli. (R- u. St-A.) Der Landtag wurde heute von dem Präsidenten von Ow mit einer Rede eröffnet, in welcher er der Attentate geg n Se. Majestät den Kaiser gedachte und das HauS aufforberte, seinem Abscheu gegen dieselben, seiner Theilnahme für den Kaifer, sowie dem Danke zu Gott für die Errettung Sr. Majestät durch Aufstehen Ausdruck zu geben. (Las Haus erhob sich) — Im Verlaufe der Sitzung wurden die Austrittsgesuche der Abg. Schmidt (liberal), Seitz und Häuffer (Patrioten) genehmigt. — An neuen Vorlagen sind eingegangen: Der Militäretet pro 1878/79, eine Vorlage, betreffen» die Erweiterungs- und Neubauten für die in Betrieb befindlichen Staatsbahnen, und außerdem ein Gesetzentwurf, betreffend die Pfälzischen Bahnen. Die nächste Sitzung finoet am 6. d. M. statt.
— Paris, 2. Juli. Gestern Abend waren wiederum viele Häuser illuminirt Die Vorstädte, wo Jahrmä kte abgehalten werden, waren sehr belebt. Eine größere Anzahl von Arbeiterhaufen durchzogen wieder mit Fahnen und Laternen so wie unter dem Aosingen der Marseillaise die Stadt. Dieselben scheinen aber der schlimmsten Classe an- zugehören. (Söln. Ztg )
— Die türkischen Eisenbahnen (so schreibt die Wiener N. Fr. Pr.) gehören bekanntlich einer Gesellschaft, welche vor einiger Zeit eine österreichische geworden ist. Das Netz der türkischen Bahnen, soweit es besteht, theilt das Schicksal der Bestandtheile ber europäischen Türkei. Es wird in Hinkunst eine rumelisch:, eine bulgarische und eine bosnische Bahn geben, die insgesammt im Betriebe einer österreichischen Gesellschaft stehen. Es scheint, oaß Graf Andraffy speziell mit Bezug auf die Frage der Eisenbahnen zu einer Verständigung mit Rußland gelangt ist, welche manche von ihm in anderer Beziehung gemachte Zugeständnisse erklärt. Diese Eisenbahnfrage, welche nicht blos wirtyschafttich, sondern auch politisch von weitreichender Bedeutung ist, zerfällt in zwei Theile: in den Der bestehenden und in den der noch zu bauenden Linie». Zur vollen Bedeutung gelangt d e orientalische Eisenbahnfrage erst an dem Tage, wo die Verbindung der österreichischen mit den orientalischen Linien verwirklicht sein wird. Hier eröffnet sich der Arbeit im Frieden ein weiter Horizont. Sind erst die bosnischen Linien hergestellt und mit den ungarisch-kroatischen unb dalmatinischen Linien in Verbindung gebracht, ist die Eisenbahnverbindung über Serbien verwirklicht und die Fahrt nach Konstantinopel und Salonichi ohne Unterbrechung ermöglicht, dann wird man wohl sagen können, daß die deiühmte Lehre von der Verlegung des österreichischen Schwerpunktes nach dem Osten eine Wahrheit geworden sein wird. Fürwahr eines der gewaltigsten Ergebnisse des Berliner Kongresses!
— New- Aork, 1. Juli. Der Dampfer „Egypt" von der National-Dampfschiffs-Compagnie (C. Messingsche Linie) ist hier einge- troffen.
Lokales.
Hanau, 3. Juli 1878.
,— (Impfung.) Stadt Hanau: Den 3. Juli, tim Nachmittags 3 bis 6 Uhr: Impfung der Zöglinge (Knaben.) — Den 4. Juli, Vormittags 9 Uhr: Revision in Niederiisigheim und Vocm 10 Uhr in Oberiffighe>m. — Den 5. Jmi, Vormittags 10 Uhr: Revision in Rücklagen.
— In gestriger Mitglieder Versammlung der Fortschrittspartei wmde mit großer Majorität ein Zusamm n .ehen mit der natio.ml- liverulen Partei bei der bevorstehenden Reichska^swahl beschlossen.
Sh. (Eingesandt.) Bekanntlich verlleivt nn|<r Thurmmächter Herr Schlebelhut von 5 Uyr früh bis 10 Uhr Abends aus seinem