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Die SspaltigeZeile

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NL 151.

Dienstag den 2. Juli.

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Amtliches.

Metzger Philipp Odem er zu Preungesheim hat um Gestaltung zur Anlage einer Schlächterei in der dem Friedrich Zorbach gehö­rigen Hoftaithe Karte L. Nr. 201 (Brandversicherungs-Nr. 10) in der sogenannten Weinstraße nachgesucht.

Nach §. 16 der Gewerbe-Ordnung vom 21. Juni 1869 wird dieses hiermit publizirt und bemerkt, daß die Pläne und Beschreibun­gen 14 Tage lang dahier offen liegen, während welcher Zeit etwaige Einwendungen bei Meidung der Ausschließung vorzubringen sind.

Hanau am 26. Juni 1878.

Zugeflogen: Ein gelbes Huhn.

Gefunden: Ein Hundemaulkorb. Ein Regenschirm. Ein leeres Portemonnaie. Ein Bücherhalter. Eine Wagenrunge.

Hanau am 2. Juli 1878.

Königliches Landrathsamt.

Rundschau.

R. F. Der Verlauf der Genesung des Kaisers Wilhelm ist in den letzten Tagen ein außerordentlich günstiger gewesen. Die Wundm des Kaisers sind bis auf zwei geheilt, wodurch alsbald auch eine natur­gemäße größere Zunahme der Kräfte des erlauchten Herrn stattsand und für die baldige vollständige Genesung des geliebten Reichsober­hauptes nunmehr die günstigsten Aussichten eröffnet wurden. Was die Frage eines Luftwechsels für den Kaiser anbetrifft, so sind die Angaben darüber sehr schwankend, zumal auch der Kaiser Wilhelm geäußert hat, daß er lieber in Berlin bleiben, als einen Aufenthalt auf dem Lande nehmen wolle, wo es für ihn keine geistige Anregung gebe.

Die wegen der schmählichen Attentate auf den Kaiser Wilhelm hervorgerufene Bewegung im deutschen Volke hat eine große Anzahl hervorragender Patrioten Deutschlands, an deren Spitze der Feldmar­schall Moltke steht, veranlaßt, einen Aufruf zum Darbringen einer Kaiser-Wilhelmsspende an das deutsche Volk zu richten, welche einem humanen Zwecke dienen soll. Der Aufruf wird in ganz Deutschland ausführlich bekannt gemacht werden und darf eine millionenfache Folge­leistung desselben wohl über allen Zweifel erhaben sein. lJn unserer letzten Samstagsnummer findet sich der Aufruf abgedruckt. D. Red.)

Für die Reichshauptstadt ist laut kaiserlicher Verordnung eine Maßregel getroffen worden, welche ein Zeugniß vom Ernste der Lage gibt und vielleicht auch im Zusammenhänge mit weiteren politischen Mordplänen steht, die man in Berlin fürchtet. Für jeden Fremden oder neuzugezogenen Bewohner Berlins ist bis auf Weiteres der Paß- zwang eingeführt worden, wonach jede betreffende Person durch ent­sprechende Papiere sich über ihre Individualität ausweisen muß. Diese Maßregel ist durchaus gesetzmäßig, denn sie stützt sich auf §. 9 des Paßwesens und es ist daher zu wünschen, daß die Bevölkerung in An­betracht der schwierigen Zeitverhältnisse sich dem betreffenden Gebote fügt.

An die Thatsache, daß der deutsche Botschafter Prinz Reuß in Konstantinopel nach Wien versetzt worden ist, um dort die Stelle der in die deutsche und preußische Regierung eingetretenen Grafen Stollberg zu ersetzen, knüpft sich noch eine weitere, daß die Reichsregierung be­schlossen hat, ihre Botschaft bei der Pforte aufzulösen und dieselbe in eine gewöhnliche Gesandtschaft zu verwandeln. An die Spitze dieser Gesandtschaft wird wahrscheinlich der gegenwärtige preußische Gesandte in München, Baron v. Werthern, treten. Diese Maßregel der Reichs­regierung ist nur zu billigen, denn beim untergehenden Halbmond braucht das im Orient wenig interessirte Deutschland keine kostspielige Vertre­tung ersten Ranges mehr. Ob auch die anderen Großmächte diesem Beispiele Deutschlands folgen werden, steht zu bezweifeln, da diese we­gen ihrer hervorragenden Interessen im Orient ein größeres Gewicht als Deutschland auf ihre Beziehungen zur Pforte legen müssen.

Die deutsche Wahlbewegung bietet noch immer wenig Erfreuliche- dar, da an Stelle der Vereinbarungen und friedlichen Auseinandersetzun­gen noch immer die Parteihetze und Zersplitterung ihr wüstes Spiel treibe». Auch das in der vergangenen Woche von der Regierung aus- gegebene Wahlprogramm hat zunächst wenig zur Klärung in der Wahl­

bewegung gidient, da die Ziele in dem betreffenden Programme wohl unantastbar sind, aber die einzelnen Wege, auf denen man zu diesen Zielen gelangen will, in dem Programme nicht erwähnt wurden. Man kann dies allerdings auch nicht ohne Weiteres von der Regierung ver­langen, da i derartige Auseinandersetzungen mehr in das Gebiet der Ge­setzesvorlagen gehören.

Am Anfänge der verflossenen Woche begann der Congreß nach der kundgegebenen Nachgiebigkeit Rußlands unter den günstigen Voraus­setzungen die Fortsetzung seiner Arbeiten und dieselben sind thatsächlich vom besten Erfolge bis zur letzten Sitzung des Congresses begleitet worden. Die schwierige bulgarische Frage wurde ziemlich schnell in ihren Hauptfragen erledigt und auch ihre Einzelfragen sind bei ahe zum Abschlüsse gebracht. Ein suzeraines von einem vermuthlich einheimischen Fürsten regiertes Bulgarien und ein autonomes Rumelien unter türki­scher Hoheit werden künftig die östlichen Balkanländer bilden, wobei noch hervorgehoben zu werden verdient, daß der Congreß auf den An­trag Oest meichs für die Staaten Bulgarien und Rumelien auch voll­ständige Freiheit und Gleichberechtigung der religiösen Culte bistrmmt hat. Nachdem so im Osten der Balkanhalbinsel eine Neuordnung der Dinge geschaffen wurde, ist der Congreß auch daran gegangen für den Westen dieser Halbinsel ein Gleiches zu schaffen. Hier gilt es zunächst die Verhältnisse Bosniens und der Herzegowina zu ordnen, wodurch die Interessen Oesterreichs in den Vordergrund treten. Oesterreich, welches an seinen Südgrenzen seit Jahren durch die Unruhen in BoLme» und der Herzegowina belästigt worden ist. verlangt von dem Congresse das Zugeständniß, in jenen Provinzen die Ordnung nach seinem Willen herstellen zu dürfen, wobei allerdings auch den europäischen Interessen Rechnung getragen werden muß. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß Oesterreich bei diesen Bestrebungen mit der Türkei in Confl'.kt geräth, doch wird das etwaige Widerstreben derselben an der Energie Oester­reichs scheitern, da bereits 80,000 Mann österreichische Truppen in Dalmatien und Croatien bereit stehen, um Bosnien und die Herzegowina zu besetzen. Neben der bosnischen Frage wird vom Congresse auch be­reits die griechische diskutirt und wird man hier wohl dem lebhaftesten Widersprüche der Türken begegnen, da dieselben wohl geneigt find, den Provinzen Thessalien und Epirus selbstständige Verwaltung zu bewilli­gen, aber die Abtretung irgend welcher Gevietstheile an Griechenland wollen sie durchaus nicht zugestehen. Rumänien hatte neuerdings einen Protest wegen der Haltung Rußlands an die Großmächte gerichtet, doch fanden gleich darauf auch Besprechungen zwischen den russischen und rumänischen Bevollmächtigten statt und es steht zu hoffen, daß zwischen Rußland und Rumänien in der bessarabischen Streitfrage doch eine Einigung erzielt wird.

In Oesterreich-Ungarn ist nunmehr der neue Ausgleich amtlich publicirt worden und können beide Reichshälften sich des friedlichen Dualismus auf eine längere Reihe von Jahren erfreuen. Auf kaiser­liche Verordnuug wurde auch der österreichische Reichsrath am 27. und der ungarische Reichstag am 30. Juni vertagt. Die Vertagung des letzten geschah in feierlicher Weise durch die Verlesung einer Thronrede durch den Kaiser Franz Joseph in Person.

Die Franzosen sind bestrebt, ihre Weltausstellung so glanzvoll als möglich zu gestalten und sie veranstalten daher ein festliches Schauspiel nach dem andern. Das großartigste von den Bisherigen Festen war aber wohl das am 30. Juni begangene Nationalfest, wo Paris.seinen ganzen Zauber entfaltet hatte, um den anwesenden Franzosen aus der Provinz und besonders auch den Fremden einen pompösen Eindruck von einem französischen Nationalfeste zu bereiten.

Das spanische Königreich, welches fast das ganze Jahrhundert hindurch von den mannigfaltigsten Unglücksfällen heimgesucht wurde, befindet sich in tiefer Dauer wegen des Verlustes seiner jungen Königin, die im Alter von kaum achtzehn Jahren von einem typhösen Fieber derhin gerafft wurde. An dieser Trauer reiht sich aber auch gleichzeitig die politische Sorge an, denn durch die verstorbene Königin war ein Seitenzweig der in Spanien herrschenden Bourbonen mit der Königs­linie vereinigt worden und das Ableben der Königin kann leicht Anlaß zu neuen Thronstreitigkeiten in Spanien geben.